Startseite » Sicherheit » Sicherheitstechnik »

Kein Anschluss unter dieser Nummer?

Notrufleitsysteme bei Aufzügen
Kein Anschluss unter dieser Nummer?

TUeV_SUeD_Aufzugstelefon_quer2_F.jpg
Foto: TÜV Süd
Anzeige
Aufzüge, die Per­so­n­en befördern, müssen über ein Notru­fleit­sys­tem (Zwei Wege) ver­fü­gen. Im Zweifel ist nachzurüsten. Die Über­gangs­frist gilt bis Ende 2020. Bei einem Schaden beste­hen aber auch schon vorher Haf­tungsrisiken. Hausver­wal­tun­gen, Facil­i­ty Man­ag­er, Kom­munen, Behör­den und Wartungs­fir­men sowie Kom­po­nen­ten- und Aufzugsh­er­steller soll­ten spätestens jet­zt prüfen, wie es um ihre Anla­gen steht.

Die Anforderung für ein so genan­ntes Zwei-Wege-Kom­mu­nika­tion­ssys­tem stammt aus der Betrieb­ssicher­heitsverord­nung (Betr­SichV) und wird in der TRBS 3121 konkretisiert. Die TRBS 2181 enthält weit­ere Voraus­set­zun­gen und Anforderun­gen. Der Gel­tungs­bere­ich umfasst alle überwachungs­bedürfti­gen Aufzüge nach Aufzugsrichtlin­ie – also die klas­sis­chen Per­so­n­en- und Las­te­naufzüge mit Per­so­n­en­be­förderung, in denen Per­so­n­en eingeschlossen wer­den kön­nen. Darunter fall­en neben Anla­gen, die Per­so­n­en befördern, auch Plat­tform­lifte oder Befahran­la­gen mit über drei Meter Förder­höhe. Sowohl bei Anla­gen nach Aufzugsrichtlin­ie als auch bei Anla­gen nach Maschi­nen­richtlin­ie muss die Per­so­n­en­be­freiung unter allen Umstän­den sichergestellt sein. Zu Let­zteren zählen zum Beispiel Plat­tform­lifte, Fas­saden­be­fahran­la­gen oder Aufzüge in Windenergieanlagen.

Ergänzt wird diese Maß­nahme mit einem für jede Anlage erforderlichen
Not­fallplan. Nach Anhang I, 4.1 der Betr­SichV muss dieser auch Angaben zu den Per­so­n­en enthal­ten, die Zugang zu allen Ein­rich­tun­gen der Anlage haben. Für die Not­be­freiung von eingeschlosse­nen Per­so­n­en muss der Zugang zu allen Schachtzu­gangstüren und den Ein­rich­tun­gen möglich sein. Führt der Zugang durch Pri­vat­woh­nun­gen, wie ein Pent­house, muss beispiel­sweise ein zusät­zlich­er Schlüs­sel­tre­sor ange­bracht oder ein Schlüs­sel bei einem Sicher­heit­sun­ternehmen hin­ter­legt wer­den. Ein Hin­weis wie „Per­so­n­en­be­freiung durch die Feuer­wehr 112“ genügt nicht.

Eine Aufzugsan­lage ohne Zwei-Wege-Kom­mu­nika­tion­ssys­tem entspricht ab
dem 1. Jan­u­ar 2021 nicht mehr der Betrieb­ssicher­heitsverord­nung. Derzeit ist keine Fristver­längerung oder Aus­nah­meregelung durch die zuständi­ge Auf­sichts­be­hörde möglich. Wird im Rah­men ein­er wiederkehren­den Prü­fung fest­gestellt, dass die Anlage nicht über die Möglichkeit ver­fügt, sich wech­sel­seit­ig zu ver­ständi­gen und die unmit­tel­bare Befreiung der eingeschlosse­nen Per­so­n­en einzuleit­en, muss ein neg­a­tives Prüfer­geb­nis aus­gestellt wer­den. Nach­dem der ord­nungs­gemäße Betrieb der Anlage nicht mehr möglich ist, kann die zuständi­ge Auf­sichts­be­hörde ein Bußgeld ver­hän­gen. Denn ein nicht vorhan­denes Sys­tem würde als Ord­nungswidrigkeit gelten.

Mit Augenmaß nachrüsten

Für neue Anla­gen ist ein umfan­gre­ich­es Notru­fleit­sys­tem vorgeschrieben – wie nach der Europäis­chen Norm 81–28 für neue Aufzüge. Mod­erne Notruf­sys­teme ver­fü­gen über eine Aus­lö­sevor­rich­tung im Fahrko­rb, eine Ein­heit, die den Notruf iden­ti­fiziert und den Auf­bau ein­er Sprechverbindung zu ein­er immer erre­ich­baren Notrufzen­trale her­stellt. Zudem beste­hen zahlre­iche weit­ere Anforderun­gen wie ein automa­tis­ches, neues Senden nach Unter­brechung, Vorkehrun­gen für die Fern-Rück­set­zung oder eine Hilfsspannungsquelle.

Für Bestand­san­la­gen ist ein umfan­gre­ich­es Notruf­sys­tem hinge­gen rechtlich nicht zwin­gend. Ger­ade bei älteren Anla­gen sind Nachrüs­tun­gen nicht immer ver­hält­nis­mäßig. Oft lässt sich mit ein­fachen tech­nis­chen Alter­na­tiv­en ein aus­re­ichen­des Sicher­heit­sniveau her­stellen. Schon gün­stige Gegen­sprechan­la­gen oder fest ange­brachte Tele­fone erfüllen die Anforderun­gen der Betr­SichV. Kosten­in­ten­sive Investi­tio­nen lassen sich so oft ver­mei­den, wenn schon eine ein­fache Lösung die bei­d­seit­ige Ver­ständi­gung erlaubt – beispiel­sweise mit dem Pfört­ner des Gebäudes.

Es lohnt sich also, sich rechtzeit­ig um eine Nachrüs­tung zu küm­mern. Wer erst Ende 2020 reagiert, riskiert Eng­pässe bei der Tech­nik oder bei der Installation.


Autor: Dieter Roas
Leit­er Geschäfts­feld Fördertechnik,
TÜV Süd Indus­trie Service
Dieter.Roas@tuev-sued.de
www.tuvsud.com/aufzug-notruf

Anzeige
Gewinnspiel

Newsletter

Jet­zt unseren Newslet­ter abonnieren

Meistgelesen

Jobs
Sicherheitsbeauftragter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 4
Ausgabe
4.2021
ABO
Sicherheitsingenieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 4
Ausgabe
4.2021
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de