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Harmonisierung durch die CLP-Verordnung

Harmonisierung durch die CLP-Verordnung
Stimmt die Chemie jetzt?

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Chemis­che Stoffe und Gemis­che wer­den seit 2009 weltweit nach ein­heitlichen Kri­te­rien eingestuft und gekennze­ich­net. Die CLP-Verord­nung löste die bis dahin gel­tenden Regel­w­erke zur Ein­stu­fung und Kennze­ich­nung von Chemikalien schrit­tweise ab und set­zte die Anforderun­gen des Glob­al Har­mon­isierten Sys­tems (GHS) der Vere­in­ten Natio­nen in Deutsch­land und den anderen EU-Staat­en um. Welche Änderun­gen hat die CLP-Verord­nung gebracht und welche Auswirkun­gen hat­te sie auf den Arbeitsschutz?

Bevor chemis­che Stoffe und Gemis­che auf den Markt kom­men (Inverkehrbrin­gen), müssen sie vom Her­steller, Impor­teur oder nachgeschal­teten Anwen­der auf ihre Gefährlichkeit (physikalis­che Gefahren, Umwelt- und Gesund­heits­ge­fahren sowie andere Gefahren) hin geprüft und eingestuft wer­den. Zur Ein­stu­fung müssen zunächst alle rel­e­van­ten und ver­füg­baren Infor­ma­tio­nen über Stoffe beziehungsweise Gemis­che ermit­telt wer­den. Wer­den Stoffe und Gemis­che daraufhin als gefährlich eingestuft, müssen sie entsprechend gekennze­ich­net, etiket­tiert und ver­packt wer­den, damit alle weit­eren Akteure in der Liefer­kette – ins­beson­dere Händler oder Ver­brauch­er – über das Gefährdungspoten­zial aufgek­lärt sind.

Bis Ende der Nuller­jahre war es möglich, dass ein und der­selbe Stoff beziehungsweise ein und das­selbe Gemisch in einem Staat lediglich als gesund­heitss­chädlich und in einem anderen als giftig eingestuft wur­den – und dementsprechend mit oder ohne Sicher­heit­shin­weise gekennze­ich­net waren. Ein solch­es Wirrwarr unter­schiedlich­er nationaler Regelun­gen sollte es nach dem Willen der Vere­in­ten Natio­nen (UN) nicht mehr geben. Die Lösung der Wel­tor­gan­i­sa­tion: Ein neues Sys­tem sollte alle Regelun­gen der Nation­al­staat­en erset­zen, das soge­nan­nte „Glob­al Har­mon­isierte Sys­tem“ (GHS). Mit dem GHS ver­band die UN zwei Ziele: Zum einen soll­ten weltweit ein­heitliche Regeln für die Ein­stu­fung und die Kennze­ich­nung von chemis­chen Stof­fen und Gemis­chen durchge­set­zt wer­den. Zum anderen sollte eine möglichst große Har­mon­isierung mit den Trans­portvorschriften beim Inverkehrbrin­gen der Chemikalien entstehen.

GHS-Umsetzung in der EU

In der Europäis­chen Union (EU) hat die „Verord­nung über die Ein­stu­fung, Kennze­ich­nung und Ver­pack­ung von Stof­fen und Gemis­chen“ (CLP-Verord­nung, Kurz­form von Englisch: Clas­si­fi­ca­tion, Labelling und Pack­ag­ing) die Vor­gaben und Ziele der GHS umge­set­zt. Die CLP-Verord­nung bes­timmt seit ihrer Inkraft­set­zung, dass ein Stoff oder Gemisch durch den Her­steller, Impor­teur oder nachgeschal­teten Anwen­der selb­st eingestuft wird, wenn er gefährliche Eigen­schaften hat und noch nicht im Anhang VI der CLP-Verord­nung aufge­lis­tet ist. Beste­ht aber bere­its eine Ein­stu­fung, das heißt der Stoff ist bere­its in Anhang VI der CLP-Verord­nung aufge­führt, dann müssen sich Her­steller, Impor­teure oder nachgeschal­tete Anwen­der an dieser Ein­stu­fung ori­en­tieren, sie übernehmen beziehungsweise in bes­timmten Fällen auch ergänzen. Denn alle im Anhang VI für den Stoff nicht genan­nten Gefahren­klassen müssen durch den Inverkehrbringer selb­st bew­ertet wer­den und diese Ein­stu­fun­gen von ihm gegebe­nen­falls ergänzt werden.

