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Gewusst-wie: Alles gut verstaut

Richtiges Laden und Sichern (Teil 2)
Gewusst-wie: Alles gut verstaut

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Alle, die am Trans­port beteiligt sind, tra­gen Ver­ant­wor­tung für die Ladungssicherung, so fordert es § 22 der Straßen­verkehrsor­d­nung. Damit die Ladung in der Prax­is auch ord­nungs­gemäß gesichert wird, müssen den Ver­ant­wortlichen die ver­schiede­nen Sicherungsmeth­o­d­en bekan­nt sein und das Trans­port­fahrzeug über die erforder­liche Ausstat­tung zur Ladungssicherung ver­fü­gen. Nach­fol­gend wer­den die Meth­o­d­en der Ladungssicherung und die wichtig­sten Ein­rich­tun­gen und Hil­f­s­mit­tel vorgestellt.

Zur Sicherung ein­er Ladung unter­schei­det man die form- und die kraftschlüs­sige Ladungssicherung, die auch miteinan­der kom­biniert wer­den kön­nen. Die unter­schiedlichen Fahrzeu­gauf­baut­en und vielfälti­gen Ladun­gen entschei­den über die richtig anzuwen­dende Ladungssicherungsmeth­ode.

Arten der Ladungssicherung

  • Form­schlüs­sige Ladungssicherung
  • Kraftschlüs­sige Ladungssicherung
  • Kom­binierte Ladungssicherung
Formschlüssige Ladungssicherung

Form­schlüs­siges Beladen bedeutet, dass die Ladung lück­en­los ver­staut wird und direkt am Fahrzeu­gauf­bau anliegt. Voraus­set­zung für diese Ladungssicherung sind ein aus­re­ichend sta­bil­er Fahrzeu­gauf­bau und in sich sta­bile Ver­pack­ung­sein­heit­en. Diese Art der Ladungssicherung eignet sich auch für druck­empfind­liche Ware, die durch die Vorspannkraft von Zur­rgurten beschädigt wer­den würde. Beim Ver­laden sind Ladelück­en zu ver­mei­den. Ist dies nicht möglich, sind die Lück­en etwa durch Stausäcke, Hartschaumpol­ster oder Leer­palet­ten auszufüllen. Direk­tzur­ren zählt eben­falls zur form­schlüs­si­gen Sicherung. Dabei wer­den die Zur­rmit­tel nur leicht vorges­pan­nt. Die Ladung wird durch die Zur­rmit­tel in Posi­tion gehal­ten, wenn sie sich etwa auf­grund ein­er Voll­brem­sung in Bewe­gung set­zen will.

Kraftschlüssige Ladungssicherung

Eine kraftschlüs­sige Ladungssicherung wird mit Zur­rmit­teln erre­icht, welche die Ladung auf die Lade­fläche pressen und dadurch die Rei­bung erhöhen. Die Rei­bung sichert die Ladung. Durch das Unter­legen von Antirutschmat­ten kann der Sicherungsaufwand deut­lich ver­ringert wer­den.

Bei ein­er freis­te­hen­den Ladung ist darauf zu acht­en, dass mit min­destens zwei Zur­rgurten gesichert wird, um ein Drehen der Ladung während der Fahrt zu ver­hin­dern. Zudem soll­ten die Ratschen wech­sel­seit­ig ange­bracht wer­den, um unter­schiedliche Vorspannkräfte im Gurt­sys­tem auszu­gle­ichen. Zum Niederzur­ren eignen sich nur Ladegüter, die druck­fest sind. Kom­prim­ier­bare Güter, wie Säcke oder Big Bags kön­nen die Zur­rkräfte nicht bis zur Lade­fläche weit­er­leit­en.

Kombinierte Ladungssicherung

Eine kom­binierte Ladungssicherung ist die sin­nvolle Ergänzung aus Form­schluss und Kraftschluss. Beispiel­sweise kann die seitliche und rück­wär­tige Ladungssicherung durch Niederzur­ren und die Sicherung nach vorne durch Anle­gen an die Stirn­wand erre­icht wer­den.

