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Manipulation von Schutzeinrichtungen

Dem Schutz­en­gel ein Schnipp­chen schla­gen

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Das Mani­pu­lie­ren von Schutz­ein­rich­tun­gen ist in vielen Betrie­ben an der Tages­ord­nung. Dass die verur­sa­chende Person sich und andere damit einem hohen Risiko aussetzt, wird dabei oft unter­schätzt oder still­schwei­gend in Kauf genom­men. Dabei sind schät­zungs­weise ein Vier­tel aller Arbeits­un­fälle an Maschi­nen auf Mani­pu­la­tion zurück­zu­füh­ren. Tausende von mitun­ter schwe­ren Unfäl­len jähr­lich sind die Folge.

Schutz­ein­rich­tun­gen sollen Bedien­per­so­nen vor den Gefähr­dun­gen einer Maschine schüt­zen. Dabei geht es zunächst darum, die Annä­he­rung an die Gefah­ren­stel­len im Arbeits­be­reich der Maschine grund­sätz­lich zu verhin­dern, was mithilfe tren­nen­der Schutz­ein­rich­tun­gen, also durch Einzäu­nung oder Abde­ckung erreicht wird. Ist ein regel­mä­ßi­ger Zugang erfor­der­lich, ist eine Siche­rung über beweg­li­che tren­nende Schutz­ein­rich­tun­gen wie elek­trisch über­wachte Schutz­tü­ren oder über berüh­rungs­los wirkende Schutz­ein­rich­tun­gen wie Licht­schran­ken möglich. Öffnet die Bedien­per­son die Schutz­tür oder unter­bricht den Licht­strahl, werden die gefahr­brin­gen­den Bewe­gun­gen der Maschine sicher still­ge­setzt.

Schutz­ein­rich­tun­gen schüt­zen die Bedien­per­son auch dann, wenn eine bereits still­ge­setzte Maschine aufgrund eines Steue­rungs­feh­lers uner­war­tet anlau­fen könnte: Bei ausge­lös­ter Schutz­ein­rich­tung wird der uner­war­tete Anlauf durch die sichere Tren­nung der Antriebs­en­er­gie auto­ma­tisch unter­bun­den. Tren­nende Schutz­ein­rich­tun­gen wie Schutz­tü­ren oder Schutz­zäune bieten zudem Schutz, wenn aufgrund von Mate­ri­al­ver­sa­gen unvor­her­seh­bar Teile aus dem Arbeits­be­reich heraus­ge­schleu­dert werden soll­ten. Da solche Fehler jedoch immer uner­war­tet auftre­ten, wird die hinter ihnen lauernde Gefahr meist falsch einge­schätzt. Mit fata­len Folgen.

Warum werden Schutz­ein­rich­tun­gen mani­pu­liert?

Maschi­nen sollen hohe Stück­zah­len liefern, sonst sind sie nicht renta­bel. Gleich­zei­tig müssen sie geltende Sicher­heits­an­for­de­run­gen erfül­len. Nicht selten stehen sich Sicher­heit und Produk­ti­vi­tät jedoch im Weg. Ob dies der Fall ist, zeigt sich spätes­tens dann, wenn bei Instand­hal­tungs­ar­bei­ten ein Zugriff auf den Arbeits­be­reich der laufen­den Maschine notwen­dig wird. Besitzt die Maschine hier­für sichere Lösun­gen wie etwa die Möglich­keit, das Werk­zeug in sicher redu­zier­ter Geschwin­dig­keit über Tipp­be­trieb schritt­weise zu verfah­ren? Gerade bei älte­ren Maschi­nen ist das Schutz­kon­zept oft allein auf den Auto­ma­tik­be­trieb ausge­rich­tet: Notwen­dige Instand­hal­tungs­ar­bei­ten sind dann oft nur nach Außer­kraft­set­zen der Schutz­ein­rich­tun­gen möglich.