Seit 2015 ist die CLP-Verord­nung die einzige gel­tende Geset­zge­bung für die Ein­stu­fung und Kennze­ich­nung von Stof­fen und Gemis­chen in der EU. Eine lange Über­gangszeit (2008 bis 2015, let­zter Abverkauf der unter den alten Regelun­gen hergestell­ten Pro­duk­te sog­ar bis 2017) bis zu ihrem voll­ständi­gen Inkraft­treten sollte sich­er­stellen, dass sich alle Betrof­fe­nen – Behör­den, Unternehmen, Händler, Ver­brauch­er und Ver­bände – auf die neuen Vorschriften ein­stellen kon­nten. Gle­ichzeit­ig wur­den die bei­den bish­eri­gen Regelun­gen schrit­tweise durch die CLP-Verord­nung erset­zt und die darauf basieren­den Regel­w­erke über­ar­beit­et und angepasst.

CLP-Verordnung bringt neue Piktogramme

Aber was ist bei der CLP-Sys­tem­atik grundle­gend anders als zuvor? Die CLP-Verord­nung führte zunächst ein­mal neue Gefahren­pik­togramme ein: Anstatt der bish­eri­gen orange­far­be­nen Vierecke mit Kennbuch­staben (zum Beispiel F) und Gefahren­beze­ich­nung (zum Beispiel: leich­t­entzündlich) gibt es nun auf der Spitze ste­hende rot umran­dete Raut­en mit schwarzem Gefahren­sym­bol auf weißem Grund. Neu einge­führt wur­den auch Sig­nal­wörter auf allen Ver­pack­ungsetiket­ten, die auf die jew­eilige poten­zielle Gefährdung eines Pro­duk­tes hin­wiesen: „Gefahr“ bei hoher Gefährdung und „Achtung“ bei niedriger und mit­tlerer Gefährdung. Weit­er­hin erset­zten Gefahren­hin­weise (H‑Sätze, H für Englisch Haz­ard State­ment) und Sicher­heit­shin­weise (P‑Sätze, P für Englisch Pre­cau­tion­ary State­ment) die bis dahin üblichen R- und S‑Sätze.

Zahlreiche neue Gefahrenklassen

Die neu einge­führten Kennze­ich­nun­gen unter­schei­den sich nicht nur formell, son­dern auch inhaltlich von den vor­mals gülti­gen. Bis 2009 wur­den Stoffe und Gemis­che nach lediglich 15 „Gefährlichkeitsmerk­malen“ eingeteilt. Mit der CLP-Verord­nung wur­den diese durch eine wesentlich größere Anzahl von „Gefahren­klassen“ erset­zt. 17 Gefahren­klassen wid­men sich physikalis­chen Gefahren (zum Beispiel „Gase unter Druck“, „Selb­stzer­set­zliche Stoffe und Gemis­che“, „Selb­ster­hitzungs­fähige Stoffe und Gemis­che“), zehn den Gesund­heits­ge­fahren (zum Beispiel „Ätzwirkung auf die Haut/Hautreizung“, „Akute Tox­iz­ität“), zwei den Umwelt­ge­fahren („Akut gewässerge­fährdend“, „Chro­nisch gewässerge­fährdend“ – for­mal eigentlich nur eine Gefahren­klasse, die jedoch bei­de Wirkun­gen dif­feren­ziert betra­chtet) sowie – bis­lang – eine „Weit­ere Gefahr“ der Schädi­gung der Ozonschicht.

Mehr als 50 Gefahrenkategorien

Jede Gefahren­klasse ist noch ein­mal in Gefahrenkat­e­gorien unterteilt, diese wiederum in Unterkat­e­gorien. Damit kön­nen Stoffe/Gemische auch inner­halb ein­er Gefahren­klasse ein- und abgestuft wer­den. Ein Beispiel: Die Gefahren­klasse „Entzünd­bare Flüs­sigkeit­en“ ist abgestuft nach soge­nan­nten Flamm­punk­ten und daher in drei Kat­e­gorien unterteilt. Ins­ge­samt gibt es auf diese Weise über 50 Gefahrenkat­e­gorien. Nach Auf­fas­sung der UN ist dies erforder­lich, um wirk­lich alle poten­ziellen Gesund­heits­ge­fahren durch Chemikalien von ein­fachen Reizun­gen der Haut und Schleimhäute über Vergif­tun­gen bis hin zu Kreb­serkrankun­gen angemessen berück­sichti­gen zu können.

