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Andy Haug

Nachgefragt
Andy Haug

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Andy (Andreas) Haug begeis­terte sich schon in jun­gen Jahren für Salto-Sprünge und Kung-Fu-Filme. Seine Lei­den­schaft machte er zum Beruf: Heute ist er das Aushängeschild für die Sportart Park­our in Deutsch­land, die nach Auf­nahme in den Welt­turn­ver­band FIG Einzug in Turn­hallen und große Are­nen hält. Sein Kön­nen zeigte er zulet­zt als Mitor­gan­isator und Akteur des Park­our-Weltcups während der Turn­welt­meis­ter­schaft 2019 auf dem Stuttgarter Schloss­platz.

Herr Haug, als Sie mit Park­our begonnen haben, gab es keine offiziellen Ange­bote in dieser Rich­tung, son­dern nur den Garten als Exper­i­men­tier­feld. Haben Sie sich ein­fach aus­pro­biert – ohne Anleitung oder Vor­bild? Und kon­nten Ihre Eltern diesem Treiben entspan­nt zuse­hen?

Mit 12, 13, 14 ging es los, ganz genau weiß ich es gar nicht mehr. Allerd­ings habe ich schon mit vier oder fünf Jahren Salto im Ehe­bett mein­er Eltern geübt, in dem wir sam­stags mor­gens alle zusam­men lagen. Und ich bin schon früh auf Bäume gek­let­tert. Während der Olympiade 2000 in Syd­ney hat­te ich dann die Wind­pock­en, sodass ich viele Live-Über­tra­gun­gen anschauen kon­nte. Beson­ders gefall­en hat mir Boden­tur­nen, aber lei­der gab es bei uns im Ort keinen richti­gen Turn­vere­in. Später habe ich mich für Kung Fu- und Kampf­s­port-Filme begeis­tert und wollte gerne so flink und beweglich sein wie Jack­ie Chan. Mit YouTube kam dann die Erleuch­tung: Die ersten Videos, die ich mir angeguckt habe, waren Park­our-Videos. Da war mir klar, das ist meine Sportart!

Ich habe also meine Matratze aus dem Bett geholt, in den Garten gelegt und mit dem Train­ing begonnen. Rad­schlag, Hand­stand, Vor­wärtssalto, Rück­wärtssalto, Flick­flack. Manch­mal hat‘s geklappt, manch­mal nicht. Meine Eltern hat­ten nichts dage­gen – im Gegen­teil: Ihnen war es sehr wichtig, dass wir alle drei Sport machen.

Wie unter­schieden sich Freerun­ning und Park­our?

Für mich ist es eigentlich das Gle­iche beziehungsweise ich mis­che gerne bei­des. Aber einige Leute aus der Com­mu­ni­ty beste­hen darauf, die Sportarten voneinan­der zu unter­schei­den. Park­our ist eigentlich nichts anderes als so schnell wie möglich von A nach B zu kom­men, auf direk­ter Lin­ie, Mauer hoch, Mauer runter, abrollen, weit­er. Beim Freerun­ning spielt man hinge­gen mit der Umge­bung, da ist dann auch mal ein Salto oder ein Rad­schlag dabei. Hier geht es also ver­stärkt um Kreativ­ität in der Fort­be­we­gung. Weil ich bei­des mag und regelmäßig trainiere, bin ich bei bei­den Wet­tkampf­for­mat­en ganz gut aufgestellt. Das eine For­mat ist Speed, also prak­tisch reines Park­our, das andere der Freestyle Con­test. Das ist dann Freerun­ning, bei dem man Tricks zeigen muss und das Gesamt­bild wichtig ist.

Ursprünglich war Park­our aber nicht am Wet­tbe­werb ori­en­tiert. Mit der Auf­nahme in den Welt­turn­ver­band 2017 hat sich das verän­dert: Die Diszi­plin soll sog­ar olymp­isch wer­den. Was meinen Sie: Prof­i­tiert der Sport von der Ein­bet­tung in Vere­ine?

Viele aus der Szene befürcht­en, dass die Frei­heit, die sie jahre­lang genossen haben, mit der Anbindung an die Vere­ine ver­loren geht. Ich per­sön­lich finde, man kann Park­our auch weit­er­hin frei betreiben – ob es nun zum Turn­ver­band gehört oder nicht. Weil ich es beru­flich mache, kommt mir die neue Entwick­lung sog­ar ent­ge­gen: Wenn man zu einem Kopfver­band gehört und somit geregelte Wet­tkämpfe stat­tfind­en, hil­ft das bei der Spon­soren­suche. Ich finde auch die neue Aufmerk­samkeit für die Sportart cool. Dafür habe ich schließlich jahre­lang trainiert.

