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Faire Arbeits­klei­dung

Ein sichtbarer Beitrag für Nachhaltigkeit
Faire Arbeits­klei­dung

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Faire Klei­dung wird nach­hal­tig herge­stellt und vertrie­ben. Dabei spie­len ökolo­gi­sche Aspekte zum Schutz der Umwelt und die Arbeits­be­din­gun­gen in den Ursprungs­län­dern eine Rolle. Ein wach­sen­des Ange­bot für fair produ­zierte Ware gibt es auch im Bereich Schutz­klei­dung.

Dein neues T‑Shirt ist echt cool. Aber was bedeu­tet das Zeichen am Ärmel?“, will Marco P. von seinem Kolle­gen wissen. „Fairtrade. Das bedeu­tet, dass das T‑Shirt unter fairen Bedin­gun­gen herge­stellt worden ist. Das ist mir wich­tig, ich will bei der Arbeit ja auch fair behan­delt werden. Und da ich mich privat für Umwelt­schutz einsetze, möchte ich, dass auch meine Klei­dung die Umwelt so wenig wie möglich belas­tet. Nun habe ich entdeckt, dass es auch faire Arbeits­klei­dung gibt.“

Dieser oder ein sinn­ge­mä­ßer Dialog ist grund­sätz­lich in jedem Betrieb denk­bar, denn immer mehr Anbie­ter setzen auf faire Klei­dung. Statt von „fair“ spricht man oft auch von „nach­hal­tig“. Damit soll ausge­drückt werden, dass etwas ökolo­gisch, ökono­misch und sozial korrekt ist. Produkte sind dann rundum nach­hal­tig, wenn sie in jedem Herstel­lungs­schritt die entspre­chen­den Bedin­gun­gen erfül­len.

Beim Faser­an­bau anset­zen

Bei einem T‑Shirt beginnt die Nach­hal­tig­keit beispiels­weise bereits beim Anbau der Baum­wolle. Denn schät­zungs­weise 77 Feld­ar­bei­ter ster­ben täglich welt­weit allein an den Folgen der Insektizid- und Pesti­zid­ein­sätze im konven­tio­nel­len Faser­an­bau, so die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion (WHO). Bei nach­hal­ti­ger Bio-Baumwolle stammt deshalb das Saat­gut aus kontrol­liert biolo­gi­schem Anbau und ist nicht genma­ni­pu­liert. Der Bauer verzich­tet auf Pesti­zide und Insek­ti­zide. Statt Kunst­dün­ger setzt er natür­li­che Dünge­mit­tel ein. Aber auch der soziale Aspekt spielt eine Rolle: Wird der Bauer für seine Arbeit ausrei­chend bezahlt? Und unter welchen Bedin­gun­gen arbei­ten die Ernte­hel­fer?

Nega­tiv auf die Gesund­heit der Menschen und die Umwelt wirken sich Schad­stoffe auch bei der Textil­her­stel­lung aus. Das Gesund­heits­ri­siko für die Beschäf­tig­ten in den Fabri­ken ist sehr hoch, da es in den Nied­rig­lohn­län­dern meist keine Arbeits­schutz­maß­nah­men gibt. Zudem wird hier noch immer mit Chlor gebleicht und mit Azofarb­stof­fen gefärbt. Diese schwer­me­tall­hal­ti­gen Farb­stoffe stehen im Verdacht, Haut­krebs auszu­lö­sen. In Europa sind sie deshalb verbo­ten.

Weißt du, dass auch wir in Deutsch­land durch Schad­stoffe aus der Textil­her­stel­lung gefähr­det sind?“, fragt der Kollege. „In der Regel blei­ben bis zu 15 Prozent der chemi­schen Mittel in der Klei­dung hängen. Beim Waschen gelan­gen sie ins Abwas­ser und verun­rei­ni­gen die Flüsse. Und durch schad­stoff­be­las­tete Beklei­dung kommt es immer wieder zu Kontaktall­er­gien. Allein in Deutsch­land werden jähr­lich rund 4.000 Fälle regis­triert.“

Nach­hal­tig blei­chen und färben

Besser für die Umwelt sowie für die Gesund­heit der Beschäf­tig­ten und Verbrau­cher ist es, wenn Bleich­mit­tel auf Sauer­stoff­ba­sis verwen­det werden. Das Färben und Drucken sollte mit schad­stoff­freien Farb­stof­fen, zum Beispiel auf Wasser­ba­sis, und ohne Weich­ma­cher erfol­gen. Selbst bei der Verpa­ckung spielt die ökolo­gi­sche Nach­hal­tig­keit eine Rolle. Der Verzicht auf Plas­tik­fo­lie gehört zum Beispiel dazu. Außer­dem soll­ten die Trans­port­wege möglichst kurz gehal­ten und umwelt­scho­nend gestal­tet werden.

