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Kleine Details – große Wirkung

Absturz­si­che­rung: Neue Anfor­de­run­gen an die Produkt­ent­wick­lung

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Beschäf­tigte erwar­ten von ihrer Persön­li­chen Schutz­aus­rüs­tung (PSA) längst mehr als zuver­läs­si­gen Schutz. Ihre zusätz­li­chen Wünsche an Ergo­no­mie, Design und Trage­kom­fort beein­flus­sen die Entwick­lung und Produk­tion der PSA – auch im Bereich der Absturz­si­che­rung. Wie Herstel­ler mit dieser Heraus­for­de­rung umge­hen, zeigt folgen­des Beispiel aus der Produkt­ent­wick­lung: Das Fami­li­en­un­ter­neh­men Skylo­tec hat unlängst inten­siv an Höhen­si­che­rungs­ge­rä­ten gear­bei­tet.

Über­all dort, wo Arbei­ten in der Höhe durch­ge­führt werden, müssen sich Beschäf­tigte jeder­zeit gegen einen mögli­cher­weise tödli­chen Sturz in die Tiefe sichern.

Das Tragen von Persön­li­cher Schutz­aus­rüs­tung gegen Absturz (PSAgA) ist inso­fern unver­zicht­bar und auch gesetz­lich klar gere­gelt. Wenn beispiels­weise Arbei­ten zur Instand­hal­tung in der Indus­trie oder auf einer Baustelle anste­hen, kommen häufig Höhen­si­che­rungs­ge­räte zum Einsatz. Diese können sowohl über Kopf als auch hori­zon­tal instal­liert werden und dienen als Verbin­dungs­mit­tel zwischen Auffang­gurt und Anschlag­punkt.

Kommt es bei Höhen­ar­bei­ten zu einem Absturz, wird durch einen Flieh­kraft­me­cha­nis­mus eine Bremse akti­viert, die den Sturz zuver­läs­sig abfängt.

Mindest­vor­aus­set­zung Schutz

Wer PSAgA verwen­det, setzt diese Schutz­funk­tion voraus. Bei Höhen­si­che­rungs­ge­rä­ten ist sie gege­ben, wenn sie nach EN 360 zerti­fi­ziert sind. Diese Norm ist auch für Herstel­ler von Absturz­si­che­run­gen maßgeb­lich. Sie ist die Mindest­an­for­de­rung, die ein Produkt erfül­len muss. Doch damit nicht genug: „Inner­halb des Sicher­heits­ge­dan­kens arbei­ten wir stets daran, Absturz­si­che­rung bei Krite­rien wie Komfort und Design weiter­zu­ent­wi­ckeln“, sagt Raphael Jahn von Skylo­tec. Er ist bei dem Fami­li­en­un­ter­neh­men Projekt­lei­ter in der Produkt­ent­wick­lung – und beschäf­tigt sich auch mit den verän­der­ten Ansprü­chen der Anwen­der.

Denn bei der Suche nach passen­der PSA zählt für Beschäf­tigte längst mehr als Sicher­heit – sie legen auch gestei­ger­ten Wert auf Ergo­no­mie, Trage­kom­fort und ein anspre­chen­des Design. „Die Trage­ak­zep­tanz von PSA ist beson­ders hoch, wenn sie die Arbeits­ab­läufe kaum beein­träch­tigt und darüber hinaus einfach zu hand­ha­ben ist“, weiß Raphael Jahn aus Erfah­rung. In punkto Unfall­prä­ven­tion kommt es zudem darauf an, dass die PSAgA einfach anzu­wen­den ist. Das bele­gen Statis­ti­ken der Unfall­ver­si­che­run­gen: Häufig ist die Ursa­che für einen Arbeits­un­fall nicht, dass Betrof­fene ihre PSAgA gar nicht tragen. Knack­punkt ist viel­mehr, dass diese falsch verwen­det wurde.

Farb­in­di­ka­to­ren erhö­hen Sicher­heit

Wenn Raphael Jahn und seine Kolle­gen Lösun­gen zur Absturz­si­che­rung entwi­ckeln, haben sie also vieles im Blick. Dabei tauschen sie sich stets mit Anwen­dern und den Kolle­gen aus dem Verti­cal Rescue College aus. In dem Trai­nings­zen­trum führen Instruk­teure regel­mä­ßig Schu­lun­gen zur Absturz­si­che­rung durch und erfah­ren von den Teil­neh­mern, mit welchen Proble­men sie bei der Anwen­dung zu kämp­fen haben. „Über einen länge­ren Zeit­raum erhal­ten wir dadurch ein klares Bild davon, welche Erwar­tun­gen Anwen­der an ein Produkt haben und welche Details opti­miert werden soll­ten“, sagt Raphael Jahn.

So stellte sich beispiels­weise heraus, dass Anwen­der bei bisher verfüg­ba­ren Höhen­si­che­rungs­ge­rä­ten nur per Sicht­kon­trolle an einem Kara­bi­ner ermes­sen konn­ten, ob ein Gerät noch funk­ti­ons­fä­hig ist. Um eine verläss­li­che Aussage über den Zustand der Bremse zu erhal­ten, musste das Gerät durch einen Sach­kun­di­gen für PSAgA geöff­net und über­prüft werden. Über­dies bemän­gel­ten Anwen­der, dass die Geräte aufgrund ihrer äuße­ren Form­ge­bung nur schwer zu lagern seien.

