Inka Schumacher. Nach-gefragt -
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Nach-gefragt

Inka Schu­ma­cher

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Foto: Zoo Safaripark Stukenbrock
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Im Zoo Safa­ri­park Stuken­brock zählen Raub­kat­zen zu den Besu­cher­ma­gne­ten: Vor allem die weißen Löwen und Tiger werden bestaunt und bewun­dert. Doch so schön sie auch sind – Raub­kat­zen sind keine Schmu­se­tiere. Im Umgang mit ihnen sind beson­dere Sicher­heits­vor­keh­run­gen notwen­dig. Wie man sich bei Löwen, Tigern und Co. Respekt verschafft, weiß Inka Schu­ma­cher: Einem frei­lau­fen­den Löwen möchte die Raub­tier­pfle­ge­rin aber dennoch nicht begeg­nen.

Frau Schu­ma­cher, von der Begeg­nung mit wilden Tieren geht für viele Menschen eine große Faszi­na­tion aus. Ist der Beruf der Raub­tier­pfle­ge­rin tatsäch­lich so aufre­gend, wie er sich anhört? Haben Sie eine persön­li­che Bezie­hung zu den Tieren?

Natür­lich habe ich eine persön­li­che Bezie­hung zu jedem einzel­nen Tier. Jede der Raub­kat­zen ist beson­ders und hat einen ganz eige­nen Charak­ter. Das ist zum Beispiel ein Teil der Faszi­na­tion, die ich jeden Tag aufs Neue erlebe. Und das Wissen um die indi­vi­du­el­len Eigen­schaf­ten des Tieres ist unver­zicht­bar, wenn man täglich mit ihnen umgeht. Man kann auch sagen: Ich kenne meine Tiere, so wie man sich in der Fami­lie kennt. Und ja, es ist immer noch – auch nach mehr als 20 Jahren – „beson­ders“ für mich, mit Löwen, Tigern und Gepar­den zu arbei­ten. Allein deshalb, weil eben kein Tag wie der andere ist. Natür­lich gibt es auch in meinem Beruf feste Abläufe und Routi­nen, aber ich habe mit Lebe­we­sen zu tun, auf die ich mich jeden Tag neu einstel­len muss.

Kann diesen Beruf jeder ausüben bezie­hungs­weise erler­nen oder gehö­ren bestimmte Fähig­kei­ten oder Eigen­schaf­ten dazu – etwa Gewis­sen­haf­tig­keit und ein souve­rä­ner Auftritt?

Nun, erler­nen muss man den Beruf des Tier­pfle­gers schon. Eine drei­jäh­rige Ausbil­dung und eine Abschluss­prü­fung sind da Voraus­set­zung. Hier wird Grund­wis­sen vermit­telt, das unver­zicht­bar ist. Die Liebe zu den Tieren, die Bereit­schaft, sich auf sie einzu­las­sen, sind Voraus­set­zun­gen, die ich für unver­zicht­bar halte. Gewis­sen­haf­tig­keit und abso­lute Zuver­läs­sig­keit sind gerade im Umgang mit Wild­tie­ren wich­tig.

Es gibt natür­lich Sicher­heits­kon­zepte in unse­rem Zoo, die konse­quent einge­hal­ten werden müssen, um Mensch und Tier nicht zu gefähr­den. Wenn Sie einem 250 Kilo­gramm schwe­ren Löwen­mann klar­ma­chen wollen, dass er jetzt vom Frei­ge­hege ins Haus gehen soll, ist Souve­rä­ni­tät durch­aus ange­bracht. Sie dürfen sich nicht von ihm beein­dru­cken lassen. Er spürt sofort, wenn sie knei­fen! Angst ist aller­dings ein schlech­ter Ratge­ber. Gegen­sei­ti­ger Respekt ist wich­tig. Und den muss ich mir auch als Mensch verdie­nen.

Welche Sicher­heits­vor­keh­run­gen sind bei der Raub­tier­pflege beson­ders wich­tig? Wie nah sind Sie den Raub­tie­ren dabei schon gekom­men?

Oh, ich habe sowohl Löwen als auch Tiger schon auf dem Arm gehabt, mit ihnen geku­schelt. Das waren dann aller­dings Welpen, die von ihren Müttern nicht ange­nom­men wurden und mit der Hand aufge­zo­gen werden muss­ten. Mit den heran­wach­sen­den oder ausge­wach­se­nen Raub­tie­ren spre­che ich auch und auch sie bekom­men Fleisch­stück­chen aus der Hand und Strei­chel­ein­hei­ten, wenn sie möch­ten. Aber: Es ist immer ein Gitter dazwi­schen! Alles andere wäre grob fahr­läs­sig. Denn so brav sie auch sein können: Es sind und blei­ben Raub­tiere.

Eine Ausnahme bildete hier nur unser Gepard Monty: Er kam aus Tsche­chien und war dort ein ausge­bil­de­ter Jagd­ge­pard. Von daher kannte er den Kontakt mit Menschen und war es gewohnt, seine „Beloh­nung“ von einem Holz­löf­fel zu fres­sen. Zur Einge­wöh­nung bei uns haben wir dies zunächst beibe­hal­ten und so kam es zu der Aufnahme oben. Monty war die einzige erwach­sene Raub­katze, bei der dieser Kontakt möglich war. Inzwi­schen wird er – wie die ande­ren Tiere auch – aber „hands off“ gehal­ten.

Gibt es Verhal­tens­re­geln für den Fall, dass Sie doch einmal verse­hent­lich einem Raub­tier ins Gehege kommen soll­ten – im wahrs­ten Wort­sinn?

Wir kommen unse­ren Löwen und Tigern täglich ins Gehege, denn im Zoo

Safa­ri­park leben diese Tiere in riesi­gen Frei­ge­he­gen, die wir – und unsere Besu­cher – mit dem Auto befah­ren. Die Besu­cher müssen auf dem Sträß­chen blei­ben. Ich als Tier­pfle­ge­rin nicht. Die Tiere kennen mein Auto ganz genau, und sie wissen auch, dass ich drin sitze. Wir haben eine Abma­chung: Sie respek­tie­ren mein Auto, und ich respek­tiere ihre Frei­räume und ihr Revier.

Ich möchte mir nicht vorstel­len, plötz­lich ohne Auto oder im Haus ohne Gitter einem ausge­wach­se­nen Raub­tier gegen­über­zu­ste­hen. Ich denke, da helfen Regeln dann auch nicht weiter und der Versuch, wegzu­lau­fen, wäre voll­kom­men sinn­los.


Steck­brief

  • gebo­ren 1976 in Osna­brück
  • Beruf: Tier­in­spek­to­rin im Zoo Safa­ri­park Stuken­brock
  • Verant­wort­li­che für alle rund 50 Raub­kat­zen, darun­ter Löwen (über­wie­gend weiße Löwen), weiße Tiger und Gepar­den
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