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Party im Betrieb

Feste feiern – aber sicher!

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Ob Firmen­ju­bi­läum oder Weih­nachts­feier – gesel­li­ges Beisam­men­sein ist in deut­schen Unter­neh­men durch­aus beliebt. Bei der Planung und Durch­füh­rung sollte man einige Punkte beach­ten, damit das Fest sicher über die Bühne geht.

Bettina Brucker

Große Unter­neh­men verfü­gen oft über Versamm­lungs­räume. Und ihre Veran­stal­tun­gen lassen sie meist über profes­sio­nelle Agen­tu­ren vorbe­rei­ten und durch­füh­ren. In klei­ne­ren Betrie­ben werden Veran­stal­tun­gen dage­gen gerne auch einmal impro­vi­siert. Dabei kann man schnell in eine recht­li­che Grau­zone gera­ten. Damit das Jubi­lä­ums­fest oder die Weih­nachts­feier reibungs­los über die Bühne gehen kann, empfiehlt es sich deshalb immer, ein Sicher­heits­kon­zept zu erstel­len.

Dafür ist zunächst einmal jede Veran­stal­tung neu zu bewer­ten. Krite­rien sind unter ande­rem:

  • Ort und Lage,
  • Zahl der Besu­cher,
  • Infra­struk­tur wie Park­plätze oder Erreich­bar­keit durch öffent­li­che Verkehrs­mit­tel,
  • Wetter und Umwelt,
  • Dauer, und gege­be­nen­falls
  • Darbie­tun­gen.

Ein Beispiel zeigt, wie außer­ge­wöhn­lich Betriebs­fei­ern sein können: Der Farben­her­stel­ler Bril­lux feierte 2014 über drei Tage und mit rund 43.000 Gästen sein 125-jähriges Firmen­ju­bi­läum auf einem alten Kaser­nen­ge­lände. Bereits zwei Wochen vorher hatte es an glei­cher Stelle für die 5.000 Mitar­bei­ter ein Fest gege­ben, mode­riert von Nazan Eckes und mit einem Auftritt von Helene Fischer.

So verschie­den Veran­stal­tun­gen sein können, so unter­schied­lich wird das Sicher­heits­kon­zept sein. Doch an folgende Punkte sollte man immer denken:

  • Flucht- und Rettungs­wege,
  • Beleuch­tung,
  • Brand­schutz­maß­nah­men sowie
  • mögli­che Störun­gen und Krisen­fälle.

Geneh­mi­gun­gen einho­len und
Unter­stüt­zung anfor­dern

Außer­dem können auch

  • ein Sani­täts­dienst,
  • der Einsatz von einem Sicher­heits­dienst,
  • ein Bereit­schafts­dienst der Feuer­wehr oder
  • die Abstim­mung mit Behör­den

notwen­dig sein, wie das folgende Beispiel zeigt.

Beim Stadt­fest ist ein Luft­bal­lon­weit­flug­wett­be­werb geplant. Die Besu­cher des Festes können dafür ihre Namen und Adresse auf eine Karte schrei­ben und an einem gasge­füll­ten Luft­bal­lon befes­ti­gen. Punkt 12 Uhr sollen alle Ballons losge­las­sen werden. Da in der Nähe ein Flug­platz ist und mehr als 500 Ballons auf die Reise geschickt werden, muss für diese Aktion mit einem Vorlauf von mindes­tens zwei Wochen eine schrift­li­che oder tele­fo­ni­sche Frei­gabe bei der Deut­sche Flug­si­che­rung (DFS) einge­holt werden.

In erster Linie sind jedoch kommu­nale Stel­len Ansprech­part­ner für behörd­li­che Prüfun­gen und Geneh­mi­gun­gen. So kann zum Beispiel eine Sonder­ge­neh­mi­gung bei der Bauord­nungs­be­hörde einge­holt werden, wenn eine Veran­stal­tung in ansons­ten anders genutz­ten Räumen, wie zum Beispiel Werk- oder Lager­räu­men, statt­fin­den soll. Denn streng genom­men liegt dann eine „Umnut­zung“ der Räume vor.

