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Berufsanfänger - Sicher von Anfang an

Berufsanfänger
Sicher von Anfang an

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Berufs­an­fän­ger sind stär­ker unfall­ge­fähr­det als ihre älte­ren Kolle­gen. Ist Arbeits­schutz aus Sicht der Jugend­li­chen nicht „cool“ genug? Welche Lösun­gen gibt es, um das Thema für Auszu­bil­dende inter­es­sant zu machen?

Im Septem­ber begin­nen in vielen Betrie­ben wieder die Berufs­aus­bil­dun­gen. Um Arbeits­un­fälle und Gesund­heits­schä­den zu vermei­den, ist es wich­tig, den Berufs­ein­stei­gern gleich zu Beginn die Bedeu­tung des Arbeits­schut­zes näher­zu­brin­gen: Arbeits­schutz­the­men sind für viele junge Beschäf­tigte noch Neuland – der ideale Zeit­punkt, um sicher­heits­ge­rech­tes Verhal­ten zu vermit­teln und sicher­heits­wid­rige Gewohn­hei­ten gar nicht erst entste­hen zu lassen.

Deut­lich höhere Unfall­quote

Wie wich­tig dies ist, zeigen die Erhe­bun­gen der Unfall­kas­sen. Für das Jahr 2017 verzeich­nete die von der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung (DGUV) heraus­ge­ge­bene Statis­tik für das Arbeits­un­fall­ge­sche­hen rund 32.000 melde­pflich­tige Unfälle in der Gruppe der Auszu­bil­den­den, davon drei mit tödli­chem Ausgang (siehe Tabelle auf Seite 26). Den größ­ten Anteil an diesen Unfäl­len hatten Azubis im Alter bis zu 19 Jahren (14.330), gefolgt von den 20- bis 24-jährigen Lehr­lin­gen (13.036). Setzt man die Unfall­zah­len in Rela­tion zur Alters­ver­tei­lung in der Gesamt­be­leg­schaft, zeigt sich, dass die Unfall­quo­ten bei den jünge­ren Beschäf­tig­ten deut­lich über denen der älte­ren liegen: In der Alters­gruppe der 20 bis 24-Jährigen gab es 2017 rund 26 Unfälle pro 1.000 Beschäf­tig­ten, im Mittel über alle Alters­grup­pen hinweg waren es 19,5.

Die trau­ri­gen Spit­zen­werte haben in erster Linie mit der fehlen­den beruf­li­chen Erfah­rung der jungen Menschen zu tun, denn ihr Erfah­rungs­ho­ri­zont beschränkt sich zunächst auf das private und schu­li­sche Umfeld. Für die Unter­neh­men bedeu­tet dies, dass sie den jungen Menschen auch und gerade beim Thema Arbeits­schutz so viel Unter­stüt­zung und Hilfe­stel­lung geben müssen wie möglich. Beson­dere Aufmerk­sam­keit sollte dabei auf die Präven­tion gelegt werden, denn in der Ausbil­dungs­zeit werden die Grund­la­gen für das spätere Berufs­le­ben in Sachen Arbeits­si­cher­heit gelegt.

Neugie­rig und aufnah­me­fä­hig

Die mangeln­den Erfah­run­gen im Berufs­le­ben und eine damit einher­ge­hende Risi­koi­gno­ranz und Unauf­merk­sam­keit bei gefähr­li­chen Arbeits­si­tua­tio­nen sind natur­ge­mäß Schwä­chen von Berufs­star­tern. Doch die jungen Menschen brin­gen auch Stär­ken mit: ihre Neugier, ihre Offen­heit gegen­über neuen Entwick­lun­gen und ihre geis­tige Aufnah­me­fä­hig­keit. Unter­neh­men, die ihre Auszu­bil­den­den für den Arbeits- und Gesund­heits­schutz einneh­men möch­ten, soll­ten sich diese Quali­tä­ten zunutze machen – sowohl bei den Arbeitsschutz-Unterweisungen als auch beim Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment zur Arbeits­si­cher­heit. Immer mehr Unter­neh­men über­tra­gen ihren jungen Schütz­lin­gen daher auch beim Arbeits- und Gesund­heits­schutz mehr Verant­wor­tung. Dabei zeigt sich, dass Azubis, die selbst eine Arbeits­schutz­ak­tion im Betrieb gestal­ten und durch­füh­ren dürfen, schnel­ler für den Arbeits­schutz sensi­bi­li­siert sind und ihn teil­weise sogar rich­tig span­nend finden. Denn wenn sie krea­tiv sein und eigene Ideen umset­zen können, stei­gert das in vielen Fällen die Moti­va­tion. Den besten Beweis dafür liefern die Azubis, die mit ihren Arbeits­schutz­ideen an Wett­be­wer­ben teil­neh­men, so etwa dem jähr­li­chen Wett­be­werb der Präven­ti­ons­kam­pa­gne „Jugend will sich-er-leben“ oder dem „Deut­schen Jugend-Arbeitsschutz-Preis“.

