Startseite » Sicherheit » Verkehrssicherheit »

Der sichere Betriebshof (Teil 1): Gute Organisation als Grundlage

Der sichere Betriebshof (Teil 1)
Gute Orga­ni­sa­tion als Grund­lage

Anzeige
Auf Betriebs­hö­fen ereig­nen sich immer wieder gefähr­li­che Situa­tio­nen und schwere Unfälle. So werden Gefah­ren unter­schätzt oder Regeln miss­ach­tet, indem etwa ausge­wie­sene Fußgän­ger­wege nicht benutzt werden. Die Einfüh­rung betrieb­li­cher Struk­tu­ren und Abläufe kann Unfälle auf dem Betriebs­hof verhin­dern.

Dipl.-Ing. Dieter Bach­mann

Die Verant­wor­tung für den Arbeits- und Gesund­heits­schutz der Beschäf­tig­ten liegt beim Unter­neh­mer, das gilt auch für den Betriebs­hof. Somit ist er verant­wort­lich für die Erstel­lung der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung, die Umset­zung der daraus resul­tie­ren­den Maßnah­men, die Auswahl und Quali­fi­ka­tion der Beschäf­tig­ten sowie deren Unter­wei­sung und Kontrolle. Einige seiner Pflich­ten kann er an geeig­nete Führungs­kräfte, etwa den Leiter des Betriebs­ho­fes, dele­gie­ren. In diesem Fall über­nimmt dieser die ihm über­tra­ge­nen Aufga­ben und Pflich­ten.

Arbeits­plätze beur­tei­len

Es ist die Aufgabe des Unter­neh­mers, die Gefähr­dun­gen, denen die Mitar­bei­ter ausge­setzt sind, zu ermit­teln und zu beur­tei­len. Beispiels­weise hat er folgen­des zu prüfen:

  • Gibt es auf dem Betriebs­ge­lände rangie­rende Fahr­zeuge und Arbeits­ma­schi­nen, von denen Mitar­bei­ter ange­fah­ren und verletzt werden können?
  • Müssen Mitar­bei­ter schwere Lasten bewe­gen, etwa bei der Instand­hal­tung von Fahr­zeu­gen?
  • Sind die Mitar­bei­ter bei Arbei­ten im Freien Witte­rungs­ein­flüs­sen wie Regen, Schnee oder Sonne ausge­setzt?

Als Ergeb­nis der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung sind Maßnah­men abzu­lei­ten, um die Sicher­heit der Mitar­bei­ter zu gewähr­leis­ten.

Siche­res Verhal­ten vorge­ben

Im Arbeits­all­tag lassen sich nicht immer alle Risi­ken vermei­den, daher muss auf die Rest­ri­si­ken deut­lich hinge­wie­sen werden. Zwei Beispiele:

  • Bei Repa­ra­tur­ar­bei­ten in der Fahr­zeug­halle besteht die Gefahr von Fußver­let­zun­gen, deshalb sind Sicher­heits­schuhe zu tragen.
  • Im Verla­de­be­reich rangie­ren Fahr­zeuge, deshalb besteht dort Warn­wes­t­en­tra­ge­pflicht.

Betriebs­an­wei­sun­gen zeigen Gefah­ren auf und geben siche­res Verhal­ten und Schutz­maß­nah­men vor. In Betriebs­an­wei­sun­gen kann auch beschrie­ben werden, wie am Lkw ein Anbau­ge­rät auf sichere Weise gewech­selt wird oder wie Lkw gegen Wegrol­len zu sichern sind. Damit die Mitar­bei­ter die Schutz­maß­nah­men und das sichere Verhal­ten nach­le­sen können, sind die Betriebs­an­wei­sun­gen im jewei­li­gen Arbeits­be­reich auszu­hän­gen.

Mitar­bei­ter unter­wei­sen

Verant­wort­lich für die Unter­wei­sung der Mitar­bei­ter ist eben­falls der Unter­neh­mer. Auch diese Aufgabe kann er auf den Leiter des Betriebs­ho­fes, auf Vorge­setzte aus der Abtei­lungs­lei­tung oder auf Meis­ter, jeweils in ihrem Aufga­ben­be­reich, über­tra­gen. Mindes­tens einmal jähr­lich sind die Mitar­bei­ter unter Einbe­zie­hung der Betriebs­an­wei­sun­gen zu unter­wei­sen. Vor allem neue Mitar­bei­ter und Leih­ar­bei­ter, denen die Abläufe auf dem Betriebs­hof noch wenig vertraut sind, müssen vor Aufnahme der Tätig­keit eine Erst­un­ter­wei­sung erhal­ten. In der Praxis haben sich Gesprächs­run­den bewährt, bei denen die Unter­wei­sungs­the­men mit den betref­fen­den Mitar­bei­tern bespro­chen werden. Die Unter­wei­sun­gen sind zu doku­men­tie­ren: Datum, Inhalt der Unter­wei­sung, Namen der Beschäf­tig­ten und des Unter­wei­sen­den sind fest­zu­hal­ten.

Persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung

Können Gefähr­dun­gen nicht voll­stän­dig besei­tigt werden, ist den Mitar­bei­tern geeig­nete Persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung zur Verfü­gung zu stel­len. So beispiels­weise bei folgen­den Tätig­kei­ten:

  • Bei Instand­hal­tungs­ar­bei­ten an Fahr­zeu­gen: Sicher­heits­schuhe
  • Beim Umgang mit scharf­kan­ti­gen Gegen­stän­den: Schutz­hand­schuhe
  • Bei Arbei­ten im Stra­ßen­ver­kehr: Warn­klei­dung

Regeln für Fußgän­ger

Auf dem Betriebs­ge­lände ereig­nen sich immer wieder Anfahr­un­fälle auf Grund der schlech­ten Erkenn­bar­keit von Perso­nen. Ein erhöh­tes Risiko besteht vor allem in der Abend­däm­me­rung oder in schlecht beleuch­te­ten Hallen. Wolf­gang Müller (Name geän­dert), Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit in einem mittel­gro­ßen Betriebs­hof, beschreibt folgen­des Ereig­nis: „Der Radla­der­fah­rer war damit beschäf­tigt, das Streu­salz­fahr­zeug zu befül­len. Das schwere Gerät setzte zurück, plötz­lich trat ein Kollege hinter den Radla­der und wurde von ihm erfasst. Mit schwe­ren Bein­ver­let­zun­gen musste er ins Kran­ken­haus einge­lie­fert werden.“ Weiter führt er aus: „Wir haben umge­hend Maßnah­men ergrif­fen. Die Beleuch­tung auf dem Betriebs­hof wurde verbes­sert und verbind­li­che Regeln für die Fußgän­ger fest­ge­legt: Warn­wes­t­en­tra­ge­pflicht, strikte Nutzung der Fußgän­ger­wege, bei Annä­he­rung an ein Fahr­zeug Kontakt­auf­nahme mit dem Fahrer.“

Arbeits­mit­tel prüfen

Arbeits­mit­tel, die den Mitar­bei­tern zur Verfü­gung gestellt werden, müssen sicher sein und sind daher regel­mä­ßig durch eine befä­higte Person zu prüfen. Diese muss über eine ausrei­chende Ausbil­dung, Erfah­run­gen und Kennt­nisse verfü­gen, um den betriebs­si­che­ren Zustand beur­tei­len zu können. Zu prüfen sind zum Beispiel kraft­be­trie­bene Flur­för­d­er­zeuge, Erdbau­ma­schi­nen, Roll­tore oder Hebe­büh­nen bis hin zu Feuer­lö­schern, Leitern und Werk­zeu­gen. Je nach Größe und Ausstat­tung des Betriebs­ho­fes ergibt sich eine umfang­rei­che Prüf­liste, die sorg­fäl­tig geführt werden muss. Nur so wird sicher­ge­stellt, dass die Prüf­in­ter­valle auch einge­hal­ten werden.

Fahr­zeug­füh­rer quali­fi­zie­ren

Auch für den Betriebs­hof gilt: Nur Mitar­bei­ter, die dazu befä­higt, unter­wie­sen und beauf­tragt sind, dürfen ein Fahr­zeug oder eine Arbeits­ma­schine führen. Die Anfor­de­run­gen an Fahr­zeug­füh­rer von Erdbau­ma­schi­nen oder Gabel­stap­lern regeln die Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten in Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrif­ten. Danach darf der Unter­neh­mer mit dem selbst­stän­di­gen Steu­ern nur Perso­nen beauf­tra­gen, die mindes­tens 18 Jahre alt, für diese Tätig­keit geeig­net und ausge­bil­det sind und ihre Befä­hi­gung nach­ge­wie­sen haben. Für die Fest­stel­lung der Eignung kann der Grund­satz G 25 heran­ge­zo­gen werden. Die Ausbil­dung zum Stap­ler­fah­rer ist beispiels­weise im Berufs­ge­nos­sen­schaft­li­chen Grund­satz BGG 925 gere­gelt. Vor Beauf­tra­gung sind jedoch erst noch eine gerä­te­spe­zi­fi­sche Einwei­sung und Unter­wei­sung in die betrieb­li­chen Gege­ben­hei­ten erfor­der­lich. Werden auf dem Betriebs­hof unter­schied­li­che Fahr­zeuge und Arbeits­ma­schi­nen einge­setzt, sollte eine Über­sicht ange­legt werden, für welche Fahr­zeug­ty­pen welche Schu­lun­gen und Befä­hi­gungs­nach­weise notwen­dig sind und welche Mitar­bei­ter diese Anfor­de­run­gen erfül­len.

Betriebs­hof: öffent­lich oder privat?

