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Birk Schütte

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In flie­ßen­den Gewäs­sern wie Flüs­sen und Wild­bä­chen oder in Über­schwem­mungs­ge­bie­ten kommen regu­lär ausge­bil­dete Rettungs­schwim­mer an ihre Gren­zen. Hier sind Einsatz­kräfte mit spezi­el­ler Ausbil­dung gefragt: Ange­lehnt an den ameri­ka­ni­schen Swift­water Rescue Tech­ni­cian (SRT), ist der DLRG Strö­mungs­ret­ter (SR) ein auf stark strö­mende Gewäs­ser, Wild­was­ser und Hoch­was­ser spezia­li­sier­ter Wasser­ret­ter.

Herr Schütte, was hat sie dazu bewo­gen, das erhöhte Risiko und die Zusatz­aus­bil­dun­gen auf sich zu nehmen, die für Strö­mungs­ret­ter gelten?

Bewo­gen hat mich vor allem die allge­meine Einstel­lung, mit der ich zur DLRG gekom­men bin: Ich möchte Menschen effek­tiv helfen und mich selbst gleich­zei­tig immer wieder aufs Neue heraus­for­dern. Hier­für ist der viel­fäl­tige Bereich der Strö­mungs­ret­tung beson­ders geeig­net. Zwar werden unsere Strö­mungs­ret­ter weit­aus weni­ger in Wild­bä­chen einge­setzt als Kame­ra­den aus dem süddeut­schen Raum, dafür aber in der Nord­see und in Hafen­be­rei­chen. Hier ist ein Einsatz durch Rettungs­schwim­mer aufgrund der fehlen­den PSA schlicht­weg nicht möglich. Aber auch wenn wir nicht so häufig in Gewäs­sern mit star­ker Strö­mung tätig sind, wird dies genau wie die Seil­tech­nik immer wieder trai­niert, damit wir im Kata­stro­phen­fall für jede erdenk­li­che Situa­tion gewapp­net sind.

Sie sagten es bereits: Gut schwim­men zu können ist das eine, aber als Strö­mungs­ret­ter benö­ti­gen Sie noch ganz andere Fähig­kei­ten – zum Beispiel solide Kennt­nisse im Gebrauch der PSA. Was alles gehört zu Ihrer Schutz­aus­rüs­tung und was empfin­den Sie als schwie­rigs­ten Teil in Ihrem Aufga­ben­spek­trum?

Zu unse­rer Schutz­aus­rüs­tung gehört wahl­weise ein Neopren­an­zug oder Trocken­an­zug, der vor allem in konta­mi­nier­tem Gewäs­ser einge­setzt wird. Weiter­hin ist jeder Strö­mungs­ret­ter mit tritt­si­che­ren Schu­hen, einer Prall­schutz­weste, einem Helm, Hand­schu­hen für Seil­tech­nik und einem Abseil- und Rettungs­gurt ausge­rüs­tet. Je nach Kennt­nis­stand kommt zu der Ausrüs­tung noch weite­res Equip­ment wie Band­sch­lin­gen oder Kara­bi­ner hinzu. Allge­mein ist jeder Strö­mungs­ret­ter so ausge­rüs­tet, dass er selbst größt­mög­lich geschützt ist und sich aus vielen Situa­tio­nen selbst retten kann bezie­hungs­weise ande­ren schnell helfen kann, ohne erst große Seil­tech­nik aufbauen zu müssen.
Als schwie­rigste Aufgabe empfinde ich persön­lich, bei jedem Einsatz in kürzes­ter Zeit eine voll­stän­dige Gefah­ren­ana­lyse durch­zu­füh­ren, bevor ich meine Strö­mungs­ret­ter losschi­cke. Gerade im Hafen­be­reich verän­dern sich die Gege­ben­hei­ten rela­tiv schnell, sodass immer wieder neu über die vorhan­de­nen Möglich­kei­ten nach­ge­dacht werden muss. Der Spagat zwischen Gefah­ren­er­ken­nung und Fokus­sie­rung auf den Einsatz­auf­trag ist einer­seits sehr fordernd, ande­rer­seits aber gerade das Reiz­volle an dieser Aufgabe.

Strö­mungs­ret­ter müssen körper­lich fit sein, aber mentale Stärke ist zwei­fel­los auch vonnö­ten, um in Notla­gen über­legt handeln und miter­lebte Kata­stro­phen verar­bei­ten zu können. Ist ein verant­wor­tungs­vol­ler und beson­ne­ner Charak­ter bereits Grund­vor­aus­set­zung für diese Aufgabe?

Mentale Stärke ist meiner Meinung nach sogar noch wich­ti­ger als körper­li­che Fitness. Jeder Strö­mungs­ret­ter sollte seine körper­li­chen Gren­zen kennen und diese kommu­ni­zie­ren können. Mentale Gren­zen werden im Einsatz aber häufig über­schrit­ten, was wiederum zu Gefähr­dun­gen führen kann. Gerade hier ist es die Aufgabe des Verant­wort­li­chen, seine Einsatz­kräfte zu kennen und einschät­zen zu können.

Schwie­rige Einsätze können schwer­wie­gende mentale Beein­träch­ti­gun­gen mit sich brin­gen. Unbe­han­delt können diese zu Schlaf­stö­run­gen bis hin zu Post­trau­ma­ti­schen Belas­tungs­stö­run­gen führen. Deshalb gibt es nach jedem Einsatz eine Nach­be­spre­chung, die je nach Schwere des Einsat­zes ausge­wei­tet werden kann. Sollte dies nicht ausrei­chen, können wir spezi­ell geschulte Kräfte der Psycho­so­zia­len Notfall­ver­sor­gung anfor­dern oder die Behand­lung durch einen Psycho­lo­gen anra­ten. Allge­mein werden aber eher beson­ne­nere Charak­tere gesucht, die nicht blind in Gefah­ren rennen, sondern erst nach­den­ken, bevor sie etwas tun. Sicher­heit hat bei allem, was wir tun, immer die höchste Prio­ri­tät.

Strö­mungs­ret­ter sind aus Sicher­heits­grün­den nie allein im Einsatz. Wie wich­tig ist Ihnen das Team?

Mein Team ist für mich über­le­bens­wich­tig. Da gerade die Strö­mungs­ret­tung in Berei­chen arbei­tet, die für andere Kräfte zu gefähr­lich sind, müssen wir darauf achten, dass wir uns selbst nur so wenig wie möglich gefähr­den und uns best­mög­lich absi­chern. Dies geht nur im Team. Aus diesem Grund machen wir auch neben den eigent­li­chen Einsät­zen und Übun­gen viel zusam­men, um das Vertrauen unter­ein­an­der zu stär­ken. Nur so ist gewähr­leis­tet, dass sich jeder im Einsatz blind auf den ande­ren verlas­sen kann. Es gibt ja nicht umsonst die Vorschrift, zunächst sich selbst, danach seine Team­ka­me­ra­den und erst dann die verun­fallte Person zu retten. Das oberste Ziel muss immer sein, dass wir selbst ohne Schä­den aus einem Einsatz zurück­keh­ren.


Steck­brief

  • Gebo­ren 1994 in Olden­burg
  • Beruf: Student
  • Strö­mungs­ret­ter seit 2017
  • Weitere Aufga­ben: Bezirks­re­fe­renz für Strö­mungs­ret­tung und Air Rescue
    Specia­list
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