Auch im regu­lä­ren Betrieb kann die Schutz­ein­rich­tung einen flüs­si­gen Arbeits­ab­lauf verhin­dern, wenn sie etwa schwer zu hand­ha­ben ist, unver­hält­nis­mä­ßig häufig geöff­net werden muss oder die direkte Sicht auf den Arbeits­pro­zess verhin­dert. Zeit- und Leis­tungs­druck, denen die Bedie­nen­den ausge­setzt sind, kommen verstär­kend hinzu. Dass die Schutz­ein­rich­tung mani­pu­liert wird, ist dann nur eine Frage der Zeit.

  • Gene­rell gilt: Je stär­ker die Arbeit durch Schutz­ein­rich­tun­gen beein­träch­tigt wird, desto größer ist die
    Bereit­schaft, sie durch unzu­läs­sige Verän­de­run­gen an der Maschine zu erleich­tern.

Welche Schutz­ein­rich­tun­gen sind betrof­fen?

Am häufigs­ten werden Schutz­tü­ren mani­pu­liert, bezie­hungs­weise die daran montier­ten Verrie­ge­lungs­ein­rich­tun­gen. Verrie­ge­lungs­ein­rich­tun­gen sind Posi­ti­ons­schal­ter, mit denen das Öffnen einer Schutz­tür detek­tiert werden kann. Am weites­ten verbrei­tet sind Verrie­ge­lungs­ein­rich­tun­gen der Bauart 2 (siehe Info­kas­ten auf Seite 21). Der Schalt­vor­gang wird hier mithilfe eines an der Schutz­ein­rich­tung ange­brach­ten, spezi­ell geform­ten Betä­ti­gungs­ele­ments ausge­löst, der Schalt­zunge. Wird die Schutz­ein­rich­tung geöff­net und das Betä­ti­gungs­ele­ment – kurz: der Betä­ti­ger – aus dem Schalt­ge­rät entfernt, wird der Schalt­kreis zur Detek­tion der Türstel­lung unter­bro­chen und die gefahr­brin­gen­den Bewe­gun­gen der Maschine sicher still­ge­setzt.

Das Problem solcher Schal­ter besteht darin, dass sich das Betä­ti­gungs­ele­ment ohne beson­de­ren zeit­li­chen oder mate­ri­el­len Aufwand durch Ersatz­be­tä­ti­ger erset­zen lässt. Nicht selten führen Instand­hal­ter einer Maschine einen solchen Ersatz­be­tä­ti­ger am Schlüs­sel­bund mit sich: Wird dieser statt des eigent­li­chen Betä­ti­gers in das Schalt­ge­rät einge­führt, gibt die Maschi­nen­steue­rung den Betrieb frei, sodass nun auch bei geöff­ne­ter Schutz­tür und nicht sicher still­ge­setz­ter Maschine im Arbeits­be­reich der laufen­den Maschine gear­bei­tet werden kann. Eine solche Mani­pu­la­tion zu erken­nen ist schwie­rig, da sie nicht nur schnell durch­ge­führt, sondern ebenso schnell wieder rück­gän­gig gemacht werden kann.

Einfa­che Verschrau­bung kein Hinder­nis

Verbrei­tet ist auch die Mani­pu­la­tion durch den eigent­li­chen Betä­ti­ger. Wurde dieser mit gewöhn­li­chen Schrau­ben befes­tigt, ist er schnell abmon­tiert und bleibt dann dauer­haft im Schalt­ge­rät stecken. Wird die Schutz­tür dann geschlos­sen, ist sie nur ange­lehnt und ihr Öffnen hat keinen Einfluss mehr auf den Schalt­kreis der Maschine. Eine solche Mani­pu­la­tion birgt beson­ders für Mitar­bei­tende hohe Risi­ken, die nichts von der Mani­pu­la­tion wissen. In der Erwar­tung, die Maschine sei durch das Öffnen der Tür sicher still­ge­setzt, kommt es dann beispiels­weise bei Instand­hal­tungs­ar­bei­ten immer wieder zu beson­ders schwe­ren Unfäl­len (siehe etwa das Unfall­bei­spiel auf Seite 20).

