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Auffallend sicher

Reflek­tie­rende Warn­schutz­klei­dung

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Sehen und gese­hen werden, so lautet das Credo im Stra­ßen­ver­kehr – insbe­son­dere in der dunk­len Jahres­zeit. Was für den Stra­ßen­ver­kehr gilt, trifft auf Werks­ge­län­den und Baustel­len ebenso zu: Klei­dung mit „Leucht­ef­fekt“ – reflek­tie­rende Warn­schutz­klei­dung – sorgt für eine verbes­serte Sicht­bar­keit, sollte aber immer passend zum Arbeits­be­reich ausge­wählt werden.

Klei­dung mit Reflex­strei­fen und fluo­res­zie­ren­den Signal­flä­chen kann Unfälle verhin­dern und Leben retten. Aus diesem Grund entschei­den sich immer mehr Unter­neh­men für Berufs­klei­dung mit entspre­chen­den Sicher­heits­merk­ma­len, um eine opti­male Sicht­bar­keit der Mitar­bei­ter gerade bei Dunkel­heit und schlech­ten Licht­ver­hält­nis­sen zu gewähr­leis­ten.

Normen kennen und beach­ten

In vielen Beru­fen ist das Tragen von Warn­klei­dung zudem Vorschrift. Bei Tätig­kei­ten in der Nähe von Verkehrs­we­gen etwa gehört Warn­schutz­klei­dung zur Persön­li­chen Schutz­aus­rüs­tung, ebenso bei Arbeits­plät­zen im Rettungs­dienst oder bei der Feuer­wehr. Das regelt die DGUV Infor­ma­tion 212–016 „Warn­klei­dung“ (bisher: BGI/GUV‑I 8591) sowie die inter­na­tio­nale Norm EN ISO 20471. Darin werden unter ande­rem die Mindest­flä­chen für funk­tio­nale Mate­ria­lien mit Auswir­kun­gen auf die Tages- und Nacht­auf­fäl­lig­keit defi­niert. Unter­schie­den wird nach drei Beklei­dungs­klas­sen, abhän­gig von der Risi­ko­si­tua­tion im Arbeits­be­reich der Träger. Diese sind grund­sätz­lich bei der Auswahl der Warn­klei­dung zu berück­sich­ti­gen (siehe Kasten auf Seite 46).

Nachts nur fünf Prozent Sehleis­tung

Wissen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen zeigen, dass rund 90 Prozent der verkehrs­tech­ni­schen Infor­ma­tio­nen am Tag vom mensch­li­chen Auge aufge­nom­men werden. Anders die Situa­tion in der Dunkel­heit: Nachts sinkt die Sehleis­tung des Menschen auf etwa fünf Prozent des Tages­wer­tes. Ein Objekt wird nur dann gese­hen, wenn Licht von ihm kommt und in das Auge fällt. Licht, das das Auge nicht trifft, wird nicht wahr­ge­nom­men. Deshalb sind reflek­tie­rende Mate­ria­lien so hilf­reich. Wenn sie ange­leuch­tet werden, senden sie das Licht zurück. Das soge­nannte Prin­zip der Retro­re­fle­xion funk­tio­niert durch verspie­gelte Glas­ku­geln, die den Licht­strahl umlei­ten und in Rich­tung der Licht­quelle zurück­strah­len.

Menschen weicht man aus

Der Einsatz von Reflex­ma­te­ria­lien allein reicht jedoch nicht aus für einen siche­ren Schutz. Wich­tig ist vor allem die opti­male Plat­zie­rung auf der Klei­dung. Aktu­elle Studien haben gezeigt, dass Fahr­zeug­füh­rer auf Menschen anders reagie­ren als auf Gegen­stände: Kommt ihnen zum Beispiel ein Schild in die Quere, nehmen sie einen Zusam­men­stoß schon einmal in Kauf. Einem Menschen hinge­gen versu­chen sie in jedem Fall auszu­wei­chen. Deshalb sollte Warn­klei­dung immer die mensch­li­che Silhou­ette nach­zeich­nen. Gleich­zei­tig soll­ten Sicher­heits­be­auf­tragte in Unter­neh­men darauf achten, dass die Reflex­strei­fen auf der Beklei­dung eine 360-Grad-Sichtbarkeit der Person gewähr­leis­ten.

Plat­zie­rung der Reflex­strei­fen

Reflex­strei­fen können auf fast jedem Mate­rial ange­bracht werden. Sie lassen sich sowohl vernä­hen als auch mit Hitze aufbrin­gen. Wich­tig ist es daher, das jewei­lige Umfeld und die Arbeits­weise zu berück­sich­ti­gen. Zusätz­li­che Verti­kal­strei­fen auf Westen und Jacken, beispiels­weise in Form von Schul­ter­bän­dern oder entlang der Arme und Beine, können zu einer besse­ren Erkenn­bar­keit beitra­gen.