Unter­wei­sung zeit­ge­recht gestal­ten

Doch zunächst ein Blick auf die Unter­wei­sun­gen zum Arbeits­schutz. Selbst bei älte­ren Arbeit­neh­mern sind diese oft unbe­liebt. In der Regel bestehen sie immer noch aus oft lang­wei­li­gen und staub­tro­cke­nen Mono­lo­gen mit wenig direk­tem Praxis­be­zug sowie altmo­di­schen Unter­richts­ma­te­ria­lien. Azubis aber brau­chen leben­dige und praxis­nah gestal­tete Unter­wei­sun­gen. Wie man auf spie­le­ri­sche Art und Weise die jungen Menschen für den Arbeits­schutz einneh­men kann, zeigt zum Beispiel der Zement­her­stel­ler Dycker­hoff. In dem Unter­neh­men wurden Unter­wei­sun­gen bereits früh mit Powerpoint-Präsentationen und Film­ma­te­rial, das von Beschäf­tig­ten des Unter­neh­mens produ­ziert wurde, aufge­lo­ckert. Bei einem Tref­fen der Ausbil­dungs­lei­ter 2015 entschloss man sich, noch einen Schritt weiter­zu­ge­hen: Die Idee für das Konzept „Ausbil­dung 4.0 – Wir zeigen’s euch“ war gebo­ren. Damit wollte man die Auszu­bil­den­den direkt in die Entwick­lung der Unter­wei­sungs­me­dien mit einbe­zie­hen. In einem ersten Schritt erstell­ten die Auszu­bil­den­den des zwei­ten Lehr­jah­res an fünf Stand­or­ten des Unter­neh­mens eigene Präsen­ta­tio­nen, die des drit­ten Ausbil­dungs­jah­res Kurz­filme zum Thema Arbeits­schutz im Betrieb. Das Konzept kam bei den Azubis an: Ideen für Dutzende von Arbeits­schutz­vi­deos wurden bereits umge­setzt.

