Startseite » Sicherheit » Prävention » Palet­ten

Sicher hochstapeln

Palet­ten

Anzeige
Sobald eine Ware gefer­tigt wird, egal ob für den Export oder den Inlands­markt, muss sie mindes­tens einmal trans­por­tiert werden. Und dafür sind Palet­ten uner­läss­lich. Aber was sind die wich­tigs­ten Sicher­heits­ge­fähr­dun­gen beim Umgang mit den in den Betrie­ben omni­prä­sen­ten Palet­ten – vom Lager bis zum Bela­den der Trans­port­fahr­zeuge?

Dr. Joerg Hensiek

Wenn von Palet­ten die Rede ist, dann meint man in der Regel eine ganz spezi­elle: die soge­nannte Euro­pool­pa­lette, umgangs­sprach­lich auch Euro­palette genannt. Sie ist eine Flach­pa­lette aus Holz mit einer Grund­flä­che von 0,96 qm und den Maaßen 1200 mm x 800 mm x 144 mm sowie einem Eigen­ge­wicht von 20 bis 24 kg.

Eine Euro­palette ist eine soge­nannte Vier­weg­pa­lette, das bedeu­tet, sie kann von allen vier Seiten mit einem auto­ma­ti­schen Flur­för­der­ge­rät, etwa mit einem Gabel­stap­ler oder einem Hubwa­gen, aufge­nom­men und beför­dert werden. Meis­tens werden soge­nannte Vierwege-Flachpaletten aus Holz nach DIN 15146 bzw. DIN 15147 oder Gitter­box­pa­let­ten bzw. Gitter­bo­xen, mit Holz- oder Metall­bö­den, nach DIN 15155 verwen­det.

In den meis­ten Bran­chen verwen­det man am häufigs­ten Holz­pa­let­ten. Dage­gen werden Kunst­stoff­pa­let­ten oder Metall­pa­let­ten als soge­nannte „Sonder­pa­let­ten“ nur rela­tiv wenig einge­setzt. Kunst­stoff­pa­let­ten können sowohl als inner­be­trieb­li­che Lager- und Umschlag­pa­lette zum Beispiel in Feuch­träu­men, Frei­la­gern oder bei holz­emp­find­li­chen Gütern als auch bei regu­lä­ren Trans­port­pa­let­ten für hygiene-sensible Bran­chen (z. B. Phar­ma­in­dus­trie) Vorteile brin­gen. Auch Metall­pa­let­ten, zumeist aus Alumi­nium und Edel­stahl gefer­tigt, werden meist da einge­setzt, wo auf Hygiene großen Wert gelegt wird. Aufgrund der leit­fä­hi­gen Eigen­schaf­ten sind sie auch hervor­ra­gend für den Einsatz in explo­si­ons­ge­fähr­de­ten Berei­chen geeig­net.

Während in klei­ne­ren, manu­ell betrie­be­nen Lagern Palet­ten meis­tens zum Lagern auf dem Boden bzw. in Stapeln einge­setzt werden, werden in großen Logis­tik­zen­tren auch zum Teil riesige Regal­an­la­gen damit bestückt.

Risiko Altpa­let­ten?

Palet­ten sind zwar wich­tig, aber dennoch nur Beiwerk in der Wirt­schaft, da man sie übli­cher­weise wie Strom aus der Steck­dose bekommt. Doch aufgrund der hohen Nach­frage im Zuge des noch immer anhal­ten­den Wirt­schafts­booms muss die Palet­ten­in­dus­trie auf abseh­bare Zeit Sonder­schich­ten schie­ben. Trotz­dem kann sie längst nicht alle Kunden­nach­fra­gen zeit­nah befrie­di­gen. Palet­ten sind zur Mangel­ware gewor­den. Die Folge: Viele Unter­neh­men müssen weiter­hin mit ihren alten und teil­weise abge­nutz­ten Palet­ten arbei­ten. Ist dies auch ein Sicher­heits­pro­blem für Deutsch­lands Unter­neh­men?

