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Droh­nen – Hilfe von oben

Risiken reduzieren
Droh­nen – Hilfe von oben

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Wenn es brennt, Chemi­ka­lien austre­ten oder Unbe­fugte ein Betriebs­ge­lände betre­ten, ist ziel­ge­rich­te­tes Handeln gefragt. Das Unter­neh­men Secu­ri­tas Fire Control + Service hat eine Drohne entwi­ckelt, die beim Über­flug schnell alle dafür rele­van­ten Daten liefern kann und damit gleich­zei­tig die Risi­ken für die Kolle­gen am Boden deut­lich redu­ziert.

Petra Hannen

Rauch dringt aus dem Kessel­wa­gen mit hoch­ex­plo­si­ver Ladung. Dane­ben liegt ein bewusst­lo­ser Mann, der im Qualm kaum zu sehen ist. Jeder­zeit kann es eine Explo­sion geben, zudem ist unklar, welche Chemi­ka­lie genau der Kessel­wa­gen gela­den hat. Trotz­dem muss sich die Feuer­wehr der Unglücks­stelle nähern – um sich einen Über­blick zu verschaf­fen, die Gefahr­stoff­num­mer am Fahr­zeug abzu­le­sen und an die Leit­stelle durch­zu­ge­ben, nach verletz­ten Perso­nen zu suchen sowie alle weite­ren Schritte fest­zu­le­gen und einzu­lei­ten. „Diese ersten Minu­ten eines Einsat­zes sind beson­ders wich­tig und beson­ders gefähr­lich“, sagt Ronny Schwarz, Area Mana­ger und Proku­rist des Bitter­fel­der Stütz­punk­tes der Firma Secu­ri­tas.

Flie­gen­des Auge konstru­iert

Die Secu­ri­tas Fire Control + Service GmbH & Co. KG stellt im Indus­trie­park Bitter­feld die Werk­feu­er­wehr und erbringt weitere Siche­rungs­dienst­leis­tun­gen. Wegen ihrer Brisanz hat ein Tüft­ler aus den eige­nen Reihen einen elek­tro­ni­schen Helfer für die entschei­den­den ersten Minu­ten entwi­ckelt: Feuer­wehr­mann Yorck Rackow, ein Maschi­nen­bau­in­ge­nieur, hat eine Drohne gebaut, die als flie­gen­des Auge dank ausge­feil­ter Tech­nik in Hava­rie­si­tua­tio­nen wich­tige Entschei­dungs­hil­fen geben und die Gefähr­dun­gen für die Einsatz­kräfte redu­zie­ren kann. Für diese Entwick­lung wurde das Unter­neh­men mit dem Präven­ti­ons­preis 2018 der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) in der Kate­go­rie Betrieb­li­che Sicher­heits­tech­nik ausge­zeich­net.

Ein Multi­ta­lent

Das Poten­zial für Droh­nen im Sicher­heits­be­reich haben wir schon früh erkannt“, erläu­tert Ronny Schwarz. „Aber wir haben auf dem Markt nur Schön­wet­ter­droh­nen gefun­den – die können bei Sonne flie­gen, bekom­men aber Probleme bei Wind oder Regen und haben außer­dem keiner­lei Senso­rik an Bord.“ Im Vergleich dazu ist die je nach Ausstat­tung bis zu 60.000 Euro teure Securitas-Drohne ein Multi­ta­lent.

Das System ist modu­lar aufge­baut und kann so an die spezi­fi­schen Anfor­de­run­gen des jewei­li­gen Einsatz­zwe­ckes ange­passt werden. Verschie­dene Kame­ras liefern per Funk oder Inter­net Fotos, Filme und Wärme­bil­der, Laser messen Höhen und Abstände, spezi­elle Senso­ren analy­sie­ren die Luft. Die Drohne selbst ist bestän­dig gegen aggres­sive Stoffe, explo­si­ons­ge­schützt und kann dank acht koaxial ange­ord­ne­ter Roto­ren auch bei Regen, Schnee und Wind oder durch Wasser­wände flie­gen – und das bis zu zwan­zig Minu­ten lang.

