Bei Verladung tödlich verunglückt. Lkw-Ladekrane sicher betreiben -
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Lkw-Ladekrane sicher betreiben

Bei Verla­dung tödlich verun­glückt

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Lkw‐Ladekrane werden häufig zum Be‐ und Entla­den von Fahr­zeu­gen sowie für Bau‐ und Monta­ge­tä­tig­kei­ten genutzt. Nicht selten kommt es dabei zu Unfäl­len. Dieser Beitrag zeigt, was beim siche­ren Einsatz dieser Maschi­nen zu beach­ten ist.

Zwei Mitar­bei­ter einer Fach­firma erhiel­ten den Auftrag zum Rück­bau einer Baustel­len­ein­rich­tung auf einem Auto­bahn­ab­schnitt. Sechs Beton­teile mit einem Gewicht von jeweils rund 1,6 Tonnen soll­ten mit einem fahr­zeug­ei­ge­nen Lade­kran auf einen Lkw geho­ben werden. Bei der Verla­dung des letz­ten Beton­teils verun­glückte einer der Arbei­ter tödlich.

Von der Last erschla­gen

Was war die Unfall­ur­sa­che? Die Staats­an­walt­schaft schal­tete einen Sach­ver­stän­di­gen ein. Dieser stellte folgende Fehler fest:

  • Der Kran befand sich in einem schlech­ten Zustand,
  • er war mit 16 Prozent erheb­lich über­las­tet und
  • die Last wurde unsach­ge­mäß geführt.

Das Beton­teil wurde von einem Grei­fer gehal­ten. Beim Verla­den setzte es verse­hent­lich auf den Fahr­zeug­rah­men auf. Damit wurde der Grei­fer kurz­fris­tig entlas­tet. Zusätz­lich verrin­gerte star­ker Regen die Reib­kräfte zwischen Grei­fer und Last. Die Folge: Das tonnen­schwere Bauteil löste sich und erschlug den Mitar­bei­ter, der sich zum Führen der Last im Gefah­ren­be­reich aufhielt.

Planung der Maßnah­men

Um alle Betei­lig­ten vor schwe­ren oder gar tödli­chen Verlet­zun­gen beim Arbei­ten mit Lade­kra­nen zu bewah­ren, ist folgen­des zu beach­ten:

  • Alle Eingriffe in den öffent­li­chen Verkehrs­raum sind zunächst ordnungs­ge­mäß zu planen und dementspre­chend zu orga­ni­sie­ren.
  • Für jede Baustelle ist eine verkehrs­recht­li­che Geneh­mi­gung bei der zustän­di­gen Stra­ßen­ver­kehrs­be­hörde einzu­ho­len, welche insbe­son­dere Anga­ben zur Absi­che­rung der Arbeits­stelle beinhal­tet.
  • Im Rahmen der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung nach §§ 5,6 Arbeits­schutz­ge­setz (ArbSchG) hat der Unter­neh­mer außer­dem zu ermit­teln, welcher Lade­kran für die Durch­füh­rung der Arbei­ten benö­tigt wird.

Krite­rien dafür sind

  • die zuläs­sige Gesamt­masse
  • die maxi­male Trag­fä­hig­keit des Kranes,
  • die Ausla­dung des Ausle­gers,
  • die erfor­der­li­che Stand­flä­che des Fahr­zeu­ges bei Verwen­dung der Stüt­zen sowie
  • die unter norma­len Betriebs­zu­stän­den auftre­ten­den Stütz­kräfte auf den Unter­grund.

Alle Beschäf­tig­ten müssen darüber hinaus die erfor­der­li­chen Persön­li­chen Schutz­aus­rüs­tun­gen nutzen: Je nach Gefähr­dun­gen sind das beispiels­weise Fußschutz (Sicher­heits­schuhe mit durch­tritt­si­che­rer Sohle, wärme­iso­lie­ren­der Unter­bau), Schutz­hand­schuhe, Warn­klei­dung nach DIN EN 471 (mindes­tens Klasse 2), Schutz­helm und Gehör­schutz.

Anschlag­mit­tel sicher verwen­den

Lkw‐Ladekrane sind Fahr­zeug­krane im Sinne der Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrift „Krane“ (DGUV Vorschrift 52). Sie sind hinter dem Führer­haus oder am Fahr­zeug­heck montiert und mit einem Tele­sko­p­aus­le­ger oder einem Knick­aus­le­ger ausge­rüs­tet. Durch die verän­der­li­che Reich­weite von Lade­kra­nen ist ihre Trag­fä­hig­keit varia­bel: Je nach Rüst­zu­stand und Ausla­dung können sie unter­schied­lich schwere Lasten heben und beför­dern.

