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Absturzgefahr im Griff

Absturzgefahr im Griff
Absturzgefahr im Griff

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Hubar­beits­büh­nen sind auf Baustellen sowie bei der Instand­set­zung von Gebäu­den und Anla­gen unverzicht­bar. Auf­grund ver­schieden­er Bau­for­men und tech­nis­ch­er Beson­der­heit­en sind die Anforderun­gen an das Fahrper­son­al erhe­blich gestiegen. Um Unfälle zu ver­mei­den, muss der Bedi­ener beson­dere Ken­nt­nisse beziehungsweise Fer­tigkeit­en besitzen. Dazu gehört auch das Wis­sen um die richtige Per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung gegen Absturz und deren Verwendung.

Markus Tis­chen­dorf

Fahrbare Hubar­beits­büh­nen unter­liegen der europäis­chen Maschi­nen­richtlin­ie. Sie beste­hen aus

  • dem Fahrw­erk (ggf. mit Stützen),
  • der Hubein­rich­tung und
  • dem Arbeit­sko­rb.

Die Her­steller haben beim Bau der Maschi­nen die har­mon­isierte Norm „Fahrbare Hubar­beits­büh­nen“ (DIN EN 280) in der jew­eils gülti­gen Fas­sung zu beacht­en. Es gibt unter­schiedliche Bau­for­men von Hubar­beits­büh­nen: Senkrechtlifte und Auslegerbüh­nen. Zu den Senkrechtliften gehören Stem­pel­mast- und Scheren­büh­nen. Das Beson­dere an diesen Maschi­nen ist, dass sich die lotrechte Pro­jek­tion des Lastschw­er­punk­tes inner­halb der Kipp­kan­ten befind­et. Außer­halb der Kipp­kan­ten befind­et sich der Lastschw­er­punkt dage­gen bei Auslegerbüh­nen wie beispiel­sweise Lkw-Arbeits­büh­nen, Anhänger­büh­nen und selb­st­fahren­den Teleskopbühnen.

Schwere Unfälle durch Abstürze von Hubarbeitsbühnen

Das Unfallgeschehen belegt, dass die meis­ten schw­eren Unfälle mit Hubar­beits­büh­nen durch das „Abstürzen von Per­so­n­en“ aus der Höhe verur­sacht wer­den. Der­ar­tige Per­so­n­en­ab­stürze ereignen sich unter anderem durch

  • das unzuläs­sige Besteigen des Seitenschutzes,
  • das Hin­auslehnen mit dem Oberkör­p­er aus dem Arbeitskorb,
  • das Über­steigen von Per­so­n­en auf Gebäude oder Däch­er sowie
  • das Her­auss­chleud­ern des Bedi­eners aus dem Korb.

Das let­zt­ge­nan­nte Unfall­szenario wird auch als soge­nan­nter „Peitsch­en­ef­fekt“ beze­ich­net. Dieser Effekt tritt ins­beson­dere bei Kol­li­sio­nen der Hubar­beits­bühne mit anderen Fahrzeu­gen (z.B. Lastkraft­wa­gen im öffentlichen Straßen­verkehr) oder mobilen Bau­maschi­nen auf. Dabei wird die auftre­tende Stoßen­ergie über das Fahrw­erk auf den Ausleger der Hubar­beits­bühne über­tra­gen und der Bedi­ener aus dem Arbeit­sko­rb her­aus­geschleud­ert. Die Unfall­fol­gen sind meist schw­er; manch­mal enden der­ar­tige Ereignisse auch tödlich.

PSA gegen Absturz schützt

Zur Ver­mei­dung solch­er Unfälle besitzen Hubar­beits­büh­nen im Arbeit­sko­rb eigene Anschlag­punk­te für die Per­sön­liche Schutzausaus­rüs­tung (PSA) gegen Absturz. Die Schutzaus­rüs­tung beste­ht aus einem Sicher­heits­geschirr und dem Verbindungsmit­tel (in der Länge ver­stell­bares Seil inklu­sive Falldämpfer). Das Sicher­heits­geschirr ist immer eng anzule­gen. Als Faust­formel gilt: Zwis­chen den tex­tilen Gurten und dem eige­nen Kör­p­er sollte ger­ade noch eine aufliegende Hand­fläche hin­durch geschoben wer­den können.

Das einge­set­zte Verbindungsmit­tel ist möglichst kurz einzustellen. Die max­i­mal zuläs­sige Länge beträgt 1,80 Meter. Alter­na­tiv kann das Verbindungsmit­tel auch durch ein Höhen­sicherungs­gerät erset­zt wer­den, welch­es zugle­ich eine mögliche Schlaff­seil­bil­dung ver­hin­dert. Aber Achtung: Nicht alle Höhen­sicherungs­geräte sind für den Ein­satz auf Hubar­beits­büh­nen geeignet. Der Benutzer hat darauf zu acht­en, dass die Geräte unab­hängig von ihrer (Einbau-)Lage wirk­sam sind und eine Her­steller­freiga­be (nachzule­sen in der Bedi­enungsan­leitung) besitzen. Je Anschlag­punkt im Korb darf grund­sät­zlich nur eine Per­son gesichert werden.