Seit­dem eine Unter­su­chung des ehema­li­gen Haupt­ver­bands der gewerb­li­chen Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten (HVBG) seine Brisanz offen­ge­legt hat, findet das Thema Mani­pu­la­tion immer mehr Beach­tung. So wird der Mani­pu­la­ti­ons­an­fäl­lig­keit von Verrie­ge­lungs­ein­rich­tun­gen seit der letz­ten Revi­sion bereits in der für Verrie­ge­lungs­ein­rich­tun­gen gelten­den Produkt­norm DIN EN ISO 14119 Rech­nung getra­gen. Bei korrek­ter Anwen­dung der Norm sollte es zu den oben erwähn­ten Hand­lun­gen gar nicht erst kommen. Demnach sind Betä­ti­ger bei bestehen­dem Mani­pu­la­ti­ons­an­reiz grund­sätz­lich unlös­bar mit der Schutz­ein­rich­tung zu verbin­den, beispiels­weise über Einweg- oder aufge­bohrte Inbus­schrau­ben. Beim Einbau der Verrie­ge­lungs­ein­rich­tung sind zur Verhin­de­rung einer Mani­pu­la­tion darüber hinaus gege­be­nen­falls weitere Maßnah­men erfor­der­lich. Dazu zählt beispiels­weise die Verhin­de­rung des Zugangs zu den Elemen­ten der Verrie­ge­lungs­ein­rich­tung durch Abschir­mung oder Anbrin­gung außer Reich­weite. Oder aber es sind Schal­ter mit hoher bezie­hungs­weise indi­vi­du­el­ler Kodie­rung zu verwen­den (siehe Abbil­dung auf Seite 19), bei der Schalt­ge­rät und Betä­ti­ger immer ein Paar bilden. Auch berüh­rungs­lose Schalt­ge­räte (Bauart 4) sind in hoher Kodie­rung erhält­lich, die vor allem für Prozesse mit hohen Emis­sio­nen oder beson­de­ren Hygie­ne­an­for­de­run­gen empfoh­len werden. Bei hoher Kodie­rung ist eine Betä­ti­gung durch Ersatz­be­tä­ti­gungs­ele­mente ausge­schlos­sen. Bei unlös­ba­rer Montage bieten sie den besten Schutz gegen Mani­pu­la­tion.

Die Rechts­lage

Maschi­nen, deren Schutz­ein­rich­tun­gen den Arbeits­ab­lauf erheb­lich beein­träch­ti­gen, sind für den Betrieb nicht nur unbrauch­bar, sie tragen auch ihr CE-Zeichen zu Unrecht. Denn bereits der Maschi­nen­her­stel­ler hat gemäß der Maschi­nen­richt­li­nie bei der Konstruk­tion darauf zu achten, dass die verwen­de­ten Schutz­maß­nah­men alle vorge­se­he­nen Tätig­kei­ten inner­halb und außer­halb des Arbeits­be­reichs der Maschine zulas­sen, ohne den Betrieb unnö­tig zu behin­dern. Für die konse­quente Anwen­dung dieser Maßnah­men zu sorgen obliegt laut Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung wiederum der Verant­wor­tung des Betrei­bers, während auch die Bedien­per­son zur Unter­stüt­zung solcher Arbeits­schutz­maß­nah­men durch das Arbeits­schutz­ge­setz verpflich­tet ist. Sowohl Hersteller- als auch Betrei­ber­firma haben nach Maschinen- und Arbeits­mit­tel­richt­li­nie sicher­zu­stel­len, dass Schutz­ein­rich­tun­gen nicht auf einfa­che Weise mani­pu­liert oder umgan­gen werden können. Zumin­dest die Anwen­dung der beschrie­be­nen zusätz­li­chen Maßnah­men für Verrie­ge­lungs­ein­rich­tun­gen wäre nach Maschi­nen­richt­li­nie daher eigent­lich Pflicht.

