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Der sichere Betriebshof - Kollisionen vorbeugen

Der sichere Betriebshof, Teil 2
Kollisionen vorbeugen

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Auf dem Betrieb­shof verkehren Lkw, Bag­ger, Rad­lad­er und zu bes­timmten Zeit­en auch betrieb­s­fremde Fahrzeuge. Dann wird der Platz knapp und es kann hek­tisch zuge­hen. Wit­terung­sum­stände tra­gen ihr Übriges dazu bei und erhöhen das Gefahren­poten­zial für alle Beteiligten. Qual­i­fiziertes Per­son­al und eine durch­dachte Verkehrs­führung kön­nen das Unfall­risiko auf dem Betrieb­shof senken.

Schilder weisen den Weg: Ein Verkehrsleit­sys­tem beste­hend aus Fahrspur­markierun­gen, Warte­bucht­en und Beschilderung erle­ichtert betrieb­s­frem­den Fahrern die Ori­en­tierung auf dem Betrieb­s­gelände. Klare und ein­deutige Kennze­ich­nun­gen bewahren vor unnöti­gen Fahr- oder Wen­de­manövern und erhöhen dadurch die Verkehrssicher­heit.

Wege und Flächen festlegen

Wer­den von Fußgängern und Fahrzeu­gen gemein­same Wege benutzt, dann erhöht sich die Gefahr von Anfahrun­fällen immens – und diese Unfälle enden oft tödlich. Ide­al­er­weise sind deshalb die Wege voneinan­der getren­nt, etwa durch Gelän­der oder Pfos­ten mit Absper­rket­ten. Boden­markierun­gen allein reichen nicht aus, da sie kein Hin­der­nis darstellen und meist nicht beachtet wer­den. Dies gilt sowohl für den inner­be­trieblichen Verkehr als auch für den Besuch­er- und Anliefer­verkehr. Generell soll­ten auch Wegführun­gen mit Gegen­verkehr ver­mieden wer­den, da sie ein erhöht­es Risiko darstellen.

Vorsicht Kreuzungen!

Typ­is­che Gefahren­stellen sind Kreuzun­gen, Abzwei­gun­gen und Aus­fahrten, denn häu­fig ist die Sicht durch Gebäude­teile oder Regalan­la­gen verdeckt. Hil­f­s­mit­tel wie Spiegel im Kreuzungs­bere­ich oder Sig­nalleucht­en für her­an­fahrende Fahrzeuge helfen, Zusam­men­stöße zu ver­mei­den. Das Über­queren von Kreuzun­gen wird durch gekennze­ich­nete Fußgängerüber­wege zwar sicher­er – trotz­dem soll­ten Fußgänger aufmerk­sam sein. Die betrieblichen Regelun­gen sind unbe­d­ingt zu beacht­en, etwa die Vor­fahrt für Fahrzeuge und Arbeits­maschi­nen.

Aufgepasst bei Türen und Toren

Beim Durch­schre­it­en von Türen und Toren ist beson­dere Vor­sicht geboten, denn es beste­ht die Gefahr in den Querverkehr hineinzu­laufen. Wege für den Fahrverkehr soll­ten daher in einem Min­destab­stand von einem Meter an Türen und Toren vor­beiführen. Zudem hat sich bewährt, den Fußgänger­weg im Bere­ich von Türen durch ein Gelän­der vom Fahrweg zu tren­nen. Zusät­zlich ange­brachte Warn­schilder soll­ten auf den Fahrzeugverkehr hin­weisen.

Laderampen sichern

Auf der Lader­ampe beste­ht für Per­so­n­en an ungesicherten Ram­p­en­ab­schnit­ten erhöhte Absturzge­fahr. Daher sind Lader­am­p­en von mehr als ein Meter Höhe in den Bere­ichen, die keine ständi­gen Be- und Ent­ladestellen sind, mit Absturzsicherun­gen zu verse­hen. Hier­für eignen sich Gelän­der mit min­destens einem Meter Höhe. An der Ram­p­enkante sind Ket­ten oder Seile ungeeignet, da sie den Absturz nicht ver­hin­dern kön­nen. Nur Bere­iche zur ständi­gen Be- und Ent­ladung dür­fen ungesichert bleiben, jedoch ist dort die Ram­p­enkante durch eine gelb-schwarze Sicher­heits­markierung zu kennze­ich­nen.

