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Organisation der Ladungssicherung

Klare Strukturen und Regeln erforderlich
Organisation der Ladungssicherung

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Immer wieder kommt es zu Unfällen von Lkw, weil die Ladung ungenü­gend gesichert war. Ver­ant­wortlich für eine ord­nungs­gemäße Ladungssicherung sind laut Straßen­verkehrsor­d­nung alle, die am Trans­port beteiligt sind. Das ver­ladende Unternehmen muss dafür sor­gen, dass nur Fahrzeuge mit ord­nungs­gemäß gesichert­er Ladung das Betrieb­s­gelände ver­lassen. Dafür ist eine gute Organ­i­sa­tion notwendig.

Dipl.-Ing. Dieter Bach­mann

Ein mit Papier­rollen beladen­er Lkw befuhr die Durch­fahrt von Ahlhorn. An ein­er Fußgänger­am­pel musste er eine Voll­brem­sung ein­leit­en, wobei er einen Teil sein­er Ladung ver­lor. Eine zwei Ton­nen schwere Papier­rolle fiel auf den Rad­weg, wo sie einen Rad­fahrer schw­er ver­let­zte. Die Ermit­tlun­gen der Polizei ergaben, dass die Papier­rollen beim Ver­laden nur ungenü­gend gesichert wur­den.
Ein ganz­er Per­so­n­enkreis muss zusam­me­nar­beit­en, damit solche Unfälle im Straßen­verkehr ver­mieden wer­den. Ver­ant­wortlich für die ord­nungs­gemäße Ladungssicherung sind alle, die am Trans­port beteiligt sind, so schreibt es § 22 (1) „Ladung“ der Straßen­verkehrsor­d­nung vor. Neben dem Absender, dem Fahrzeughal­ter sowie dem Fracht- und Fahrzeugführer ist auch der ver­ladende Betrieb – der „Ver­lad­er“ – ver­ant­wortlich. Dieser muss alles Notwendi­ge ver­an­lassen, dass nur Fahrzeuge mit ord­nungs­gemäß gesichert­er Ladung das Betrieb­s­gelände ver­lassen. Dies sicherzustellen ist Auf­gabe des Unternehmers, der hier­für die betriebliche Organ­i­sa­tion im Bere­ich der Ver­ladung und Ladungssicherung aufzubauen hat. Kommt der Unternehmer sein­er Organ­i­sa­tions- und Auf­sicht­spflicht nicht nach und duldet er, dass Fahrzeuge mit man­gel­haft gesichert­er Ladung seinen Betrieb ver­lassen, so bege­ht er selb­st eine Ord­nungswidrigkeit und kann mit ein­er Geld­buße bis eine Mil­lion Euro belangt wer­den.
Ver­ant­wortlichen benen­nen und aus­bilden lassen
Die dem Unternehmer obliegen­den Verpflich­tun­gen kön­nen ab ein­er bes­timmten Betrieb­s­größe so umfan­gre­ich sein, dass er nicht mehr in der Lage ist, allen Pflicht­en selb­st nachzukom­men. Er ist daher berechtigt, Auf­gaben auf eine zuver­läs­sige und fachkundi­ge Per­son, den soge­nan­nten „Leit­er der Ladear­beit­en“ zu über­tra­gen. Die notwendi­gen Fachken­nt­nisse kann sich der Beauf­tragte zum Beispiel durch eine Aus­bil­dung auf Grund­lage der VDI-Richtlin­ie 2700 aneignen. Nach erfol­gre­ich abgeschlossen­em Lehrgang wird er schließlich vom Unternehmer zum „Leit­er der Ladear­beit­en“ bestellt. Sein Ver­ant­wor­tung­sum­fang wird in ein­er schriftlichen Pflicht­enüber­tra­gung geregelt.
Muster für die Über­tra­gung von Unternehmerpflicht­en. Abb.: © Bach­mann
Von sein­er gesamten Ver­ant­wor­tung kann sich der Unternehmer aber nicht befreien, son­dern er behält weit­er­hin die Ober­auf­sicht­spflicht. Das bedeutet, dass er sich von Zeit zu Zeit vergewis­sern muss, ob der „Leit­er der Ladear­beit­en“ sein­er Ver­ant­wor­tung gerecht wird. Mit der Bestel­lung erhält der „Leit­er der Ladear­beit­en“ den Auf­trag zum Auf­bau ein­er betrieblichen Organ­i­sa­tion für den über­tra­ge­nen Bere­ich, um klare Struk­turen, Regelun­gen und Betrieb­sabläufe einzuführen. Wie er oder sie vorge­hen sollte, zeigen die nach­fol­gen­den sechs Schritte:
1. Ladungssicherungs­maß­nah­men fes­tle­gen
Der „Leit­er der Ladear­beit­en“ ver­fügt nach sein­er Aus­bil­dung über die notwendi­gen Ken­nt­nisse, um die geeignete Art der Ladungssicherung festzule­gen:
  • Form­schlüs­sige Ladungssicherung
  • Kraftschlüs­sige Ladungssicherung
