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Nachhaltigkeit bei Persönlicher Schutzausrüstung - Angaben zu Verantwortung und Nachhaltigkeit

Interview zu Trends, Zertifikaten und Auswahlkriterien
Nach­hal­tig­keit bei Persön­li­cher Schutz­aus­rüs­tung

Nachhaltigkeit Persönlicher Schutzausrüstung wird wichtiger
Matthias Goost Foto: Bierbaum Proenen
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Der allge­meine Trend hin zu mehr Nach­hal­tig­keit macht auch vor dem Arbeits­schutz nicht halt – vor allem im Bereich der Persön­li­chen Schutz­aus­rüs­tun­gen (PSA). Wir spra­chen über das Thema mit Matthias Goost, der mit seinem Bruder Harald Goost und dem gemein­sa­men Unter­neh­men Bierbaum-Proenen (BP) bereits im Jahr 2010 erste Anstren­gun­gen in diese Rich­tung unter­nahm. Der Kölner Herstel­ler kann damit als einer der Vorrei­ter gelten.

Das Inter­view führte Michael Köhms­tedt

Herr Goost, wenn Sie Einkäu­fer für PSA wären und nach­hal­tige Produkte suchen würden, wie würden Sie vorge­hen?

Ich würde zuerst auf die Inter­net­sei­ten der Herstel­ler gehen und mir dort die Anga­ben zu Verant­wor­tung und Nach­hal­tig­keit durch­le­sen und auf mich wirken lassen. So kriege ich meis­tens schon ein ganz gutes Gefühl für die Glaub­wür­dig­keit. Konkret stellt sich dann die Frage: Verfolgt der Herstel­ler das Thema nur, weil seine Kunden es so wollen, oder steht er wirk­lich dahin­ter? Um dies heraus­zu­fin­den, suche ich nach konkre­ten Anhalts­punk­ten und danach, ob der Herstel­ler die für die Nach­hal­tig­keit kriti­schen Wert­schöp­fungs­stu­fen Nähen – also Konfek­tion, Färben – also Chemie, und Fasern im Auge hat und welche Nach­hal­tig­keits­kri­te­rien er hier im Einzel­nen anbie­tet.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Bei der Konfek­tion beispiels­weise geht es um soziale Nach­hal­tig­keit. Hier arbei­ten viele Herstel­ler mit Initia­ti­ven zusam­men (siehe Kasten), die in den Schwel­len­län­dern, wo ein Groß­teil der Klei­dung genäht wird, die Arbeits­be­din­gun­gen begut­ach­ten und die Produk­ti­ons­be­triebe entspre­chend audi­tie­ren. Um diese Initia­ti­ven wiederum besser einschät­zen zu können, soll­ten Einkäu­fer abklä­ren, ob es sich um eine private oder eine Multi-Stakeholder-Initiative handelt, an denen mehrere Inter­es­sen­grup­pen betei­ligt sind. Letz­tere besit­zen immer ein klei­nes Plus an Glaub­wür­dig­keit. Im Ideal­fall sind dann NGOs (Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tion)
mit dabei, ganz wich­tige Player in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung des Themas Nach­hal­tig­keit und Garan­ten für die Serio­si­tät eines Zerti­fi­kats. Betrach­tet man den ökolo­gisch sensi­blen Prozess Färben und Ausrüs­ten von Gewe­ben, sieht das noch etwas anders aus.

Warum das?

Das Thema Nach­hal­tig­keit ist hier im Bereich der PSA noch im Kommen. Das ökolo­gisch orien­tierte Label Blue­sign gibt es seit langem, ist aber vorwie­gend bei Sport- und Outdoor­be­klei­dung anzu­tref­fen. STeP ist ein weite­res, aber noch junges Label, das soziale und ökolo­gi­sche Aspekte berück­sich­tigt und nun versucht seinen Platz zu finden. BP lässt 60 Prozent seiner Gewebe in der EU färben und ausrüs­ten. Hier gehen wir von hohen Stan­dards aus. Unser Ziel ist es aber, 2020 80 Prozent der Gewebe aus Bluesign- oder STeP-zertifizierten Betrie­ben zu bezie­hen.

Wie sieht die Situa­tion bei Fasern aus?

Beim Thema Fasern ist die Baum­wolle ein ganz sensi­bler Punkt, aus sozia­ler und ökolo­gi­scher Sicht. Baum­wolle spielt bei PSA zwar nicht immer eine domi­nie­rende Rolle, ist aber meis­tens vorhan­den. Hier gibt es einige Siegel wie Cotton made in Africa oder Fairtrade (siehe Kasten), die sich um soziale und ökolo­gi­sche Aspekte kümmern. Bei BP wird derzeit zehn Prozent der Baum­wolle gemäß Fairtrade-Bedingungen einge­kauft. Diesen Anteil wollen wir erhö­hen. Neus­ter Trend im Faser­be­reich ist übri­gens die Verwen­dung
recy­cel­ten Poly­es­ters. Auf der A+A im Okto­ber werden wir eine entspre­chende Kollek­tion vorstel­len.

