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Wie viel Strom der Mensch verträgt

Wie gefährlich ein Stromschlag ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Welche Schutzmaßnahmen gibt es?
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Elek­tri­scher Strom bewegt sich weit­ge­hend unsicht­bar und unbe­merkt durch unse­ren Alltag. Seine Gefah­ren werden häufig unter­schätzt und der Umgang mit defek­ten Schal­tern und Leitun­gen wird mitun­ter risi­ko­freu­dig gepflegt. Ob man bei einem Strom­schlag mit harm­lo­sem Krib­beln davon­kommt oder ein Herz­still­stand droht, ist von mehre­ren Fakto­ren abhän­gig.

Werner Fisi, BGN Mann­heim

Norma­ler­weise sind Maschi­nen, Elek­tro­ge­räte und span­nungs­füh­rende Teile so gesi­chert, dass der mensch­li­che Körper nicht direkt mit dem Strom oder der Span­nung in Kontakt kommt. Für den Menschen droht keine Gefahr, solange  er nicht Teil des Strom­krei­ses wird.
Das kann immer dann sein, wenn Isolie­run­gen beschä­digt sind oder leicht­sin­nig mit der Elek­trik umge­gan­gen wird, wie zum Beispiel bei
offe­nen Schalt­schrän­ken, beschä­dig­ten Anschluss­lei­tun­gen oder defek­ten Steck­do­sen. Beim Berüh­ren von span­nungs­füh­ren­den Teilen fließt der Strom von der Hand durch den Körper zur Erde. Das ist ein Strom­schlag.

Krib­beln, Kramp­fen, Flim­mern

Ob ein Strom­schlag tödlich endet, hängt davon ab, wie lange, auf welchem Weg und mit welcher Stärke der mensch­li­che Orga­nis­mus durch­flos­sen wird. Liegt das Herz in der Strom­bahn, stehen die Chan­cen fürs Über­le­ben schlecht. Lebens­be­droh­li­che Störun­gen des Herz­rhyth­mus setzen bei Durch­fluss­stär­ken von rund 80 Milli­am­pere ein. Beim soge­nann­ten Herz­kam­mer­flim­mern geht die peri­odi­sche Tätig­keit des Herzens in eine völlig regel­lose über. Das Herz hört auf, Blut zu pumpen. Das führt zu einem Sauer­stoff­man­gel im Gehirn und dies wiederum inner­halb weni­ger Minu­ten zum Tod.

Ein leich­ter Strom­schlag macht sich nur durch ein Krib­beln in den Finger­spit­zen bemerk­bar. Der Schreck, den man dabei bekommt, führt aber häufig zu einem Unfall. Beispiels­weise dann, wenn jemand infolge des Strom­schlags von einer Leiter fällt oder Gegen­stände fallen lässt. Schon bei rela­tiv gerin­gen Strom­stär­ken begin­nen sich die Muskeln derart zu verkramp­fen, dass ein umfass­ter Leiter nicht mehr losge­las­sen werden kann.

Unfall­hel­fer können nur durch Abschal­ten des Stroms oder unter Verwen­dung nicht leiten­der Mate­ria­lien den Verun­fall­ten vom umfass­ten Gegen­stand lösen. Die Loslass‐Schwelle liegt bei 15 bis 20 Milli­am­pere. Ab 30 Milli­am­pere ist auch die Atem­mus­ku­la­tur betrof­fen. Es drohen Atem­not und schließ­lich Atem­still­stand.

Einge­baute Sicher­heit

Schutz­maß­nah­men wie Isolie­run­gen verhin­dern das direkte Berüh­ren von unter Span­nung stehen­den Teilen. Isolie­run­gen umhül­len Leitun­gen oder schal­ten in der Regel bei Fehler­strö­men, zum Beispiel durch das Berüh­ren eines fehler­haf­ten Geräts, von maxi­mal 30 mA die Anlage in weni­ger als 40 ms ab. Bei Versa­gen des Basis­schut­zes (Isolie­rung etc.) muss verhin­dert werden, dass gefähr­li­che Berüh­rungs­span­nun­gen auftre­ten. Dies wird in der Regel durch Über­strom­schutz­ein­rich­tun­gen (Siche­run­gen) erreicht.

Wenn bei einem Körper­schluss zum Beispiel durch fehler­hafte Isolie­run­gen Span­nung an das Gehäuse eines Geräts gelangt, soll der am Gehäuse des Geräts befes­tigte Schutz­lei­ter bewir­ken, dass die Siche­rung abschal­tet. Der Schutz­lei­ter muss dazu rich­tig geer­det sein und ist laufend von einer Elek­tro­fach­kraft auf seine Wirk­sam­keit zu prüfen.


Kasten A: Damit der Strom keine falschen Wege geht

Alle Arbei­ten und Repa­ra­tu­ren an elek­tri­schen Gerä­ten oder Anla­gen­tei­len (Leitun­gen, Steck­do­sen, Schal­ter) nur von einer Elek­tro­fach­kraft durch­füh­ren lassen. Nie impro­vi­sie­ren.

Ausnahme: Eine elek­tro­tech­nisch unter­wie­sene Person darf bestimmte wieder­keh­rende Arbei­ten wie Prüf‐ oder Mess­tä­tig­kei­ten an unter Span­nung stehen­den Teilen oder Auswech­seln von NH‐Sicherungen, die nicht gegen direk­tes Berüh­ren geschützt sind, unter Leitung und Aufsicht einer Elek­tro­fach­kraft durch­füh­ren.

  • Schalt­schränke geschlos­sen halten. Zugang nur durch Elek­tro­fach­kraft oder elek­tro­tech­nisch unter­wie­sene Person.
  • Auf Beschä­di­gun­gen an Leitun­gen (Isolie­rung), Steck­do­sen und Schal­tern achten und sofort repa­rie­ren lassen.
  • Die Elek­tro­in­stal­la­tion und alle Elek­tro­ge­räte regel­mä­ßig prüfen lassen. Elek­tri­sche Anla­gen und orts­feste Geräte alle vier Jahre, mobile Geräte alle sechs Monate.
  • Auch unbe­nutzte Elek­tro­in­stal­la­tio­nen (tote Leitun­gen oder Ähnli­ches) ohne ausrei­chen­den Isola­ti­ons­schutz entfer­nen lassen.
  • In feuch­ten Räumen und Berei­chen Fehler­strom­schutz­schal­ter (fi‐Schutzschalter, rcd) einset­zen und laufend auf Wirk­sam­keit prüfen lassen.
  • Reini­gungs­ar­bei­ten in elek­tri­schen Betriebs­räu­men nur durch eine elek­tro­tech­nisch unter­wie­sene Person durch­füh­ren lassen.

Ein Mitar­bei­ter gilt als elek­tro­tech­nisch unter­wie­sen, wenn er von einer Elek­tro­fach­kraft über die ihm über­tra­ge­nen Aufga­ben und die mögli­chen Gefah­ren bei unsach­ge­mä­ßem Verhal­ten unter­rich­tet und ange­lernt wurde.

Außer­dem muss er über die notwen­di­gen Schutz­maß­nah­men unter­wie­sen worden sein.

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