Verfüh­re­ri­sche Billig­an­ge­bote

Das größte Problem bei der Nach­hal­tig­keit ist aller­dings der stetig stei­gende Konsum. In Deutsch­land kostet ein Klei­dungs­stück oft nur ein paar Euro. Die Billig­an­ge­bote verfüh­ren dazu, dass jeder Bundes­bür­ger im Schnitt 15 Kilo Klei­der pro Jahr kauft, was 23 Jeans und 140 T‑Shirts entspricht. Außer­dem wirft jeder rund 9 Kilo Klei­dungs­stü­cke weg, so die Anga­ben vom gemein­nüt­zi­gen Verein Femnet aus dem Jahr 2016.

Eine große Belas­tung für die Umwelt, wie ein Beispiel zeigt: Für die Herstel­lung von einem Kilo Baum­wolle – ob konven­tio­nell herge­stellt oder unter „Bio-Bedingungen“ – braucht es 11.000 Liter Wasser, in Indien wegen der klima­ti­schen Bedin­gun­gen sogar mehr als 23.000 Liter, so die Verei­ni­gung Deut­scher Gewäs­ser­schutz e.V. in ihrem Ratge­ber „Virtu­el­les Wasser“.

Auf Quali­tät achten

Der Konsum steigt auch, wenn Klei­dung minder­wer­tig ist. Denn dann muss öfter neue gekauft werden. Deshalb sollte man auch bei der Arbeits­klei­dung darauf achten, dass sie von robus­ter Quali­tät ist, und sorg­sam damit umge­hen. Wäsche oder Reini­gung soll­ten mit ökolo­gisch unbe­denk­li­chen Mitteln erfol­gen. Sind Klei­dungs­stü­cke unmo­dern oder nicht mehr trag­bar, müssen sie nicht gleich wegge­wor­fen werden. Inzwi­schen werden aus gebrauch­ter Klei­dung von Feuer­wehr und Müll­wer­kern oder aus Poli­zei­uni­for­men zum Beispiel Taschen herge­stellt. So eine Weiter­ver­wer­tung spart Ener­gie, Ressour­cen und Abfall.

Mangel­haf­ter Arbeits­schutz

80 Prozent der Arbei­ten­den in Textil­fa­bri­ken sind Frauen. Armut, geringe Bildung und mangelnde Alter­na­ti­ven sind die Haupt­gründe, warum viele junge Frauen in Billig­lohn­län­dern einen Arbeits­platz in der Textil­in­dus­trie suchen. Sie träu­men von einer guten Bezah­lung, einer Unter­kunft, drei Mahl­zei­ten am Tag sowie weite­ren Sozi­al­leis­tun­gen. In der Fabrik müssen die Frauen aber oft sieben Tage die Woche, meist länger als zehn Stun­den pro Tag, arbei­ten. Selbst Zwölf-Stunden-Schichten sind nicht unge­wöhn­lich. Hinzu kommt, dass die Arbei­te­rin­nen oft keine Pausen machen dürfen und keinen Urlaub­an­spruch haben. Kaum eine der Frauen besitzt einen Arbeits­ver­trag. Die Lohn­aus­zah­lung erfolgt unre­gel­mä­ßig und nicht selten wird falsch abge­rech­net. Kran­ken­ver­si­che­rung oder Mutter­schutz gibt es nicht. Dafür sind Diskri­mi­nie­rung, Beschimp­fun­gen, Demü­ti­gun­gen und sexu­elle Nöti­gun­gen an der Tages­ord­nung. Außer­dem gibt es in vielen Fabri­ken Sicher­heits­män­gel. Arbeits- und Gesund­heits­schutz spie­len keine Rolle. Wer sich beschwert, wird entlas­sen.

Merk­male fairer Arbeits­klei­dung

Klei­dung, die unter fairen Arbeits­be­din­gun­gen herge­stellt wurde, zeich­net sich unter ande­rem dadurch aus, dass

  • die Textil­ar­bei­ter einen exis­tenz­si­chern­den Lohn und
  • soziale Leis­tun­gen erhal­ten,
  • Arbeits- und Gesund­heits­schutz­maß­nah­men einge­hal­ten werden,
  • die Herstel­lungs­pro­zesse der Mate­ria­lien trans­pa­rent sind und dass
  • keine Kinder­ar­beit erlaubt ist.

