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Neue ASR A5.2

Mehr Sicher­heit an Stra­ßen­bau­stel­len

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Straßenbaustellen sind besonders am Übergang von Baustelle und öffentlichem Verkehrsraum gefährlich. Foto: © Daniel Ernst – stock.adobe.com
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Stra­ßen­bau­stel­len gehö­ren zu den gefähr­lichs­ten Baustel­len über­haupt. Notwen­dige Siche­rungs­maß­nah­men waren bisher nicht eindeu­tig gere­gelt. Jetzt gibt es eine Tech­ni­sche Regel für Arbeits­stät­ten (ASR) hier­für.

Der Grenz­be­reich zwischen Arbeits­stelle und öffent­li­chem Verkehrs­raum gehört zu den Arbeits­be­rei­chen mit der größ­ten Unfall­schwere. Eine Absi­che­rung war bisher nur durch die Regel für die Siche­rung von Arbeits­stel­len an Stra­ßen (RSA) gege­ben. Da die Grund­lage der RSA im Stra­ßen­ver­kehrs­recht liegt, beschäf­tigt sie sich mehr mit Siche­rungs­maß­nah­men für den flie­ßen­den Verkehr als mit Beschäf­tig­ten, die im Baustel­len­be­reich zu tun haben.

Lücke wurde nun geschlos­sen

Dieser Zustand erwies sich als zuneh­mend unhalt­bar, insbe­son­dere auch deshalb, weil die letzte Über­ar­bei­tung der RSA aus dem Jahr 1995 stammte. Neuere Entwick­lun­gen von Siche­rungs­maß­nah­men und auch die zuneh­mende Verkehrs­dichte fanden hier keine Berück­sich­ti­gung. Sowohl Bauun­ter­neh­men, die im öffent­li­chen Verkehrs­raum arbei­te­ten, als auch die für die Sicher­heit des öffent­li­chen Verkehrs zustän­di­gen Behör­den kamen in immer größere Bedräng­nis.

Aus diesem Grund verab­schie­dete der Ausschuss für Arbeits­stät­ten (ASTA) bereits im Dezem­ber 2013 den Entwurf einer Tech­ni­schen Regel für Arbeits­stät­ten – ASR A5.2 „Anfor­de­run­gen an Arbeits­plätze und Verkehrs­wege auf Baustel­len im Grenz­be­reich zum Stra­ßen­ver­kehr – Stra­ßen­bau­stel­len“.

Dieser Entwurf wurde der Fach­öf­fent­lich­keit im April 2014 zur Kennt­nis­nahme zur Verfü­gung gestellt, verbun­den mit der Hoff­nung hier­mit einen Beitrag zur Mini­mie­rung von Unfäl­len im Grenz­be­reich von Baustel­len zum Stra­ßen­ver­kehr zu leis­ten. Auf seiner Sitzung am 28. Novem­ber 2018 hat der ASTA die fach­lich über­ar­bei­tete Fassung der ASR 5.2 beschlos­sen und dem Bundes­mi­nis­te­rium für Arbeit und Sozia­les (BMAS) zur Veröf­fent­li­chung über­ge­ben. Die Veröf­fent­li­chung ist mit Bekannt­ma­chung vom 28. Novem­ber 2018 im Gemein­sa­men Minis­te­ri­al­blatt Nr. 58–59 vom 21. Dezem­ber 2018 erfolgt.

Rege­lungs­be­reich

Das Ziel der ASR ist der Schutz der Beschäf­tig­ten auf Baustel­len vor Gefähr­dun­gen durch den flie­ßen­den Verkehr im Grenz­be­reich zwischen Baustelle und Stra­ßen­ver­kehr. Sie ersetzt aller­dings nicht die Einho­lung einer verkehrs­recht­li­chen Anord­nung nach § 45 Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung (StVO) durch den Baustel­len­be­trei­ber. Der Anwen­dungs­be­reich der ASR ist ausge­legt auf

  • das Einrich­ten,
  • das Betrei­ben und
  • den Abbau aller Art

von Arbeits­plät­zen und Verkehrs­we­gen auf Baustel­len an öffent­li­chen Stra­ßen, bei denen Beschäf­tigte durch den flie­ßen­den Verkehr gefähr­det werden können. Die ASR gilt nicht für Pannen- und Unfall­hilfe sowie Bergungs- und Abschlepp­ar­bei­ten.

Nicht gere­gelt ist, inwie­weit die ASR A5.2 auch für andere Tätig­kei­ten gilt, die eine Nutzung des öffent­li­chen Verkehrs­rau­mes und damit eine verkehrs­recht­li­che Anord­nung erfor­dern. Gemeint sind zum Beispiel Lade- und Entla­de­ar­bei­ten von Möbel­spe­di­tio­nen.

