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Was hat sich geändert?

DIN EN 388:2017–01 Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken
Was hat sich geändert?

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Die DIN EN 388:2003–12 wurde über­ar­beit­et und enthält sig­nifikante Änderun­gen unter anderem zum Schnittschutz. Nach­fol­gend beschreibt das deutsche Nor­mungs­gremi­um NA 075–05–08 AA „Handschutz“die Änderun­gen und erläutert Auswirkun­gen auf die Auswahl von mech­a­nis­chen Schutzhandschuhen.

Hand­schuhe gemäß der DIN EN 388:2017–01 wer­den zum Beispiel in der Baubranche, der Met­allindus­trie, dem Berg­bau, bei Trans­portun­ternehmen und in vie­len unter­schiedlichen Werk­stät­ten und Tätigkeit­en getra­gen. Die Europäis­che Norm DIN EN 388:2017–01 legt Anforderun­gen, Prüfver­fahren, Kennze­ich­nung und Her­stel­ler­in­for­ma­tio­nen für Schutzhand­schuhe gegen die mech­a­nis­chen Risiken wie Abrieb, Schnitt, Weit­er­reißen und Durch­stich fest. Sie ist für die Anwen­dung gemein­sam mit der DIN EN 420 (Schutzhand­schuhe – All­ge­meine Anforderun­gen und Prüfver­fahren) [1] vorge­se­hen. Die im Zer­ti­fizierungsver­fahren zur Bau­muster­prü­fung fest­gestell­ten Leis­tungsstufen dienen der Ver­gle­ich­barkeit von Schutzhand­schuhen und als Auswahlhil­fe für deren Ein­satz – sie geben keinen direk­ten Hin­weis auf den konkreten Schutz beziehungsweise die Eig­nung in definierten Anwen­dun­gen und den damit ver­bun­de­nen Gefährdungen.

Ziele der Über­ar­beitung waren unter anderem, die Prüfver­fahren „Schnitt“ und „Abrieb“ zu über­denken und im Hin­blick auf Erfahrun­gen mit den Meth­o­d­en und den Erfordernissen der neuen Handschuhmaterialien/Bauarten anzu­passen. Denn die Pro­duk­ten­twick­lung brachte zwis­chen­zeitlich Schutzhand­schuhe auf den Markt, die zum Beispiel mit Min­er­al­fasern ver­stärkt sind. Bei der Prü­fung dieser Mate­ri­alien nach den bish­er ver­wen­de­ten Ver­fahren stumpft die Klinge mitunter ab, und es kann zu ein­er ungerecht­fer­tigten Verbesserung der fest­gestell­ten Leis­tungsstufe kom­men. Ist dies der Fall, wird nun nach aktueller Norm [3] die Schnit­tfes­tigkeit gemäß dem der DIN EN ISO 13997:1999–08 [4] beschriebe­nen Ver­fahren ermit­telt und gekennzeichnet.

Bei der Prü­fung des Abrieb­ver­hal­tens bestand das Prob­lem, dass das in der alten DIN EN 388 spez­i­fizierte Schleif­pa­pi­er seit 2007 nicht mehr in der geforderten Qual­ität erhältlich war. Nach zahlre­ichen Unter­suchun­gen und Rund­ver­suchen wurde ein Ersatzschleif­pa­pi­er gefun­den, das repro­duzier­bare und ver­gle­ich­bare Ergeb­nisse erzielt. Die Spez­i­fika­tion dieses Schleif­pa­pieres ist Bestandteil der neuen DIN EN 388:2017–01.

Die über­ar­beit­ete Norm DIN EN 388:2017–01 deckt auch zusät­zliche Gefährdun­gen ab, in denen ein spez­i­fis­ch­er Schutz gegenüber Stößen notwendig ist. Hier­für ist die optionale Prü­fung der Stoßfes­tigkeit aufgenom­men wor­den. Mit den in dieser Norm angegebe­nen Prüfver­fahren wer­den jet­zt auch Arm­pro­tek­toren zertifiziert.

Prüfverfahren

Mit der Prü­fung der Abriebfes­tigkeit soll die Abnutzung des Hand­schuh­ma­te­ri­als beim Gebrauch simuliert wer­den. Proben des Mate­ri­als der Innen­hand wer­den mit dop­pel­seit­igem Kle­be­band auf Probe­hal­tern fix­iert und mit definiertem Bewe­gungsablauf und Belas­tung gegen ein Schleif­pa­pi­er bewegt. Um für diese Scheuer­beanspruchung über alle Prüfhäuser hin­weg gle­ich­w­er­tige Prüfer­geb­nisse zu erzie­len, war es wichtig, auf dem Markt ein qual­itätssta­biles Schleif­pa­pi­er zu find­en, das diesen Anforderun­gen gerecht wird.

