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Eine Frage des Respekts

Schwie­rige Gesprä­che

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Ältere Mitarbeiter verfügen über viel Erfahrung und Wissen, das anerkannt und respektiert werden sollte. Foto: © nd3000 - stock.adobe.com
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„Das haben wir schon immer so gemacht“, ist ein belieb­ter Satz von älte­ren Mitar­bei­tern. Gegen so ein Totschlag­ar­gu­ment anzu­kom­men ist vor allem dann schwie­rig, wenn man als Sicher­heits­be­auf­trag­ter deut­lich jünger ist.

Bettina Brucker

Anfang des Jahres ist der lang­jäh­rige Sicher­heits­be­auf­tragte in Ruhe­stand gegan­gen. Ingo L. ist 38 Jahre alt und schon seit zehn Jahren im Betrieb. Er war bereit, die neu zu beset­zende Aufgabe zu über­neh­men. Doch die ersten Monate als Sicher­heits­be­auf­trag­ter waren kein „Zucker­schle­cken“. Vor allem die älte­ren Mitar­bei­ter – 40 Prozent der Beschäf­tig­ten im Unter­neh­men sind älter als 50 Jahre – woll­ten sich nichts von ihm sagen lassen. Und mit neuen Ideen stieß Ingo L. immer wieder auf Schwei­gen oder Ableh­nung. So hatte er sich das nicht vorge­stellt.

Im Gegen­satz zu seinem ruhi­gen und beson­ne­nen Vorgän­ger ist Ingo L. sport­lich und kommu­ni­ka­tiv. Er geht auf die Leute zu und sagt gerade heraus, was er denkt. Was er dabei manch­mal vergisst: Nicht jeder hat das glei­che Tempo wie er, nicht jeder inter­es­siert sich so für Sicher­heit und nicht jeder spru­delt seine Gedan­ken frei heraus.

Fragen und zuhö­ren ist das Wich­tigste

Nach­dem Ingo L. reich­lich frus­triert ist, trifft er sich mit seinem Vorgän­ger. Der Ruhe­ständ­ler lässt seinen jungen „Kolle­gen“ erst einmal erzäh­len. Und der hat vieles zu sagen. Nach einer Vier­tel­stunde unter­bricht der Ältere den Rede­fluss: „Stopp!“ Ingo L. schaut irri­tiert. „Du triffst dich doch mit mir, um von mir zu erfah­ren, was du anders machen kannst. Aber du hast bisher nur selbst gespro­chen und mich nichts gefragt. Damit kannst du schon direkt anfan­gen: Frage dein Gegen­über und höre zu. Das ist immer ein guter Anfang und auch eine gute Stra­te­gie für den weite­ren Verlauf eines Gesprächs.“

Ingo L. nimmt aus dem Gespräch mit, dass jeder wahr­ge­nom­men, gehört und wert­ge­schätzt werden will. Der junge Mitar­bei­ter, weil er etwas gelernt hat und rich­tig macht. Der ältere und erfah­rene Mitar­bei­ter, weil er sich einbringt und immer noch ein Vorbild ist.

Für einen jünge­ren Sicher­heits­be­auf­trag­ten gilt:

  • Suchen Sie das Gespräch mit den älte­ren Kolle­gen.
  • Nehmen Sie sich Zeit.
  • Hören Sie zu.
  • Seien Sie höflich.
  • Würdi­gen Sie Ideen und Vorschläge und nehmen Sie diese zunächst einfach nur an, ohne zu werten, zu korri­gie­ren oder es sofort besser zu wissen.
  • Betrach­ten Sie Kolle­gen indi­vi­du­ell. Fallen Sie nicht auf Schub­la­den­den­ken herein, nach dem Motto: „Der will sowieso nichts Neues mehr lernen.“
  • Seien Sie im Gespräch „echt“. Wer sich aufge­setzt verhält, wird schnell entlarvt, wo allem von lebens­er­fah­re­nen Kolle­gen. Und die vertrauen einem dann nicht mehr.
  • Fragen Sie, welche Sicher­heits­the­men für die älte­ren Kolle­gen wich­tig sind. Wenn Sie selbst deut­lich jünger sind, können und müssen Sie das nicht aus der eige­nen Erfah­rung heraus wissen.

Respekt­voll und höflich

Ein jünge­rer Sicher­heits­be­auf­trag­ter muss sich die Akzep­tanz von deut­lich älte­ren Arbeits­kol­le­gen zunächst einmal erar­bei­ten. Die Bestel­lung zum Sicher­heits­be­auf­trag­ten reicht da nicht aus. Grund­vor­aus­set­zung ist eine respekt­volle Haltung älte­ren Mitar­bei­tern gegen­über. Das bedeu­tet in erster Linie, dass der Jüngere die Erfah­rung, das Wissen und Können respek­tiert und aner­kennt. Und Ältere haben oft Spaß daran, Jünge­ren etwas zu erklä­ren. Im Ideal­fall kann Ingo L. das für sich nutzen. So kann er die älte­ren Kolle­gen als Erste befra­gen, wie sie über ein Thema denken. Weist er später dann darauf hin, dass er dazu vom erfah­re­nen Kolle­gen XY einen beson­de­ren Tipp bekom­men hat, stärkt das sein Anse­hen.

Vorteile und Erfah­rung des Alters

Natür­lich nehmen mit dem Alter die Leis­tungs­fä­hig­keit, aber auch zum Beispiel die Seh‐ und Hörfä­hig­keit ab. Aller­dings bei jedem in einem ande­ren Alter. So kann es durch­aus Mitar­bei­ter geben, die bis zuletzt „fit wie ein Turn­schuh“ sind. Laut einer aktu­el­len Studie des Deut­schen Insti­tuts für Alters­vor­sorge (DIA) und des Meinungs­for­schungs­in­sti­tuts Insa fühlen sich die Deut­schen im Durch­schnitt zehn Jahre jünger als sie sind. Und die meis­ten sehen erst über 70‐Jährige als alt an.

Beim Lernen spielt das Alter übri­gens weni­ger eine Rolle als die Moti­va­tion, das Inter­esse und der Einfluss von außen. Sugge­riert man älte­ren Mitar­bei­tern, dass sie im Alter weni­ger leis­tungs­fä­hig sind, dann sind sie das auch. Vermit­telt man ihnen jedoch, dass sie weiser sind und zum Beispiel Zusam­men­hänge besser erken­nen, dann wirkt sich das, wie Studien beschei­ni­gen, posi­tiv auf ihr Verhal­ten aus.

Trotz­dem nimmt die Moti­va­tion für Sicher­heits­schu­lun­gen mit dem Alter in der Regel ab, da ältere Mitar­bei­ter die gängi­gen Schu­lun­gen schon zigmal durch­lau­fen haben. Deshalb ist es wich­tig, immer wieder mit ande­ren Schwer­punk­ten, neuen Mate­ria­lien, unter­schied­li­chen Medien und vor allem mit prak­ti­schen Übun­gen auf Risi­ken und mögli­che Gefah­ren­quel­len hinzu­wei­sen. Eine Lösung kann es sein, erfah­rene Kolle­gen bei Schu­lun­gen als soge­nannte Co‐Dozenten einzu­set­zen.


Foto: privat

Autorin: Bettina Brucker

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