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Nachgefragt

Max Wörner

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Sie kommen hoch hinauf und tief hinab, bewe­gen sich hori­zon­tal und diago­nal – mit der soge­nann­ten „Seilzugangs‐ und Posi­tio­nie­rungs­tech­nik“ (SZP) errei­chen Indus­trie­klet­te­rer nahezu jeden Ort. Offi­zi­ell aner­kannt wurde die „Arbeit am Seil“ in Deutsch­land erst im Zuge der Verhül­lung des Berli­ner Reichs­ta­ges durch die Künst­ler Christo und Jeanne‐Claude, an der mehr als hundert Höhen­ar­bei­ter betei­ligt waren. Hier­aus resul­tierte 1995 die Grün­dung des Fach‐ und Inter­es­sen­ver­bands für seil­un­ter­stützte Arbeits­tech­ni­ken (FISAT), der 1997 die Richt­li­nien zur Ausbil­dung und Arbeits­si­cher­heit für seil­un­ter­stütz­tes Arbei­ten heraus­gab.

Herr Wörner, das Leis­tungs­spek­trum Ihres Unter­neh­mens ist groß, es reicht von Fassa­den­rei­ni­gung über Elek­tro­in­stal­la­tio­nen und Wartun­gen bis zu Baum­pfle­ge­ar­bei­ten und Maler­ar­bei­ten. Der gemein­same Nenner all dieser Tätig­kei­ten ist, dass sie an expo­nier­ten Orten ausge­führt werden – entwe­der in schwin­del­erre­gen­der Höhe oder in unzu­gäng­li­chen Tiefen. Sind Ihre Mitar­bei­ter Tausend­sas­sas oder haben Sie Spezia­lis­ten für die verschie­de­nen Einsätze?

Wir haben in unse­rem Team tatsäch­lich viele Allroun­der, die hand­werk­lich sehr versiert sind und so viele Berei­che abde­cken können. Die Seil­zu­gangs­tech­nik ist eine Weiter­bil­dung, die das Hand­werk noch­mal auf ein höhe­res Level hebt. Das heißt, Indus­trie­klet­te­rer müssen hand­werk­lich fit sein, alle Tätig­kei­ten aber oben­drauf auch am Seil profes­sio­nell durch­füh­ren können.

Natür­lich gibt es immer wieder Projekte, bei denen wir auf Spezia­lis­ten zurück­grei­fen, unter deren Anlei­tung wir dann am Seil unsere Aufträge ausfüh­ren. Für Berei­che, die wir häufig bedie­nen, wie Elek­tro­in­stal­la­tio­nen, Monta­gen oder Sanie­run­gen haben wir aber im Team eigene Fach­kräfte mit entspre­chen­den Ausbil­dun­gen.

Mittels Seil­tech­nik errei­chen Sie quasi jeden Ort. Was war Ihr bislang spek­ta­ku­lärs­ter Einsatz? Und gab es anders­herum auch schon einen Auftrag, der selbst für Sie nicht ausführ­bar war?

Unser höchs­ter Einsatz war auf einem Wind­mess­mast in circa 200 Meter Höhe. Dort soll­ten wir einen Batcorder, also Fleder­maus­de­tek­tor, austau­schen. Die Höhe ist weni­ger das Problem – in der Tiefe zu arbei­ten ist hinge­gen wesent­lich aufwän­di­ger und auch gefähr­li­cher, da die Rettung im Notfall nach oben durch­ge­führt werden muss. Wir hatten zum Beispiel Projekte an der Hoch­mo­sel­brü­cke, bei denen wir in 60 Meter tiefen Siche­rungs­schäch­ten Wartungs­ein­rich­tun­gen montiert haben. Aber letzt­lich ist das alles nur eine Frage des Aufwands – bisher konn­ten wir jeden Auftrag meis­tern.

Die gesund­heit­li­chen Belas­tun­gen für Indus­trie­klet­te­rer sind hoch, etwa durch die Zwangs­hal­tung vom Dauer­sit­zen im Gurt. Was tun Sie zum Ausgleich?

Wir machen prin­zi­pi­ell immer genü­gend Pausen, um die Belas­tung in Gren­zen zu halten. Außer­dem arbei­ten wir mit Sitz­bret­tern, die den Druck durch das Einschnei­den des Gurtes redu­zie­ren.

Bisher hatten wir glück­li­cher­weise noch nie einen Unfall oder gar ein „Hänge­t­rauma“ bei unse­ren Einsät­zen. Man muss auch dazu sagen, dass die Indus­trie­klet­te­rer im Allge­mei­nen sehr sport­lich sind. Die meis­ten von uns klet­tern regel­mä­ßig oder gehen Berg­stei­gen, daher ist diese „Belas­tung“ für uns gut mach­bar. Um da aber auf der siche­ren Seite zu sein, werden wir alle zwei Jahre beim Arzt auf unse­ren Gesund­heits­zu­stand durch­ge­checkt.

Im Winter kommen nun auch noch Schnee und Kälte hinzu. Wie gehen Sie mit diesen ungüns­ti­gen Witte­rungs­be­din­gun­gen um?

Kälte an sich ist kein Problem. Da wir stän­dig in Bewe­gung sind, halten wir uns warm. Viel unan­ge­neh­mer ist Nässe und der Wech­sel zwischen kalt und warm. Da kann es schon mal passie­ren, dass der ein oder andere nach einem zwei­wö­chi­gen Einsatz eine Erkäl­tung ausku­rie­ren muss.

Aber mit passen­der Klei­dung und genü­gend Ruhe­zei­ten kann man da gut vorbeu­gen. Wenn nur Dauer­re­gen ange­sagt ist, macht es manch­mal auch Sinn, einen Einsatz zu verschie­ben. Letzt­lich sind wir aber ja alle ganz stabile Burschen, die es gewohnt sind, bei Wind und Wetter im Freien zu arbei­ten.


Steck­brief

  • gebo­ren 1989 im Allgäu
  • Geschäfts­füh­rer der AERMAX GmbH – Fach­be­trieb für Indus­trie­klet­tern & Höhen­ar­bei­ten
  • passio­nier­ter Klet­te­rer seit seinem achten Lebens­jahr
  • in seiner Jugend Mitglied der deut­schen Natio­nal­mann­schaft im Sport­klet­tern
  • ehema­li­ger deut­scher Meis­ter im Sport­klet­tern
  • erfah­re­ner Indus­trie­klet­te­rer, bekannt aus Repor­ta­gen des SWR und ZDF
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