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Mit Vorlagenprojekten CE-Kosten reduzieren

Digital und umfassend
Mit Vorlagenprojekten CE-Kosten reduzieren

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Abb. 1: Die Entwicklung einer neuen Maschine basiert auf einer speziell für den Maschinentyp entwickelten Kopiervorlage. Foto: IBF
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Seit mehr als 25 Jahren wün­schen sich Kon­struk­teure und Plan­er Kopier­vor­la­gen für Risikobeurteilun­gen und CE-Doku­men­ta­tio­nen. Jet­zt bieten aus­gewählte Experten der von der Fir­ma IBF (A, D, CH) gegrün­de­ten „Stan­dards Experts Com­mu­ni­ty“ (SECOM) der­ar­tige Vor­la­gen­pro­jek­te für die bewährte CE-Praxis­soft­ware Saf­ex­pert an. Die Vor­la­gen wer­den auf Basis har­mon­isiert­er europäis­ch­er Nor­men pro­duk­t­spez­i­fisch entwickelt.

Aus Grün­den der Effizienz ste­ht am Beginn eines neuen Pro­jek­ts in der Regel immer die Frage, ob die Entwick­lung auf einem früheren Pro­jekt auf­set­zen kann. Zwei Grund­satzfra­gen spie­len dabei aus sicher­heit­stech­nis­ch­er Sicht eine wichtige Rolle:

  1. Ist eine geeignete Vor­lage vorhanden?
  2. Entspricht die Vor­lage (noch) den geset­zlichen und nor­ma­tiv­en Anforderungen?

Selb­st wenn die erste Frage mit „Ja“ beant­wortet wer­den kann, ist die manuelle Klärung der zweit­en Frage meist sehr aufwändig. Das liegt daran, dass die bish­eri­gen Doku­men­ta­tio­nen in der Regel keine struk­turi­ert ver­wal­teten sicher­heit­stech­nis­chen Dat­en bein­hal­ten, damit die Aktu­al­ität­s­analy­sen dig­i­tal erfol­gen können.

Bei der Entwick­lung des Konzepts zur Her­stel­lung und Anwen­dung von Saf­ex­pert Vor­la­gen­pro­jek­ten haben die Sicher­heits- und Soft­warein­ge­nieure von IBF im Beson­deren darauf geachtet, dass die Vor­la­gen­pro­jek­te alle erforder­lichen Dat­en enthal­ten, damit diese Analy­sen in Zukun­ft in der dig­i­tal­en Welt weitest­ge­hend automa­tisiert erfol­gen können.

Von der Norm zum Vorlagenprojekt

Die Entwick­lung der Vor­la­gen­pro­jek­te basiert auf dem in der jew­eili­gen europäis­chen Norm fest­gelegten Anwen­dungs­bere­ich und den in der Norm behan­del­ten Pro­duk­t­typen. Es wird also nicht ein Vor­la­gen­pro­jekt für die Norm entwick­elt, son­dern für jeden in der Norm behan­del­ten Typ jew­eils ein eigenes Vor­la­gen­pro­jekt. Die EN 619 (Stetigförder­er für Stückgut) unter­schei­det zum Beispiel zwis­chen elf ver­schiede­nen Förder­ertypen (siehe Kas­ten). Daher wer­den auch elf unter­schiedliche Vor­la­gen­pro­jek­te angeboten.

Für die Prax­is hat dies einen hohen Nutzen: Das Vor­la­gen­pro­jekt enthält nur die Anforderun­gen, Gefährdun­gen und sicher­heit­stech­nis­chen Lösun­gen, die für den jew­eili­gen Maschi­nen­typ zutr­e­f­fen. Nicht rel­e­vante Forderun­gen rauben somit den Kon­struk­teuren nicht ihre wertvolle Zeit. Um das zu gewährleis­ten, arbeit­et der Sec­om-Experte, in diesem Fall von der TÜV Rhein­land Indus­trie Ser­vice GmbH, die Norm mehrmals sys­tem­a­tisch durch und erstellt die fol­gen­den fünf Ele­mente, aus denen sich ein Vor­la­gen­pro­jekt zusammensetzt:

  1. Eine Auf­gaben­liste für die Abar­beitung organ­isatorisch­er Auf­gaben. Deren Berück­sich­ti­gung ist zum Pro­jek­t­be­ginn beson­ders wichtig, da diese Forderun­gen zu einem späteren Zeit­punkt nicht nachge­holt wer­den können!
  2. Eine Querver­weis­liste mit zweifachem Nutzen: Zu jed­er einzel­nen Gefährdung wer­den die Nor­menab­schnitte angezeigt, die bei der Entwick­lung ein­er geeigneten Lösung spezielle Hil­fe bieten kön­nen. Außer­dem ermöglicht sie die Darstel­lung der Risikobeurteilung nach den in der Norm ange­führten „sig­nifikan­ten Gefährdungen“.
  3. Die Risikobeurteilungs-Vor­lage bildet die wichtig­ste Kom­po­nente des Saf­ex­pert Vor­la­gen­pro­jek­ts. Hier wur­den aus den einzel­nen Abschnit­ten der Norm die Gefährdungs­bere­iche, Leben­sphasen und sog­ar die Vari­anten der sicher­heit­stech­nis­chen Lösun­gen her­aus­gear­beit­et und doku­men­tiert. Die Kon­struk­teure müssen nur die Lösun­gen löschen, die sie nicht wählen wollen, und gegebe­nen­falls die gewählte Lösung an ihre konkrete Sit­u­a­tion anpassen. Mit einem Klick auf „Risiko hin­re­ichend ver­min­dert“ wird der Punkt abgeschlossen.
  4. Eine Check­liste zur Zusam­men­stel­lung der Benutzer­in­for­ma­tio­nen unter­stützt dabei, die tech­nis­chen Unter­la­gen voll­ständig und über­sichtlich zusammenzufassen.
  5. Eine oder mehrere Prüflis­ten für die Durch­führung und Doku­men­ta­tion der in der Norm geforderten Prü­fun­gen run­den den Funk­tion­sum­fang ab. EN 619 fordert zum Beispiel in
    Abschnitt 6 beziehungsweise in Anhang H Prü­fun­gen zu vier ver­schiede­nen Zeit­punk­ten: Kon­struk­tion, Her­stel­lung, Zusam­men­bau und Inbe­trieb­nahme. Da die Norm elf ver­schiedene Förder­ertypen behan­delt, hat der Sec­om-Experte vom TÜV daher für die EN 619 sage und schreibe 44 spez­i­fis­che Prüflis­ten entwick­elt. Der Vorteil für die Anwen­der dieser akribis­chen Detailar­beit liegt auf der Hand: Der Umfang für die pro­duk­t­spez­i­fis­che Prü­fung zum jew­eili­gen Prüfzeit­punkt reduziert sich auf ein Min­i­mum. Der Prüfer erspart es sich, aus der Norm die erforder­lichen Prüf­punk­te einzeln herauszuarbeiten.

Option­al erhältlich ist die dem Vor­la­gen­pro­jekt zugrunde liegende Norm im Voll­text (!) im PDF-For­mat. Gegenüber den herkömm­lichen am Markt ver­füg­baren Nor­men wur­den die mit den Vor­la­gen­pro­jek­ten ange­bote­nen Nor­men mit abschnitts­be­zo­ge­nen Sprungzie­len vere­delt. Dadurch wird die Norm aus der Risikobeurteilung her­aus durch einen einzi­gen Mausklick direkt an der richti­gen Stelle geöffnet. Dies erle­ichtert und beschle­u­nigt die Nor­me­nan­wen­dung und reduziert den Aufwand bei der Auswahl der geeigneten sicher­heit­stech­nis­chen Lösun­gen maßgeblich.

Vorlagenprojekte anwenden

Die Anwen­dung der Saf­ex­pert Vor­la­gen­pro­jek­te ist sehr ein­fach: Die ver­füg­baren Vor­la­gen­pro­jek­te und aus­führliche Beschrei­bun­gen dazu sind auf der Home­page von IBF zu find­en. Nach dem Erwerb ein­er Lizenz erfol­gt der Down­load vom Saf­ex­pert Live Serv­er. Dann wird das Pro­jekt kopiert und sys­tem­a­tisch abgear­beit­et. Sta­tuschecks informieren auf Knopf­druck, welche Punk­te bere­its erledigt und welche noch offen sind.