Das kann Franco Rovedo von der Berufs­ge­nos­sen­schaft Handel und Waren­lo­gis­tik (BGHW) nicht bestä­ti­gen: „Mir sind keine Unfälle bekannt, die aufgrund alter und zerfal­le­ner Palet­ten gesche­hen sind. Zumin­dest dort, wo Palet­ten schwer bela­den werden, schaut man auch aus wirt­schaft­li­chen Grün­den sehr genau, ob die Palet­ten noch funk­ti­ons­tüch­tig sind.“ Rovedo erkennt viel­mehr die größte Unfall­ge­fahr bei der Stape­lung von unbe­la­de­nen Palet­ten. So zum Beispiel, weil Palet­ten hoch­kant gestellt werden, deshalb umkip­pen und dabei eine Person verlet­zen. Noch schwer­wie­gen­der können Unfälle werden, wenn zu hohe und falsch gesta­pelte „Palet­ten­berge“ auf dem Firmen­hof oder im Lager umfal­len, und mit ihrer ganzen Wucht eine Person tref­fen. „Aller­dings passie­ren mit Palet­ten direkt vergleichs­weise wenige Unfälle. Häufi­ger geschieht es, dass Palet­ten indi­rekt Unfälle verur­sa­chen. Zum Beispiel, weil Palet­ten beim Trans­port auf Rollen- und Ketten­för­de­rern Störun­gen verur­sa­chen und bei der Stör­be­sei­ti­gung Perso­nen verun­fal­len“, so Rovedo.

Siche­rung der Paletten-Ladung

Eine der großen Gefah­ren im Umgang mit Palet­ten besteht darin, dass die Bela­dung mit Waren, mit den soge­nann­ten „palet­tier­ten Lade­ein­hei­ten“, falsch und damit nicht sicher­heits­ge­recht durch­ge­führt wird. Im Folgen­den werden die wich­tigs­ten Metho­den zum siche­ren Stapeln und Zusam­men­hal­ten von Gütern auf Palet­ten vorge­stellt.

  • Zunächst gilt: Bei im Verbund gesta­pel­ten Stück­gü­tern können sich schnell Lücken im Verbund erge­ben. Wich­tig ist daher, dass diese in den einzel­nen Lagen jeweils an einer ande­ren Stelle liegen. Vor allem muss durch die Stapel­weise sicher­ge­stellt sein, dass ein Absin­ken darüber ange­ord­ne­ter Einzel­stü­cke in darun­ter liegende Lücken verhin­dert wird.
  • Auch Säcke lassen sich im Verbund stapeln. Sofern ausrei­chen­des Gewicht und raue Ober­flä­chen vorhan­den sind, erüb­ri­gen sich unter bestimm­ten Voraus­set­zun­gen weitere Hilfs­mit­tel zur Siche­rung der Lade­ein­heit. Aller­dings kann sich bei der Lage­rung von Kunst­stoff­sä­cken durch Staub und Feuch­tig­keit eine Schmier­schicht erge­ben, auf der die Säcke abglei­ten können. Um dieser Gefahr vorzu­beu­gen, werden zur Siche­rung palet­tier­ter Sack­stapel zusätz­lich Schrumpf- oder Stretch­hau­ben, Zwischen­la­gen, Umrei­fun­gen oder Verkle­bun­gen verwen­det.
  • Einzel­stü­cke mit klei­ner Grund­flä­che, die nur schwer aufein­an­der zu setzen sind, da sie leicht verrut­schen können, zum Beispiel Flaschen, werden in Lagen zusam­men­ge­fasst. Als Siche­rung werden Stülp­bö­den verwen­det, die als Zwischen­la­gen und als Stül­p­haube auf der obers­ten Lage
    ange­bracht werden. Bei Stülp­bö­den handelt es sich in der Regel um Karton­plat­ten mit einem allsei­ti­gen Steg­rand, der den gesta­pel­ten Einzel­tei­len einer Lage zusätz­lich seit­li­chen Halt gibt. Zur Siche­rung der Lade­ein­heit sind in der Regel weitere Maßnah­men erfor­der­lich, so etwa die Anbrin­gung einer Schrumpf­fo­lie.
  • Einla­gig auf Palet­ten aufge­setzte Fässer, Trom­meln oder Rollen müssen zusam­men­ge­hal­ten und zum Block verbun­den werden. Die Umrei­fung besteht zum Beispiel aus einem wieder­ver­wend­ba­ren Textil­gurt mit einem Spann­schloss. Durch die Anbrin­gung unter­halb des oberen Deckel­ran­des ist der Gurt gegen Abrut­schen und Verrut­schen gesi­chert. Eine ordnungs­ge­mäße Siche­rung ist dann von beson­de­rer Bedeu­tung, wenn es sich um orts­be­weg­li­che Behäl­ter handelt, die Gefahr­stoffe enthal­ten.
  • Nicht stapel­fä­hige Güter können in Gitter­box­pa­let­ten zu Lade­ein­hei­ten zusam­men­ge­fasst werden; die mit einem „Erhö­hungs­rah­men“ zusätz­lich gesi­chert sind.