Entschei­dend ist zudem, Mitar­bei­ter für das jeder­zei­tige und korrekte Tragen der Warn­klei­dung zu sensi­bi­li­sie­ren: Ein Aufkrem­peln beispiels­weise von Jacken mit Reflex­strei­fen sollte ebenso vermie­den werden wie ein Abde­cken durch andere Klei­dungs­stü­cke.

Design-Anforderungen

Die gene­rel­len Design-Anforderungen für Warn­klei­dung sind in der ISO 20471 fest­ge­legt. Hier ist ebenso die Einsatz­menge von Reflex­ma­te­rial fest­ge­schrie­ben. Ein wesent­li­cher Faktor ist zum Beispiel, den best­mög­li­chen Kontrast zu allen wahr­schein­li­chen Hinter­grund­ver­hält­nis­sen zu schaf­fen. Die Person sollte möglichst schnell erkenn­bar sein, egal in welcher Arbeits­si­tua­tion und Körper­hal­tung sie sich befin­det.

Dabei ist einzu­kal­ku­lie­ren, dass die Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung vom Sehen eines Objekts über das Wahr­neh­men bis zum tatsäch­li­chen Erken­nen und räum­li­chen Zuord­nen des Wahr­ge­nom­me­nen einige Zeit kostet. Das heißt, wenn ein Objekt für einen Fahr­zeug­füh­rer schlecht erkenn­bar ist, kommt seine Reak­tion mögli­cher­weise zu spät – und sei es nur um Bruch­teile von Sekun­den.

Welche Farben sind zuläs­sig?

Neben dem Reflex­ma­te­rial hat auch die Farb­ge­bung des Hinter­grund­ma­te­ri­als entschei­den­den Einfluss auf die Sicht­bar­keit des Trägers. Für das Hinter­grund­ma­te­rial sieht die DIN EN ISO 20471 die Farben fluo­res­zie­rend gelb, fluo­res­zie­rend orange-rot und fluo­res­zie­rend rot vor. In Deutsch­land sind die Farben fluo­res­zie­rend gelb und fluo­res­zie­rend orange-rot nach Verwal­tungs­vor­schrift zu § 35 Abs. 6 Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung (StVO) zuläs­sig. Diese Farben haben die Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger auch in der Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrift „Fahr­zeuge“ (BGV/GUV‑V D29) als Hinter­grund­far­ben für Arbei­ten im Stra­ßen­ver­kehrs­be­reich fest­ge­legt. Sind nach den Vorschrif­ten mehrere Hinter­grund­far­ben für die Klei­dung zuläs­sig, ist im Rahmen der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung zu prüfen, welche im konkre­ten Anwen­dungs­fall zu einer besse­ren Erkenn­bar­keit des Trägers beitra­gen.

Lange Sicht­bar­keit

Reflex­ge­webe und Reflex­trans­fer­filme haben neben den tech­ni­schen Para­me­tern zum Rück­strahl­wert zwei weitere Anfor­de­run­gen zu erfül­len: Sie dürfen den Trage­kom­fort der Schutz­klei­dung nicht einschrän­ken und sie sollen eine hohe, defi­nierte Halt­bar­keit und Wasch­be­stän­dig­keit aufwei­sen. Nur dann ist eine ausrei­chende Sicht­bar­keit über die gesamte Lebens­dauer der Beklei­dung sicher­ge­stellt. Dabei sind auch Abrieb, Verschmut­zung und weitere Einflüsse beim Tragen zu berück­sich­ti­gen. Unter­schie­den wird nach Basis­qua­li­tä­ten, die sich für die einfa­che Haus­halts­wä­sche eignen, und Mate­ria­lien für die anspruchs­vol­len Bedin­gun­gen der indus­tri­el­len Wäsche.

Pfle­ge­hin­weise beach­ten

Es ist daher uner­läss­lich, sich spezi­ell bei Klei­dungs­stü­cken mit Reflex­ma­te­rial über die jeweils mögli­chen Einsatz­be­rei­che zu infor­mie­ren. Detail­lierte Anga­ben finden sich auf dem Pfle­ge­eti­kett, in den Pfle­ge­emp­feh­lun­gen und Gebrauchs­in­for­ma­tio­nen der Beklei­dungs­her­stel­ler. Dort sind auch weitere Ausstat­tungs­merk­male des Klei­dungs­stücks doku­men­tiert, beispiel­weise bei Mate­ria­lien, die über flamm­hem­mende Eigen­schaf­ten verfü­gen. Zusätz­lich muss die Klei­dung regel­mä­ßig auf Trage­ein­flüsse wie Abrieb, Falten und Knicke über­prüft werden. Und auch der spezi­fi­sche Mindest­rück­strahl­wert R‘ muss einge­hal­ten werden, damit die Schutz­funk­tion lange bestehen bleibt.