  • Kom­binierte Ladungssicherung
Anschließend hat er zu ermit­teln, welche Ladungssicherung­shil­f­s­mit­tel, wie zum Beispiel Zur­rgurte, Kan­ten­gleit­er, Antirutschmat­ten, in welch­er Zahl erforder­lich sind.
2. Anforderun­gen an die Fahrzeuge fes­tle­gen
Für jeden Trans­port ist das geeignete Fahrzeug auszuwählen. Je nach Eigen­schaften des Ladegutes kann zum Beispiel ein Lkw mit Kof­fer­auf­bau oder ein Lkw mit Schiebe­plane Vorteile für die Ladungssicherung brin­gen. Frühzeit­ig müssen daher die Anforderun­gen an die Fahrzeuge fest­gelegt wer­den. Darüber hin­aus muss bes­timmt wer­den, welche Ladungssicherung­shil­f­s­mit­tel in welch­er Anzahl die Fahrzeuge mitzuführen haben. Die Anforderun­gen an die Fahrzeuge und deren Ausstat­tun­gen soll­ten mit dem Fracht­führer oder Spedi­teur schriftlich vere­in­bart wer­den.
3. Ver­ladean­weisun­gen erstellen
Für die zuvor fest­gelegten Ladungssicherungs­maß­nah­men sind schriftliche Ver­ladean­weisun­gen zu erstellen. Mit Skizzen oder Fotos ergänzt, machen sie dem Lade­per­son­al leicht ver­ständlich, welche Sicherungs­maß­nah­men bei welchem Fahrzeug­typ und welch­er Ladung durchzuführen sind.
Zudem erle­ichtern die Ver­ladean­weisun­gen dem Lade­per­son­al die Kon­trolle der kor­rek­ten Ladungssicherung vor der Abfahrt. In der Prax­is hat sich bewährt, die Anweisun­gen im Ver­lade­bere­ich auszuhän­gen.
Muster ein­er Ver­ladean­weisung für das Lade­per­son­al. Foto: © Bach­mann
Muster ein­er Check­liste für das Lade­per­son­al. Foto: © Bach­mann
4. Lade­per­son­al unter­weisen und schulen
Das Lade­per­son­al ist regelmäßig anhand der Ver­ladean­weisun­gen zu unter­weisen. Die Unter­weisung ist min­destens ein­mal jährlich durchzuführen und schriftlich durch die Teil­nehmer zu bestäti­gen. Die Pflicht zur regelmäßi­gen Arbeitssicher­heit­sun­ter­weisung nach den Unfal­lver­hü­tungsvorschriften bleibt hier­von unberührt.
Neben den regelmäßi­gen Unter­weisun­gen hat der „Leit­er der Ladear­beit­en“ sicherzustellen, dass die Mitar­beit­er min­destens ein­mal alle drei Jahre nach VDI-Richtlin­ie 2700 Blatt 5 geschult wer­den. Hier­bei wer­den The­men, wie physikalis­che Grund­la­gen, Eigen­schaften der Ladung, Möglichkeit­en der Ladungssicherung sowie deren prak­tis­che Durch­führung ver­mit­telt. Diese Schu­lungs­maß­nahme kann der „Leit­er der Ladear­beit­en“ selb­st durch­führen. Eine Schu­lung durch einen exter­nen Anbi­eter ist nicht vorgeschrieben, kann aber in einzel­nen Fällen sin­nvoll sein. Die Schu­lung sollte, auch zum Nach­weis der funk­tion­ieren­den betrieblichen Abläufe, doku­men­tiert wer­den.
5. Fahrzeugkon­trollen vor dem Beladen
Vor Beginn der Beladung muss sichergestellt sein, dass der Lkw an der Lader­ampe gegen Wegrollen oder vorzeit­iges Weg­fahren gesichert ist, denn jährlich ereignen sich tödliche Absturzun­fälle mit Flur­förderzeu­gen von der Lader­ampe. Das ein­fach­ste Sicherungssys­tem, den Lkw am Weg­fahren zu hin­dern, ist der Unter­legkeil. Damit diese Maß­nahme wirk­sam ist, bedarf es klar­er Regelun­gen:
  • Wer hat den Unter­legkeil anzule­gen?
  • Wer kon­trol­liert die Wirk­samkeit?
  • Wer darf den Unter­legkeil ent­fer­nen?
Weit­ere tech­nis­che Möglichkeit­en sind der elek­tro­n­is­che Unter­legkeil und manuelle beziehungsweise automa­tis­che Weg­fahrsper­ren. Ist der Lkw an der Lader­ampe sich­er block­iert, erfol­gt durch das Lade­per­son­al die Über­prü­fung des Lader­aumes. Dazu gehören zum Beispiel:
  • Kon­trolle der Lade­fläche: Ist sie besen­rein und fet­tfrei?
  • Kon­trolle der Pla­nen und Wände: Sind sie unbeschädigt?
  • Kon­trolle der Ladungssicherung­shil­f­s­mit­tel: Sind sie in tech­nisch ein­wand­freiem Zus­tand und in der vere­in­barten Stück­zahl vorhan­den?
6. Fahrzeugkon­trollen nach dem Beladen

