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Risiken bei E-Scootern

Unterschätzte Risiken
Die E‑Scooter sind los

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Seit dem 15. Juni 2019 sind die soge­nann­ten E‑Scooter für den öffent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr zuge­las­sen. Die ersten Erfah­run­gen zeigen: Die Risi­ken werden häufig unter­schätzt; es gibt bereits etli­che Unfall­mel­dun­gen. Dies ist auch rele­vant für die Unfall­prä­ven­tion auf dem Weg von und zur Arbeit.

Samstag, 28. Septem­ber 2019 in der Frank­fur­ter Innen­stadt: Zwei junge Frauen versu­chen nachts auf einem E‑Scooter die Kurt-Schumacher-Straße zu über­que­ren. Dabei verfängt sich das Vorder­rad in einer Stra­ßen­bahn­schiene, beide stürz­ten zu Boden. Die 20-jährige Fahre­rin knallt mit dem Gesicht auf den Asphalt und verletzt sich schwer. Ihre Beifah­re­rin (21) erlei­det einen Schock. Wahr­schein­lich war die Fahre­rin alko­ho­li­siert, teilte die Poli­zei laut Pres­se­be­rich­ten mit. Zur genauen Unfall­ur­sa­che wird derzeit noch ermit­telt.

Das Fahren auf einem E‑Tretroller zu zweit ist ein Verstoß gegen die eigens einge­führte Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung. Das Glei­che gilt für Alko­hol am Steuer, was eben­falls häufig miss­ach­tet wird. Laut einem Bericht der Süddeut­schen Zeitung vom 8. Juli 2019 holte die Münch­ner Poli­zei zu dieser Zeit täglich „rund 20 Betrun­kene von E‑Scootern“. Viele privat ange­schaffte E‑Tretroller entspre­chen darüber hinaus nicht den recht­li­chen Vorga­ben: Für die Nutzung dieser Elek­tro­kleinst­fahr­zeuge ist eine Einzel­zu­las­sung oder Allge­meine Betriebs­er­laub­nis (ABE) erfor­der­lich.

E‑Scooter sind zudem zu versi­chern – ansons­ten dürfen sie nicht im öffent­li­chen Raum benutzt werden. Doch nach dem Bericht gehen sie „meist ohne ABE über den Laden­tisch“ und fahren oft schnel­ler als die erlaub­ten 20 Stun­den­ki­lo­me­ter.

Haupt­un­fall­ur­sa­chen bei E‑Scootern iden­ti­fi­ziert

Seit der Zulas­sung von E‑Scootern als Kraft­fahr­zeuge im Stra­ßen­ver­kehr haben sich laut Gewerk­schaft der Poli­zei allein in Berlin 74 Unfälle mit 60 Verletz­ten ereig­net (Stand: 26. Septem­ber 2019). „Nach etwas mehr als drei Mona­ten können wir schon die Haupt­un­fall­fak­to­ren erken­nen: alko­ho­li­sier­tes Fahren, Fahren auf dem Gehweg und zu zweit Roller fahren“, erklärt Chris­tian Kell­ner, Haupt­ge­schäfts­füh­rer Deut­scher Verkehrs­si­cher­heits­rat e.V. „All das ist nicht erlaubt, hat aber schon zu etli­chen Unfäl­len geführt.“

Sein Kommen­tar mit Blick auf die aktu­el­len Unfall­zah­len: „Das ist zu viel!“ Für eine sichere Nutzung der moto­ri­sier­ten Roller sei es wich­tig, deren Fahr­dy­na­mik rich­tig einschät­zen zu können. „E‑Scooter sind recht schnell, haben aber verhält­nis­mä­ßig kleine Reifen. Beim Fahren um Kurven oder über Boden­un­eben­hei­ten kann es schon mal brenz­lig werden“, erläu­tert Kell­ner. Daher könne er jedem, der sich mit einem E‑Scooter in den Stra­ßen­ver­kehr wagen wolle, nur eine Probe­fahrt empfeh­len. Und natür­lich sollte man die gelten­den Verkehrs­re­geln kennen.