Ausreichend beleuchten

Verkehr­swege sowie Arbeits‑, Ver­lade- und Lager­flächen in und außer­halb von Gebäu­den sind so zu beleucht­en, dass eine sichere Benutzung gewährleis­tet wird. Hil­festel­lung gibt die Tech­nis­che Regel für Arbeitsstät­ten ASR A3.4, die Beleuch­tungsan­forderun­gen für Arbeit­splätze und Tätigkeit­en im Freien enthält. Um den Fahrzeugführern die best­mögliche Sicht zu ermöglichen, soll­ten die Geräte mit speziellen Arbeitss­chein­wer­fern aus­ges­tat­tet sein. Sie sor­gen zu jed­er Zeit für eine gute Ausleuch­tung des Arbeit­sum­feldes.

Achtung: Rangierende Fahrzeuge

Beim Rang­ieren und ins­beson­dere beim Rück­wärts­fahren beste­ht für Per­so­n­en, die sich im Gefahren­bere­ich von Fahrzeu­gen aufhal­ten, ein erhöht­es Risiko ange­fahren zu wer­den. Eine wesentliche Unfal­lur­sache solch­er Anfahrun­fälle ist die eingeschränk­te Sicht des Fahrers, denn je nach Blick­rich­tung wird sie durch Ele­mente der Fahrerk­abine oder Teile des Anbaugerätes verdeckt. Selb­st mod­erne Fahrzeugspiegel kön­nen „tote Winkel“ nicht voll­ständig beseit­i­gen. Hal­ten Sie sich daher von rang­ieren­den Fahrzeu­gen oder Arbeits­maschi­nen fern! Lassen sich diese Bere­iche nicht umge­hen, dann nehmen Sie zunächst Blick­kon­takt mit dem Fahrer auf und näh­ern sich erst dann, wenn er Ihnen ein Zeichen gibt.

Einweisen lassen

Auch auf dem Gelände eines Betrieb­shofes lässt sich Rück­wärts­fahren nicht immer ver­mei­den. Daher ist in der Unfal­lver­hü­tungsvorschrift DGUV Vorschrift 70 „Fahrzeuge“, § 46 fest­gelegt, dass der Fahrer nur dann rück­wärts­fahren darf, wenn sichergestellt ist, dass sich dort keine Per­so­n­en aufhal­ten. Kann dies durch tech­nis­che, bauliche oder organ­isatorische Maß­nah­men nicht gewährleis­tet wer­den, dann hat sich der Fahrer eines Ein­weis­ers zu bedi­enen. Damit der Ein­weis­er sich nicht selb­st gefährdet, muss er geschult sein, die Handsig­nale beherrschen sowie eine ständi­ge Sichtverbindung zum Fahrer haben. Zur eige­nen Sicher­heit sollte er eine Warn­weste tra­gen. Der Fahrer wiederum hat beim Rück­wärts­fahren fol­gen­des zu beherzi­gen: Vor­sichtig anfahren, nur Schrittgeschwindigkeit, ständig brems­bere­it sein und sofort anhal­ten, wenn der Ein­weis­er im Rück­spiegel nicht mehr zu sehen ist.