Und das Ordnungs­amt kann unter ande­rem wegen einer Schank­ge­neh­mi­gung, der Orga­ni­sa­tion der Ersten Hilfe und des Brand­schut­zes ange­spro­chen werden. Auskünfte zu hygie­ni­schen Anfor­de­run­gen wie etwa Beleh­run­gen nach § 43 Infek­ti­ons­schutz­ge­setz (IfSG) erteilt das Gesund­heits­amt.

Und noch ein Hinweis: Handelt es sich bei einem Betriebs­fest um eine „öffent­li­che“ Feier, kann die Musik GEMA-gebührenpflichtig sein.

Auch beim Feiern gilt die
Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung

Gene­rell sind bei einer Feier im Betrieb zunächst die Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung (ArbStättVO) und das Arbeits­schutz­ge­setz (ArbSchG) zu berück­sich­ti­gen. Bei großen Veran­stal­tun­gen kommen noch die Regeln der Versamm­lungs­stät­ten­ver­ord­nung (VStättVO) hinzu. Außer­dem sind berufs­ge­nos­sen­schaft­li­che Vorschrif­ten zu beach­ten. Als wich­tigste Regel­werke zählen unter ande­rem die DGUV-Vorschriften „Grund­sätze der Präven­tion“, „Elek­tri­sche Anla­gen und Betriebs­mit­tel“, „Wach- und Siche­rungs­dienst“ sowie der VBG-Leitfaden „Sicher­heit bei Veran­stal­tun­gen und Produk­tio­nen“. Werden größere Zelte oder eine große Bühne aufge­baut, ist die Richt­li­nie über den Bau und Betrieb flie­gen­der Bauten (FlBauR) anzu­wen­den.

Grund­lage für das Sicher­heits­kon­zept kann eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung nach §§ 5 und 6 Arbeits­schutz­ge­setz (ArbSchG) sein, mit der die mögli­chen Gefähr­dun­gen unter Berück­sich­ti­gung der voraus­sicht­li­chen Besu­cher ermit­telt werden. Anschlie­ßend lässt sich fest­le­gen, welche Sicher­heits­maß­nah­men getrof­fen werden müssen. Ziel des Konzep­tes sollte es sein, die höchs­ten Sicher­heits­maß­nah­men umzu­set­zen, um alle mögli­chen Gefah­ren zu redu­zie­ren. Obers­tes Schutz­ziel ist die Unver­sehrt­heit von Leib und Leben von Mitar­bei­tern und even­tu­ell Besu­chern. Der Schutz von Sach­wer­ten steht an zwei­ter Stelle und wird deshalb oft vernach­läs­sigt. Doch das kann unnö­tige Kosten und Ärger zur Folge haben.

Soll in einer Arbeits­stätte eine Betriebs­feier statt­fin­den, sind für die Beschäf­tig­ten weiter­hin die Bestim­mun­gen der Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung (ArbStättV ) einzu­hal­ten und die Arbeits­stät­ten­re­geln zu beach­ten. Laut der ArbStättV hat der Arbeit­ge­ber Vorkeh­run­gen zu tref­fen, damit sich Beschäf­tigte bei Gefahr unver­züg­lich in Sicher­heit brin­gen und schnell geret­tet werden können.

An den Flucht­weg denken

Dies gilt auch für Feiern im Betrieb. Von jeder Stelle eines Raumes muss inner­halb einer Flucht­weg­länge von 35 m ein gesi­cher­ter Bereich, also ein ande­rer Brand­ab­schnitt oder ein Trep­pen­raum, zu errei­chen sein. Die Mindest­breite der Flucht­wege muss einge­hal­ten werden. Sie beträgt zum Beispiel 1,20 m bei bis zu 200 Perso­nen. Außer­dem müssen sich alle Türen im Verlauf des Flucht­we­ges leicht von innen und ohne beson­dere Hilfs­mit­tel öffnen lassen. Auf keinen Fall dürfen Flucht­tü­ren zuge­stellt oder hinter Deko­ra­tio­nen versteckt oder zum Schutz vor unbe­fug­tem Zutritt gar abge­schlos­sen werden. Auch im Außen­be­reich müssen Flucht­wege frei und sicher zu bege­hen sein. Da es keine konkrete Vorgabe für die Anord­nung von Bänken und Tischen gibt, empfiehlt es sich einen Bestuh­lungs­plan zu erstel­len. Maße und Abstände für Tisch- und Stuhl­rei­hen können der Versamm­lungs­stät­ten­ver­ord­nung entnom­men werden. Stuhl­rei­hen müssen übri­gens grund­sätz­lich gekop­pelt sein, damit im Flucht­fall nicht einzelne umge­sto­ßene Stühle den Weg versper­ren.