Die Rechts­lage bei E‑Tretrollern

Alle recht­li­chen Infor­ma­tio­nen finden sich in der Elektrokleinstfahrzeug-Verordnung. Diese trat passend zur Einfüh­rung der E‑Scooter am 6. Juni 2019 in Kraft und beschreibt unter ande­rem auch Allge­meine Verhal­tens­re­geln (§ 11). „Wich­tig ist vor allem: E‑Scooter sind Kraft­fahr­zeuge“, betont Chris­tian Kell­ner. „Daher gelten zum Beispiel die glei­chen Alko­hol­grenz­werte wie für Auto­fah­rer. Wich­tig ist aber auch: Man darf nur mit zuge­las­se­nen E‑Scootern am Stra­ßen­ver­kehr teil­neh­men.“ E‑Scooter und Segways, die eben­falls zu den Elek­tro­kleinst­fahr­zeu­gen zählen, dürfen nicht schnel­ler als 20 Stun­den­ki­lo­me­ter fahren. Sie müssen Mindest­an­for­de­run­gen der Verkehrs­si­cher­heit erfül­len – etwa mit einem funk­tio­nie­ren­den Brems- und Licht­sys­tem und einer Warn­klin­gel ausge­stat­tet sein.

Perso­nen ab 14 Jahren können die Fahr­zeuge nutzen. Eine Führer­schein­pflicht besteht nicht. Aber: Bei Fahrern unter 21 Jahren gilt ein abso­lu­tes Alko­hol­ver­bot, genauso wie für die ersten beiden Jahre bei Fahr­an­fän­gern im Auto­ver­kehr. Jede alko­ho­li­sierte Fahrt gefähr­det also den „Lappen“. Bei mehr als 1,1 Promille ist der Führer­schein weg und kann sogar sofort beschlag­nahmt werden.

Fahren dürfen E‑Scooter nur auf Radwe­gen und Fahr­rad­stra­ßen. Wenn diese fehlen, muss die Fahr­bahn genutzt werden. Gehwege und Fußgän­ger­zo­nen sind für die leisen Flit­zer tabu.

Bei „komm­mit­mensch“ aufge­grif­fen

Die Sicher­heit auf dem E‑Scooter ist auch für die Deut­sche Gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung (DGUV) ein zentra­les Thema – aus gutem Grund, denn die Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten und Unfall­kas­sen entschä­di­gen auch bei Unfäl­len, die sich auf dem unmit­tel­ba­ren Weg vom und zum Arbeits­ort ereig­nen. Dabei haben gerade Unfälle im Stra­ßen­ver­kehr häufig schwere Folgen. Bei der DGUV rückt man deshalb aktu­ell das Thema Verkehrs­si­cher­heit in den Fokus der laufen­den Präven­ti­ons­kam­pa­gne komm­mit­mensch. Unter dem Slogan „blöde Idee“ weist sie mit Plaka­ten auf gefähr­li­ches Risi­ko­ver­hal­ten mit E‑Scootern im Stra­ßen­ver­kehr hin. Paral­lel dazu zeigen Plakate nach dem Motto „schlaue Idee“, wie man es rich­tig macht. Dazu Stefan Hussy, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der DGUV: „E‑Scooter werden nur dann eine sinn­volle Ergän­zung unse­rer Mobi­li­tät sein, wenn sie möglichst sicher im Stra­ßen­ver­kehr genutzt werden können. Wir hätten deshalb eine obli­ga­to­ri­sche Prüfung für die Fahre­rin­nen und Fahrer begrüßt.“ Ein jeder solle sich verge­wis­sern, dass er das Gerät beherr­sche, bevor er am Stra­ßen­ver­kehr teil­nehme. „Der Verkehrs­raum wird immer enger. Wenn wir alle sicher ans Ziel kommen wollen, geht das nur mit Umsicht und Rück­sicht auf die ande­ren Verkehrs­teil­neh­mer“, fasst Hussy zusam­men. Die DGUV empfiehlt zur eige­nen Sicher­heit auch einen Helm.

