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Andreas Kücha

Nachgefragt
Andreas Kücha

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Der Blau­topf im Norden der Stadt Blau­beu­ren ist berühmt für sein leuch­tend blaues Wasser. Hinter der Karst­quelle liegt zudem das derzeit längste bekannte Höhlen­sys­tem der Schwä­bi­schen Alb. Die 1997 gegrün­dete Arbeits­ge­mein­schaft Blau­topf hat es sich zur Aufgabe gemacht, das sagen­um­wo­bene Terrain wissen­schaft­lich zu erfor­schen. Zu den führen­den Köpfen zählt Höhlen­for­scher Andreas Kücha, der sich schon als Kind für die Höhlen seiner Heimat begeis­terte.

Herr Kücha, was ist so faszi­nie­rend am Blau­topf und dem dahin­ter­lie­gen­den Höhlen­sys­tem?

Uns treibt vor allem die Neugier: Der Blau­topf ist die zweit­größte Karst­quelle in Deutsch­land. Das begeis­tert jeden Höhlen­for­scher und auch viele Touris­ten. Alle fragen sich: Was verbirgt sich dahin­ter? Mit Farb­ver­su­chen hat man schon in der Vergan­gen­heit fest­ge­stellt, dass sich dort ein riesi­ges Höhlen­sys­tem befin­den muss. 1985 ist der große Tauch­pio­nier Jochen Hasen­mayer andert­halb Kilo­me­ter weit in die Höhle vorge­drun­gen und in einer gigan­ti­schen Tropf­stein­höhle aufge­taucht, dem Mörike-Dom. Der große Antrieb der Arge Blau­topf ist, hier weiter zu forschen. Neues zu entde­cken, an Orte zu gelan­gen, an denen noch kein Mensch war – das ist die größte Faszi­na­tion und das höchste Privi­leg für jeden Höhlen­for­scher.

Expe­di­tio­nen ins Unbe­kannte sind mit eini­gen Risi­ken verbun­den. Sind Sie für alle Even­tua­li­tä­ten gerüs­tet?

Die größte Gefahr bei der Höhlen­for­schung ist das Wetter. · Bei der Alpin­for­schung kommt noch verstärkt die Gefahr von Stein­schlag hinzu. Auch in der Blau­höhle besteht die Möglich­keit, dass sich ein Stein löst. Natür­lich versu­chen wir uns vor solchen Dingen zu schüt­zen, durch eine gute Ausrüs­tung, aber auch durch Umsicht. Wir beob­ach­ten das Wetter sehr genau, machen bei Schnee­schmelze oder nach star­kem Regen keine Exkur­sio­nen, da der Wasser­stand zu hoch ist. Stein­schlag ist theo­re­tisch immer möglich, er kann auch von einem Kolle­gen ausge­löst werden, der beim Hoch­stei­gen etwas Wack­li­ges berührt. Wir sind aber alle erfah­rene Höhlen­for­scher und wissen eigent­lich, wo wir hingrei­fen müssen.

Die Schwie­rig­keit beim Tauchen besteht darin, dass man eine Höhlen­de­cke über sich hat. Man kann also nicht jeder­zeit auftau­chen wie zum Beispiel im Meer oder im See. Deshalb müssen Höhlen­tau­cher immer zwei oder drei redun­dante Atem­sys­teme bei sich haben. Für uner­fah­rene Höhlen­tau­cher ist die Blau­höhle zudem gefähr­lich, weil sie schnell auf 45 Meter Wasser­tiefe fällt und sich jede Menge Sedi­ment­ab­la­ge­run­gen in ihr befin­den. Wenn man verse­hent­lich mit der Flos­sen­spitze den Boden berührt, wird schon so viel Schlamm aufge­wir­belt, dass man nichts mehr sieht. Den Weg hinaus findet man nur mithilfe der Führungs­leine. Hinzu kommt neben einer star­ken Strö­mung ein anspruchs­vol­les Tauch­pro­fil, welches ein stän­di­ges Auf- und Abtau­chen bedeu­tet. Da es früher schon zu Todes­fäl­len gekom­men ist, ist im Blau­topf das Tauchen strikt verbo­ten.