CLP-Verordnung bringt neue Einstufungskriterien

Die CLP-Sys­tem­atik mit ihren Gefahren­klassen und Kat­e­gorien erfordert zudem andere Ein­stu­fungskri­te­rien als die davor üblichen Regel­w­erke. So kommt es, dass einige Stoffe nach Ein­führung der CLP-Verord­nung als stärk­er gesund­heits­ge­fährdend eingestuft wur­den als es zuvor der Fall war. Ein Beispiel: In der Gefahren­klasse „Akute Tox­iz­ität“ wer­den aktuell mehrere Stoffe mit einem Totenkopf auf dem Etikett verse­hen, die bis 2009 lediglich als gesund­heitss­chädlich gal­ten und dementsprechend mit einem Andreaskreuz gekennze­ich­net waren.

Mehr Prüfungen notwendig

Hin­sichtlich der Anzahl der notwendi­gen Prü­fun­gen beziehungsweise Tests von Stof­fen und Gemis­chen änderte sich durch die CLP-Verord­nung selb­st nur wenig: Sie fordert keine weit­eren Prü­fun­gen außer denen im physikalisch-chemis­chen Bere­ich. Den­noch hat der all­ge­meine Prü­fung­sum­fang durch die gle­ichzeit­ige Umset­zung von REACH (Reg­istrierung, Bew­er­tung, Zulas­sung und Beschränkung von Chemikalien), der anderen großen, für die Bew­er­tung von Chemikalien rel­e­van­ten EU-Verord­nung, deut­lich zugenom­men. Denn diese Verord­nung sieht vor, dass im Rah­men der Reg­istrierung für alle reg­istrierungspflichti­gen Stoffe zahlre­iche weit­ere Tests durchge­führt wer­den müssen.

Problem: Tests in der Verpackung

Hin­sichtlich der Prü­fun­gen im Rah­men der CLP-Verord­nung gibt es zudem fol­gen­des prak­tis­ches Prob­lem: Sowohl die CLP-Verord­nung als auch das Trans­portrecht fordern für einige Gefahren­klassen, so etwa für explo­sive Stoffe und Gemis­che, Tests in der Ver­pack­ung. Wenn Beschäftigte in den Unternehmen mit diesen Stof­fen arbeit­en, müssen sie diese aber aus der Ver­pack­ung her­aus­nehmen. Im direk­ten Umgang sind die Stoffe/Gemische dann deut­lich gefährlich­er als zum Beispiel eine vorher deklar­i­erte Ein­stu­fung in die Unterk­lasse 1.4 der Gefahren­klasse 2.1 Explo­sive Stoffe erwarten lässt.

Etikettierung und Sicherheitshinweise

Wie schon erwäh­nt, müssen die ermit­tel­ten Gefahren eines Stoffes oder Gemis­ches den nach­fol­gen­den Akteuren der Liefer­kette mit­geteilt wer­den. Dies geschieht mit Hil­fe von Kennze­ich­nungsetiket­ten und Sicher­heits­daten­blät­tern. Für Ver­brauch­er ist dabei das Kennze­ich­nungsetikett beson­ders rel­e­vant, denn auf ihm sind alle wichti­gen Hin­weise zu Sicher­heit und Gefahren auf einen Blick dargestellt. Bei den Gefahren­hin­weisen darf es zwar keine Reduzierung geben, aus Über­sichtlichkeits­grün­den soll­ten aber nicht mehr als sechs Sicher­heit­shin­weise ange­bracht sein. Die Art und Schwere der Gefahren kön­nen jedoch eine größere Anzahl erforder­lich machen, deshalb müssen let­z­tendlich die Ver­ant­wortlichen selb­st entschei­den, welche und wie viele Hin­weise sie auf den Etiket­ten ihres hergestell­ten oder ver­triebe­nen Pro­duk­ts angeben wollen.