Siegel: Garan­ten für Nach­hal­tig­keit

Bio“, „öko“ und „fair“ sind keine geschütz­ten Begriffe in der Textil­in­dus­trie. Sie werden auch von Firmen benutzt, die ihre Produkte nach­hal­ti­ger darstel­len wollen, als sie wirk­lich sind. Wer sich beim Einkauf unsi­cher ist, sollte auf Güte­sie­gel achten. Sie geben Aufschluss darüber, ob und welche Stan­dards bei der Textil­her­stel­lung einge­hal­ten wurden. Hier eine Auswahl an Nach­hal­tig­keits­stan­dards und ‑siegeln:

  • Natur­tex­til IVN zerti­fi­ziert Best: Siegel des Inter­na­tio­na­len Verbands der Natur­tex­til­wirt­schaft e. V. (IVN),
  • GOTS (Global Orga­nic Textile Stan­dard): Siegel der Global Stan­dards gemein­nüt­zige GmbH,
  • EU Ecola­bels, Siegel der Euro­päi­schen Kommis­sion,
  • FAIRTRADE Cotton, Siegel­in­ha­ber ist der Dach­ver­band FLO e. V. (Fairtrade Label­ling Orga­ni­za­ti­ons Inter­na­tio­nal),
  • Fair Wear Foun­da­tion (FWF), Siegel der gleich­na­mi­gen nieder­län­di­schen Stif­tung.

Ange­bot an fairer Schutz­klei­dung

Heute reicht die Palette an funk­tio­na­ler Berufs­klei­dung vom kosten­güns­ti­gen weißen Baumwoll-T-Shirt für die medizinisch-technische Assis­ten­tin bis hin zur robus­ten Hose für den Bauar­bei­ter oder der teuren Spezi­al­klei­dung der Feuer­wehr­leute. So tragen die Mitar­bei­ter der Dort­mun­der Feuer­wehr, des Zoos, einer Kinder­ta­ges­stätte und des Tief­bau­am­tes beispiels­weise seit 2016 Arbeits­klei­dung aus nach­hal­tig ange­bau­ter Baum­wolle. Schutz­klei­dung muss dabei beson­de­ren Anfor­de­run­gen gerecht werden. Wenn sie unter dem Aspekt der Nach­hal­tig­keit und der Recy­cling­fä­hig­keit herge­stellt wird, bedeu­tet das eine große Heraus­for­de­rung.


Foto: privat

Autorin: Bettina Brucker

Fach­jour­na­lis­tin


Weiter­füh­rende Infor­ma­tio­nen

Mehr Infor­ma­tio­nen zum Thema Nach­hal­tig­keit finden Sie unter ande­rem …

  • auf dem Inter­net­por­tal Kompass Nach­hal­tig­keit unter
    www.kompass-nachhaltigkeit.de
  • im Praxis-Leitfaden „Sozi­al­ge­rech­ter Einkauf – Jetzt!“: Die Broschüre ist im PDF-Format oder als Druck­ex­em­plar über den Projekt­part­ner der Stadt Dort­mund, die Christ­li­che Initia­tive Romero e.V. (CIR), bezieh­bar unter
    www.ci-romero.de
  • bei Siegel­klar­heit, einer Initia­tive der Bundes­re­gie­rung unter
    www.siegelklarheit.de

Initia­ti­ven für mehr Nach­hal­tig­keit

  • UN Global Compact: Frei­wil­lige Initia­tive, die sich für die Einhal­tung globa­ler Nach­hal­tig­keits­prin­zi­pien einsetzt und Ziele der UN unter­stützt.
  • BSCI: Initia­tive inter­na­tio­na­ler Unter­neh­men zur Verbes­se­rung sozia­ler Stan­dards in der Liefer­kette.
  • OEKO-TEX®-Standard 100: Produkte aller Verar­bei­tungs­stu­fen werden entlang der texti­len Wert­schöp­fungs­kette auf gesund­heit­li­che Unbe­denk­lich­keit geprüft, Betriebs­stät­ten auf sozial- und umwelt­ver­träg­li­che Produk­ti­ons­be­din­gun­gen.
  • STeP-zertifiziert: STeP (Sustainable Textile Produc­tion) ist ein unab­hän­gi­ges Zertifizierungs-System für Textil­un­ter­neh­men. Die Betriebs­stät­ten werden in den Berei­chen Chemikalien- und Umwelt­ma­nage­ment, Arbeits­si­cher­heit, soziale Verant­wor­tung und Quali­täts­ma­nage­ment analy­siert, zerti­fi­ziert und entspre­chend opti­miert.
  • Bünd­nis für nach­hal­tige Texti­lien: Das Bünd­nis für nach­hal­tige Texti­lien ist eine Part­ner­schaft von rund 130 Unter­neh­men, Verbän­den, Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen, Gewerk­schaf­ten und Stan­dard­or­ga­ni­sa­tio­nen sowie der deut­schen Bundes­re­gie­rung. Es setzt sich für Verbes­se­run­gen entlang der globa­len Wert­schöp­fungs­ket­ten in der Textil­in­dus­trie ein.
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