Weit­er­hin wer­den in der neuen Aus­gabe der Norm die Bew­er­tungspa­ra­me­ter genauer beschrieben, von denen die Klas­si­fizierung abhängt, zum Beispiel was genau ein Durchbruch/Loch ist. Um auch für die Auf­tragge­ber die Prüfer­geb­nisse trans­par­enter zu machen, sind zusät­zliche Infor­ma­tio­nen im Prüf­bericht anzugeben, wie zum Beispiel Einzel­ergeb­nisse, mögliche physikalis­che Verän­derun­gen, ver­wen­dete Prüf­grund­la­gen und so weiter.

Für die Ermit­tlung der Schnit­tfes­tigkeit (Hem­mung gegen Schnitte des Prüf­ma­te­ri­als) wird auch weit­er­hin auf die Prüfmeth­ode mit rotieren­dem Rundmess­er zurück­ge­grif­f­en (DIN EN 388:2017,6.2). Unter ein­er kon­stan­ten Kraft wird durch wieder­holten Kon­takt der Schnit­tin­dex ermit­telt und in Abhängigkeit der Schärfe des Rundmessers berech­net. Bei ein­er definierten Abs­tump­fung des Rundmessers ist in der neuen Aus­gabe der Norm eine weit­ere Prü­fop­tion zur Ermit­tlung der Schnit­tfes­tigkeit enthal­ten (DIN EN 388:2017,6.3). Dabei wer­den aus der Bew­er­tung mehrerer lin­ear­er Ein­mal­be­we­gun­gen unter zunehmender Kraft die Schnitt-Leis­tungsstufen A bis F ermit­telt. Jed­er Prüf­schnitt wird mit einem neuen kalib­ri­erten Mess­er durchgeführt.

Bewertung der Ergebnisse der Schnittfestigkeit

Ist bei der Prü­fung nach DIN EN 388:2017,6.2 eine Abs­tump­fung der Klinge nach der ersten Prü­fung (Abfolge) fest­stell­bar, bei der der Index nach der Probe-Tes­tung 3 x größer ist als vor der Probe-Tes­tung, muss das Ver­fahren nach DIN EN 388:2017,6.3 durchge­führt wer­den. In diesem Falle wird dieses Ver­fahren für die Bew­er­tung des Schutzes gegen Schnit­trisiken ver­wen­det und in der Kennze­ich­nung wird der Buch­stabe für die Leis­tungsstufe angegeben. Die numerische Stufe für die Schnit­tfes­tigkeit nach DIN EN 388:2017,6.2 darf in der Kennze­ich­nung option­al angegeben werden.

In der Infor­ma­tions­broschüre der Her­steller muss beim Auftreten der Abs­tump­fung ein Hin­weis gegeben wer­den, dass die Ergeb­nisse nach DIN EN 388:2017,6.2 nur als Hin­weis und die Ergeb­nisse der Prü­fung nach DIN EN 388:2017,6.3 als Ref­eren­z­ergeb­nisse bezüglich Leis­tung zu ver­ste­hen sind.

Zur Prü­fung der Weit­er­reiß- und Durch­stichkraft gibt es keine wesentlichen Änderungen.

Zusätzlicher Schutz

Schutzhand­schuhe gegen mech­a­nis­che Risiken kön­nen nach dieser Norm auch für das Risiko Stoßschutz geprüft wer­den. Entsprechende Mate­ri­alien wer­den zum Beispiel als Knöchelschutz oder im Han­drück­en oder der Hand­in­nen­fläche einge­set­zt. Eine Prü­fung einzel­ner Fin­ger ist nicht möglich. Der­ar­tige Hand­schuhe müssen bei ein­er Auf­pral­len­ergie von 5 J min­destens eine Auf­pralldämp­fung, das heißt Einzel­ergeb­nis von max­i­mal 9 kN und ein­er mit­tleren über­tra­ge­nen Kraft von max­i­mal 7 kN (Klasse 1 der DIN EN 13594:2016–01, Tabelle 7) erre­ichen. Die Kennze­ich­nung erfol­gt nur bei bestanden­er Prü­fung mit der Leis­tungsstufe „P“.

Qualitätssicherung der Messmethoden

Es ist wichtig, die Grund­la­gen der Prüfver­fahren zu berück­sichti­gen. Alle tech­nis­chen Spez­i­fika­tio­nen müssen erfüllt wer­den. Zum Beispiel ist zu über­prüfen, ob die definierten Spez­i­fika­tio­nen der Schnittmess­er einge­hal­ten wer­den. Eine Über­tra­gung der Ver­ant­wor­tung der Prüfmit­telqual­ität auf die Liefer­an­ten ist nicht aus­re­ichend. Jegliche Abwe­ichung von fest­gelegten Anforderun­gen führt zu fehler­haften Prüfer­geb­nis­sen. Auch bei Ver­gle­ichsmes­sun­gen, die durch zwei unter­schiedliche Labore durchge­führt wor­den sind, ist es wichtig darauf zu acht­en, dass alle Anforderun­gen in Bezug auf die Qual­ität des Prüfmit­tels einge­hal­ten sind.