Assistenzsysteme helfen

Fahrzeugführer sind stets in Sorge, beim Rang­ieren Men­schen anz­u­fahren und zu ver­let­zen. Das Rück­wärts­fahren wird sicher­er, wenn Fahrzeuge und Arbeits­maschi­nen mit den entsprechen­den Assis­ten­zsys­te­men aus­gerüstet sind. Zwei Sys­tem­beispiele, die auf dem Markt ange­boten wer­den:

  • Rang­i­er-Warnein­rich­tun­gen, auch Abstandswarn­sys­teme genan­nt, arbeit­en üblicher­weise mit Ultra­schallsen­soren und wer­den am Fahrzeugheck instal­liert. Der Fahrer wird durch eine optis­che Anzeige oder ein akustis­ches Sig­nal gewarnt, wenn sich eine Per­son oder ein Hin­der­nis hin­ter dem Fahrzeug befind­et.
  • Noch bess­er sind Kam­era-Mon­i­tor-Sys­teme, denn sie machen den „toten Winkel“ hin­ter dem Fahrzeug für den Fahrer ein­se­hbar.

Fahrzeuge abstellen

Fahrzeuge sind so abzustellen, dass sie gegen unbe­ab­sichtigtes Wegrollen gesichert sind. Der Fahrer hat dem­nach beim Abstellen auf eben­em Gelände die Fest­stell­bremse zu betäti­gen und den kle­in­sten Gang, bei Fahrzeu­gen mit Automatikgetriebe die Parksperre, einzule­gen. Auf stark uneben­em Gelände oder im Gefälle sind zusät­zlich am Zug­fahrzeug und Anhänger Unter­legkeile anzule­gen. Vor dem Ver­lassen des Fahrerhaus­es unbe­d­ingt Zünd­schlüs­sel abziehen.

Dipl.-Ing. Dieter Bach­mann


Unfälle auf dem Betriebsgelände

Fol­gende Beispiele für Anfahrun­fälle auf dem Betrieb­shof zeigen, wie schw­er­wiegend Kol­li­sio­nen von Men­schen mit Fahrzeu­gen sein kön­nen.

Klaus M. war auf dem Weg zum Büro des Schichtleit­ers und dabei in ein Tele­fonat ver­tieft. Beim Durch­schre­it­en ein­er Tür lief er in den Fahrweg und wurde von einem Rad­lad­er erfasst. Er erlitt eine Frak­tur des recht­en Unter­schenkels.

Einen tödlichen Unfall erlitt Gerd K.: Anstatt den Fußweg zu benutzen, nahm er eine Abkürzung und lief hin­ter einem Bag­ger vor­bei – plöt­zlich set­zte die riesige Mas­chine zurück. Gerd K. kon­nte nicht rechtzeit­ig zur Seite sprin­gen und wurde über­rollt. Er ver­starb noch an der Unfall­stelle.


Prüfliste: Sicher unterwegs auf dem Betriebshof

  • Gibt es ein Verkehrsleit­sys­tem für Betrieb­s­fremde?
  • Sind die Verkehr­swege für Per­so­n­en und Fahrzeuge klar getren­nt und aus­geschildert?
  • Sind unüber­sichtliche Kreuzun­gen durch Spiegel, Hin­weiss­childer oder Ampeln entschärft?
  • Ist strikt geregelt, dass sich im Rang­ier­bere­ich von Fahrzeu­gen keine Per­so­n­en aufhal­ten dür­fen?
  • Gibt es Regelun­gen zum Rück­wärts­fahren, beispiel­sweise nur mit Ein­weis­er?
  • Sind die betrieblichen Fahrzeuge und Arbeits­maschi­nen mit Assis­ten­zsys­te­men, wie Rück­fahrwarn­ern oder Kam­erasys­te­men aus­ges­tat­tet?
  • Ist auf dem Gelände des Betrieb­shofes die Höch­st­geschwindigkeit begren­zt und ken­ntlich gemacht?
  • Wur­den Maß­nah­men ergrif­f­en, damit Mitar­beit­er beim Durch­schre­it­en von Türen und Toren nicht unmit­tel­bar in den Fahrweg laufen?
  • Sind die Fußwege und Verkehrs­bere­iche in Gebäu­den und im Freien aus­re­ichend beleuchtet?
  • Sind Bere­iche von Lader­am­p­en, die keine ständi­gen Be- und Ent­ladestellen sind, mit einem Gelän­der aus­ges­tat­tet?
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