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Neue DGUV Information 203–042

Laser-Schutz- und Laser-Justierbrillen

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Perso­nen, die sich im gefähr­li­chen Wirkungs­be­rei­chen von Lasern aufhal­ten, müssen geeig­nete Schutz­aus­rüs­tung benut­zen. Durch zufäl­lige Refle­xion von Laser­strah­lung, zum Beispiel an spie­geln­den Teilen (auch an Bril­len), durch Kippen oder Dejus­tie­ren opti­scher Bauteile kann eine Gefähr­dung entste­hen. Für den Schutz der Augen bedeu­tet dies die Benut­zung von geeig­ne­ten Schutz­bril­len. Hierzu gibt es eine praxis­be­währte und aktua­li­sierte DGUV Infor­ma­tion.

Die DGUV Infor­ma­tion 203–042 beschreibt die Auswahl und Benut­zung von Laser-Schutz- und Laser­jus­tier­bril­len sowie Schutz­ab­schir­mun­gen. Diese wurde in 2017 und 2018 über­ar­bei­tet und enthält aktu­elle Auswahl­kri­te­rien für Schutz­bril­len sowie aktua­li­sierte Normen­ver­weise. Die wesent­li­chen Auswahl­kri­te­rien und Neue­run­gen werden im Folgen­den beschrie­ben.

Laser­schutz­bril­len

Laser-Schutzbrillen nach DIN EN 207 müssen die Laser­strah­lung auf ein unschäd­li­ches Maß herab­set­zen. Dies wird durch Absorp­tion und/oder Refle­xion der Laser­strah­lung erreicht.

Die Schutz­stu­fen nach DIN EN 207 sind aber erst über die Schutz­stu­fen­num­mer und die Angabe einer Leistungs- oder Ener­gie­dichte defi­niert, gegen die der Laser­schutz für die Zeit von 5 Sekun­den stand­hal­ten muss.

Laser-Schutzbrillen nach DIN EN 207 schüt­zen daher nur vor der nicht beab­sich­tig­ten Einwir­kung von Laser­strah­lung und sind nicht für einen länger andau­ern­den Blick in den direk­ten Laser­strahl geeig­net.

In vielen Fällen sind die poten­zi­ell gefähr­li­chen bezie­hungs­we­sie gefähr­li­chen Laser der Klas­sen 3R, 3B oder 4 gekap­selt, so dass im Normal­be­trieb ein Laser der Klasse 1 vorliegt. Hier­bei braucht dann keine Laser-Schutzbrille getra­gen zu werden. Bei Wartungs­ar­bei­ten oder im Labor muss aber in aller Regel die persön­li­che Laser-Schutzbrille oder Laser-Justierbrille zum Einsatz kommen.

In Abhän­gig­keit vom spek­tra­len Trans­mis­si­ons­grad der Laser­schutz­brille und von der maxi­ma­len Energie- und Leis­tungs­dichte ist anhand der Tabelle 3 in der DGUV Infor­ma­tion 203–042 die Schutz­stufe der Laser­schutz­brille bestimm­bar.

Eine Laser­schutz­brille, die in Europa als Persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung in den Handel kommt, muss von einer noti­fi­zier­ten Stelle geprüft und zerti­fi­ziert worden sein. Die Brille muss entspre­chend der jeweils ange­wand­ten Norm gekenn­zeich­net sein. Andere Schutz­bril­len soll ein Laserschutz-Beauftragter in seinem Verant­wor­tungs­be­reich nicht zulas­sen.

Damit erüb­rigt sich die häufig an uns gerich­tete Frage: Wo kann ich nach­fra­gen, ob die Brille geprüft wurde? Wich­ti­ger ist die Frage: Stimmt die Kenn­zeich­nung der Brille mit der erlaub­ten Kenn­zeich­nung nach EG-Baumusterprüfbescheinigung über­ein? Die Zerti­fi­zie­rungs­stel­len können für diese Frage Auskunft geben, ob das Produkt von ihr bewer­tet und zerti­fi­ziert wurde. Hier­bei sind die Typbe­zeich­nung, die Bril­len­kenn­zei­chung sowie eine Kopie der Nutzer­in­for­ma­tion einer Anfrage beizu­fü­gen. Es ist zu beach­ten, dass die Kenn­zeich­nung der Brille gerin­ger (betref­fend Wellen­län­gen­be­reich und Schutz­stufe) als die maxi­mal erlaubte Kenn­zeich­nung ausfal­len kann.

 Fazit: Welche Anga­ben braucht man um eine korrekt gekenn­zeich­nete und baumus­ter­ge­prüfte Brille zu iden­ti­fi­zie­ren?

  • Kenn­zeich­nung nach EN-Vorgaben
  • Typbe­zeich­nung
  • Nutzer­in­for­ma­tion
  • Noti­fi­zierte Stelle

Neuer Korrek­tur­fak­tor F(d63)

Auf Grund von neuen Forschungs­er­geb­nis­sen und zu gerin­ger Stand­fes­tig­keit von Laser­schutz­bril­len bei Strahl­durch­mes­sern von über 1 mm bis ca. 15 mm wurde ein neuer Korrek­tur­fak­tor F(d63) zur Berech­nung der notwen­di­gen Schutz­stufe einge­führt. Der Korrek­tur­fak­tor berück­sich­tigt den durch die Forschung erkann­ten Effekt, dass bei glei­cher Bestrah­lungs­stärke Laser­strah­lung mit größe­ren Strahl­durch­mes­ser eine wesent­li­che höhere, inten­si­vere bzw. schnel­lere Mate­ri­al­schä­di­gung herbei­führt als Laser­strah­lung mit gerin­ge­rem Strahl­durch­mes­ser. Durch die DGUV Infor­ma­tion werden Auswahl­kri­te­rien und Berech­nungs­wei­sen für den Korrek­tur­fak­tor F(d63) vorge­ge­ben. Falls dieser vom Schutz­bril­len­her­stel­ler ange­ge­ben ist, so kann dieser bevor­zugt verwen­det werden.