Die Infor­ma­tio­nen auf dem Kennze­ich­nungsetikett umfassen:

  • Angaben zum Liefer­an­ten / Kontaktinformationen,
  • UFI-Code („Unique For­mu­la Iden­ti­fi­er“, Rezep­turi­den­ti­fika­tor, unter diesem sind alle Gift­in­for­ma­tio­nen hin­ter­legt. Der UFI-Code wird 2021 einge­führt und ist ab 2025 all­ge­mein Pflichtangabe),
  • den Pro­duk­ti­den­ti­fika­tor (Pro­duk­t­name und wichtig­ste Inhaltsstoffe beziehungsweise bei Stof­fen Identifikationsnummer),
  • die Nen­n­menge (Menge in der Ver­pack­ung, die der bre­it­en Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird),
  • gefährliche Inhaltsstoffe,
  • Gefahren­pik­togramme,
  • Sig­nal­worte („Gefahr“ für schw­er­wiegende, „Achtung“ für weniger schw­er­wiegende Gefährdungen),
  • Gefahren­hin­weise (H‑Sätze),
  • Sicher­heit­shin­weise (P‑Sätze),
  • ergänzende Infor­ma­tio­nen (zum Beispiel EUH-Sätze).

Herausforderungen durch CLP-Verordnung für die Betriebspraxis

Die CLP-Verord­nung und ihre Regelun­gen sind schon viele Jahre Real­ität in deutschen Unternehmen. Auf­grund der lan­gen Über­gangs­frist hat­ten die Betriebe aus­re­ichend Zeit, sich anzu­passen und ihre Mitar­beit­er zu informieren und zu schulen. Die Her­aus­forderung für den Arbeitss­chutz während der Über­gangszeit bestand in erster Lin­ie darin, die Vielzahl an neuen Infor­ma­tio­nen inner­halb der Unternehmen zu ver­ar­beit­en. Im Arbeit­sall­t­ag bedeutete dies, dass sich der Betrieb beim Bezug gefährlich­er Chemikalien mit neuer CLP-Kennze­ich­nung auch mit neuen Etiket­ten und Sicher­heits­daten­blät­tern auseinan­derzuset­zen hat­te. Die darin enthal­te­nen neuen Infor­ma­tio­nen zu Ein­stu­fung und Kennze­ich­nung mussten berück­sichtigt und umge­set­zt wer­den. Dies galt ins­beson­dere für die Gefährdungs­beurteilung, bei der die Ver­ant­wortlichen teil­weise ganz neue Infor­ma­tio­nen zu beacht­en hat­ten. Diese Her­aus­forderung war jedoch nicht allzu groß: Zwar mussten von nun an einige Stoffe, die vorher nicht kennze­ich­nungspflichtig waren, gekennze­ich­net und andere wiederum hin­sichtlich ihres Gefahren­poten­zials neu bew­ertet wer­den. Für die Ver­ant­wortlichen im Arbeitss­chutz bedeutete dies aber keinen wesentlichen Mehraufwand, denn schon zuvor war die Gefährdungs­beurteilung für jeden Stoff und jedes Gemisch Pflicht – unab­hängig von der Kennze­ich­nungs­frage oder bes­timmten Gefahrenmerkmalen.

Darüber hin­aus musste auch das Gefahrstof­fverze­ich­nis nach und nach an das CLP-Sys­tem angepasst wer­den. Die ein­fache Umwand­lung beziehungsweise Über­tra­gung von der alten DSD/D­PD-Kennze­ich­nung (DSD/DPD) in die neue CLP-Kennze­ich­nung war nur in den wenig­sten Fällen möglich. Die Ein­stu­fungskri­te­rien und die Prüfkri­te­rien für Stoffe und Gemis­che wichen in den meis­ten Fällen zu sehr voneinan­der ab.

Schulungen und Unterweisungen

Schließlich waren Schu­lun­gen und Unter­weisun­gen erforder­lich, um die Mitar­beit­er mit den neuen Sym­bol­en ver­traut zu machen. Ger­ade wenn diese schon lange mit Gefahrstof­fen umgin­gen, die nach der neuen CLP-Sys­tem­atik nun plöt­zlich als gefährlich­er gekennze­ich­net wur­den als vorher, kon­nten Verun­sicherun­gen entste­hen. Im Rah­men der Schu­lun­gen und Unter­weisun­gen war es daher beson­ders wichtig zu ver­mit­teln, dass sich am eigentlichen Gefahren­poten­zial ein­er bes­timmten Chemikalie trotz allem nichts änderte – auch wenn die neuen Ein­stu­fungskri­te­rien nach CLP zu einem anderen Sym­bol auf dem Kennze­ich­nungsetikett führten.