Vermei­dung von Mani­pu­la­tion

Wie beschrie­ben liegt die Haupt­ur­sa­che für Mani­pu­la­tion meist an der Maschine selbst. Dies stellt jedoch keinen Frei­fahrt­schein für das Umge­hen von Schutz­ein­rich­tun­gen dar! Wenn die Maschine ohne Mani­pu­la­tion nicht oder nur schlecht zu betrei­ben ist, ist hinge­gen umge­hend das Gespräch mit Sicher­heits­fach­kraft, Sicher­heits­be­auf­trag­ten und Vorge­setz­ten zu suchen. Denn oft wird auch mani­pu­liert, weil der Bedie­ner nicht ausrei­chend an der Maschine unter­wie­sen wurde. Folgende Schulungs- bezie­hungs­weise Unter­wei­sungs­in­halte soll­ten unbe­dingt vorhan­den sein, oder gege­be­nen­falls nach­träg­lich einge­for­dert werden:

  • Sind die von der Maschine ausge­hen­den Gefähr­dun­gen bekannt?
  • Wurden Zweck und Hand­ha­bung der Schutz­ein­rich­tun­gen erläu­tert?
  • Wurden sichere Wege zur Instand­hal­tung, Fehler­su­che und Reini­gung aufge­zeigt?
  • Ist bekannt, welche Betriebs­ar­ten für welche Arbeits­auf­ga­ben vorge­se­hen sind?
  • Ist bekannt, für welche Arbei­ten die Bedien­per­son befugt ist, und für welche sie spezi­ell ausge­bil­de­tes Fach­per­so­nal herbei­ho­len muss?

Erscheint eine Mani­pu­la­tion unver­meid­bar, werden tech­ni­sche Maßnah­men erfor­der­lich. Hier ist es sinn­voll, die Herstell­firma oder den Vertrieb an den Gesprä­chen zu betei­li­gen. Denk­bar wäre etwa das Nach­rüs­ten einer Betriebs­art „Einrich­ten“, die bei geöff­ne­ter Schutz­ein­rich­tung über Tipp­be­trieb bei gleich­zei­ti­ger Betä­ti­gung einer Zustimm­ein­rich­tung ein schritt­wei­ses Verfah­ren der gefahr­brin­gen­den Maschi­nen­teile in sicher redu­zier­ter Geschwin­dig­keit ermög­licht.

Der effek­tivste Ausweg besteht indes darin, das Thema bereits beim Maschi­nen­ein­kauf zu beden­ken. Dabei sind Sicher­heits­fach­kräfte, Instandhaltungs‑, Einricht­per­so­nal und Bedie­nende unbe­dingt in den Beschaf­fungs­pro­zess einzu­bin­den. Ihre Erfah­rung im Umgang mit Maschi­nen und ihr Wissen um typi­sche Stör­an­fäl­lig­kei­ten und ergo­no­mi­sche Schwach­stel­len sind bei der Beschaf­fung neuer Maschi­nen unver­zicht­bar. Letzt­lich können sie ausschlag­ge­bend dafür sein, ob eine Maschine später mani­pu­liert wird oder nicht und so gege­be­nen­falls einen schwe­ren Unfall verhin­dern.


Foto: © DGUV

Autor: Stefan Otto

Prüf­in­ge­nieur Maschi­nen und Anla­gen
Insti­tut für Arbeits­schutz der DGUV (IFA)


Klei­nes Einmal­eins der Verrie­ge­lungs­ein­rich­tun­gen

Verrie­ge­lungs­ein­rich­tun­gen setzen die Maschine still, wenn die dazu­ge­hö­rende Schutz­ein­rich­tung geöff­net oder betä­tigt wird.

