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Sichere Verkehrwege im Betrieb

Unfälle durch stol­pern, ausrut­schen und stür­zen

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Bei der Arbeit und in der Frei­zeit ereig­nen sich täglich Stolper‑, Rutsch- und Stur­zun­fälle. Dabei kommt es zu harm­lo­sen Verlet­zun­gen, aber auch zu schwe­ren und kompli­zier­ten Knochen­brü­chen und sogar zu Todes­fäl­len. Lesen Sie hier, wo die Unfall­ri­si­ken lauern und was Betriebe und Beschäf­tigte tun können, um solche Unfälle zu vermei­den.

An jedem Tag ereig­nen sich mehr als 400 Stolper‑, Rutsch- und Stur­zun­fälle (SRS-Unfälle) bei der Arbeit. Stol­pern, Rutschen und Stür­zen ist eine der häufigs­ten Ursa­chen für Arbeits­un­fälle in Deutsch­land. Rund jeder fünfte Unfall bei der Arbeit ist ein Stolper- Rutsch oder Stur­zun­fall!

In Zahlen ausge­drückt waren das im Jahr 2017 nach Anga­ben der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung bundes­weit 168.840 melde­pflich­tige Arbeits­un­fälle. Und: Die Ursa­chen sind viel­fäl­tig. Sie reichen von einer klei­nen Unacht­sam­keit bis hin zu gravie­ren­den Sicher­heits­män­geln. Die Statis­tik zeigt außer­dem, dass vermeint­lich kleine Ursa­chen manch­mal eine große Wirkung haben. In 3.025 Fällen erhiel­ten die betrof­fe­nen Verletz­ten eine Unfall­rente. Das bedeu­tet, die geschä­dig­ten Perso­nen erlit­ten eine Minde­rung der Erwerbs­fä­hig­keit von 20 Prozent oder mehr.

Typi­sche Verlet­zun­gen und Hergänge

Typi­sche Verlet­zungs­fol­gen von Stolper‑, Rutsch- und Stur­zun­fäl­len sind:

  • Verstau­chun­gen,
  • Zerrun­gen,
  • Zerrei­ßun­gen und
  • Frak­tu­ren.

Zu den am häufigs­ten betrof­fe­nen Körper­tei­len zählen die Füße, die Knie- und Sprung­ge­lenke sowie die Unter­schen­kel. Auch Hand­ver­let­zun­gen kommen bei Stur­zun­fäl­len oft vor, da die Hände beim Sturz reflex­ar­tig zum Abstüt­zen des Ober­kör­pers benutzt werden.

Quelle: Stolper‑, Rutsch- und Stur­zun­fälle, DGUV Unfall­sta­tis­tik, 2017

Darüber hinaus ereig­nen sich die genann­ten Unfälle nicht immer aus großen Höhen, wie man viel­leicht anneh­men würde. Statt­des­sen kommt es meis­tens beim Gehen und Laufen auf ebenen oder leicht geneig­ten Flächen zu Stur­zun­fäl­len (Böden, Fußbö­den, Verkehrs­be­rei­che etwa 44 Prozent – siehe Kasten Unfall­sta­tis­tik auf dieser Seite). Kleine Erhe­bun­gen oder Unre­gel­mä­ßig­kei­ten im Verkehrs­weg, zudem Fehl­ein­schät­zun­gen hinsicht­lich der Umgebungs- und Witte­rungs­be­din­gun­gen sowie Hektik bei der Arbeit begüns­ti­gen das Unfall­ri­siko. Daher sollte das Augen­merk auf einer siche­ren Arbeits­platz­ge­stal­tung und auf dem sicher­heits­ge­rech­ten Verhal­ten der Beschäf­tig­ten liegen.

Anfor­de­run­gen an Verkehrs­wege

Nach den Tech­ni­schen Regeln für Arbeits­stät­ten (ASR A1.8 – Verkehrs­wege) müssen Verkehrs­wege eine ebene und tritt­si­chere Ober­flä­che besit­zen. Einbau­ten wie Abde­ckun­gen, Roste oder Abläufe müssen bündig in den Verkehrs­weg inte­griert sein.

Verkehrs­wege im Freien, insbe­son­dere Zugänge zu Gebäu­den, Trep­pen und Lade­ram­pen soll­ten jeder­zeit ohne Sturz- und Rutsch­ge­fah­ren benutzt werden können. Natür­lich sind bei der Gestal­tung der betrieb­li­chen Außen­be­rei­che auch die zu erwar­ten­den Witte­rungs­ein­flüsse zu berück­sich­ti­gen. Eine Über­da­chung vor dem Eingang eines Gebäu­des, Wind­schutz­ein­rich­tun­gen oder ein gut orga­ni­sier­ter Winter­dienst gehö­ren eben­falls zu den betrieb­li­chen Schutz­maß­nah­men.

Ausgleichs­stu­fen inner­halb von Verkehrs­we­gen sind durch farb­li­che Markie­run­gen optisch hervor­zu­he­ben. Zeit­lich begrenzte Gefah­ren soll­ten außer­dem gekenn­zeich­net werden, beispiels­weise durch das Warn­zei­chen W011 „Warnung vor Rutsch­ge­fahr“. Dauer­hafte Farb­mar­kie­rung oder Markie­rungs­leuch­ten im Boden sorgen für eine eindeu­tige Abgren­zung des Fußgänger- und Fahr­zeug­ver­kehrs.

Trep­pen­stürze vermei­den

Etwa 30.000 Stolper‑, Rutsch- und Stur­zun­fälle ereig­nen sich jähr­lich auf Trep­pen. Damit nehmen Trep­pen­stürze die zweite Posi­tion bei den SRS-Unfällen ein (etwa 18 Prozent).

