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Wissen im Betrieb halten

Geht ein erfah­re­ner Sibe von Bord …

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Wenn ein erfah­re­ner Sicher­heits­be­auf­trag­ter den Betrieb verlässt und in den Ruhe­stand geht, nimmt er gleich­zei­tig sehr viel Erfah­rungs­wis­sen mit. Wie kann dieses Wissen dem Betrieb erhal­ten blei­ben? Eine Lösung ist, den Wissens­trans­fer früh­zei­tig zu orga­ni­sie­ren.

Sicher­heits­be­auf­trag­ten kommt aufgrund ihrer Orts‑, Fach- und Sach­kennt­nis die Aufgabe zu, in ihrem Arbeits­be­reich Unfall- und Gesund­heits­ge­fah­ren zu erken­nen und adäquat darauf zu reagie­ren. Sie beob­ach­ten, ob die vorge­schrie­be­nen Schutz­vor­rich­tun­gen und ‑ausrüs­tun­gen vorhan­den sind und benutzt werden. Sie sind, ohne dafür fest­ge­schrie­be­nen Zeit­auf­wand, auf ihrer jewei­li­gen Arbeits­ebene unter­stüt­zend sowie ehren­amt­lich tätig und treten gegen­über den Beschäf­tig­ten als Multi­pli­ka­to­ren auf. Sicher­heits­be­auf­tragte wirken durch ihre Präsenz und ihre Vorbild­funk­tion auf sicher­heits­ge­rech­tes Verhal­ten der Beschäf­tig­ten hin. Gemein­sam ist allen Sicher­heits­be­auf­trag­ten ihre perma­nente Präsenz vor Ort sowie die unmit­tel­bare Einbin­dung in ihre Arbeits­be­rei­che und Arbeits­ab­läufe. Sie kennen ihre Kolle­gin­nen und Kolle­gen und besit­zen ein Grund­la­gen­wis­sen zum Thema Arbeits­schutz (DGUV-Information 211–042).

Wissen und Wissens­ar­ten

Erfolg sowie Miss­erfolg vieler Tätig­kei­ten in Betrie­ben hängen häufig vom Wissen der Beschäf­tig­ten ab. Sowohl nicht mitge­teil­tes als auch nicht doku­men­tier­tes Know-how kann für das Unter­neh­men den Verlust von Quali­tät und Kompe­tenz bedeu­ten. Laut dem Schwei­zer Ökonom Gilbert Probst umfasst Wissen „… die Gesamt­heit der Kennt­nisse und Fähig­kei­ten, die Indi­vi­duen zur Lösung von Proble­men einset­zen. Dies umfasst sowohl theo­re­ti­sche Kennt­nisse als auch prak­ti­sche Alltags­re­geln und Hand­lungs­an­wei­sun­gen.“

Mithilfe von Wissens­ma­nage­ment kann der Wissens- und Erfah­rungs­ver­lust mini­miert werden. Wissens­ma­nage­ment beschäf­tigt sich mit dem Erwerb, der Entwick­lung, dem Trans­fer, der Spei­che­rung sowie der Nutzung von Wissen. Wissens­ma­nage­ment ist weit mehr als Infor­ma­ti­ons­ma­nage­ment, wie beispiels­weise Emanuel Beer­heide und Olaf Katen­kamp in ihrem Beitrag zum Buch „Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment 2.0“ darle­gen. Viel­mehr geht es darum, eine Orga­ni­sa­ti­ons­kul­tur zu schaf­fen, in der Wissens­trans­fer sowohl veran­kert ist als auch geför­dert wird.

Ein Groß­teil des vorhan­de­nen Wissens eines Sicher­heits­be­auf­tra­gen ist soge­nann­tes impli­zi­tes oder perso­nen­ge­bun­de­nes Wissen: Man weiß sehr gut, wie etwas geht, kann es aber nur schwer erklä­ren oder aufschrei­ben (Beispiel: Fahr­rad­fah­ren). Impli­zi­tes Wissen ist zum einen Fach­wis­sen, das ange­wen­det wird, und zum ande­ren Prozess­wis­sen über die Durch­füh­rung der Aufga­ben. Dieses Wissen ist teil­weise unbe­wusst erwor­ben und vorhan­den, aus Hand­lun­gen und Erfah­run­gen entstan­den, oft durch Wieder­ho­len zur Gewohn­heit gewor­den und schlecht zwischen Perso­nen austausch­bar.