Bei Strahl­durch­mes­sern von zum Beispiel 10 bis 15 mm von Bear­bei­tungs­la­sern führt diese Korrek­tur oft zu 1 bis 2 höhe­ren Schutz­schu­fen als bisher! Eine Veri­fi­zie­rung von älte­ren Schutz­bril­len bei Beauf­schla­gung von Strahl­durch­mes­sern mit mehr als 1 mm ist aus diesem Grund erfor­der­lich.

Laser­jus­tier­bril­len

Laser-Justierbrillen nach DIN EN 208 dienen zur Justie­rung mit sicht­ba­ren Lasern (Wellen­län­gen­be­reich von 400 nm bis 700 nm). Insbe­son­dere sollen diffuse Refle­xio­nen der Laser­strah­lung beob­ach­tet werden können. Laser-Justierbrillen sind so ausge­legt, dass sie im Falle von Dauer­stri­ch­la­sern die Strah­lungs­leis­tung auf Werte unter 1 mW redu­zie­ren (Grenz­wert der Laser Klasse 2). Die spek­tra­len Trans­mis­si­ons­grade der Justier­bril­len sind deshalb höher als die entspre­chen­der Laser-Schutzbrillen (nach DIN EN 207). Der spek­trale Trans­mis­si­ons­grad der Justier­brille allein bietet in einer Unfall­si­tua­tion (direkte Einwir­kung der Laser­strah­lung auf die Schutz­brille) keinen ausrei­chen­den Schutz des Auges. Es müssen unbe­dingt aktive Schutz­re­ak­tio­nen, das heißt bewusste Abwen­dungs­re­ak­tio­nen, hinzu­tre­ten, die dann ausge­führt werden müssen, wenn eine Blen­dung durch die Laser­strah­lung wahr­ge­nom­men wird. Aktive, das heißt bewusste Schutz­re­ak­tio­nen, bedeu­ten, dass eine von einem Laser­strahl getrof­fene Person sofort die Augen schließt und den Kopf abwen­det. Dies ist beson­ders deshalb erfor­der­lich, da der Lidschluss­re­flex, auf dessen Vorhan­den­sein die Ausle­gung von Laser-Justierbrillen ursprüng­lich basiert hat, keine verläss­li­che physio­lo­gi­sche Reak­tion darstellt.

Durch Wahl eines erhöh­ten Schut­zes kann auch zum Beispiel eine Ausle­gung auf eine Zeit­dauer (Reak­ti­ons­zeit) von 2 s (siehe Tabelle 6 der DGUV Infor­ma­tion 203–042) erfol­gen. Diese ermög­licht im Vergleich zur Zeit­ba­sis von 0,25 s für Laser der Klasse 2 eine größere Zeit­dauer zur Ausfüh­rung der Schutz­re­ak­tio­nen.

Modell­aus­wahl

Für die Bestim­mung der notwen­di­gen Schutz­stufe, bzw. des geeig­ne­ten Modells ist meist eine Bera­tung durch einen Herstel­ler von Laser­schutz­bril­len sinn­voll. Weiter­hin soll­ten folgende Hinweise berück­sich­tigt werden:

  • Nutzung von komfor­ta­blen Berech­nungs­pro­gram­men für die Berech­nung der Schutz­stu­fen
  • Auswahl geeig­ne­ter Gestell­for­men je nach Einsatz, Einsatz­zeit und Anfor­de­rung an die Sehauf­gabe
  • Auswahl eines Korb­ge­stel­les in der Regel bei kurzen Trage­zei­ten (weni­ger als 50 Stun­den im Jahr) und Arbei­ten ohne hohe Sehanfor­de­run­gen
  • Auswahl von leich­ten Bügel­ge­stel­len bei häufi­gen Arbei­ten mit der Brille, da sich bei schwe­ren, herme­tisch abge­schlos­se­nen Fassun­gen die Gefahr erhöht, dass die Bril­len beschla­gen und die Möglich­keit von Sekun­där­un­fäl­len entste­hen
  • Auswahl von herme­tisch abge­schlos­se­nen und möglichst massi­ven Gestel­len bei Arbei­ten an Hoch­leis­tungs­la­sern von mehre­ren KW, da andere Fassungs­for­men dieser Laser­strah­lung nicht stand­hal­ten.

Foto: privat

Falk Flor­schütz

BG ETEM

Tech­ni­sche Aufsicht
und Bera­tung (TAB)


Foto: privat

Dipl.-Phys. Martin Brose

Leiter des SG NIR im FB ETEM der DGUV e.V.


Eine Check­liste zur Auswahl von Laserschutz- und Laser-Justierbrillen finden Sie nach Regis­trie­rung unter

http://hier.pro/xniE6

Ebenso die Tabelle, die die Schutz­stu­fen­be­stim­mung der Laser-Schutzbrille verein­facht.

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