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Kamera-Monitor-Systeme an Fahrzeugen und Erdbaumaschinen

Kamera-Monitor-Systeme an Fahrzeugen und Erdbaumaschinen
Alles im Blick – auch im Rückwärtsgang

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Müssen sich Beschäftigte arbeits­be­d­ingt in der Nähe von Fahrzeu­gen oder mobilen Bau­maschi­nen aufhal­ten, sind sie beson­ders gefährdet: Nicht sel­ten wer­den sie vom Führerhaus aus überse­hen und ange­fahren. Mod­erne Rück­fahr- und Seit­enkam­eras an Lkw und Bau­maschi­nen helfen dabei, der­ar­tige Unfälle bei der Arbeit zu ver­hin­dern.

Die Unfall­sta­tis­tiken der Beruf­sgenossen­schaften bele­gen: Jährlich ereignen sich schwere und tödliche Unfälle beim Ein­satz von Lastkraft­wa­gen und Erd­bau­maschi­nen auf Baustellen. Aber nicht nur hier. Auch in sta­tionären Betrieben wie zum Beispiel Stein­brüchen, Kieswerken und Deponien beste­ht die Gefahr, dass Per­so­n­en ange­fahren oder über­fahren wer­den. Beson­ders risiko­r­e­ich ist dabei das Rück­wärts­fahren.

Gefahren beim Maschineneinsatz

Betreiber von Fahrzeu­gen und Erd­bau­maschi­nen sind verpflichtet, im Rah­men der Gefährdungs­beurteilung die Gefahren beim Maschinenein­satz zu ermit­teln. Dazu gehört auch die Sicht­be­hin­derung des Fahrper­son­als. Die Betrieb­ssicher­heitsverord­nung führt hierzu aus: „Reicht die direk­te Sicht des Fahrers nicht aus, um die Sicher­heit zu gewährleis­ten, sind geeignete Hil­fsvor­rich­tun­gen zur Verbesserung der Sicht anzubrin­gen“ (Betr­SichV, Anhang I, Abschnitt 3.1.6).

Grund­sät­zlich sind auch nicht-tech­nis­che, das heißt organ­isatorische Schutz­maß­nah­men zur Ver­mei­dung von Unfällen mit Fahrzeugen/Erdbaumaschinen möglich. Hierzu gehören

  • der Ein­satz von Sicherungsposten beziehungsweise Ein­weis­ern und
  • das Absper­ren des Gefahren­bere­ichs.

Im Einzelfall mögen diese organ­isatorischen Maß­nah­men aus­re­ichend sein. Allerd­ings lässt sich der Aufen­thalt von Per­so­n­en im Nah­bere­ich bei den meis­ten Arbeit­en im Tief- und Erd­bau nicht ver­mei­den. Hier fortwährend mit Ein­weisen oder ständig wech­sel­nden Absper­run­gen zu arbeit­en, dürfte aus wirtschaftlichen Grün­den meist nicht sin­nvoll sein.

Sichtbedingungen prüfen

Wie kön­nen die Sichtbe­din­gun­gen des Fahrers geprüft wer­den? Bei Erd­bau­maschi­nen ist das ein­fach: Eine Per­son, die sich ring­sherum in einem Meter Abstand zur Mas­chine befind­et, muss für den Fahrer gut zu sehen sein — und zwar auch in ein­er arbeit­süblichen Kör­per­hal­tung. Bei ein­er Mas­chine mit drehbarem Ober­wa­gen (zum Beispiel Bag­ger, Teleskop­sta­pler) gilt dies nicht nur nach hin­ten, son­dern auch für den Bere­ich rechts neben dem Fahrzeug. Hier liegt oft eine Sicht­be­hin­derung des Fahrers durch den Ausleger vor.

Nachrüstung mit Kamerasystemen

Für die Nachrüs­tung mit Kam­erasys­te­men emp­fiehlt die Beruf­sgenossen­schaft der Bauwirtschaft fol­gen­des:

  • Nur Kom­plettsys­teme eines einzel­nen Her­stellers ver­wen­den.
  • Bei der Auswahl der Sys­teme die baustel­lenüblichen Bedin­gun­gen wie Schmutz, Staub und Erschüt­terun­gen berück­sichti­gen.
  • Mon­i­tor mit ein­er Min­dest­größe von 5,5 Zoll (entspricht ein­er Bild­schirm-Diag­o­nalen von 14 Zen­time­tern) nutzen.
  • Wer­den zwei Kam­eras gle­ichzeit­ig einge­set­zt, sollte die Größe des Splitscreen-Mon­i­tors – Bild­schirm, auf dem die Bilder von der Rück­fahrkam­era und der seitlichen Kam­era nebeneinan­der angezeigt wer­den – min­destens 7 Zoll (Bild­schir­m­di­ag­o­nale 17,8 Zen­time­ter) betra­gen.
  • Möglichst Farb­bild­schirme ver­wen­den.
  • Die Betrieb­s­bere­itschaft des Sys­tems sollte über eine Sta­tusleuchte angezeigt wer­den.
  • Kam­eras mit einem selb­st­täti­gen „Hell-Dunkel-Aus­gle­ich“ auswählen.