Tauchen Sie mit Helm – und gab es für Sie schon einmal einen kriti­schen Moment in einer Höhle?

Manche Leute tauchen weni­ger gern mit Helm, weil er die Bewe­gungs­frei­heit unter Wasser ein biss­chen einschränkt, das Hin- und Herdre­hen vom Kopf. Aber die meis­ten Höhlen­tau­cher tragen einen Schutz­helm. Große Unter­was­serhöh­len durch­que­ren wir mit soge­nann­ten Scoo­tern. In enge­ren Passa­gen kann es passie­ren, dass man die Höhlen­de­cke streift. Ohne Helm kann das zu schmerz­haf­ten Verlet­zun­gen führen. Neben dem eigent­li­chen Schutz des Kopfes bietet der Helm noch die Möglich­keit, Lampen zur Reserve zu montie­ren.

Beim Tauchen habe ich ein einzi­ges Mal etwas Kriti­sches erlebt. Wich­tig ist, dass man lang­sam in die Höhlen­tau­che­rei einsteigt, Schritt für Schritt. Als ich erst sechs, sieben Jahre dabei war, kam es zu einem Vorfall in einer südfran­zö­si­schen Höhle. Es ging über sech­zig Meter hinun­ter, mit Press­luft. Da habe ich den Tiefen­rausch bekom­men, das heißt, es hat sich Stick­stoff in meinem Blut ange­rei­chert, der Schwin­del und diesen Röhren­blick verur­sacht. Wir waren einen Kilo­me­ter tief in der Höhle drin und ich hatte Angst, es nicht mehr hinaus zu schaf­fen. Ich bekam Beklem­mun­gen, meine Atmung ging nach oben … Über­lebt habe ich nur mithilfe von Konzen­tra­ti­ons­übun­gen, an die ich mich konse­quent gehal­ten habe. Heute würde ich dort nicht mehr mit Press­luft tauchen, sondern ein Heli­um­ge­misch verwen­den. Da spürt man die Tiefe nicht so.

Werden bestimmte Quali­fi­ka­tio­nen benö­tigt, um in Ihrer Gruppe Aufnahme zu finden?

Im großen Mutter­ver­ein, der Höhlen­for­schungs­gruppe Ostalb-Kirchheim e.V., kurz HFGOK, benö­tigt man keine bestimm­ten Quali­fi­ka­tio­nen. Hier ist jeder will­kom­men, der Inter­esse an Höhlen­kunde hat. Wir waren schon in der ganzen Welt unter­wegs, besich­ti­gen Höhlen, beschäf­ti­gen uns mit Biolo­gie und mit Höhlen­ver­mes­sun­gen. Einmal im Monat tref­fen wir uns zur Sitzung, tauschen uns aus und dann gibt es auch immer schöne Dia- oder Film­prä­sen­ta­tio­nen. Hierzu ist jeder herz­lich einge­la­den.· Für das Projekt Arge Blau­topf trifft es nicht zu. Hier kann man nicht eintre­ten, sondern man wird basie­rend auf seiner lang­jäh­ri­gen Mitglied­schaft und Höhlentauch- bezie­hungs­weise Höhlen­for­schungs­ex­per­tise in die Arge beru­fen.


Steck­brief

  • gebo­ren 1968 in Gien­gen an der Brenz
  • Beruf Schrei­ner
  • passio­nier­ter Höhlen­for­scher und Extrem­tau­cher
  • Vorsit­zen­der der Höhlen­for­schungs­gruppe Ostalb-Kirchheim e.V.
  • Projekt­lei­ter der ARGE Blau­topf
  • Hobby-Fotograf und Kame­ra­mann
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