Ein Baustoff­lie­fe­rant parkt den Lkw zum Entla­den am Stra­ßen­rand. Lädt der Gabel­stap­ler nun die Ladung vom Lkw ab, nimmt er schon am öffent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr teil. Glei­ches gilt, wenn private Anlie­fe­rer ohne Einfahrts­kon­trolle den Wert­stoff­hof befah­ren und Abfall­stoffe entsor­gen – in diesem Fall zählt dieser Betriebs­teil auch zum öffent­li­chen Bereich. Für den Betriebs­hof hat das erheb­li­che Auswir­kun­gen, denn selbst­fah­rende Arbeits­ma­schi­nen benö­ti­gen dann eine Betriebs­er­laub­nis und eine Ausrüs­tung im Sinne der Stra­ßen­ver­kehrs­zu­las­sungs­ord­nung.

Ferner muss der Maschi­nen­füh­rer die entspre­chende Fahr­erlaub­nis nach der Fahr­erlaub­nis­ver­ord­nung besit­zen. Soll der Betriebs­hof jedoch Privat­ge­lände sein, dann müssen Zugangs­sper­ren oder Schran­ken die Durch­fahrt verhin­dern. Die Zufahrt muss kontrol­liert und Nicht­be­rech­tigte abge­wie­sen werden. Allein das Aufstel­len eines Hinweis­schil­des „Privat­ge­lände“ genügt dazu nicht.

Besu­cher infor­mie­ren

Auf Betriebs­hö­fen ereig­nen sich Unfälle, weil Betriebs­frem­den die Verhal­tens­re­geln nicht bekannt sind. Besu­cher und Kunden müssen daher schon am Eingang die wesent­li­chen Infor­ma­tio­nen erhal­ten. Bewährt haben sich Info­ta­feln am Eingangs­tor oder Flyer, die am Empfang ausge­hän­digt werden.


Sicher­heits­in­for­ma­tio­nen für Besu­cher (Beispiel)

  • Empfang
    Bitte melden Sie sich im Haupt­ge­bäude, Ihr Ansprech­part­ner nimmt Sie dort in Empfang. Den Hinwei­sen Ihres Ansprech­part­ners ist Folge zu leis­ten.
  • Parken
    Nutzen Sie den Besu­cher­park­platz vor dem Haupt­ge­bäude.
  • Befah­ren des Betriebs­ge­län­des
    Das Befah­ren ist nur zum Be- und Entla­den gestat­tet. Die Höchst­ge­schwin­dig­keit von 10 km/h ist einzu­hal­ten. Lkw, Radla­der und Räum­fahr­zeuge haben Vorrang.
  • Fußgän­ger
    Nutzen Sie nur die gekenn­zeich­ne­ten Fußgän­ger­wege.
  • Sammel­platz
    Verlas­sen Sie im Notfall das Gebäude über die gekenn­zeich­ne­ten Flucht­wege. Bege­ben Sie sich zum Sammel­platz und folgen Sie den Anwei­sun­gen unse­rer Mitar­bei­ter.
  • Notfall
    Verstän­di­gen Sie die Verkehrs­leit­stelle: Notruf intern Tele­fon 1234 , Notruf extern Tele­fon 112. Den Erst­hel­fer errei­chen Sie intern unter Tele­fon 2345.

Check­liste: Orga­ni­sa­tion

  1. Sind Verhal­tens­re­geln und Schutz­maß­nah­men in Betriebs­an­wei­sun­gen vorge­ge­ben und den Mitar­bei­tern bekannt?
  2. Werden die Mitar­bei­ter regel­mä­ßig unter­wie­sen und wird die Unter­wei­sung doku­men­tiert?
  3. Wurde fest­ge­legt, bei welchen Tätig­kei­ten Persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung zu benut­zen ist?
  4. Gibt es Regeln für Fußgän­ger wie die Benut­zung der Fußgän­ger­wege oder die Trage­pflicht von Warn­wes­ten?
  5. Ist in einer Tabelle fest­ge­hal­ten, welche Arbeits­mit­tel in welchen Abstän­den zu prüfen sind?
  6. Sind die Fahr­zeug­füh­rer für die jewei­lige Tätig­keit quali­fi­ziert, unter­wie­sen und beauf­tragt?
  7. Sind Verhal­tens­re­geln für Besu­cher und Kunden fest­ge­legt?
  8. Sind die Vorschrif­ten der Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung durch eine entspre­chende Beschil­de­rung verbind­lich gemacht?
  9. Ist fest­ge­legt, welche Verkehrs­flä­chen des Betriebs­ho­fes öffent­lich bezie­hungs­weise privat sind?
  10. Sind für den Notfall die Lage des Sammel­plat­zes und die Notruf­num­mern bekannt?
Anzeige
News­let­ter

Jetzt unse­ren News­let­ter abon­nie­ren

Meistgelesen

Jobs
Sicher­heits­be­auf­trag­ter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 6
Ausgabe
6.2020
ABO
Sicher­heits­in­ge­nieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 6
Ausgabe
6.2020
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de