Bei der Mon­tage ist die Ein­bauan­leitung des Her­stellers zu beacht­en. Die Anbringung des Mon­i­tors in der Fahrerk­abine darf das Sicht­feld des Bedi­eners nicht zusät­zlich einzuschränken. Übri­gens: Rück­fahrwarnein­rich­tun­gen, soge­nan­nte „Rück­fahrpieper“, sind kein gle­ich­w­er­tiger Ersatz für Rück­fahrkam­eras. Die Sicht des Lkw-Fahrers beziehungsweise Erd­bau­maschi­nen­führers hat diesen gegenüber stets Vor­rang.

Persönliche Qualifikation

Aber auch die mod­ern­ste Tech­nik ist unzure­ichend, wenn der Men­sch diese nicht bes­tim­mungs­gemäß bedi­ent. Wir erin­nern uns: Die meis­ten Arbeit­sun­fälle ereignen sich auf­grund von Fehlver­hal­ten der Beschäftigten. Das Fahrper­son­al ist deshalb vor Beginn sein­er Tätigkeit zu qual­i­fizieren. Viele Aus­bil­dungsträger haben sich mit­tler­weile auf die Aus­bil­dung von Bau­maschi­nen­führern spezial­isiert. Darüber hin­aus gibt es umfan­gre­ich­es Lehr­ma­te­r­i­al für die erst­ma­lige Aus­bil­dung sowie die regelmäßige Unter­weisung der Beschäftigten.

Bitte denken Sie daran: Jede Aus- und Fort­bil­dung (auch Unter­weisung) ist zu doku­men­tieren. Auch die Ver­wen­dung der Per­sön­lichen Schutzaus­rüs­tung ist wichtig, ins­beson­dere das Tra­gen von Warn­klei­dung nach DIN EN ISO 20471 „Hochsicht­bare Warn­klei­dung – Prüfver­fahren und Anforderun­gen“. Außer­dem ist immer Blick­kon­takt zum Fahrer zu suchen. Erst wenn dieser seinen Kol­le­gen gese­hen hat und beispiel­sweise Handze­ichen gibt, darf der Gefahren­bere­ich der Mas­chine betreten wer­den.

Dipl.-Ing (FH) Markus Tis­chen­dorf


Fördermittel für die KMS-Nachrüstung

Die Beruf­sgenossen­schaft der Bauwirtschaft fördert aktuell die Nachrüs­tung von Maschi­nen mit Kam­era-Mon­i­tor-Sys­te­men (KMS) in ihren Mit­glieds­be­trieben. Arbeitss­chutzprämien kann nach Antrag erhal­ten, wer Lastkraft­wa­gen (nur Baustel­len­fahrzeuge) und / oder mobile Bau­maschi­nen (zum Beispiel Mobil- und Rau­pen­bag­ger, Rad­lad­er, Mobilkrane, Teleskop­sta­pler) mit ein­er Rück­fahr- oder Seit­enkam­era aus­rüsten lässt. Weit­ere Anforderun­gen und Hin­weise find­en Sie unter www.bgbau.de/praemien oder unter Tele­fon 0231/5431–1007 (Bere­ich Präven­tion­sor­gan­i­sa­tion).


Weitere Informationen

  • Betrieb­ssicher­heitsverord­nung (Betr­SichV)
  • TRBS 2121–1 „Mech­a­nis­che Gefährdun­gen – Maß­nah­men zum Schutz vor Gefährdun­gen beim Ver­wen­den von mobilen Arbeitsmit­teln“
  • Unfal­lver­hü­tungsvorschrift „Bauar­beit­en“ (DGUV Vorschrift 38)
  • ISO 5006 „Erd­bau­maschi­nen: Sicht­feld – Testver­fahren und Anforderungskri­te­rien“
  • Rein­hard Amler, Rein­hold Hart­de­gen: „Der Erd­bau­maschi­nen­führer“, Resch-Ver­lag, Gräfelf­ing, 2019
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