Aufbau und Inhalt

Die ASR A5.2 ist in fünf Kapi­tel unter­glie­dert. Neben Ziel­stel­lung (Kapi­tel 1) und Anwen­dungs­be­reich (Kapi­tel 2) gibt es eine ausführ­li­che Begriffs­be­stim­mung (Kapi­tel 3). Im vier­ten Kapi­tel werden die beim Einrich­ten von Arbeits­plät­zen und Verkehrs­we­gen auf Stra­ßen­bau­stel­len notwen­di­gen Schutz­maß­nah­men darge­stellt. Kapi­tel 5 beschäf­tigt sich mit dem Betrei­ben von solchen Arbeits­plät­zen und Verkehrs­we­gen. Begriffe aus der RSA werden synonym in der ASR verwen­det. Dies ist sehr hilf­reich, da es immer Abstim­mungs­be­darf mit den die verkehrs­recht­li­che Anord­nung ausstel­len­den Behör­den zu den notwen­di­gen Schutz­maß­nah­men geben wird.

Die Schutz­maß­nah­men in Kapi­tel 4 „Einrich­ten von Arbeits­plät­zen und Verkehrs­we­gen auf Stra­ßen­bau­stel­len“ sind in Maßnah­men für Stra­ßen­bau­stel­len länge­rer und kürze­rer Dauer unter­glie­dert. Der Einsatz von trans­por­ta­bler Schutz­ein­rich­tung (zum Beispiel Beton- oder Stahl­schutz­wände) wird als Stan­dard­schutz­maß­nahme bevor­zugt. Ausnah­men werden für Berei­che mit Höchst­ge­schwin­dig­kei­ten von weni­ger als 50 km/h oder bei örtli­chen und baustel­len­be­ding­ten Sonder­si­tua­tio­nen zuge­las­sen. Hier gilt dann aber der Grund­satz, dass andere geeig­nete Schutz­ein­rich­tun­gen ange­wen­det werden müssen.

Auf Baustel­len im öffent­li­chen Verkehrs­raum bestand bisher ein großes Problem darin, ausrei­chende Sicherheits- und Arbeits­ab­stände zu den Absi­che­rungs­maß­nah­men fest­zu­le­gen und einzu­hal­ten. Daher werden nun in Kapi­tel 4 die seit­li­chen und die in Längs­rich­tung zum flie­ßen­den Verkehr einzu­hal­ten­den Sicher­heits­ab­stände vorge­ge­ben; entspre­chende Anga­ben liegen auch im Hinblick auf die Mindest­brei­ten für Arbeits­plätze und Verkehrs­wege vor. So darf als Beispiel eine Mindest­breite von 80 cm für manu­elle Tätig­kei­ten nicht unter­schrit­ten werden. Die verschie­de­nen Möglich­kei­ten der seit­li­chen Sicher­heits­ab­stände für Tätig­kei­ten im Grenz­be­reich zum flie­ßen­den Verkehr werden mit Schau­bil­dern sehr über­sicht­lich darge­stellt. Für die Sicher­heits­ab­stände in Längs­rich­tung werden Mindest­maße vorge­ge­ben, die bisher zumin­dest für Baustel­len im inner­ört­li­chen Bereich und für Land­stra­ßen so in der RSA nicht gere­gelt waren.

Im Kapi­tel 5 „Betrei­ben von Arbeits­plät­zen und Verkehrs­we­gen auf Stra­ßen­bau­stel­len“ werden mögli­che Gefähr­dun­gen durch die Wech­sel­wir­kung zwischen Baustelle und dem flie­ßen­den Verkehr benannt. Das Kapi­tel geht auch auf die Unter­wei­sungs­pflicht zu den fest­ge­leg­ten Schutz­maß­nah­men und Verhal­tens­an­for­de­run­gen für die Beschäf­tig­ten sowie die Wirk­sam­keits­prü­fung ein.

Hand­lungs­be­darf für SiGeKo

Wich­tig ist, dass die Rege­lun­gen der ASR A5.2 bereits in allen Planungs­pha­sen von Baustel­len im öffent­li­chen Verkehrs­raum zu berück­sich­ti­gen sind. Damit wird die bishe­rige Sicher­heits­lü­cke zu der verkehrs­recht­li­chen Anord­nung geschlos­sen: Der Planer muss somit notwen­dige Schutz­maß­nah­men in seine Planung einbe­zie­hen und dem Bauherrn die Notwen­dig­keit der Umset­zung darstel­len.

Eine wich­tige Aufgabe kommt hier auch auf die Sicherheits- und Gesund­heits­schutz­ko­or­di­na­to­ren (SiGeKo) zu. Sie müssen jetzt auch solche Schutz­maß­nah­men in den SiGe-Plan aufneh­men und den Bauherrn bezie­hungs­weise Auftrag­ge­ber entspre­chend bera­ten. Wich­tig ist der Hinweis, dass bei verän­der­ter Planung der Baumaß­nahme die getrof­fe­nen Schutz­maß­nah­men ebenso auf notwen­dige Ände­run­gen zu über­prü­fen sind.


Autor: Ulf J. Schapp­mann
VDSI, Sicherheitsingenieur/SiGeKo
ujschappmann@simebu.de


Link­tipp

  • Eine Liste mit ausge­wähl­ten Lite­ra­tur­hin­wei­sen ergänzt die ASR A5.2:
    www.baua.de Ange­bote Rechts­texte und tech­ni­sche Regeln Tech­ni­sche Regeln/Arbeitsmedizinische Regeln Tech­ni­sche Regeln für Arbeits­stät­ten (ASR)
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