In der Regel werden die Lasten mit Anschlag­mit­teln (zum Beispiel Seile, Ketten oder textile Hebe­bän­der) mit dem Kran­ha­ken verbun­den. Diese Anschlag­mit­tel sind geschützt aufzu­be­wah­ren und dürfen nicht über­las­tet, gekno­tet, behelfs­mä­ßig repa­riert (zum Beispiel mit Schrau­ben), über scharfe Kanten gezo­gen oder mit Fahr­zeu­gen über­fah­ren werden. Der Kran­ha­ken muss über eine Haken­si­che­rung verfü­gen, die ein unbe­ab­sich­tig­tes Aushän­gen der Last verhin­dert. Alter­na­tiv können die Lasten auch mit Stein­sta­pelz­an­gen, Grei­fern oder Palet­ten­ga­beln aufge­nom­men werden.

Zuläs­sige Belas­tung des Lade­kra­nes

Jeder Lkw‐Ladekran muss mit einem Trag­fä­hig­keits­schild ausge­stat­tet sein. Der Kran­füh­rer kann darauf able­sen, wie schwer die aufzu­neh­mende Last maxi­mal sein darf. Dieser Maxi­mal­wert gilt aber nur bei gerin­ger Ausla­dung – mit zuneh­men­der Ausla­dung verrin­gert sich die zuläs­sige Trag­fä­hig­keit. Zu beach­ten ist außer­dem, dass es sich bei den Herstel­ler­an­ga­ben um die jewei­lige Brut­to­last handelt. Für das Maxi­mal­ge­wicht der Last müssen von diesem Wert gege­be­nen­falls noch die Gewichte von Kran­ha­ken, Unter­fla­sche, Anschlag‐ oder Last­auf­nah­me­mit­teln sowie von manu­el­len Schub­stück­ver­län­ge­run­gen abge­zo­gen werden.

Stand­si­chere Aufstel­lung

Der sichere Betrieb von Lade­kra­nen hängt ganz entschei­dend von der Stand­ort­wahl und dem rich­ti­gen Aufstel­len der Maschine ab. Um eine opti­male Stütz­ba­sis zu errei­chen, soll­ten möglichst alle Stüt­zen des Lade­kra­nes voll ausge­fah­ren werden (Betriebs­hand­buch des Herstel­lers beach­ten). Beson­dere Aufmerk­sam­keit ist gebo­ten, wenn der Lade­kran auf einer Gefäl­le­stre­cke betrie­ben wird: Hier besteht Abrutsch­ge­fahr! Können Kran­aus­le­ger oder Teile der Last auf die Fahr­bahn ausschwen­ken, kann dies beispiels­weise durch eine tech­ni­sche Schwenk­be­gren­zung oder mit Hilfe von zusätz­li­chen Absper­run­gen verhin­dert werden.

Werden einige Altma­schi­nen bei beeng­ten Verhält­nis­sen entge­gen den Herstel­ler­an­ga­ben nur einsei­tig abge­stützt, kann die Maschine kippen. Umstür­zen können Lade­krane auch dann, wenn sie auf einem nicht trag­fä­hi­gen Unter­grund aufge­stellt werden. Deshalb sind die Stütz­füße von Lade­kra­nen unter Berück­sich­ti­gung der vorhan­de­nen Stütz­kräfte sowie der maxi­mal zuläs­si­gen Trag­fä­hig­keit des Bodens immer mit Unter­leg­plat­ten oder stabi­len Holz­boh­len im Kreuz­ver­bund groß­flä­chig zu unter­bauen. Die Stütz­füße sind waage­recht auf dem Unter­bau bezie­hungs­weise auf die Unter­leg­plat­ten aufzu­set­zen und mittig zu posi­tio­nie­ren. Bei länger andau­ern­den Kran­ar­bei­ten sollte regel­mä­ßig kontrol­liert werden, wie es um die Abstüt­zung bestellt ist, da zum Beispiel Tauwet­ter oder Stark­re­gen den Unter­grund aufwei­chen können. Zur Vermei­dung von Quetsch­ge­fah­ren muss der Abstand von Kran­tei­len zu festen Bautei­len oder Gegen­stän­den (zum Beispiel Mate­ri­al­sta­pel) mindes­tens 0,5 Meter betra­gen.