Die Betä­ti­gungs­prin­zi­pien werden abhän­gig vom mecha­ni­schen oder berüh­rungs­lo­sen Betä­ti­gungs­prin­zip und von der Ausfüh­rung mit oder ohne vom Schal­ter getrenn­tem Betä­ti­ger in vier Bauar­ten einge­teilt (verglei­che Über­sicht auf Seite 21). Bei Schal­tern mit getrenn­tem Betä­ti­ger wird zwischen verschie­de­nen Kodie­rungs­stu­fen unter­schie­den: Schal­ter mit gerin­ger Kodie­rung können mithilfe eines Ersatz­be­tä­ti­gers über­lis­tet werden, bei Schal­tern mit hoher Kodie­rung ist dies nicht möglich.


Link­tipps

  • Praxis­hilfe „Sicher­heit und Gesund­heit – Check­liste Mani­pu­la­tion von Schutz­ein­rich­tun­gen verhin­dern“ (08/2018);
    www.kommmitmensch.de
  • DGUV Infor­ma­tion 209–092 „Risi­ko­be­ur­tei­lung von Maschi­nen und Anla­gen – Maßnah­men gegen Mani­pu­la­tion von Schutz­ein­rich­tun­gen“ (04/2019); www.bghm.de (Webcode d545286)
  • Report „Mani­pu­la­tion von Schutz­ein­rich­tun­gen an Maschi­nen“, 2006; www.dguv.de/ifa (Webcode d6303)
  • Website „Mani­pu­la­tion von Schutz­ein­rich­tun­gen an Maschi­nen verhin­dern“;
    www.stopp-manipulation.org
  • App für Android und iOS:
    „Anreiz für die Mani­pu­la­tion von Schutz­ein­rich­tun­gen. Bewer­tungs­ver­fah­ren“;
    www.dguv.de/ifa
    (Webcode d3295)

Mani­pu­la­tion im Betrieb erken­nen!

Schauen Sie sich Verrie­ge­lungs­ein­rich­tun­gen, Schutz­zäune, Schutz­tü­ren und deren Befes­ti­gun­gen im Betrieb genau an. Viele Hinweise können hier auf eine regel­mä­ßige Mani­pu­la­tion hindeu­ten.

  • Kabel­bin­der oder Klebe­band­reste: Aufgrund des Betä­ti­gungs­prin­zips lassen sich Endschal­ter der Bauart 1 durch Kabel­bin­der oder Klebe­band leicht mani­pu­lie­ren.
  • Krat­zer und Lack­schä­den: Krat­zer und Lack­schä­den um die Schalt­ge­räte herum deuten oft darauf hin, dass an den Schal­tern unbe­fugt herum­han­tiert wird .
  • Ausge­tauschte Schrau­ben oder Befes­ti­gungs­mit­tel: An ausge­tausch­ten oder gar fehlen­den Befes­ti­gungs­mit­teln und Schrau­ben lässt sich able­sen, dass sie häufi­ger gelöst oder entfernt werden als unbe­dingt notwen­dig – und das wäre im Ideal­fall: gar nicht!
  • Kurz­ge­schlos­sene Relais­kon­takte oder durch­trennte Kabel: Kurz­ge­schlos­sene oder über­brückte Relais­kon­takte oder durch­trennte Kabel im Schalt­schrank sind ein eindeu­ti­ger Hinweis darauf, dass die Maschine nicht in der von der Herstell­firma vorge­se­he­nen Weise betrie­ben wird und unter Umstän­den Schutz­ein­rich­tun­gen mani­pu­liert werden.

