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Fachgerecht prüfen

Sichere Tore – wie sie „fit“ blei­ben

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Foto: © Nordreisender - stock.adobe.com
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Tooor! Beim Fußball soll es fallen – im Betrieb muss es sicher öffnen und schlie­ßen. Doch das funk­tio­niert nicht immer reibungs­frei: Mehr als fünf­zig Unfälle, die mehrere Tage Arbeits­un­fä­hig­keit nach sich ziehen, ereig­nen sich täglich mit Türen oder Toren. Wie es dazu kommt und was dage­gen zu tun ist, zeigt dieser Beitrag.

Auf den Werbe­flä­chen der Fußball­sta­dien kann man es oft lesen: „Wir machen das Tor“. Gemeint ist nicht der ersehnte Anschluss­tref­fer des Lieb­lings­ver­eins, sondern hier wirbt ein Torher­stel­ler zum Beispiel für seine Roll- und Sektio­nal­tore. Solche Tore sind heute moderne Produkte (Maschi­nen), für die es Sicher­heits­vor­schrif­ten in Normen und staat­li­chen Regeln gibt. Im Normal­fall nehmen wir beim Durch­schrei­ten eines kraft­be­tä­tig­ten Tores nicht bewusst wahr, welch ausge­klü­gelte Tech­nik zum Öffnen und Schlie­ßen dahin­ter­steckt. Dennoch: An jedem Arbeits­tag ereig­nen sich deutsch­land­weit durch­schnitt­lich mehr als fünf­zig Unfälle mit Türen oder Toren, die für die Betrof­fe­nen mindes­tens drei Tage Arbeits­un­fä­hig­keit nach sich ziehen.

Wie kommt es dazu und was kann jeder einzelne Torbe­trei­ber tun, um solche Unfälle zu verhin­dern? Wenn Tore alt und/oder unzu­rei­chend abge­si­chert sind, kann es zu Verlet­zun­gen kommen, die von Prel­lun­gen über Hand­ver­let­zun­gen bis zu star­ken Quet­schun­gen reichen.

Typi­sches Unfall­bei­spiel

Ein Beispiel für einen typi­schen Unfall auch an norm­ge­recht abge­si­cher­ten Toren ist folgen­der Hergang: Mitar­bei­te­rin Hannah fährt mit ihrem Stap­ler an ein Sektio­nal­tor heran, zieht am Seil für die Öffnung, der Torflü­gel bewegt sich nach oben und Hannah fährt hindurch. Kollege Max nähert sich zu Fuß und will eben­falls durch das Tor. Da es noch offen steht, vergisst er die erneute Betä­ti­gung des Zugschal­ters. Doch als er hindurch geht, schließt das Tor auto­ma­tisch, weil die Offen­hal­te­zeit abge­lau­fen ist. Der Torflü­gel trifft ihn am Kopf.

Ist das Tor zum Beispiel mit einer Schalt­leiste vorschrifts­mä­ßig abge­si­chert, fährt es durch die Berüh­rung und den Druck auf diese Sicher­heits­ein­rich­tung sofort wieder nach oben (rever­siert) und hinter­lässt schlimms­ten­falls eine leichte Prel­lung der Nase oder gege­be­nen­falls eine beschä­digte Brille. Ist die Schalt­leiste unzu­rei­chend sensi­bel oder fehlt die Absi­che­rung der Haupt­schließ­kante sogar komplett, kommt es mit hoher Wahr­schein­lich­keit zu schwe­ren Verlet­zun­gen. Denn dann wirken hohe Kräfte auf die Person, die getrof­fen wird.

Im Nach­hin­ein lässt sich dabei oft nicht mehr ermit­teln, wie sich der Unfall genau zuge­tra­gen hat – zum Beispiel, ob die Person ihrer­seits gegen das Tor gelau­fen ist oder ob der Torflü­gel in seiner Schließ­be­we­gung die Kolli­sion verur­sacht und die Person unter dem Tor getrof­fen hat. Auch die Betrof­fe­nen selbst können häufig nicht mehr rekon­stru­ie­ren, wie es zu dem Vorfall kam.