Die Verkehrs­si­che­rungs­pflicht gilt

Für die Beschäf­tig­ten, aber auch für die Besu­cher hat der Betrei­ber der Arbeits­stätte bei einem Fest auf dem Betriebs­ge­lände die Verkehrs­si­che­rungs­pflicht. Gemeint ist die Pflicht zur Siche­rung von Gefah­ren­quel­len. Da die Verhält­nisse vom Normal­be­trieb abwei­chen, müssen hier oft beson­dere Punkte beach­tet werden. Denn nach § 823 BGB „Scha­den­er­satz­pflicht“ ist der Betrei­ber eines Unter­neh­mens grund­sätz­lich für Schä­den haft­bar, die etwa ein Kunde oder Besu­cher auf dem Betriebs­ge­lände durch seine Schuld erlei­det. Bei einer Veran­stal­tung sollte deshalb unter ande­rem Folgen­des über­prüft werden:

  • Sind die Verkehrs­wege eben, breit genug und – im Freien – ausrei­chend tritt­si­cher?
  • Sind die Verkehrs­wege für Fahr­zeuge und Fußgän­ger möglichst getrennt?
  • Sind Betriebs­be­rei­che oder Anla­gen, die Unbe­fugte nicht betre­ten dürfen, ausrei­chend gesi­chert?
  • Gehen von den Veran­stal­tungs­an­ge­bo­ten keine unan­ge­mes­se­nen Risi­ken aus?

Bier bei der Betriebs­feier – das geht?

Ja, warum nicht“, sagt Dipl.-Sozialpädagoge Joachim Blank vom Baden-Württembergischen Landes­ver­band für Präven­tion und Reha­bi­li­ta­tion gGmbH (bwlv). „Es ist abso­lut statt­haft, bei Feier­lich­kei­ten auch Alko­hol anzu­bie­ten. Logi­scher­weise darf aber keine Betriebs­feier als Sauf­ge­lage enden.“ Wer an einer Betriebs­feier teil­nimmt, ist für seinen Alko­hol­kon­sum selbst verant­wort­lich. Der Arbeit­ge­ber muss nicht damit rech­nen, dass das Ange­bot von kosten­lo­sen alko­ho­li­schen Geträn­ken dazu genutzt wird, sich zu betrin­ken. „Natür­lich“, so Blank, „muss darauf geach­tet werden, dass alle gut und sicher nach Hause kommen, wenn bei einer betrieb­li­chen Veran­stal­tung Alko­hol ange­bo­ten wurde. Denn der Arbeit­ge­ber ist für die Wege­si­cher­heit verant­wort­lich – ob bei Dienst- oder Heim­fahr­ten.“

Lite­ra­tur­hin­weis:
Weitere Infor­ma­tio­nen und Tipps stehen unter ande­rem:

- in der Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung (ArbStättVO)

- im Leit­fa­den „Sicher­heit bei Veran­stal­tun­gen und Produk­tio­nen“ der VBG

- in den Tech­ni­schen Regeln für Arbeits­stät­ten (ASR A2.3) „Flucht­wege und Notaus­gänge, Flucht- und Rettungs­plan“

- in der Muster-Versammlungsstättenverordnung (MVStättVO) der Fach­kom­mis­sion Bauauf­sicht der Baumi­nis­ter­kon­fe­renz


Versi­chert beim Betriebs­fest

Es ist schon nach Mitter­nacht, als die letz­ten vier Betriebs­an­ge­hö­ri­gen die Feier verlas­sen. Offi­zi­ell war bereits um 23 Uhr Schluss und der Chef ist um diese Zeit auch nach Hause gegan­gen. Die Vier beschlie­ßen noch zu einer Imbiss­bude zu fahren, bevor Frede­rik G. jeden vor der eige­nen Haus­tür abset­zen will. Unter­wegs kommt es jedoch zu einem Verkehrs­un­fall. Einer der vier Männer wird dabei so schwer verletzt, dass er zukünf­tig nicht mehr voll arbei­ten kann. Wie sieht es in diesem Beispiel mit dem Versi­che­rungs­schutz aus?