Die Umstel­lung auf das neue Sys­tem funk­tion­ierte auch deshalb recht gut, weil die Unternehmen auf die Unter­stützung der Beruf­sgenossen­schaft bauen kon­nten. Dr. Thomas Mar­tin, Leit­er Gefahrstoffin­for­ma­tion­ssys­tem Chemikalien der Beruf­sgenossen­schaft Rohstoffe und chemis­che Indus­trie (BG RCI), blickt zurück: „Natür­lich gab es zu Beginn der Umstel­lungsphase ver­mehrt Nach­fra­gen und hohen Bedarf an weit­eren Infor­ma­tio­nen und Hil­festel­lun­gen. Diesen Bedarf kon­nten wir als BG RCI auf­greifen. Wir haben Infor­ma­tion­ss­chriften, Sem­i­nare und in unserem Gefahrstoffin­for­ma­tion­ssys­tem Gis­Chem elek­tro­n­is­che Hil­f­s­mit­tel zur Ein­führung von GHS in den Betrieben zur Ver­fü­gung gestellt.“ Ins­ge­samt sei die Umstel­lung auf GHS/CLP hil­fre­ich für den Arbeitss­chutz: „In eini­gen Betrieben wurde damit ein stärk­er­er Fokus auf Gefahrstoffthe­men gelegt und dadurch eine weit­ere Verbesserung im Arbeits- und Gesund­heitss­chutz bei Tätigkeit­en mit Gefahrstof­fen erreicht.“

Fazit: Nur teilweise erfolgreich

Das Ziel, die Ein­stu­fung und Kennze­ich­nung weltweit ein­heitlich zu gestal­ten, ist jedoch noch nicht voll­ständig erre­icht. Bei der Sys­temhar­mon­isierung mit dem Trans­portrecht glück­te die Vere­in­heitlichung dabei bess­er als bei der inter­na­tionalen Har­mon­isierung der Ein­stu­fung und Kennze­ich­nung. Der Grund: Staat­en außer­halb der EU war es weit­er­hin erlaubt, alte Bes­tim­mungen und Son­der­regelun­gen beizube­hal­ten, sofern sie nicht vom GHS-Basis­doku­ment der UN abgedeckt waren. So kommt es immer noch zu Irri­ta­tio­nen beim inter­na­tionalen Han­del mit Chemikalien, weil Ein­stu­fun­gen in ver­schiede­nen Län­dern weit­er­hin unter­schiedlich aus­fall­en kön­nen. Den­noch wur­den auch auf diesem Gebi­et Fortschritte erzielt. Mar­tin: „Die Bew­er­tung von Sicher­heits­daten­blät­tern aus Nicht-EU-Län­dern ist durch die Har­mon­isierung schon ein­fach­er geworden.“

Gle­ich­wohl hält auch der Experte der BG RCI manche Regelun­gen im GHS/­CLP-Sys­tem noch nicht für aus­re­ichend prax­is­tauglich, sie wür­den erst nach und nach weltweit angepasst. Diese ständi­gen Anpas­sun­gen und Änderun­gen seien für Betriebe schw­er zu ver­fol­gen und umzuset­zen – die Unfal­lver­sicherungsträger wer­den dabei weit­er­hin Hil­festel­lun­gen anbi­eten müssen. „Es bleibt zu hof­fen, dass nach Schär­fung einiger Kri­te­rien zu Ein­stu­fung und Kennze­ich­nung die Zahl der weit­eren Änderun­gen geringer wird. Dann kann die Verord­nung auch durch mit­tel­ständis­che Unternehmen ein­fach­er umge­set­zt wer­den“, bilanziert Thomas Martin.


Drei Verordnungen – eine Auskunftsstelle

Der REACH-CLP-Biozid Helpdesk ist die nationale Auskun­ftsstelle für Her­steller, Impor­teure und Anwen­der von chemis­chen Stof­fen und Biozid­pro­duk­ten. Er dient als Infor­ma­tion­squelle und Ori­en­tierung­shil­fe bei der Umset­zung der drei Verord­nun­gen und unter­stützt bei Fra­gen zur Reg­istrierung, Bew­er­tung und Zulas­sung sowie bei der Ein­stu­fung und Kennze­ich­nung von chemis­chen Stof­fen und Biozi­den. Die Auskun­ftsstelle ist bei der Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin (BAuA) ange­siedelt. Einge­bun­den sind zudem die Experten des Umwelt­bun­de­samtes, des Bun­desin­sti­tuts für Risikobe­w­er­tung und der Bun­de­sanstalt für Mate­ri­al­forschung und ‑prü­fung.