Prüfberichte

Nach der DIN EN 388:2017–01 müssen die Prüf­berichte für alle Prü­fun­gen (Abrieb‑, Schnitt‑, Weiterreiß‑, Durch­stich- Fes­tigkeit) fol­gende Angaben enthal­ten, unter anderem:

  • Sämtliche Einzel­ergeb­nisse
  • Jede Abwe­ichung vom Prüfverfahren
  • Ver­weisung auf die ver­wen­de­ten Verbrauchsmaterialien
  • Leis­tungsstufen

Fazit

Die Änderun­gen in der neuen DIN EN 388:2017–01 beziehen sich haupt­säch­lich auf die Ergänzung ein­er weit­eren Schnittprüfmeth­ode. Da die ermit­tel­ten Leis­tungsstufen (1 bis 5 oder A bis F) nicht miteinan­der ver­gle­ich­bar sind, sollte der Her­steller in der Gebrauchsin­for­ma­tion geeignete Infor­ma­tio­nen zu Ein­satzper­spek­tive und Risiken geben, um die opti­male Auswahl eines Schutzhand­schuhs für die entsprechen­den Gefährdun­gen (verbliebene Risiken nach T‑O-P) zu ermöglichen. Die Norm-Leis­tungsstufen und die Trageeigen­schaften geben eine grundle­gende Hil­festel­lung bei der Auswahl der Hand­schuhe. Die gewis­senhafte Auswahl von Schutzhand­schuhen gegen Schnittge­fahren berück­sichtigt ins­beson­dere die Art der Tätigkeit und deren Rah­menbe­din­gun­gen wie beispielsweise:

  • Mate­r­i­al des Werk­stücks (zum Beispiel: Papi­er, Metall)
  • Geome­trie der Schnit­tkante (zum Beispiel: Messerklinge, Schnitt-/Stanz­grat)
  • Länge der Schnit­tkante (kurz Messerklinge, scharfe Kante ein­er Blechtafel)
  • Zu erwartende Schnit­tkraft (zum Beispiel: berühren ein­er Schnit­tkante, kraft­ge­führtes Messer)
  • Bewe­gung der Schnit­tkante, hor­i­zon­tal oder ver­tikal zur Hand
  • Feuchtigkeit
  • Notwendi­ge Fingerfertigkeit
  • Exponierte Kör­perteile

Einen „Schnit­tfesten Schutzhand­schuh“ gibt es nicht. Alle Mate­ri­alien die für Hand­schuh­pro­duk­tion ver­wen­det wer­den, kann man durch­schnei­den. Wir sprechen hier von Schutzhand­schuhen, die eine gewisse Schnit­them­mung aufweisen und die nach den in der Norm beschriebe­nen Ver­fahren geprüft und bew­ertet wur­den. Erfordert das gegebene Risiko ein noch höheres Schutzniveau, kann der Ein­satz von Schnittschutzhand­schuhen aus Met­all­ringge­flecht (DIN EN 14328) mit all seinen Nachteilen (zum Beispiel: Tragekom­fort, Fein­füh­ligkeit) erwogen werden.

Die Ver­ant­wor­tung für die Auswahl des geeigneten Schutzhand­schuhs liegt gemäß Richtlin­ie 89/656/EWG beim Anwen­der. Basis für die Auswahl von Schutzhand­schuhen ist die Gefährdungs­beurteilung, die eine Abschätzung des Risikos und die Ableitung von geeigneten Maß­nah­men unter Anwen­dung der Maß­nah­men­hier­ar­chie umfasst.

 

Quellen

DIN EN 420:2010–03 Schutzhand­schuhe – All­ge­meine Anforderun­gen und Prüfver­fahren; Deutsche Fas­sung EN 420:2003+A1:2009. Beuth, Berlin (März 2010)

DIN EN 388:2003–12 Schutzhand­schuhe gegen mech­a­nis­che Risiken; Deutsche Fassung
EN 388:2003. Beuth, Berlin (Dezem­ber 2003)

DIN EN 388:2017–01 Schutzhand­schuhe gegen mech­a­nis­che Risiken; Deutsche Fassung
EN 388:2016. Beuth, Berlin (Jan­u­ar 2017)

DIN EN ISO 13997:1999 Schutzk­lei­dung — Mech­a­nis­che Eigen­schaften — Bes­tim­mung des Wider­standes gegen Schnitte mit schar­fen Gegen­stän­den (ISO 13997:1999); Deutsche Fas­sung EN ISO 13997:1999. Beuth, Berlin (August 1999)

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