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Anna von Boetticher - Interview zu Risiken und Herausforderungen

Nach-gefragt
Anna von Boetti­cher

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Anna von Boetti­cher zählt zu den besten Apnoe­tau­che­rin­nen der Welt. Ohne Hilfs­mit­tel taucht sie bis zu 125 Meter in die Tiefe. Seit 2016 trai­niert die Extrem­sport­le­rin zudem die Kampf­schwim­mer und Minen­tau­cher bei der Bundes­wehr.

Frau Boetti­cher, Sie tauchen ohne Druck­luft­fla­sche oder ein ande­res Atem­ge­rät über 100 Meter tief – worin besteht der Reiz bei dieser Extrem­sport­art?

Für mich ist das Apnoe­tau­chen etwas ganz Beson­de­res, da sich hier meine Faszi­na­tion von der Tiefe an sich mit sport­li­cher Leis­tung trifft. Das Erleb­nis, nur mit meiner eige­nen Kraft und dem einen Atem­zug in meiner Lunge einen so fernen, uns Menschen frem­den Ort zu errei­chen, wie den Ozean in 125 Meter Tiefe ist schon eine ganz beson­dere Erfah­rung.

Beim Apnoe-Tauchen gehen Sie bewusst an Ihr Limit: Was gibt Ihnen Sicher­heit bezie­hungs­weise welche Vorkeh­run­gen tref­fen Sie, um das Risiko zu beherr­schen? 

Risi­ko­ma­nage­ment ist extrem wich­tig für uns. Das besteht vor allem aus zwei Fakto­ren: einer­seits das rich­tige Einschät­zen der eige­nen Gren­zen und der behut­same Umgang damit, ande­rer­seits die Siche­rung durch Tauch­part­ner oder auch ein ganzes Team, wie zum Beispiel im Wett­kampf. Die wich­tigste Regel für uns ist: niemals im Wasser alleine die Luft anhal­ten. Man braucht immer jeman­den, der auf einen achtet, um einen im Falle einer Ohnmacht aus dem Wasser zu ziehen. Das gilt für das Luft­an­hal­ten im heimi­schen Frei­bad ebenso wie für einen Tauch­gang in über 100 Meter Tiefe.

Sind sie schon einmal in eine gefähr­li­che Situa­tion beim Tauchen gera­ten?

Ich habe beim Gerä­te­tau­chen sowie beim Apnoe­tau­chen schon gefähr­li­che Situa­tio­nen erlebt. Dabei habe ich fest­ge­stellt, dass ich diese gut bewäl­ti­gen konnte und immer die Ruhe bewahrt habe. Das wiederum ist essen­ti­ell für das Über­le­ben – gerade unter Wasser, in großer Tiefe, hat man nur sehr wenig Spiel­raum für Entschei­dun­gen. Man kann nicht zögern, darf aber auch nicht hektisch handeln oder gar in Panik gera­ten. Das im kriti­schen Moment hinzu­be­kom­men, ist sicher nicht etwas für
jeder­mann.

Was haben Sie aus diesen kriti­schen Situa­tio­nen mitge­nom­men?

Ich habe gelernt, dass ich mich auf mein Trai­ning, mein Können und meinen Instinkt unter Wasser verlas­sen kann. Dazu habe ich meine umfang­rei­che Ausbil­dung und Erfah­rung in extre­men Berei­chen des Tauchens sehr zu schät­zen gelernt. Dieser Hinter­grund gibt mir in schwie­ri­gen
Momen­ten die Hand­lungs­si­cher­heit, die ich brau­che, um diese sicher zu bewäl­ti­gen. Das kann lebens­ret­tend sein.

Aber eins ist für mich klar: Man lernt nie aus. Jede zusätz­li­che Erfah­rung, jedes Wissen kann im Ernst­fall den Unter­schied machen. Dazu habe ich gelernt, mich auf mein eige­nes Urteil zu verlas­sen und alles genau zu beob­ach­ten. Egal wie profes­sio­nell ein Setup ist, Fehler können immer passie­ren. Am Ende muss ich die Entschei­dung tref­fen, dort zu tauchen und dazu muss ich mich mit offe­nen Augen umschauen. Habe ich ein schlech­tes Gefühl, tauche ich nicht. Das ist lebens­wich­tig.


Steck­brief

  • gebo­ren 1970 in München
  • 33 deut­sche Rekorde im Apnoe­tau­chen
  • Welt­re­kord bei Tandem No Limits mit Tauch­part­ner Andrea Zuccari: 125 Meter
  • Drei Bron­ze­me­dail­len bei Welt­meis­ter­schaf­ten
  • Zivile Bera­te­rin der Bundes­wehr für alle tauchen­den Einhei­ten der Marine, inklu­sive Kampf­schwim­mer und Minen­tau­cher
  • Bühnen­mo­de­ra­to­rin bei der Messe Boot
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