Wich­tig: Regel­mä­ßige Prüfung

Durch Prüfung der Sicher­heits­ein­rich­tun­gen am Tor kann jedoch fest­ge­stellt werden, ob diese vorschrifts­mä­ßig funk­tio­nie­ren. Deswe­gen ist die wich­tigste Aufgabe zum Thema Tor im Betrieb: Orga­ni­sie­ren und Nach­hal­ten, dass die regel­mä­ßige Prüfung fach­ge­recht durch­ge­führt wird! Die grund­le­gende Rechts­vor­schrift für das Betrei­ben von Toren ist die Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung. Sie wird zum Thema Tore durch die Arbeits­stät­ten­re­gel ASR A1.7 „Türen und Tore“ konkre­ti­siert. Für die Prüfung heißt es dort im Kapi­tel 10.2:

  • Kraft­be­tä­tigte Türen und Tore müssen nach den Vorga­ben des Herstel­lers vor der ersten Inbe­trieb­nahme, nach wesent­li­chen Ände­run­gen sowie wieder­keh­rend sach­ge­recht auf ihren siche­ren Zustand geprüft werden. Die wieder­keh­rende Prüfung sollte mindes­tens einmal jähr­lich erfol­gen. Die Ergeb­nisse der sicher­heits­tech­ni­schen Prüfung sind aufzu­zeich­nen und in der Arbeits­stätte aufzu­be­wah­ren.“

Im nächs­ten Absatz geht es darum, wer die Prüfung durch­füh­ren darf:

  • Die sicher­heits­tech­ni­sche Prüfung von kraft­be­tä­tig­ten Türen und Toren darf nur durch Sach­kun­dige durch­ge­führt werden, die die Funk­ti­ons­tüch­tig­keit der Schutz­ein­rich­tun­gen beur­tei­len und mit geeig­ne­ter Mess­tech­nik, die zum Beispiel den zeit­li­chen Kraft­ver­lauf an Schließ­kan­ten nach­weist, über­prü­fen können. Des Weite­ren sind die länder­spe­zi­fi­schen baurecht­li­chen Bestim­mun­gen (zum Beispiel Tech­ni­sche Prüf­ver­ord­nung) zu beach­ten.“

Vorge­schrie­ben ist diese Prüfung für kraft­be­tä­tigte Tore, sinn­voll ist sie aber auch für solche, die per Hand geöff­net und geschlos­sen werden. Ein Abstür­zen des Flügels stellt auch ohne elek­tri­schen Antrieb eine Gefähr­dung dar. Vorrich­tun­gen wie Gewichts­aus­gleich­fe­dern und Absturz­si­che­run­gen müssen also über die Jahre funk­ti­ons­tüch­tig blei­ben und soll­ten daher eben­falls regel­mä­ßig in Augen­schein genom­men werden.

Wer ist sach­kun­dig?

Die Antwort auf diese Frage findet sich in der DGUV Infor­ma­tion 208–022 „Türen und Tore“ (siehe Info­kas­ten): „Sach­kun­dig ist, wer auf Grund seiner fach­li­chen Ausbil­dung, Tätig­keit und Erfah­rung sowie seiner Kennt­nisse der für den Betrieb kraft­be­tä­tig­ter Türen und Tore einschlä­gi­gen Arbeits­schutz­vor­schrif­ten, Arbeits­stät­ten­re­geln und allge­mein aner­kann­ter Regeln der Tech­nik in der Lage ist, den arbeits­si­che­ren Zustand von Türen und Toren zu beur­tei­len.“

Umfas­sen­des Prüf­pro­to­koll

Was muss vom Sach­kun­di­gen geprüft werden? Im Anhang der DGUV Infor­ma­tion „Türen und Tore“ findet sich ein Beispiel­pro­to­koll, in dem die Prüfungs­ge­gen­stände aufge­führt sind (siehe Seite 17 ). Dazu zählen:

  • Antrieb
  • Endschal­ter und Steu­er­ge­räte
  • Trag­mit­tel
  • Siche­rung gegen unbe­ab­sich­tigte Bewe­gung des Torflü­gels
  • Welle, Andruck­welle und Lage­rung (Sicht­prü­fung)
  • Einhal­tung der Betriebs­kräfte
  • Einzugs­si­che­rung
  • Führungs­schiene
  • Abschließ­ba­rer Haupt­schal­ter
  • Kenn­zeich­nungs­schild und Doku­men­ta­tion
  • Ergeb­nis der Prüfung

Nicht alle Punkte sind für jedes Tor rele­vant, aber mit einer Prüf­be­schei­ni­gung auf der ausschließ­lich Datum, Rech­nungs­be­trag und zwei bis drei Stan­dard­sätze vermerkt sind, soll­ten Sie sich keines­falls zufrie­den geben!