Einrichtungen zur Ladungssicherung

Ein­rich­tun­gen zur Ladungssicherung sind in den Fahrzeu­gauf­bau oder in die Lade­fläche inte­gri­erte Bauteile, in denen die Ladung ver­staut wird oder an denen Hil­f­s­mit­tel zur Ladungssicherung befes­tigt wer­den kön­nen. Die wichtig­sten Ein­rich­tun­gen zur Ladungssicherung wer­den nach­fol­gend beschrieben:

Zurrpunkte

Zur­rpunk­te sind Befes­ti­gung­steile am Fahrzeug, zum Beispiel Zur­rösen und Zurrschienen, mit denen Zur­rgurte ver­bun­den wer­den kön­nen.

Lochschienen und Ankerschienen

Bei Lochschienen und Anker­schienen han­delt es sich um in den Fahrzeu­gauf­bau ein­ge­lassene Met­all­pro­file, meist mit ein­er Rund­lochrasterung. In diesen Pro­filen kön­nen etwa Zur­rgurte, Sperrstan­gen, Trennnet­ze oder Tren­n­git­ter befes­tigt wer­den.

Coilmulden

Coil­mulden sind wan­nen­för­mige Ver­tiefun­gen in der Lade­fläche des Lkws und dienen zur Auf­nahme von schw­eren Gütern in Rol­len­form, etwa Stahlcoils. Bei Nicht­be­nutzung kön­nen sie abgedeckt wer­den, wodurch wieder eine ebene Lade­fläche entste­ht.

Einsteckrungen

Ein­steck­run­gen kön­nen vari­abel einge­set­zt wer­den und block­ieren die Ladung gegen Rutschen. Bei Bedarf wer­den sie in Run­ge­nauf­nah­men in der Lade­fläche einge­set­zt.

Hilfsmittel zur Ladungssicherung

Hil­f­s­mit­tel zur Ladungssicherung dienen dazu, Ladung auf der Lade­fläche zu fix­ieren, Zwis­chen­räume auszufüllen oder Ladung durch Niederzur­ren zu sich­ern. Zur­rgurte und Zur­rket­ten sind die bekan­ntesten Hil­f­s­mit­tel. Weit­ere wer­den nach­fol­gend vorgestellt:

Festlegende Hilfsmittel

Fes­tle­gende Hil­f­s­mit­tel sollen die Ladegüter auf der Lade­fläche block­ieren und diese so gegen Bewe­gung sich­ern. Hierzu zählen beispiel­sweise Sperrstan­gen, die in Anker­schienen ein­ras­ten. Keile und Abstützwinkel wer­den in Lochschienen arretiert, die im Lade­bo­den ein­ge­lassen sind. Hier­mit kön­nen beispiel­sweise groß­for­matige Papier­rollen gesichert wer­den.

Zwischenwandverschluss

Beim Zwis­chen­wand­ver­schluss, auch Klemm­brett oder Spannbrett genan­nt, han­delt es sich um eine ein­stell­bare Met­al­l­lat­te, die an den Kopf­seit­en mit Span­nver­schlüssen verse­hen ist. Der Zwis­chen­wand­ver­schluss wird auf die Ein­steck­lat­te oder Bor­d­wand aufge­set­zt, an die Ladung­steile herangeschoben und ver­riegelt. Die Kraftüber­tra­gung erfol­gt mit­tels Reibkräften in den Span­nver­schlüssen.

Antirutschmatten

Rutschhem­mendes Mate­r­i­al, bekan­nt als Antirutschmat­ten, erle­ichtert die Ladungssicherung, weil es die Rei­bung zwis­chen der Ladung und der Lade­fläche erhöht. Antirutschmat­ten allein bieten aber keine aus­re­ichende Ladungssicherung; die Ladung muss noch zusät­zlich gegen „Wan­dern“ auf der Lade­fläche fix­iert wer­den.

Ausfüllende Hilfsmittel

Aus­fül­lende Hil­f­s­mit­tel sollen den Zwis­chen­raum zwis­chen den Ladegütern beziehungsweise dem Ladegut und dem Fahrzeu­gauf­bau aus­füllen und so die Ladung gegen Bewe­gung sich­ern. Hierzu zählen Stausäcke, auch Airbag genan­nt, die sich den Trans­port­gütern indi­vidu­ell anpassen. Sie beste­hen aus einem beson­ders starken Plas­tik­sack, der mit ein­er Hülle umman­telt ist. Sie sind in unter­schiedlichen Größen erhältlich und je nach Auf­bau für den ein­ma­li­gen oder den mehrma­li­gen Gebrauch geeignet. Stausäcke wer­den an ein­er Druck­luftver­sorgung mit einem Luft­druck von nur 0,2 bis 0,4 bar befüllt.