Dies waren beispiel­hafte Impulse, die bei der Entwick­lung des Höhen­si­che­rungs­ge­rä­tes „Raptor“ eine entschei­dende Rolle spiel­ten. Die Lösung für Problem Nummer eins besteht in zwei Fall­in­di­ka­to­ren – einem am Kara­bi­ner und einem im Gehäuse, der von außen sicht­bar ist. Beide Indi­ka­to­ren zeigen mit klarer Farb­sym­bo­lik an, ob das Höhen­si­che­rungs­ge­rät noch einsetz­bar ist oder über­prüft werden muss. Anwen­der können dies vor jeder Nutzung nun ganz einfach per Sicht­kon­trolle an den Farben leicht erken­nen. Ein deut­li­cher Vorteil, wie Raphael Jahn erklärt: „Diese einfa­che Funk­ti­ons­kon­trolle von außen schützt den Anwen­der vor verse­hent­li­cher Nutzung eines nicht intak­ten Gerä­tes.“

Schutz vor vorzei­ti­gem Verschleiß

Um den Grund­an­for­de­run­gen nach­zu­kom­men und Produkte mit langem Lebens­zy­klus herzu­stel­len, legt das Fami­li­en­un­ter­neh­men aus Neuwied zudem viel Wert auf Quali­täts­kon­trol­len. So gehö­ren Quali­täts­prü­fung und -siche­rung nach den Stan­dards der ISO 9001 sowie Kontrol­len durch unab­hän­gige Insti­tute zum Stan­dard. Hinzu kommt die regel­mä­ßige Prüfung der Mate­ria­lien. So wird etwa kontrol­liert, ob einzelne Bauteile bei der Anlie­fe­rung korrekt verar­bei­tet sind. „Wenn etwa die Legie­rung von Edel­stahl kleinste Fehler aufweist, kann das gravie­rende Folgen haben, weil das Mate­rial unter Belas­tung ganz anders reagiert und mögli­cher­weise bricht“, sagt Raphael Jahn. Zudem wird ein Salz­sprüh­test durch­ge­führt. Das ist ein stan­dar­di­sier­tes Verfah­ren, um die Korro­si­ons­schutz­wir­kung von einem Mate­rial oder dessen Beschich­tung zu prüfen.

Quali­täts­kon­trol­len wie diese sind notwen­dig, damit die Produkte zum einen schüt­zen und zum ande­ren lange verwen­det werden können. Das gilt auch für das Höhen­si­che­rungs­ge­rät „Raptor“. „Im Test haben wir das Gerät Einflüs­sen ausge­setzt, die bei der Anwen­dung auftre­ten können“, erklärt Raphael Jahn. So wurde etwa Beton­staub auf das Gurt­band gestreut, der beim Einzug ins Innere des Gerä­tes gelangte. Auf diese Weise lassen sich auch für die Mate­ri­al­aus­wahl wich­tige Erkennt­nisse gewin­nen.

Opti­mierte Halt­bar­keit

Bei bereits bestehen­den Lösun­gen wird zudem geprüft, welche Bauteile nach länge­rer Anwen­dung eher zu Verschleiß neigen oder korro­die­ren. „Das hilft uns dabei, die Produkte in ihrer Halt­bar­keit weiter zu opti­mie­ren“, sagt Raphael Jahn. In dem Zusam­men­hang verfügt das „Raptor“ über ein beson­de­res Detail: Die Produkt­kenn­zeich­nung ist geschützt auf einem Aufkle­ber im Inne­ren ange­bracht, der von außen gut sicht­bar ist. So kann diese nicht verlo­ren gehen oder zerkrat­zen und damit unles­bar werden. Über­dies werden Seri­en­num­mer, Herstell­mo­nat und -jahr sowie der Data‐Matrix‐Code auf einen inne­ren Bügel gelasert. Wird das Gehäuse zerstört oder kommt gar abhan­den, lässt sich das Gerät so immer noch iden­ti­fi­zie­ren.

Modu­la­rer Aufbau

Bei der Frage nach der Lang­le­big­keit von PSA sind durch­dachte Lösun­gen wie diese aber nicht alles. „Bei Absturz­si­che­rung müssen wir zudem mitden­ken, dass diese Produkte laut Gesetz­ge­ber mindes­tens einmal jähr­lich einer Revi­sion unter­zo­gen werden müssen“, sagt Raphael Jahn. „Wenn diese Arbei­ten möglichst effi­zi­ent durch­ge­führt werden können, lässt sich damit Zeit und Geld sparen. Das ist ein großes Plus.“ Ein Detail, das bei der Entwick­lung und Produk­tion der neuen Höhen­si­che­rungs­ge­räte eben­falls berück­sich­tigt wurde: So kann ein defek­tes Gerät dank des modu­la­ren Aufbaus einfach instand­ge­setzt werden, indem fehler­hafte Elemente durch einen Sach­kun­di­gen für PSAgA ausge­tauscht werden. Zusätz­li­cher Vorteil: Das beson­dere, eckige Gerä­te­de­sign macht es möglich, die Höhen­si­che­rungs­ge­räte auch seit­lich zu lagern oder ganz einfach zu stapeln.

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