Trage­kom­fort entschei­dend

Nicht zu unter­schät­zen ist schließ­lich der Trage­kom­fort der Schutz­klei­dung. Reflex­ge­webe und Reflex­trans­fer­filme dürfen diesen nicht einschrän­ken. Schließ­lich ist der Komfort der Warn­klei­dung entschei­dend dafür, wie groß die Akzep­tanz bei den Trägern ist – und ob die Klei­dung konse­quent und dauer­haft genutzt wird.


Foto: 3M

Autor: Chris­tian Kurtz

Anwen­dungs­tech­ni­ker, 3M


Check­liste für Warn­schutz­klei­dung

Sicher­heits­be­auf­tragte soll­ten die wesent­li­chen Krite­rien für Warn­schutz­klei­dung kennen und bei ihrer Nutzung auf folgende Punkte achten bezie­hungs­weise hinwei­sen:

  • Achten Sie darauf, dass Warn­wes­ten und Jacken geschlos­sen sind. Nur so kann die gefor­derte Warn­wir­kung erreicht werden. Auch ein Verde­cken der Reflex­strei­fen sowie das Abtren­nen oder Hoch­krem­peln von Ärmeln bezie­hungs­weise Hosen­bei­nen ist nicht zuläs­sig.
  • Das Mate­rial der Schutz­klei­dung darf nicht verletzt werden, beispiels­weise können nicht einfach Logos darauf ange­bracht werden.
  • Kontrol­lie­ren Sie durch regel­mä­ßige opti­sche Prüfun­gen, ob die erfor­der­li­che Rück­strahl­wir­kung der Klei­dung noch gewähr­leis­tet ist – insbe­son­dere nach der Reini­gung.
  • Ist die erfor­der­li­che Warn­wir­kung durch Verschmut­zung, Alte­rung oder Abnahme der Leucht­kraft nicht mehr gege­ben, muss die Klei­dung ausge­tauscht werden.
  • Die Träger von Warn­klei­dung soll­ten in jeder Arbeits­si­tua­tion und Körper­hal­tung unmit­tel­bar als Menschen erkenn­bar sein.
  • Warn­klei­dung ist gemäß der Pfle­ge­hin­weise auf dem Etikett profes­sio­nell zu reini­gen. Beach­ten Sie dabei auch die maxi­mal zuläs­sige Anzahl der Wasch­zy­klen.
  • Warn­klei­dung sollte stets in einem trocke­nen und gut belüf­te­ten Raum gela­gert werden.
  • Da die fluo­res­zie­ren­den Farben unter UV-Strahlung ausblei­chen, sollte die Warn­klei­dung vor direk­tem Sonnen­licht geschützt werden. Hängen oder legen Sie diese nicht unmit­tel­bar ans Fens­ter oder auf den Auto­sitz!
  • Achten Sie bei der Auswahl der Klei­dung neben funk­tio­na­len Aspek­ten auch auf einen hohen Trage­kom­fort.
  • Leis­tungs­an­for­de­run­gen an das farbige Hinter­grund­ma­te­rial, das retro­re­flek­tie­rende Mate­rial sowie an die Mindest­flä­chen und die Anord­nung dieser Mate­ria­lien sind in der inter­na­tio­na­len Norm EN ISO 20471 gere­gelt.
  • Weitere Infor­ma­tio­nen enthält die DGUV Infor­ma­tion 212–016 „Warn­klei­dung“ (bisher: BGI/GUV‑I 8591), erhält­lich unter
    https://publikationen.dguv.de

Drei Klas­sen an Warn­klei­dung

Warn­klei­dung wird je nach Mindest­flä­che an fluo­res­zie­ren­dem sowie retro­re­flek­tie­ren­dem Mate­rial in drei Klas­sen einge­teilt, wobei Klasse 3 die höchste Schutz­stufe darstellt. Die fluo­res­zie­ren­den Mate­ria­lien werden für die Tages­auf­fäl­lig­keit einge­setzt, die retro­re­flek­tie­ren­den Mate­ria­lien dienen der Nacht­auf­fäl­lig­keit.

  • Klasse 1: Schutz­klei­dung dieser Klasse bietet eine zusätz­li­che Sicht­bar­keit im Betrieb. Sie ist für Situa­tio­nen mit gerin­gen Unfall­ge­fah­ren, nicht aber für Arbei­ten an öffent­li­chen Stra­ßen geeig­net.
  • Klasse 2: Warn­klei­dung dieser Klasse stei­gert die Sicht­bar­keit im Stra­ßen­bau oder auch bei Arbei­ten in der Dämme­rung. Sie ist geeig­net für Tätig­kei­ten an öffent­li­chen Stra­ßen (bei einer Höchst­ge­schwin­dig­keit unter 60 km/h).
  • Klasse 3: Bei Arbei­ten in der Dunkel­heit, bei hohem Verkehrs­auf­kom­men sowie bei Höchst­ge­schwin­dig­kei­ten über 60 km/h ist das Tragen von Warn­klei­dung der Klasse 3 vorge­schrie­ben. Opti­male Sicht­bar­keit redu­ziert erheb­lich das Risiko von Unfäl­len.
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