Gibt es Erfolge hinsicht­lich Nach­hal­tig­keit, auf die Sie beson­ders stolz sind?

Seit 2010 sind wir Mitglied bei der Fair Wear Foun­da­tion, einer Multi-Stakeholder-Initiative zur Förde­rung fairer Arbeits­be­din­gun­gen in der Konfek­tion. Unsere Nähbe­triebe und unsere inter­nen Prozesse werden regel­mä­ßig über­wacht. Die Ergeb­nisse dieser Prüfung werden von der Fair Wear Foun­da­tion jähr­lich im Rahmen des Brand Perfor­mance Checks im Inter­net veröf­fent­licht. Wer sich also über Nach­hal­tig­keit in unse­rer Konfek­tion infor­mie­ren will, kann dies hier ausgie­big tun. Im Rahmen dieses Brand Perfor­mance Checks sind wir drei­mal in Folge mit dem Status „Leader“ ausge­zeich­net worden, Unter­neh­men dieser Kate­go­rie begeg­nen den Heraus­for­de­run­gen der Fair Wear Foun­da­tion außer­ge­wöhn­lich gut. Wir sind uns bewusst, dass dieser Status jedes Jahr neu erar­bei­tet werden muss, insbe­son­dere bei der Hinzu­nahme neuer Ferti­gungs­stel­len.

Wie kam es eigent­lich dazu, dass Sie 2010 diesen Weg einschlu­gen?

Wenn man wie mein Bruder und ich Beklei­dungs­un­ter­neh­mer ist, wird man oft gefragt, wie man es mit der Umwelt und den Arbeits­be­din­gun­gen hält.
Wir haben dann immer argu­men­tiert, dass wir mit seriö­sen Unter­neh­men zusam­men­ar­bei­ten und die Bedin­gun­gen vor Ort meis­tens gut kennen. Aber wir merk­ten auch: Zwei­fel blie­ben – auch im Freun­des­kreis. Obwohl BP damals schon ganz gut aufge­stellt war, haben wir uns entschlos­sen mehr zu machen. Das war der Anstoß, der uns schließ­lich am 1. Juli 2010 zur Fair Wear Foun­da­tion führte. Am Anfang haben das gar nicht so viele Kunden bemerkt; die posi­tivste Reso­nanz kam eher von uner­war­te­ter Seite: Unsere Mitar­bei­ter freu­ten sich und waren nun noch stol­zer für BP zu arbei­ten. Nach­hal­tig­keit wirkt also nicht nur nach außen, sondern auch nach Innen als Moti­va­tor.

Und ganz privat – wie gehen Sie mit Nach­hal­tig­keit um?

Ich greife zu Marken, zu denen ich Vertrauen habe. Ich infor­miere mich natür­lich vorher, ähnlich wie der zuvor beschrie­bene Einkäu­fer. Dann entwi­ckelt sich bei mir ein Gefühl für die Marke, ein Gespür – ja, man könnte sagen: Nach­hal­tig­keit muss ich einfach spüren. Es gibt viele Herstel­ler, die nach­hal­tig handeln, dies aber gar nicht so sehr an die große Glocke hängen. Manch­mal kenne ich auch die Köpfe hinter der Marke, zum Teil auch aus der Zusam­men­ar­beit mit den Initia­ti­ven heraus, und kann so die Glaub­wür­dig­keit einschät­zen. Und ich finde meis­tens etwas, was mir gefällt; Einbu­ßen bei der Optik muss man nicht in Kauf nehmen, wenn man sich für nach­hal­tige Produkte entschei­det, die Auswahl ist hier mitt­ler­weile groß.

Vielen Dank für das Gespräch.


Zerti­fi­kate

  • www.siegelklarheit.de: Orien­tie­rungs­hilfe des Bundes­mi­nis­te­ri­ums für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit
    und Entwick­lung
  • Wear­Fair – Ein Wegwei­ser durch den Label-Dschungel bei Texti­lien“, Publi­ka­tion der Christ­li­chen Initia­tive
    Romero (CIR), zu finden unter www.ci-romero.de/gruenemode-siegel
  • www.bluesign.com: Blue­sign – ökolo­gisch orien­tier­tes Siegel für den Bereich Färben und Ausrüs­ten
  • www.oeko-tex.com: STeP – ökolo­gisch und sozial orien­tier­tes Siegel für Konfek­tion, Färben und Ausrüs­ten
  • www.fairwear.org: Fair Wear Foun­da­tion (FWF) – sozial orien­tier­tes Label für die Konfek­tio­nie­rung
  • www.fairtrade-deutschland.de: Fairtrade Baumwoll-Programm – ökolo­gisch und sozial orien­tier­tes Siegel
    für Baum­wolle
  • www.cottonmadeinafrica.org: Cotton made in Africa (CmiA) – ökolo­gisch und sozial orien­tier­tes Siegel für
    Baum­wolle
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