Trep­pen müssen deshalb so gebaut sein, dass sie sicher und leicht began­gen werden können. Das wird erreicht durch ausrei­chend große, ebene, rutsch­hem­mende, erkenn­bare und trag­fä­hige Auftritts­flä­chen in gleich­mä­ßi­gen, mit dem Schritt­maß über­ein­stim­men­den Abstän­den. Die Trep­pen­stu­fen soll­ten kontrast­reich und möglichst ohne störende Blen­dung ausge­leuch­tet sein. Trep­pen­hand­läufe bieten dem Benut­zer einen siche­ren Halt. Dazu ist eine ergo­no­mi­sche Gestal­tung des Hand­laufs notwen­dig. Die Enden der Hand­läufe müssen so ausge­führt sein, dass Beschäf­tigte daran nicht hängen blei­ben. Es darf keine Stol­per­stel­len auf Trep­pen, zum Beispiel durch hoch stehende Kanten­pro­file, geben.

Ausrei­chende Beleuch­tung schützt

Verkehrs­wege im Freien und in Gebäu­den müssen für die Dauer der Benut­zung ausrei­chend beleuch­tet sein. Von einer ausrei­chen­den Beleuch­tung kann ausge­gan­gen werden, wenn die Mindest­werte für die Beleuch­tungs­stärke gemäß der Tech­ni­schen Regel für Arbeits­stät­ten (ASR A3.4 – Beleuch­tung) einge­hal­ten werden. Die Beleuch­tungs­stärke lässt sich verhält­nis­mä­ßig einfach mit einem geeig­ne­ten Mess­ge­rät in der Einheit Lux (lx) messen. In der Regel besit­zen Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit ein solches Mess­ge­rät (Luxme­ter) und können den Arbeit­ge­ber fach­kun­dig bera­ten. Die gefor­der­ten Beleuch­tungs­stär­ken für einige ausge­wählte Arbeits­be­rei­che zeigt die Tabelle auf Seite 16.

Quelle: ASR A3.4 „Beleuch­tung“ (nur Auszug)

Was jeder Einzelne tun kann

Stolper‑, Rutsch- und Stur­zun­fälle ereig­nen sich nicht nur wegen Sicher­heits­de­fi­zi­ten am Arbeits­platz, sondern auch aufgrund des Fehl­ver­hal­tens von Perso­nen. Bei Stress, Hektik oder Müdig­keit ist der Unfall fast schon vorpro­gram­miert.

Um sicher­heits­ge­rech­tes Verhal­ten zu fördern, sind die Mitar­bei­ter vor Beginn ihrer Tätig­keit und danach in regel­mä­ßi­gen Zeit­ab­stän­den (mindes­tens jedoch jähr­lich) hinsicht­lich der betrieb­li­chen Verkehrs- und Verhal­tens­re­geln zu unter­wei­sen. Die Beschäf­tig­ten müssen die betrieb­li­chen Rege­lun­gen beach­ten. So müssen sie zum Beispiel störende Gegen­stände, Mate­ria­lien und Werk­zeuge aus dem Weg räumen und bauli­che Mängel dem Arbeit­ge­ber oder Vorge­setz­ten unver­züg­lich melden.

Ausge­lau­fene Stoffe wie Wasser, Öle oder Chemi­ka­lien bilden eine Rutsch­ge­fahr. Sie sind durch geeig­nete Reini­gungs­me­tho­den aufzu­neh­men und gege­be­nen­falls fach­ge­recht zu entsor­gen. Oft ist es sinn­voll, den Ursa­chen für Undich­tig­kei­ten und Lecka­gen näher auf den Grund zu gehen. Denn so lassen sich betrieb­li­che Abläufe sowie Arbeits­pro­zesse verbes­sern und das Auslau­fen von Stof­fen vermei­den.

Ganz wich­tig für jeden Beschäf­tig­ten: Tragen Sie stets das rich­tige Schuh­werk. Der rich­tige Arbeits­schuh ist eine wich­tige Voraus­set­zung für siche­res Stehen und Gehen. Ein flacher Absatz und eine grif­fige, rutsch­hem­mende Sohle sorgen für einen stabi­len Halt am Fuß. Außer­dem: Seien Sie ein gutes Vorbild! Benut­zen Sie konse­quent die vorhan­de­nen Hand­läufe. Sprin­gen Sie nicht von Anla­gen oder Fahr­zeu­gen herab. Bereits ein Sprung aus einem Meter Höhe belas­tet die Fußge­lenke um ein Viel­fa­ches des Körper­ge­wich­tes.

Weiter­füh­rende Infor­ma­tio­nen:

  • Statis­tik Arbeits­un­fall­ge­sche­hen 2017, Deut­sche Gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung (DGUV), Berlin, 2018
  • Tech­ni­sche Regeln für Arbeits­stät­ten (ASR A1.8 – Verkehrs­wege)
  • Tech­ni­schen Regeln für Arbeits­stät­ten (ASR A3.4 – Beleuch­tung)

Foto: Dägling

Autor: Markus Tisch­endorf
Aufsichts­per­son der BG Ener­gie Textil Elek­tro Medi­en­er­zeug­nisse
Präven­ti­ons­zen­trum Hamburg


Praxis-Tipps

  • Tragen Sie die rich­ti­gen Schuhe
  • Unter­schät­zen Sie Trep­pen und Stufen nicht
  • Besei­ti­gen Sie Stol­per­ur­sa­chen sofort
  • Achten Sie auf Ordnung und Sauber­keit
  • Gehen Sie stets acht­sam und bewusst
  • Machen Sie nicht mehrere Dinge gleich­zei­tig
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