Schließ­kan­ten­si­che­rung

Ein wich­ti­ger Teil der Prüfung ist die Über­wa­chung der Schließ­kräfte. Zur Schließ­kraft­mes­sung sollte die sach­kun­dige Person über ein geeig­ne­tes normier­tes Mess­ge­rät verfü­gen und dieses auch anzu­wen­den wissen. Das Kraft­mess­ge­rät muss sowohl die Höhe als auch die Dauer der Kraft­ein­wir­kung erfas­sen können.

Rich­tig einge­stellt und regel­mä­ßig geprüft, erfül­len Tore ihre Aufgabe zuver­läs­sig. Die Beschäf­tig­ten wie Hannah und Max kommen sicher durch den Arbeits­tag und können sich in der Frei­zeit auf die Tore freuen, die bei der kommen­den Fußball-Weltmeisterschaft fallen sollen.


Autorin: Sonja Frieß

Leite­rin des Sach­ge­bie­tes
Bauli­che Einrich­tun­gen und Handel

Deut­sche Gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung

Foto: © Friess
Quelle: © DGUV

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Check­liste für sichere Tore

Achten Sie auf Sicher­heit an Ihren Toren! Sicher­heits­be­auf­tragte und Betrei­ber soll­ten dazu folgende Punkte im Blick behal­ten:

  • Wird mindes­tens jähr­lich eine Prüfung durch Sach­kun­dige durch­ge­führt?
  • Lassen sich kraft­be­tä­tigte Tore auch von Hand öffnen?
  • Ist das Betä­ti­gen von einem siche­ren Stand­ort möglich?
  • Ist bei auto­ma­ti­schen Toren eine Licht­schranke einge­baut?
  • Ist der Eingriff in Gefahr­stel­len vermie­den (Lauf­schiene, zwischen Lamellen/Sektionen, an Federn oder Zahn­rä­dern)?
  • Ist der Nach­lauf­weg sowohl an kraft- als auch an hand­be­tä­tig­ten Toren mini­miert?
  • Werden unge­wollte Bewe­gun­gen des Torflü­gels vermie­den – auch bei Wind?

Im Zwei­fels­fall soll­ten immer der Herstel­ler oder andere Fach­leute zu Rate gezo­gen werden!


Praxis­ge­rechte Hilfe

Für alle, die sich gut über die Sicher­heit an Toren infor­mie­ren wollen, ist die DGUV Infor­ma­tion „Türen und Tore“ eine praxis­ge­rechte Hilfe. In ihr wird die Arbeits­stät­ten­re­gel ASR A 1.7 „Türen und Tore“ wört­lich zitiert und zu jedem Abschnitt durch Erklä­run­gen, Praxis­bei­spie­len und Abbil­dun­gen ergänzt. Dabei sind zur besse­ren Unter­schei­dung der Origi­nal­text in schwarz und die jewei­li­gen Ergän­zun­gen in blauer Schrift gehal­ten. Die DGUV-Information ist in erster Linie für Betrei­ber geschrie­ben, wird aber auch von Fach­leu­ten gerne genutzt.


Praxis­ge­rechte Hilfe

Wer sich gut über die Sicher­heit an Toren infor­mie­ren will, findet in der DGUV Infor­ma­tion „Türen und Tore“ eine praxis­ge­rechte Hilfe. In ihr wird die Arbeits­stät­ten­re­gel ASR A 1.7 „Türen und Tore“ wört­lich zitiert und zu jedem Abschnitt durch Erklä­run­gen, Praxis­bei­spiele und Abbil­dun­gen ergänzt. Zur Unter­schei­dung sind die Origi­nal­texte in schwarz und die Ergän­zun­gen in blauer Schrift gehal­ten. Die Infor­ma­tion rich­tet sich in erster Linie an Betrei­ber, wird aber auch von Fach­leu­ten genutzt. Sie kann in der Publi­ka­ti­ons­da­ten­bank der DGUV bestellt oder herun­ter­ge­la­den werden.

www.dguv.de/publikationen

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