Die Palette muss „tausch­fä­hig“ sein

Im bela­de­nen Zustand sind Palet­ten laut Produk­ti­ons­si­cher­heits­ge­setz „tech­ni­sche Arbeits­mit­tel“, unbe­la­den dage­gen „unbe­la­dene Waren“. In beiden Fällen müssen sie so beschaf­fen sein, dass sie die Sicher­heit und Gesund­heit des Verwen­ders und von Drit­ten nicht gefähr­den. Das sind sie in der Praxis aber oft nicht, wenn sie den Lkw-Fahrern im so genann­ten „Tausch­ver­fah­ren“ über­ge­ben werden.

Ist die Euro­palette also defekt, im Bran­chen­jar­gon nicht „tausch­fä­hig“, darf sie weder genutzt noch in den Verkehr gebracht werden – und somit auch nicht an eine dritte Person über­ge­ben werden. Daraus resul­tiert also nun die Pflicht des Empfän­gers von palet­tier­ter Ware, die Palet­ten nach tausch­fä­hig und nicht tausch­fä­hig zu sortie­ren. Werden von einem Betei­lig­ten defekte Palet­ten zum Tausch über­ge­ben, macht sich diese Person straf­bar. Weiter­hin riskiert sie nicht nur, dass zum Beispiel der Fahrer des Transport-LKW die Annahme der Palette verwei­gert, sie kann auch bei der Markt­über­wa­chungs­be­hörde ange­zeigt werden.


Wann sollte man eine Holz­pa­lette ausson­dern?

Da die meis­ten Flach­pa­let­ten aus Holz herge­stellt sind, müssen sie früher oder später ausge­son­dert werden. Dies sollte gesche­hen, wenn eine oder mehrere der folgen­den Fragen mit Ja beant­wor­tet werden können:

  • Fehlt ein Brett, ist es schräg oder quer gebro­chen?
  • Sind mehr als zwei Bodenrand‑, Decken­rand­bret­ter oder ein Quer­brett so abge­split­tert, dass je Brett mehr als ein Nagel- oder Schrau­ben­schaft sicht­bar ist?
  • Fehlt ein Klotz oder ist ein Klotz so zerbro­chen oder abge­split­tert, dass mehr als ein Nagel- oder Schrau­ben­schaft sicht­bar ist?
  • Wurden offen­sicht­lich unge­eig­nete Bauteile zur Repa­ra­tur verwen­det, die zu dünn, zu schmal oder zu kurz sind?
  • Ist der Allge­mein­zu­stand so schlecht, dass die Trag­fä­hig­keit nicht mehr
    gewähr­leis­tet ist (morsche, faule oder mehrere abge­split­terte Bret­ter oder Klötze)?

Praxis-Tipps

Damit Palet­ten nicht zur Gefahr werden, sollte man folgen­des
berück­sich­ti­gen:

  • Nur einwand­freie Palet­ten verwen­den: Keine Palet­ten mit fehlen­den oder defek­ten Bautei­len einset­zen. Defekte Palet­ten müssen entwe­der sofort repa­riert oder aber entsorgt werden.
  • Die zuläs­sige Nutz­last der Palette darf nicht über­schrit­ten werden: Vierwege-Flachpaletten dürfen mit höchs­tens 1.000–1.500 kg belas­tet werden.
  • Die Stapel­höhe von Holz­pa­let­ten soll maxi­mal das 4‑fache der Stapel­tiefe betra­gen.
  • Gitter­box­pa­let­ten nach DIN 15155 mit einer max. Nutz­last von 1.000 kg und einschließ­lich der Grund­pa­lette dürfen höchs­tens 5‑fach gesta­pelt werden.
  • Stapel sind lotrecht zu errich­ten (max. 2 % Neigung).
  • Bei nicht genorm­ten Palet­ten müssen die zuläs­si­gen Belas­tun­gen und Stapel­fä­hig­kei­ten unter Berück­sich­ti­gung der entspre­chen­den Belas­tungs­art durch Einzel­nach­weise vorge­ge­ben werden.
  • Unbe­la­dene Palet­ten soll­ten immer liegend gesta­pelt werden, damit sie nicht kippen.
Anzeige

News­let­ter

Jetzt unse­ren News­let­ter abon­nie­ren

Meistgelesen

Jobs

Sicher­heits­be­auf­trag­ter

Titelbild Sicherheitsbeauftragter 8
Ausgabe
8.2019
ABO

Sicher­heits­in­ge­nieur

Titelbild Sicherheitsingenieur 8
Ausgabe
8.2019
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de