Beson­ders inter­es­sant: Zu jed­er sicher­heit­stech­nis­chen Lösung ist erfasst, welche Nor­men bzw. Nor­menab­schnitte (!) für die Entwick­lung ein­er sicher­heit­stech­nis­chen Lösung ange­wandt wur­den. Diese Dat­en bilden in Verbindung mit den kon­tinuier­lich aktu­al­isierten Nor­men­dat­en am Saf­ex­pert Live Serv­er die Basis für die laufend­en Prü­fun­gen, welche sicher­heit­stech­nis­chen Maß­nah­men in einem Pro­jekt von Nor­menän­derun­gen betrof­fen sind und daher gegebe­nen­falls nicht mehr dem Stand der Nor­mung entsprechen. Dies ist vor allem dann von großem Nutzen, wenn Pro­jek­te als Kopier­vor­la­gen genutzt wer­den, die schon mehrere Monate oder Jahre alt sind. Diese automa­tisierten Prü­fun­gen funk­tion­ieren natür­lich auch, wenn ein eigenes Pro­jekt kopiert wird, das auf einem Vor­la­gen­pro­jekt basiert.

Inividuelle Vorlagenprojekte

Die Sec­om-Experten haben erst vor kurzem mit der Entwick­lung von Vor­la­gen­pro­jek­ten begonnen. Daher liegen aktuell erst 21 Vor­la­gen­pro­jek­te für vier Nor­men­typen vor:

  • EN 619 (Stetigförder­er)
  • EN 13155 (lose Lastaufnahmemittel)
  • EN 4413 (Hydraulikan­la­gen)
  • EN 818–4 (kurzgliedrige Rund­stahlket­ten für Hebezwecke).

Vor­la­gen­pro­jek­te kön­nen auch selb­st hergestellt wer­den. Dazu erhal­ten Lizen­znehmer kosten­los einen Leitfaden.

Kosten reduzieren

Da die Her­stel­lung neuer Vor­la­gen­pro­jek­te rel­a­tiv aufwändig sein kann, hat IBF mit dem „Ear­ly Adopter Pro­gramm“ ein Konzept entwick­elt, mit dem sich die Kosten für indi­vidu­elle Entwick­lun­gen auf möglichst vie­len Schul­tern verteilen lassen. Dies reduziert die Lizen­zge­bühren für die einzel­nen Endan­wen­der um bis zu 90 Prozent. Das funk­tion­iert so: Jemand, der ein Vor­la­gen­pro­jekt nach ein­er speziellen Norm benötigt, wen­det sich per E‑Mail an IBF. Es wird gek­lärt, ob und zu welchen Kon­di­tio­nen ein Sec­om-Experte die Entwick­lung anbi­eten kann, kalkuliert die reg­ulären Lizen­zge­bühren und bewirbt die neue Vor­lage über seine Kanäle. Die Entwick­lung begin­nt, wenn inner­halb der „Ear­ly Adopter Frist“ aus­re­ichend viele verbindliche Bestel­lun­gen vor­liegen. Danach kön­nen sich die Lizen­zge­büheren aber für alle, die bis zum Ablauf der Ear­ly Adopter Frist bestellen, noch um bis zu 90 Prozent reduzieren.

Digitale Analysen vermeiden Fehler

Neben der bere­its erwäh­n­ten Funk­tion zur Prü­fung, welche einzel­nen sicher­heit­stech­nis­chen Lösun­gen nicht mehr dem Stand der Nor­mung entsprechen, lis­tet Saf­ex­pert auf, welche Nor­men durch neue Aus­gaben erset­zt wur­den. Ein Mausklick öffnet bei­de Nor­men­ver­sio­nen im Voll­text nebeneinan­der. Dies erle­ichtert den Ver­gle­ich der bei­den Nor­men­stände. Zusät­zlich wird geprüft, ob die Check­liste für die Zusam­men­stel­lung der Benutzer­in­for­ma­tio­nen sowie die einzel­nen ange­wandten Prüflis­ten noch aktuell sind.


Foto: privat

Autor: Ing. Hel­mut Frick

Geschäfts­führer
IBF – Automa­tisierungs- und Sicher­heit­stech­nik GmbH

E‑Mail: Helmut.Frick@ibf.at

www.ibf.at


EN 619 Stetigförderer Typen

  • Ket­ten­förder­er
  • Rol­len­bah­nen
  • Band­förder­er
  • Hor­i­zon­tal-Umset­zein­rich­tung mit Tagkettenförderer
  • Hor­i­zon­tal-Umset­zein­rich­tung mit Rollenbahn
  • Hor­i­zon­tal-Umset­zein­rich­tung mit Bandförderer
  • Ver­tikal-Umset­zein­rich­tung mit Tragkettenförderer
  • Ver­tikal-Umset­zein­rich­tung mit Rollenbahn
  • Ver­tikal-Umset­zein­rich­tung mit Bandförderer
  • Hänge­förder­er als Schienenhängebahn
  • Hänge­förder­er als Kreisförderer
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