Außer­dem schick­en Eltern ihre Kinder wahrschein­lich lieber in den Vere­in, damit sie gut aufge­hoben sind. Das heißt dann, dass man Park­our in ein­er Halle trainiert mit Mat­ten, wobei das wahre Parkour/Freerunning immer draußen stat­tfind­et. Aber für die Eltern ist es bess­er, wenn sie wis­sen, ihre Sprösslinge trainieren unter Auf­sicht mit entsprechen­dem Sicher­heits­ma­te­r­i­al. So gefährlich ist Park­our dabei gar nicht: Die Ver­let­zungs­ge­fahr beim Tur­nen ist ten­den­ziell größer. Das hat mir kür­zlich ein Phys­io­ther­a­peut bestätigt, der vor­mals Turn­er war. Natür­lich kommt es immer darauf an, wie man trainiert. Wichtig ist, dass man die Basics gut draufhat, zum Beispiel den Präzi­sion­ssprung oder den Kong Vault, den soge­nan­nten Katzen­sprung. Beim Üben spürt man, wie man den Kör­p­er in der Luft hal­ten muss, mit welch­er Arm- und Beinspan­nung man nach vorne, nach hin­ten oder zur Seite fliegt. Dann gibt es noch einen ein­fachen Wand­sprung. Bal­ancieren ist natür­lich auch wichtig. Das alles gelingt nur durch ständi­ge Wieder­hol­ung und langsame Weit­er­en­twick­lung. Wenn man gle­ich mit einem dop­pel­ten Salto anfängt und nicht ein­mal einen ein­fachen kann, wird das natür­lich nichts.

Sie führen öfter Schüler an Ihren Sport her­an. Läuft das gut?

Ich hat­te schon Klassen, bei denen lief es per­fekt, aber es gibt auch welche, die sich etwas schw­er­er tun. Es sind immer Schüler mit großem Tal­ent dabei, aber auch andere, die keine Lust darauf haben. Das kann ich schon ver­ste­hen, denn mir hat der Schul­sport auch nicht immer Spaß gemacht. Wenn wir zum Beispiel Fußball gespielt haben, war meine Laune nicht ger­ade auf dem Höhep­unkt. Aber im Großen und Ganzen kommt Park­our bei den Schülern gut an, egal woher sie stam­men.

Heutzu­tage ist es sehr wichtig, dass die Kinder über­haupt noch Sport machen. Meine Fre­undin ist Lehrerin und insofern höre ich immer wieder davon, dass viele nur noch am Com­put­er hän­gen. Das liegt dann mein­er Mei­n­ung nach aber nicht nur an den Kids, son­dern auch an ihren Eltern. Und ich finde, dass Sportler in den Social Media bess­er präsen­tiert wer­den soll­ten, um ihre Vor­bild­funk­tion zu stärken. Ich habe mal gele­sen, dass der Dschun­gel­camp-Sieger mehr ver­di­ent als ein Olympia-Sieger. Das set­zt natür­lich falsche Sig­nale.

Kön­nen Sie eigentlich noch ganz entspan­nt durch die Gegend laufen oder reizt es Sie ständig, Hin­dernisse sportlich zu nehmen?

Meine Park­our-Schuhe und Park­our-Hose habe ich eigentlich immer an und die Kam­era, mit der ich die Action-Auf­nah­men mache, immer dabei. Sobald ich etwas Cooles sehe, mache ich gle­ich mal ein paar Action-Bilder. Wenn ich mich ger­ade schlecht bewe­gen kann — etwa nach dem Essen — halte ich den Ort auf dem Handy fest, um später darauf zurück­zukom­men. Dieses Park­our-Auge oder dieses Park­our-Gedächt­nis kann man lei­der beziehungsweise zum Glück niemals abstellen.


Steckbrief

  • geboren 1990 in Freuden­stadt
  • pro­fes­sioneller Freerun­ning-Ath­let und Park­our-Läufer
  • hat län­gere Zeit in Bangkok als Stunt­man gear­beit­et
  • wirkt in ver­schiede­nen Action­fil­men und Werbespots mit
  • engagiert sich in Schul­pro­jek­ten für seine Sportart
  • wurde 2014 zum besten deutschen
    Park­our-Ath­leten gewählt
  • startet auf Wet­tkämpfen für Deutsch­land
  • war offizieller Botschafter der Kun­st­turn-Welt­meis­ter­schaft 2019 in Stuttgart
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