Soge­nann­tes expli­zi­tes Wissen ist dage­gen rela­tiv einfach verbal zu kommu­ni­zie­ren und kann daher leich­ter darge­stellt, doku­men­tiert und über­tra­gen oder geteilt werden (Beispiel: Inhalte einer Betriebs­an­wei­sung).

Orga­ni­sa­tion des betrieb­li­chen Wissens­trans­fers

Für die Tätig­keit der Sicher­heits­be­auf­trag­ten stellt das Fach­wis­sen über den Arbeits­schutz neben Sozial- und Metho­den­kom­pe­tenz einen klei­nen, aber wich­ti­gen Anteil dar. Es empfiehlt sich, dieses Wissen im Regel­fall weitest­ge­hend durch ein oder mehrere Semi­nare der Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger zu trans­por­tie­ren. Die Semi­nare sind ein effi­zi­en­ter Weg, um Aktua­li­tät zu gewähr­leis­ten.

Um das Wissen über inner­be­trieb­li­che Rege­lun­gen im Arbeits­schutz oder Infor­ma­tio­nen zur Unter­neh­mens­po­li­tik bezüg­lich des Arbeits­schut­zes zu vermit­teln, ist es zum einen notwen­dig, alle rele­van­ten Doku­mente und Ordner in einer syste­ma­ti­schen Form aufzu­be­rei­ten und zur Verfü­gung zu stel­len. Damit sind sowohl unter­neh­mens­po­li­ti­sche Doku­mente wie Betriebs­ver­ein­ba­run­gen oder Leit­li­nien zur Sicher­heit und Gesund­heit gemeint als auch Mate­ria­lien, die der erfah­rene Sibe im Laufe seiner Tätig­keit gesam­melt hat – so beispiels­weise zu spezi­el­len Projek­ten, an denen er mitge­wirkt hat.

Darüber hinaus ist es für den Wissens­trans­fer sehr rele­vant, Infor­ma­tio­nen zu besuch­ten Semi­na­ren aufzu­be­rei­ten und zu über­ge­ben (zum Beispiel: Welche Semi­nare wurden besucht? Waren die Semi­nare für die Sibe-Tätigkeit sinn­voll? Sollte man die Semi­nare unbe­dingt vor Beginn der Tätig­keit als Sibe besu­chen?)

Für einen Wissens­trans­fer des perso­nen­ge­bun­de­nen Wissens von „altem“ Sibe zu „neuem“ Sibe ist ein Erfah­rungs­aus­tausch von wesent­li­cher Bedeu­tung. Dabei soll­ten zum Beispiel folgende sieben Fragen bespro­chen werden:

  • Wo liegt im Betrieb/in der Abteilung/in der Meis­te­rei der Tätig­keits­schwer­punkt eines Sibe?
  • Welche Tätig­kei­ten sind das im Einzel­nen?
  • Welche Hemm­nisse (perso­nell, orga­ni­sa­to­risch) sind zu über­win­den, wer sind die akti­ven Unter­stüt­zer des Sibe?
  • Wo findet sich im Inter­net geeig­nete Unter­stüt­zung (Lite­ra­tur, Check­lis­ten, Formu­lare…) für die Tätig­keit des Sibe?
  • Wie inte­griert der Sibe seine Tätig­keit sinn­voll in seinen eigent­li­chen Job?
  • Was hat die Tätig­keit als Sibe erfolg­reich gemacht?
  • Wo liegen die betrieb­li­chen Fett­näpf­chen?

Blick auf die Schnitt­stel­len

Schließ­lich ist die Betrach­tung der Schnitt­stel­len von wesent­li­cher Bedeu­tung beim Wissens­trans­fer. Wer sind die ande­ren Sibe? Wie ist die Aufga­ben­tei­lung? In welchen Situa­tio­nen findet die Abstim­mung mit der Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit und dem Betriebs­arzt statt? Es ist zu empfeh­len, dass die Fach­kraft in den Über­ga­be­pro­zess eng einbe­zo­gen wird oder ihn gege­be­nen­falls sogar steu­ert.

Etwas kompli­zier­ter, aber beson­ders wich­tig ist der Wissens­trans­fer in klei­ne­ren Betrie­ben und in Betrie­ben mit exter­ner Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit. Hier entfällt meist nicht nur die Fach­kraft als mögli­cher Orga­ni­sa­tor des Trans­fers, häufig ist auch das Tätig­keits­spek­trum sowie die Anzahl der Zusatz­auf­ga­ben des Sibe größer und damit der mögli­che Wissens­trans­fer umfang­rei­cher.