Teil­neh­mer einer Betriebs­feier stehen in der Regel unter dem gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rungs­schutz. Dabei gibt es aber einige Punkte zu beach­ten.

  • Eine Betriebs­feier ist eine Feier, die von der Unter­neh­mens­lei­tung orga­ni­siert, geför­dert oder zumin­dest gebil­ligt wurde. Kenn­zei­chen dafür sind zum Beispiel, dass das Unter­neh­men die Kosten trägt oder dass die Teil­neh­mer für die Feier von der Arbeit frei­ge­stellt sind.
  • Außer­dem muss die Feier im Unter­neh­mens­in­ter­esse liegen und betrieb­li­chen Zwecken dienen, also beispiels­weise das Zusam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl der Mitar­bei­ter fördern.
  • Zur Feier müssen alle Beschäf­tig­ten einge­la­den sein und daran teil­neh­men dürfen.

Ist das Fest betrieb­lich orga­ni­siert und vom Vorge­setz­ten gebil­ligt, sind die feiern­den Mitar­bei­ter versi­chert, wenn etwas passiert.

  • Das gilt auch für den direk­ten Hin- und Rück­weg
  • sowie für die gesamte Dauer der Betriebs­ver­an­stal­tung. Diese kann im Rahmen eines Betriebs­aus­flugs auch mehrere Tage umfas­sen.
  • Helfer sind bereits beim Auf- und auch noch beim Abbau der Festi­vi­tät
    versi­chert.
  • Außer­dem sind alle Akti­vi­tä­ten versi­chert, die im Rahmen der Veran­stal­tung statt­fin­den.

Unter dem Schutz der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung stehen bei einer Veran­stal­tung auf dem eige­nen Betriebs­ge­lände die Perso­nen, die norma­ler­weise als Beschäf­tigte in einem versi­che­rungs­pflich­ti­gen Arbeits­ver­hält­nis in
diesem Betrieb tätig sind. Anwe­sende Kunden, soweit sie im Rahmen eines versi­che­rungs­pflich­ti­gen Arbeits­ver­hält­nis­ses teil­neh­men, sind über ihre
eigene Berufs­ge­nos­sen­schaft (BG) versi­chert. Private Kunden, mitfei­ernde Fami­li­en­an­ge­hö­rige oder Gäste haben dage­gen keinen gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rungs­schutz.

Versi­che­rungs­tech­nisch schwie­rig können unter ande­rem folgende Situa­tio­nen werden:

  • Ist in der Einla­dung ein Veran­stal­tungs­schluss ange­ge­ben und ist dieser über­schrit­ten, sieht es mit dem gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rungs­schutz brenz­lig aus.
  • Auch wenn der Chef oder sein Vertre­ter die Feier schon verlas­sen haben, kann sie aus versi­che­rungs­tech­ni­scher Sicht als been­det gelten.

Im Beispiel oben trifft beides zu: Es ist mehr als eine Stunde nach offi­zi­el­lem Veran­stal­tungs­ende und der Chef ist bereits gegan­gen. Der Versi­che­rungs­schutz ist also nicht mehr gewähr­leis­tet. Außer­dem gilt:

  • Umwege beim Hin- und Rück­weg, vor allem für private Ange­le­gen­hei­ten, unter­bre­chen den Versi­che­rungs­schutz. Nur für Fahr­ge­mein­schaf­ten ist es zuläs­sig, einen Umweg zu wählen.

Im Beispiel der Firmen­feier durfte Frede­rik G. zwar einen Umweg fahren, um die Kolle­gen nach Hause zu brin­gen, doch der Umweg zur Imbiss­bude ist eine private Ange­le­gen­heit, womit der Versi­che­rungs­schutz wegfällt!

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