Nach dem Belade­vor­gang hat das Lade­per­son­al zu über­prüfen, ob die Ladungssicherung entsprechend der Ver­ladean­weisung durchge­führt wurde und damit ord­nungs­gemäß ist. Zur Doku­men­ta­tion der Abfahrt­skon­trolle kön­nen die Mitar­beit­er eine Check­liste nutzen oder ein Foto anfer­ti­gen.

Sie soll­ten unbe­d­ingt nachvol­lziehbar doku­men­tieren, welche Ladungssicherungs­maß­nah­men ange­wandt wur­den. Lei­der kommt es hin und wieder vor, dass der Fahrer die Ladung während des Trans­portes umlädt und dabei die Ladungssicherungs­maß­nah­men zum Nachteil verän­dert.
Betrieb­sorgan­i­sa­tion kon­trol­lieren
„Bei uns wird jede Ladung ord­nungs­gemäß gesichert!“ Das kann nur der­jenige behaupten, der im Betrieb eine geeignete Betrieb­sorgan­i­sa­tion aufge­baut hat. Voraus­set­zung hier­für sind klar geregelte Arbeitsabläufe und geschulte Mitar­beit­er sowie eine ständi­ge Eigenkon­trolle. Doku­mente ein­er funk­tion­ieren­den Betrieb­sorgan­i­sa­tion sind Arbeit­san­weisun­gen, Ver­ladean­weisun­gen, Teil­nehmerlis­ten von Schu­lun­gen und Unter­weisun­gen sowie Pro­tokolle und Check­lis­ten.
Diese Vorge­hensweise gewährleis­tet nicht nur, dass die Ladung unbeschädigt den Empfänger erre­icht, son­dern schützt auch den Fahrer und Unbeteiligte im Straßen­verkehr vor den Gefahren des Trans­portes.
Zudem erlangt der Unternehmer Rechtssicher­heit, da er sein­er Organ­i­sa­tions- und Auf­sicht­spflicht nachgekom­men ist.
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