Nicht immer lassen sich alle Möglich­kei­ten der Mani­pu­la­tion an einer Maschine einfach über­bli­cken. Beson­ders, wenn in der Soft­ware mani­pu­liert wurde, ist dies durch bloße Besich­ti­gung nicht zu erken­nen. Hier kann es hilf­reich sein, sich im Betrieb bei laufen­der Maschine die Funk­tion der Schutz­ein­rich­tung zeigen zu lassen: Wird die Maschine still­ge­setzt, wenn die Schutz­tür geöff­net wird?


Regel­werk

  • DIN EN ISO 14119: Sicher­heit von Maschi­nen – Verrie­ge­lungs­ein­rich­tun­gen in Verbin­dung mit tren­nen­den Schutz­ein­rich­tun­gen – Leit­sätze für Gestal­tung und Auswahl
  • DIN EN ISO 14120: Sicher­heit von Maschi­nen – Tren­nende Schutz­ein­rich­tun­gen – Allge­meine Anfor­de­run­gen an Gestal­tung und Bau von fest­ste­hen­den und beweg­li­chen tren­nen­den Schutz­ein­rich­tun­gen
  • Maschi­nen­richt­li­nie 2006/42/EG
  • Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung
  • Arbeits­schutz­ge­setz
  • Arbeits­mit­tel­richt­li­nie 2009/104/EG

Kopf in der Dreh­ma­schine einge­klemmt

Der Poly­me­cha­ni­ker Roger P. (50) wird bei der Instand­hal­tung in einem Dreh­au­to­ma­ten einge­klemmt. Schwer verletzt muss er eine Stunde lang so aushar­ren, bis er befreit werden kann.

Dieses Unfall­bei­spiel basiert auf realen Bege­ben­hei­ten, ledig­lich Einzel­hei­ten und Namen wurden geän­dert.

  • Was war gesche­hen?

Roger P. justiert den Werk­zeug­re­vol­ver seiner Dreh­ma­schine neu. Danach muss er ein vorher entfern­tes Schutz­blech am Werk­zeug­re­vol­ver wieder anschrau­ben. Dazu beugt er sich tief in den Bear­bei­tungs­raum der Maschine.

Beim Fest­zie­hen der Schrau­ben verliert Roger P. das Gleich­ge­wicht. Beim Versuch, sich mit der rech­ten Hand noch am Maschi­nen­ge­häuse fest­zu­hal­ten, betä­tigt er unge­wollt den Vorschub­tas­ter auf der Bedie­nungs­kon­sole. Der Werk­zeug­re­vol­ver saust nach links und klemmt seinen Kopf und Ober­kör­per gegen die Werk­stückspin­del. Roger P. erlei­det schwere Platz­wun­den am Kopf, Knochen­brü­che im Gesicht und einen kompli­zier­ten Armbruch.

  • Wie konnte es zu dem Unfall kommen?

Roger P. führt die Instand­hal­tungs­ar­bei­ten bei einge­schal­te­ter Maschine durch. Eigent­lich hätte er sie vor der Durch­füh­rung der Arbei­ten mithilfe der Netz­trenn­ein­rich­tung ausschal­ten und gegen Wieder­ein­schal­ten sichern müssen. Doch selbst bei einge­schal­te­ter Maschine hätte die Verrie­ge­lungs­ein­rich­tung bei geöff­ne­ter Schutz­türe das Anlau­fen der Maschine verhin­dern müssen. Die Verrie­ge­lungs­ein­rich­tung war jedoch mit einem Ersatz­be­tä­ti­ger mani­pu­liert worden, was die Schutz­ein­rich­tung wirkungs­los machte.

  • Die Folgen

Roger P. wird so schwer verletzt, dass er mehr­fach operiert werden muss. Für den Geschäfts­füh­rer zieht der Unfall eine Straf­un­ter­su­chung mit sich, die wegen einer groben Miss­ach­tung seiner Aufsichts- und Unter­wei­sungs­pflich­ten in einer Verur­tei­lung wegen fahr­läs­si­ger schwe­rer Körper­ver­let­zung mündet.

www.suva.ch/13065.d

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