Die Vorteile, den Wissens­trans­fer der Sibe syste­ma­tisch zu orga­ni­sie­ren und zu insti­tu­tio­na­li­sie­ren, liegen auf der Hand. Neben der Doku­men­ta­tion, die dabei auto­ma­tisch entsteht und, neben­bei bemerkt, auch hilf­reich ist, wenn ein Sibe uner­war­tet für längere Zeit ausfällt, hat man den wert­vol­len Erfah­rungs­schatz für den Betrieb bewahrt. Der „alte“ Sibe erfährt aufgrund des Wissens­trans­fers eine hohe Wert­schät­zung seiner Arbeit, und der „neue“ Sibe kann auf die Erfah­run­gen seines Vorgän­gers zurück­grei­fen. Das spart nicht nur Zeit und Geld, sondern Wissens­trans­fer …

  • macht Infor­ma­tio­nen schnell und einfach auffind­bar;
  • schafft einen gemein­sa­men Wissens­stand;
  • moti­viert und zeigt Wert­schät­zung der Beschäf­tig­ten;
  • ermög­licht trans­pa­ren­tes, ziel­ori­en­tier­tes Arbei­ten;
  • dient der effek­ti­ven Aufga­ben­wahr­neh­mung und redu­ziert Arbeits­be­las­tung;
  • verrin­gert die Beschäf­ti­gung mit uner­heb­li­chen Infor­ma­tio­nen (Redun­dan­zen) und erleich­tert Arbeits­pro­zesse;
  • unter­stützt die Kompe­tenz­ent­wick­lung und Quali­fi­ka­tion der Beschäf­tig­ten.
Das Schau­bild zeigt die verschie­de­nen Wissens­ar­ten und Möglich­kei­ten zu ihrer Weiter­gabe.
Grafik: Kuntzemann/Wetzstein

Autoren:
Foto: BGHM

Gerhard Kunt­ze­mann BGHM

Foto: IAG

Dr. Anne­kat­rin Wetz­stein DGUV/IAG


Weiter­füh­rende Lite­ra­tur

  • Im Stan­dard­werk „Wissen mana­gen. Wie Unter­neh­men ihre wert­vollste Ressource opti­mal nutzen“ zeigt das Autoren­team Gilbert Probst, Stef­fen Raub und Kai Romhardt anhand von Fall­bei­spie­len, wie der Einsatz von Wissen den Vorsprung von Spit­zen­un­ter­neh­men sichert.
  • Emanuel Beer­heide und Olaf Katen­kamp unter­strei­chen im Beitrag: „Wissens­ar­beit im Inno­va­ti­ons­pro­zess“ den hohen Stel­len­wert des Wissens­ma­nage­ments für die Zukunfts­fä­hig­keit von Unter­neh­men (erschie­nen 2011 bei Gabler)
  • Die Aufga­ben der Sicher­heits­be­auf­trag­ten werden in der DGUV Vorschrift 1, Para­graf 20 und in der DGUV Regel 100–001, 4.2 näher beschrie­ben. Einzel­hei­ten finden Sie auch in der aktu­el­len DGUV Infor­ma­tion 211–042 „Sicher­heits­be­auf­tragte“. Die Schrif­ten und weitere Infor­ma­tio­nen gibt es unter: www.bghm.de (Webcode 611)

Fünf Tipps für den betrieb­li­chen Wissens­trans­fer

  • Erfas­sen Sie Ihre Aufga­ben syste­ma­tisch und ordnen Sie aktu­elle Projekte.
  • Brin­gen Sie sämt­li­che Doku­mente und Kontakte in die glei­che Syste­ma­tik.
  • Führen Sie ein ausführ­li­ches Gespräch mit Ihrer Nach­fol­ge­rin oder Ihrem Nach­fol­ger. Geben Sie ihr/ihm Tipps und erläu­tern Sie Beson­der­hei­ten sowie Erfolgs- oder Miss­erfolgs­ge­schich­ten.
  • Schla­gen Sie eine Über­ga­be­zeit vor, in der die Aufga­ben von „neuem“ und „altem“ Sibe gemein­sam erle­digt werden können.
  • Weisen Sie Ihre Nachfolgerin/Ihren Nach­fol­ger auf die aktu­el­len Semi­nare Ihres Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gers zur Quali­fi­zie­rung hin.
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