Teil der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung

Natür­lich können E‑Scooter auch im inner­be­trieb­li­chen Verkehr einge­setzt werden. Dann gilt, dass sie in die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung einbe­zo­gen werden müssen. Das heißt, der Arbeit­ge­ber muss unter ande­rem fest­le­gen, ob zum Beispiel ein Helm getra­gen werden muss oder nicht.


Foto: Simone Friese

Autorin: Chris­tine Lendt

Fach­au­torin und freie Jour­na­lis­tin


Bußgel­der: Wann die Fahrt teuer werden kann

  • Wer mit dem E‑Scooter den Gehweg befährt, muss mit einem Bußgeld von 15 bis 30 Euro rech­nen.
  • Für das Fahren mit einem E‑Scooter ohne Betriebs­er­laub­nis sind 70 Euro fällig, fehlt die Versi­che­rung: 40 Euro.
  • Wer zu zweit E‑Scooter fährt oder einen Anhän­ger mitführt, muss eben­falls mit einem Bußgeld rech­nen (Quelle: www.dvr.de).

Infor­ma­ti­ons­ma­te­rial für die Präven­tion

  • Der Deut­sche Verkehrs­si­cher­heits­rat (DVR) hat einen Flyer zur Aufklä­rung erar­bei­tet, der sich auf die drei wesent­li­chen Unfall­ur­sa­chen „alko­ho­li­sier­tes Fahren“, „Fahren auf Gehwe­gen“ und „ Fahren zu zweit“ konzen­triert. Der Flyer „E‑Scooter. Regeln, Risi­ken und Hinweise“ schil­dert kurz und knapp die gelten­den Regeln und macht auf Risi­ken und drohende Bußgel­der aufmerk­sam. Er kann als Basis für die Präven­ti­ons­ar­beit dienen und zum Beispiel Beschäf­tig­ten als Gedächt­nis­stütze ausge­hän­digt werden. Der Flyer steht auf der Webseite des DVR unter folgen­dem Link zum Down­load zur Verfü­gung:
    www.dvr.de/publikationen/downloads/flyer-escooter
  • RiskBus­ter E‑Scooter: Stunt­man Holger Schu­ma­cher hat den Elek­trorol­ler in verschie­de­nen Situa­tio­nen im Stra­ßen­ver­kehr getes­tet. Das Video zeigt eindrück­lich, wie das Gefährt bereits auf trocke­nem Unter­grund oder bei Begeg­nun­gen mit ande­ren Verkehrs­teil­neh­mern unbe­herrsch­bar wird. Das Video ist unter folgen­dem Link aufruf­bar
    www.bgetem.de (Webcode: 19266848)

Sicher­heits­tipps

Auch für Elek­tro­kleinst­fahr­zeuge gilt die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung. Abge­se­hen davon soll­ten Fahre­rin­nen und Fahrer nach Anga­ben der DGUV folgende Regeln zur eige­nen und zur Sicher­heit der ande­ren Verkehrs­teil­neh­mer beach­ten:

  • Fahren Sie möglichst hinter­ein­an­der.
  • Fahren Sie auf den Fahr­bah­nen möglichst weit rechts.
  • Kündi­gen Sie einen Fahr­bahn­wech­sel oder eine Rich­tungs­än­de­rung recht­zei­tig an.
  • E‑Scooter sind nur für eine Person zuge­las­sen. Perso­nen­trans­port oder Anhän­ger sind nicht gestat­tet.
  • Es besteht keine Helm­pflicht, aber das Tragen eines Helms wird empfoh­len, ebenso wie reflek­tie­rende Klei­dung bei schlech­ter Sicht und Dunkel­heit.
  • Vorsicht bei Alko­hol am Lenker! Es gelten diesel­ben Alko­hol­grenz­werte wie für Auto­fah­re­rin­nen und Auto­fah­rer.

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