Netze

Zur­r­net­ze aus tex­tilem Zur­rgurt­ma­te­r­i­al gibt es in vie­len Abmes­sun­gen und mit unter­schiedlichen Belast­barkeit­en. Sie kön­nen zur Sicherung schw­er­er Ladun­gen einge­set­zt wer­den. Durch den zusät­zlichen Ein­satz von Antirutschmat­ten wird die Sicher­heit im Fahrzeug weit­er erhöht. Grüne Abdeck­net­ze eignen sich nur zum Abdeck­en leichter Pro­duk­te, etwa Grün­schnitt, um das Fortwe­hen von der Lade­fläche während der Fahrt zu ver­hin­dern.

Kantenschutz

Zur­rgurte dür­fen nicht über scharfe Kan­ten ges­pan­nt oder über scharfe, raue Ober­flächen gezo­gen wer­den. Bei ein­er entsprechen­den Ober­flächenbeschaf­fen­heit des Trans­portgutes und an jed­er Kante ist das Gurt­band durch einen Kan­ten­schutzschlauch oder einen Kan­ten­schutzwinkel vor mech­a­nis­ch­er Beschädi­gung zu schützen. Zudem bewirkt der Kan­ten­schutz eine gle­ich­mäßigere Verteilung der Vorspannkraft im Gurt­band. Ins­ge­samt wird dadurch eine höhere, gle­ich­mäßigere Kraftverteilung inner­halb des Gurt­sys­tems erzielt.

Am richtigen Platz

Gemäß Straßen­verkehrsor­d­nung ist der Fahrer für die ord­nungs­gemäße Lastverteilung ver­ant­wortlich. Schließlich bee­in­flusst die Posi­tion des Ladegutes auf der Lade­fläche entschei­dend das Fahrver­hal­ten eines Fahrzeugs. Ein fahrzeugspez­i­fis­ch­er Lastverteilungs­plan ist die Basis für eine ord­nungs­gemäße und sichere Beladung des Fahrzeugs. In der Prax­is ist aber nur für wenige Fahrzeuge ein Lastverteilungs­plan ver­füg­bar. Selb­st beim Fahrzeugkauf wird er nur sel­ten mit­geliefert. In diesem Fall muss der Fahrer bei der Ver­ladung die Lastverteilung schätzen, wodurch Fahrzeuge falsch beladen wer­den kön­nen. Die Folge kön­nen neg­a­tive Auswirkun­gen auf das Brems- und Lenkver­hal­ten des Fahrzeugs sein. Die Beruf­sgenossen­schaft BG Verkehr bietet eine CD-ROM „Lastverteilungs­plan“ an, wom­it der Lastverteilungs­plan für jedes Fahrzeug berech­net wer­den kann. Das Pro­gramm ermit­telt den Gesamtschw­er­punkt der Ladung, der dann im Lastverteilungs­plan angezeigt wird.

Dipl.-Ing. Dieter Bach­mann


Checkliste: Alles bereit für die Fahrt?

  • Vergewis­sern Sie sich, dass die Lade­tätigkeit been­det ist und sich keine Per­so­n­en auf der Lade­fläche befind­en.
  • Befes­ti­gen Sie Stechkarre oder Hand­hub­wa­gen so auf der Lade­fläche, dass sie nicht ver­rutschen kön­nen.
  • Ent­fer­nen und ver­stauen Sie die Unter­legkeile.
  • Ziehen Sie den Lkw erst dann von der Lader­ampe ab, wenn das Lade­per­son­al die Freiga­be erteilt hat.
  • Kon­trol­lieren Sie die Ladungssicherung und führen Sie am Lkw den Fahrzeugcheck durch.
  • Prüfen Sie, ob die Außen­spiegel kor­rekt eingestellt sind.
  • Check­en Sie in aller Ruhe die Instru­mente und geben Sie das Ziel ins Navi ein.
  • Jet­zt anschnallen, dann los­fahren!

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