www.reach-clp-biozid-helpdesk.de


Foto: privat

Autor:

Dr. Joerg Hensiek

Fachau­tor und freier Journalist


So ist die CLP-Verordnung aufgebaut

Artikel­teil mit 62 Artikeln

Anhang I: Vorschriften für die Ein­stu­fung und Kennze­ich­nung von gefährlichen Stof­fen und Gemischen

Anhang II: Beson­dere Vorschriften für die Kennze­ich­nung und Ver­pack­ung bes­timmter Stoffe und Gemische

Anhang III: Liste der Gefahren­hin­weise, ergänzen­den Gefahren­merk­male und ergänzen­den Kennzeichnungselemente

Anhang IV: Liste der Sicherheitshinweise

Anhang V: Gefahren­pik­togramme

Anhang VI: Har­mon­isierte Ein­stu­fung und Kennze­ich­nung für bes­timmte gefährliche Stoffe

Anhang VII: Umwand­lungsta­belle (als Hil­festel­lung für die Neue­in­stu­fung von Stof­fen nach GHS; diese ist aber mit Vor­sicht anzuwenden)

Anhang VIII: Har­mon­isierte Infor­ma­tio­nen für die gesund­heitliche Notver­sorgung und für vor­beu­gende Maßnahmen

Auf­bau des Artikelteils

I All­ge­meines

II Gefahrene­in­stu­fung

  • Kap. 1 Ermit­tlung und Prü­fung von Informationen
  • Kap. 2 Bew­er­tung der Gefahreneigen­schaften und Entschei­dung über die Einstufung

III Gefahrenkom­mu­nika­tion durch Kennzeichnung

  • Kap. 1 Inhalt des Kennzeichnungsetiketts
  • Kap. 2 Anbringung der Kennzeichnungsetiketten

IV Ver­pack­ung


CLP-Verordnung
Foto: © H_Ko — stock.adobe.com

Wie die Einstufung gemäß CLP-Verordnung funktioniert: Beispiel Gemische

Am Beispiel von Gemis­chen soll kurz dargestellt wer­den, an welchen Kri­te­rien sich Ein­stu­fung und Kennze­ich­nung orientieren.

Hin­sichtlich der physikalis­chen Gefahren müssen die Ergeb­nisse aktueller Tests mit den Kri­te­rien im Anhang I der CLP-Verord­nung ver­glichen wer­den. Aus diesem Daten­ver­gle­ich ergibt sich, ob das Gemisch weit­er wie bish­er eingestuft wer­den kann oder neu eingestuft wer­den muss. Bei Gesund­heits- und Umwelt­ge­fahren wird zum Beispiel der Gehalt einzel­ner Inhaltsstoffe mit einem soge­nan­nten Konzen­tra­tions­gren­zw­ert ver­glichen, der als Schwellen­wert für die Ein­stu­fung des Gemis­ches dient. Die zu den ver­schiede­nen Gefahren­klassen oder ‑kat­e­gorien gehöri­gen all­ge­meinen Konzen­tra­tions­gren­zw­erte (soge­nan­nte GCL) sind im Anhang I Teil 3 und 4 genannt.

Zur Bes­tim­mung der Gesund­heits- und Umwelt­ge­fahren kön­nen die Inhaltsstoffe in einem Gemisch entwed­er zusam­men­gerech­net wer­den oder jed­er Inhaltsstoff wird einzeln berück­sichtigt. Zusam­men­gerech­net wird, wenn die Summe aller Inhaltsstoffe, die eine bes­timmte Eigen­schaft haben, über die Ein­stu­fung entschei­det. Unter­schiedliche Wirkungsstärken der Inhaltsstoffe wer­den dabei in der Regel durch eine gewichtete Berech­nung berück­sichtigt. Typ­is­che Beispiele für ein solch­es „addi­tives Ver­fahren“ sind akute Tox­iz­ität, Reizwirkung oder aquatis­che Tox­iz­ität. Im Gegen­satz dazu wird für Sen­si­bil­isierung, Karzino­gen­ität, oder Keimzell­mu­ta­gen­ität eines bes­timmten Inhaltsstoffes dieser direkt mit dem ein­schlägi­gen Schwellen­wert abgeglichen, ohne andere Stoffe mit der­sel­ben Eigen­schaft einzubeziehen.

Quelle: Umwelt­bun­de­samt, www.umweltbundesamt.de

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