Als Erste am Einsatz­ort

Wir wollen mit der Drohne vorran­gig die Sicher­heit verbes­sern“, so Schwarz. „Zum einen hilft sie uns, wich­tige Arbeits­schritte vorzu­be­rei­ten. Zum ande­ren kann sie da flie­gen und arbei­ten, wo es für Einsatz­kräfte extrem gefähr­lich ist.“ Im Fall des verun­glück­ten Kessel­wa­gens beispiels­weise kann die Drohne als erste am Einsatz­ort sein. Von dort kann sie Über­blicks­bil­der in die Leit­stelle oder direkt in die Einsatz­wa­gen schi­cken, dank eines Wärme­bilds die verletzte Person im dich­ten Qualm loka­li­sie­ren, die austre­ten­den Gase analy­sie­ren und ein Foto vom Gefahr­stoff­schild über­mit­teln. So können sich die Einsatz­kräfte bereits vor ihrem Eintref­fen am Unglücks­ort auf die Lage und das Ausmaß der Schä­den einstel­len – sie wissen beispiels­weise bereits, wo der Verletzte liegt und mit welchem Lösch­mit­tel sie den bren­nen­den Kessel­wa­gen bekämp­fen dürfen. Das redu­ziert nicht nur die körper­li­chen Gefähr­dun­gen, sondern auch psychi­sche Belas­tun­gen.

Zurzeit wird in Bitter­feld weiter an tech­ni­schen Verbes­se­run­gen der Drohne gefeilt. Ein Ziel ist, dass das Gerät im Indus­trie­park bei Alarm autark zum Einsatz­ort flie­gen, ein Lage­bild liefern und wieder zurück­flie­gen kann. Da jede Brand­mel­de­an­lage über GPS-Koordinaten verfügt, ist das laut Schwarz im Prin­zip jetzt schon möglich – wenn das Wetter gut ist und von der Funk­ze­lle bis zum Satel­lit alle unter­stüt­zen­den Systeme funk­tio­nie­ren. Die notwen­dige Soft­ware hat das Unter­neh­men gemein­sam mit dem Fraunhofer-Institut bereits entwi­ckelt. Am letz­ten Schritt – der Landung in einem beheiz­ten Hangar samt Lade­sta­tion auf dem Dach der Feuer­wehr­wa­che – wird noch gear­bei­tet. „Zurzeit landet die Drohne auf einer Wiese vor dem Gebäude, da die Navi­ga­ti­ons­da­ten, auf die wir zugrei­fen können, für ein punkt­ge­naues Ansteu­ern des Hangars nicht detail­liert genug sind“, erklärt Schwarz. Aber er ist opti­mis­tisch, dass die Tüft­ler auch dafür eine Lösung finden.


Weitere Einsatz­be­rei­che

Neben Brän­den eignet sich die von Secu­ri­tas entwi­ckelte Drohne auch für diverse weitere Einsatz­fel­der. Dank der Wärme­bild­ka­mera ist es beispiels­weise möglich, die Poli­zei bei der Suche nach Vermiss­ten zu unter­stüt­zen oder land­wirt­schaft­li­chen Betrie­ben bei der Ernte zu helfen, indem die Drohne vorab im Feld versteckte Rehe oder andere Tiere aufspürt. In Sachsen-Anhalt bietet das Unter­neh­men ande­ren Feuer­weh­ren bei Groß­ein­satz­la­gen seine Drohne samt Pilot zur Unter­stüt­zung an.

Auch im betrieb­li­chen Umfeld sieht Secu­ri­tas Poten­zial jenseits von Hava­rien, Brän­den und Unfäl­len – beispiels­weise bei Bege­hun­gen von Betriebs­ge­län­den, wenn Unbe­fugte auf dem Areal vermu­tet werden. Dank der modu­la­ren Senso­rik der Drohne könn­ten zudem Repa­ra­tu­ren ohne das Aufstel­len von aufwän­di­gen und teuren Gerüs­ten vorbe­rei­tet oder Vermes­sun­gen bei der Planung von Bauten durch­ge­führt werden. Und im Zuge der Kontrolle tech­ni­scher Anla­gen könnte die Drohne das Perso­nal bei Inspek­tio­nen sowie bei Messun­gen von Gasen und indus­tri­el­len Schad­stof­fen unter­stüt­zen.

Ronny Schwarz ist über­zeugt: „In all diesen Fällen kann Hilfe von oben die Belas­tun­gen deut­lich verrin­gern, Arbeits­un­fäl­len vorbeu­gen und so die Sicher­heit aller Beschäf­tig­ten erhö­hen.“


Foto: privat

Autorin: Petra Hannen

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