Erfin­der­geist ansta­cheln

Noch span­nen­der als eine unter­halt­sam gestal­tete Unter­wei­sung ist für viele Jugend­li­che aber, durch eige­nen Erfin­der­geist die Arbeits­si­cher­heit im Betrieb unmit­tel­bar zu verbes­sern. Einige beson­ders gelun­gene Beispiele dafür werden jedes Jahr mit dem Deut­schen Jugend-Arbeitsschutz-Preis (JAZ) der Fach­ver­ei­ni­gung Arbeits­si­cher­heit (FASI) prämiert. Schon zwei­mal unter den Gewin­nern waren Auszu­bil­dende der Bauun­ter­neh­mung August Mainka GmbH & Co. aus dem emslän­di­schen Lingen. Kommen die Vorschläge für Verbes­se­run­gen von den Azubis selbst oder werden die Jugend­li­chen von den Ausbil­dern regel­mä­ßig ange­regt, Vorschläge einzu­rei­chen? Henning Rolfes, Leitende Sicher­heits­fach­kraft bei Mainka, erklärt: „Grund­sätz­lich hat jeder Mitar­bei­ter die Möglich­keit, einen Verbes­se­rungs­vor­schlag einzu­rei­chen. Im Zuge des Jugend-Arbeitsschutzpreises werden die Azubis in gewis­ser Weise geführt, das heißt, wir setzen uns mit ihnen zusam­men und es werden zum Beispiel von meiner Seite Probleme geschil­dert, die wir gelöst haben möch­ten. Darauf­hin können die Azubis krea­tiv werden und mit den Kolle­gen auf der Baustelle diese Problem­stel­lun­gen disku­tie­ren.“ Wich­tig sei es, so Rolfes, dass nach der Einrei­chung eines Vorschlags durch einen jungen Beschäf­tig­ten auch in jedem Fall ein Feed­back von der Geschäfts­lei­tung erfolgt. Zu guter Letzt müsse es auch eine Info an den Vorschlag-Meldenden geben, ob die Verbes­se­rung umge­setzt wird oder nicht – und wenn nicht, dann auch mit einer Begrün­dung. Rolfes: „Ansons­ten entsteht eine Frus­tra­tion, was zur Folge hat, dass gar kein Vorschlag mehr einge­reicht wird. Die eigent­li­che Umset­zung erfolgt dann von den inner­be­trieb­li­chen Fach­leu­ten, was durch­aus mal länger dauern kann, da diese neben­bei ja noch das Alltags­ge­schäft zu erle­di­gen haben.“

Arbeits­schutz spie­lend lernen

Den „natür­li­chen Spiel­trieb“ von jungen Menschen bediente der dritte Platz beim Deut­schen Jugend-Arbeitsschutz-Preis 2018 im ganz wört­li­chen Sinne. Die Auszu­bil­den­den der Chemie­la­bo­ran­ten des Jahr­gan­ges 2016 der Boehrin­ger Ingel­heim GmbH & Co. KG entwi­ckel­ten ein Spiel, um ihre Schu­lun­gen zum Arbeits­schutz aufzu­lo­ckern. Ange­lehnt an das Gesell­schafts­spiel „Acti­vity“ vermit­telt „Safe­ti­vity“ auf spie­le­ri­sche Art und Weise die Inhalte der jähr­li­chen Wieder­ho­lungs­schu­lung zur Arbeits­si­cher­heit für die Auszu­bil­den­den. Dr. Hans-Jürgen Hagels, Leiter Arbeits­si­cher­heit Deutsch­land bei Boehrin­ger Ingel­heim, erklärt: „Das Spiel­brett und die Figu­ren wurden einzig für dieses Projekt entwor­fen und gestal­tet, ebenso die Fragen und krea­ti­ven Akti­ons­kar­ten. Das Spiel ist für kleine sowie große Grup­pen unter­schied­li­cher Berufs­grup­pen konzi­piert, die ihr Wissen einbrin­gen können. Während des Spiel­ver­laufs lernen die Auszu­bil­den­den neben den berufs­spe­zi­fi­schen Arbeits­si­cher­heits­fra­gen auch die der ande­ren Berufs­grup­pen im Unter­neh­men kennen.“

Um die jungen Menschen für den Arbeits­schutz einzu­neh­men, setze man auf viel Praxis­übung und inter­ak­tive Metho­den, wie Hagels erläu­tert: „Dabei können sich unsere Auszu­bil­den­den zum Beispiel im Rahmen von prak­ti­schen Feuer­lö­sch­übun­gen erpro­ben. Neben inter­nen Unter­wei­sun­gen, Schu­lun­gen und Grup­pen­ar­bei­ten gibt es auch Übun­gen durch externe Part­ner. So führen wir beispiels­weise seit langem in Zusam­men­ar­beit mit der Ingel­hei­mer Poli­zei ein Sicher­heits­trai­ning für junge Fahrer durch. In verschie­de­nen Modu­len – Fahr­si­mu­la­tor, Schlit­ten­gurt, Über­schlags­si­mu­la­tor, Alko­hol­bril­len und andere – werden die Gefah­ren für die Auszu­bil­den­den simu­liert und ihnen beigebracht, wie sie sich situa­ti­ons­spe­zi­fisch rich­tig verhal­ten können.“


Foto: privat

Autor: Dr. Joerg Hensiek

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