Bestim­mungs­ge­mäße Kran­be­die­nung

Beim Betrieb von Kranen müssen die Bedie­nungs­an­lei­tung des Herstel­lers und die Betriebs­an­wei­sung des Betrei­bers beach­tet werden. Nur ausge­bil­dete und zuver­läs­sige Mitar­bei­ter dürfen Lade­krane selbst­stän­dig führen. Sie werden schrift­lich damit beauf­tragt.

Grund­sätz­lich soll­ten Lasten nicht über Perso­nen geho­ben werden. Werden Grei­fer oder andere Mittel zum Heben einge­setzt, die nur eine kraft­schlüs­sige Verbin­dung zur Last herstel­len, ist dies strikt verbo­ten! Darüber hinaus darf sich niemand im Gefah­ren­be­reich der Maschine aufhal­ten. Der Kran­füh­rer muss darauf achten, dass Lasten nicht losge­ris­sen oder schräg gezo­gen werden. Hier­durch können Kran­bau­teile beschä­digt und die Sicher­heit gefähr­det werden. Glei­ches gilt für das Schie­ben und Ziehen von Lasten mit Hilfe des Kran­aus­le­gers.

Um Unfälle und Schä­den beim Kran­ein­satz zu vermei­den, sind die Beschäf­tig­ten regel­mä­ßig sowie nach beson­de­ren Anläs­sen (etwa beim Unter­lau­fen von Sicher­heits­re­geln oder nach unbe­wuss­ten Fehl­hand­lun­gen) anhand der Betriebs­an­wei­sung für Krane zu unter­wei­sen. Die Unter­wei­sun­gen sind schrift­lich fest­zu­hal­ten.

Regel­mä­ßige Prüfung

Lkw‐Ladekrane müssen sich jeder­zeit in einem ordnungs­ge­mä­ßen Zustand befin­den. Nach § 14 (2) Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung (Betr­SichV) sind dazu regel­mä­ßige Prüfun­gen verpflich­tend. Als Prüfer können „befä­higte Perso­nen“ oder ermäch­tigte Kran­sach­ver­stän­dige einge­setzt werden. Die Prüf­fris­ten für Krane hängen von den jewei­li­gen Einsatz­be­din­gun­gen bezie­hungs­weise Betriebs­ver­hält­nis­sen ab. Eine Prüfung hat aber mindes­tens einmal pro Jahr statt­zu­fin­den. Die Ergeb­nisse sind zu doku­men­tie­ren.

Darüber hinaus hat der Kran­füh­rer seine Maschine an jedem Arbeits­tag in Augen­schein zu nehmen: Stellt er sicher­heits­re­le­vante Defi­zite fest, darf er den Lade­kran nicht in Betrieb nehmen. Treten Mängel während des Betrie­bes auf, muss er diesen umge­hend einstel­len und den jewei­li­gen Vorge­set­zen infor­mie­ren. Der Betrei­ber legt fest, wer betriebs­in­tern für die Wartungs‐ und Repa­ra­tur­ar­bei­ten des Lade­kra­nes zustän­dig ist.


Autor:

Markus Tisch­endorf

Tech­ni­scher Aufsichts­be­am­ter, BG ETEM

Foto: © Dägling


Praxis‐Tipps

Laut Abschluss­be­richt zum Arbeits­pro­gramm „Sicher fahren und trans­por­tie­ren“ der Gemein­sa­men Deut­schen Arbeits­schutz­stra­te­gie (GDA) sind die häufigs­ten Sicher­heits­de­fi­zite beim Einsatz von Kranen:

  • keine Sicht‐ und Funk­ti­ons­prü­fung des Kran­füh­rers vor Arbeits­be­ginn durch­ge­führt (17 Prozent)
  • Kran­füh­rer nicht ausge­bil­det (14 Prozent)
  • keine eindeu­ti­gen Rege­lun­gen zur Störungs­be­sei­ti­gung,
    Wartung und Repa­ra­tur des Kranes vorhan­den (8 Prozent)
  • fehlende Bereit­stel­lung und Benut­zung geeig­ne­ter persön­li­cher Schutz­aus­rüs­tung (7 Prozent)
  • Mate­ri­al­la­ge­rung derart, dass kein Sicher­heits­ab­stand von mindes­tens 0,5 Metern erhal­ten bleibt (7 Prozent)

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