Für jede weit­ere mit­fahrende Per­son muss eine zusät­zliche Befes­ti­gungsöse im Korb vorhan­den sein. Welche Nut­zlast die Hubar­beits­bühne besitzt, ist übri­gens am Korb angegeben.

Unterweisung mit Übungen

Eines ist beson­ders wichtig: Die einge­set­zte PSA gegen Absturz muss vor­rangig ver­hin­dern, dass Per­so­n­en aus dem Korb her­aus­geschleud­ert wer­den. Sollte das den­noch ein­mal passieren, kommt es entschei­dend auf die Stand­sicher­heit der Mas­chine an. Nicht auszuschließen, dass die Hubar­beits­bühne auf­grund der Kol­li­sion (Peitsch­en­ef­fekt, siehe oben) und den damit ver­bun­de­nen Fol­gen (Sturz ein­er „ange­seil­ten“ Per­son aus dem Korb) möglicher­weise umkippt. Deshalb sind die Beschäftigten im Rah­men ihrer Fahreraus­bil­dung und der regelmäßi­gen Unter­weisung darüber zu informieren, welche Absturzge­fahren beim Arbeit­en mit der Mas­chine beste­hen und wie die zur Ver­fü­gung gestellte PSA gegen Absturz zu ver­wen­den ist.

Die PSA gegen Absturz schützt übri­gens vor schw­eren und irre­versiblen Ver­let­zun­gen. Deshalb ist nach § 31 der UVV „Grund­sätze der Präven­tion“ (DGUV Vorschrift 1) neben der üblichen Unter­weisung auch eine prak­tis­che Übung vorgeschrieben. Hil­fre­ich ist es außer­dem eine Betrieb­san­weisung zu erstellen, die das Arbeit­en mit der Hubar­beits­bühne unter Berück­sich­ti­gung der betrieblichen Beson­der­heit­en näher beschreibt.

PSA täglich kontrollieren

Der Bedi­ener hat die PSA gegen Absturz arbeit­stäglich auf äußere Schä­den hin zu kon­trol­lieren. Beschädi­gun­gen kön­nen zum Beispiel sein:

  • ein­geris­sene oder ver­schlis­sene Gurtbänder
  • defek­te Nahtverbindungen
  • ver­bo­gene, ange­broch­ene met­allis­che Beschläge
  • nicht ein­wand­freie Schnallen oder Schließverbindungen

Sofern solche Schä­den erkan­nt wer­den, darf die PSA gegen Absturz nicht mehr ver­wen­det wer­den. Repara­turen sind dem Her­steller vor­be­hal­ten. Die Nutzungs­dauer der per­sön­lichen Schutzaus­rüs­tung ist von den jew­eili­gen Ein­satzbe­din­gun­gen abhängig. Auch die Wartung und Pflege des Mate­ri­als ist wichtig. Starke UV-Strahlung sowie der Kon­takt zu Chemikalien, Reini­gungsmit­teln usw. kann die Gebrauchs­dauer erhe­blich reduzieren.

Wenn der Her­steller nichts anderes angibt, kann von fol­gen­der Nutzungs­dauer aus­ge­gan­gen werden:

  • Sicher­heits­geschirr: 6 bis 8 Jahre
  • Verbindungsmit­tel: 4 bis 6 Jahre

Zur Auf­be­wahrung der PSA gegen Absturz haben sich Kof­fer oder Ruck­säcke bewährt (siehe Abbil­dung unten).

Unab­hängig von der täglichen Kon­trolle durch den Anwen­der ist die PSA gegen Absturz min­destens ein­mal jährlich durch eine befähigte Per­son (Sachkundi­ger) zu prüfen. Das Prüfer­geb­nis ist zu dokumentieren.


Weitere Informationen

  • Sicher­er Umgang mit fahrbaren Hubar­beits­büh­nen, DGUV Infor­ma­tion 208–019
  • D. Kobel: Hubar­beits­büh­nen sich­er bedi­enen – Lehrbuch für Aus­bil­dung und Unter­weisung, Ver­lag Hein­rich Vogel, 2018
  • M. Tis­chen­dorf: 20 Sicher­heit­stipps für Bedi­ener von fahrbaren Hubar­beits­büh­nen, Resch-Ver­lag, 2016
  • M. Tis­chen­dorf: Mit Hubar­beits­büh­nen auf Baustellen sich­er arbeit­en, Bau­por­tal, Aus­gabe 05/2018, S. 19 – 25, Erich Schmidt Verlag
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