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Nachgefragt

Donald Ganslmeier

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Stolze 90 Jahre alt ist das Moto­drom, das Steil­wand­fah­rer Donald Ganslmeier 2012 über­nahm. Ab 22. Septem­ber verbrei­tet die „älteste reisende Steil­wand der Welt“ wieder Benzin­ge­ruch auf dem Okto­ber­fest in München: Ganslmeier und seine Mitar­bei­ter – zusam­men die Motorel­los – sind berühmt für ihre atem­be­rau­ben­den Kunst­stü­cke und Manö­ver, die sie im Kessel auf dem Motor­rad voll­füh­ren.

Herr Ganslmeier, was braucht ein Steil­wand­fah­rer, dem sein Leben lieb ist: vor allem Furcht­lo­sig­keit und stahl­harte Nerven – oder auch Trai­ning, Leiden­schaft, Diszi­plin …?

Die Leiden­schaft macht es letzt­lich aus, denn der Job ist sehr anstren­gend, und das würde wohl keiner ohne Leiden­schaft machen. Und Furcht­lo­sig­keit, ja, die braucht es auch, aber wirk­lich ausschlag­ge­bend ist, dass man seine sieben Sinne beiein­an­der hat. Manche sagen, wir sind verrückt, aber das Gegen­teil ist der Fall: Wir wissen sehr genau, was wir machen und sind sehr bedacht.

In einem Inter­view haben Sie ange­kün­digt, dass Sie erst mit 76 Jahren mit dem Fahren aufhö­ren wollen – um Ihre Vorläu­fer an der „Todes­wand“ Heinz Meiners und Hugo Dabbert noch zu toppen. Geht der stän­dige Nerven­kit­zel nicht an die Substanz?

Mit 80 oder so hör ich auf, dacht ich mir. In dem Moment, wo man aufhört, sich zu bewe­gen und aktiv zu sein, baut man ab. Und das will ich nicht. Also ich möchte möglichst lange aktiv blei­ben und das Leben genie­ßen. Und wenn ich mir jetzt vorstelle, dass ich mit 60 in Rente gehe und bloß noch auf der Park­bank sitze, dann ist das nicht meine Welt.

Was den Wenigs­ten bewusst ist: Auch der Auf‐ und Abbau des Moto­droms ist ein wahrer Knochen­job. Die Steil­wand muss tipp­topp aufge­stellt sein, um Unfälle zu vermei­den. Worauf müssen Sie beson­ders achten?

Erst­mal, dass alles im Wasser steht, also alles gerade ist. Aber das ist jetzt auch kein Hexen­werk. Das ist einfach harte Arbeit, weil wir keinen Kran haben, sondern jeweils 25 Tonnen mit der Hand bewe­gen. Darum ist bei uns auch keiner über­ge­wich­tig. Aber das geht auch, in höchs­tens zwei Tagen stehen wir. Also es gibt genug Leute, die stel­len sich bei uns vor und meinen, sie sind die tollen Helden an der Steil­wand. Dass das Auf‐ und Abbauen auch dazu­ge­hört, sehen die wenigs­ten. Aber denen ist der Zahn schnell gezo­gen. Also bei uns ist Leis­tung gefragt und nicht eine große Klappe.

Bei Ihren Vorstel­lun­gen gibt es ein spek­ta­ku­lä­res Dreier‐ oder sogar Vierer‐Rennen an der Steil­wand. Bei dieser Team­leis­tung müssen Sie sich voll und ganz auf Ihre Mitfah­rer verlas­sen können. Wie krie­gen Sie das hin?

Meinen Leuten ist klar, dass das kein Eier­tanz ist. Ab und zu muss man mal ein erns­tes Wört­chen mit ihnen reden, aber das hält sich in Gren­zen. Das sind alles vernünf­tige und mitt­ler­weile erfah­rene Kerle, die wissen, worauf es ankommt. An der Steil­wand, aber auch im norma­len Leben können wir uns aufein­an­der verlas­sen. Aber sobald die Kessel­tür zu ist, ist ganz klar, jetzt ist Show und dann steht letzt­end­lich unser Leben auf dem Spiel.

Ob es dieses Jahr wieder hinhaut mit dem Vierer‐Rennen, wissen wir noch nicht. Der vierte Fahrer hat sich in Frank­reich an der Steil­wand das Bein gebro­chen. Aber auch zu dritt ist es schon spek­ta­ku­lär genug. Ich selbst hatte bislang 18 Unfälle in meiner Karriere. Das ist einfach das Berufs­ri­siko, das gibt es in jedem Beruf. Meiner macht mir jeden­falls riesig Spaß. Das ist der schönste Beruf auf der ganzen Welt!


Steck­brief

  • gebo­ren 1975 in einem Dorf in Nieder­bay­ern
  • 43 Jahre
  • Beruf: Steil­wand­fah­rer
  • ist bei Akro­ba­tik­fahr­ten mit rund 45 km/h unter­wegs und dabei Kräf­ten von 3.5 G ausge­setzt
  • erreicht beim Über­ho­len bis zu 60 km/h
  • führt seit 2012 zusam­men mit Thomas Ottl das „Origi­nal Moto­drom“
  • gastiert vom 22. Septem­ber bis 7. Okto­ber 2018 auf der Oidn Wiesn

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