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Wichtige Ressource für Sicherheitsbeauftragte

Mit Humor ist vieles leich­ter

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Weist der Sicher­heits­be­auf­tragte auf siche­res Verhal­ten am Arbeits­platz hin, fühlen sich manche Kolle­gen bevor­mun­det. Da kann Humor helfen, um nicht als „Ober­leh­rer“ ange­se­hen zu werden. Natür­lich kommt es auf die Person und die Situa­tion an. Wie Sie Humor wirkungs­voll einset­zen, beschreibt Autorin und Trai­ne­rin Dr. Renate Mayer.

Karl‐Heinz und Martin arbei­ten schon seit zwölf Jahren zusam­men in der Schlos­se­rei eines Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens. Seit kurzem ist Martin auch Sicher­heits­be­auf­trag­ter. Das Amt hat er über­nom­men, als der bishe­rige Sibe in Rente ging. Martin war auch schon auf Schu­lung bei der BG. Karl‐Heinz hat die drei Tage Abwe­sen­heit als „Urlaub“ belä­chelt und meinte, Martin habe wohl zu viel Zeit, wenn noch welche übrig wäre, um das Ehren­amt des Sicher­heits­be­auf­trag­ten wahr­zu­neh­men. Aus Karl‐Heinz‘ Sicht – ihm ist noch nie was passiert in all den Jahren – ist jeder selbst für seine Sicher­heit verant­wort­lich. Er nimmt es nicht immer so genau mit den Regeln, ist gerade auf Nacht­schicht schon mal ohne Helm anzu­tref­fen und trägt auch nicht immer seine Sicher­heits­schuhe. Als Martin seinen Kolle­gen wieder einmal ohne Sicher­heits­schuhe antrifft, über­legt er kurz, ob der Moment passt. Dann fällt ihm spon­tan eine witzige Anspra­che ein: „Hömma Karl‐Heinz, hast Du eigent­lich ein zwei­tes paar Füße zuhause?“ Karl‐Heinz muss kurz über­le­gen, ist über­rascht und muss dann lachen. Er gibt zu: „Nein, hab ich nicht, und ich weiß, was jetzt gleich kommt, Herr Sicher­heits­be­auf­trag­ter. Sicher­heits­schuhe, ich weiß, sollte ich tragen …“

Unter­bre­chen wir hier einmal kurz:

Gesprä­che wie diese sind für Sicher­heits­be­auf­tragte Tages­ge­schäft. Sie nehmen unsi­che­res Verhal­ten wahr und sind aufge­for­dert zu reagie­ren. Das persön­li­che Gespräch ist dabei das wich­tigste Werk­zeug der Sicher­heits­be­auf­trag­ten. Verläuft es erfolg­reich, kann viel erreicht werden. Humor kann dabei zu einer guten Atmo­sphäre viel beitra­gen. In aller Regel mögen Menschen Humor in der Kommu­ni­ka­tion. Ausnah­men gibt es, das sind dann vor allem Perso­nen, die gene­rell wenig humo­raf­fin sind oder even­tu­ell sogar befürch­ten, belä­chelt oder ausge­lacht zu werden. Als Sicher­heits­be­auf­tragte kennen Sie in der Regel Ihre Kolle­gin­nen und Kolle­gen und können intui­tiv beur­tei­len, ob Humor und
eine spaßige Bemer­kung in der Situa­tion und insge­samt in den Kontakt passt.

Zurück zu Martin und Karl‐Heinz:

Martin über­hört die kleine Provo­ka­tion „Herr Sicher­heits­be­auf­trag­ter“. Im weite­ren Gesprächs­ver­lauf gelingt es ihm heraus­zu­fin­den, ob es echte Einwände oder nur Vorwände sind, die Karl‐Heinz davon abhal­ten, seine Schuhe zu tragen. Durch den locke­ren, humor­vol­len Einstieg inklu­sive Über­ra­schungs­mo­ment gelang es, zu Beginn guten Boden für das Gespräch zu berei­ten. Karl‐Heinz hörte zu, teilte aber auch mit, dass ihm die Schuhe eigent­lich zu schwer sind und er sich an Tagen, an denen er viel im Werk laufen musste, schon am Knöchel aufge­scheu­ert hat. Martin kann auf alter­na­tive Modelle, die eben­falls erhält­lich sind, hinwei­sen und hat für beide somit eine Lösung in Aussicht. Das Verhält­nis der beiden Kolle­gen wird durch dieses Gespräch nicht belas­tet, viel­mehr nimmt Karl‐Heinz Martin nun eher als Problem­lö­ser wahr und weni­ger als „Regel‐Durchsetzer“.

Gene­rell gilt:

Wie ein Gespräch verläuft, das entschei­det sich häufig bereits in den ersten Momen­ten. Dabei braucht es ein gewis­ses Gespür für die Situa­tion, gerade was den Einsatz von Humor betrifft. Ist die Person, die man anspre­chen möchte, gerade sehr im Stress oder hat man eine Chance auf einige Minu­ten ruhi­gen Gesprächs­ver­lauf? Besteht eine akute Gefähr­dung oder handelt es sich eher um ein grund­sätz­li­ches Moti­va­ti­ons­pro­blem der Person, das man lieber in einem ruhi­gen Moment anspre­chen sollte? Ist gerade Gefahr in Verzug und würde Humor die Ernst­haf­tig­keit der Lage even­tu­ell sogar abschwä­chen?

Martin hat die Situa­tion mit Karl‐Heinz gut gelöst, es gab einen konkre­ten Anlass, ihm gelang ein humor­vol­ler Einstieg und er konnte im weite­ren Verlauf des Gesprä­ches etwas errei­chen.

Grund­sätz­lich lässt sich eine Prise Humor in viele Berei­che der Kommu­ni­ka­tion im Arbeits­schutz einstreuen. Neben dem persön­li­chen Gespräch gibt es noch weitere Anlässe, zum Beispiel bei Unter­wei­sun­gen. Auch wenn die Unter­wei­sung die Aufgabe der Führungs­kraft ist, so sind Sicher­heits­be­auf­tragte dennoch häufig daran betei­ligt bezie­hungs­weise damit beauf­tragt. Eine Unter­wei­sung ist ein forma­ler Akt und ein wich­ti­ger Bestand­teil des betrieb­li­chen Arbeits­schut­zes. Natür­lich sind die Inhalte mit dem gebo­te­nen Ernst zu vermit­teln. Dennoch gibt es Möglich­kei­ten einer leben­di­gen und durch­aus auch humor­vol­len Gestal­tung. Hier geht es aller­dings weni­ger um Humor im Sinne von großen Lachern und come­dy­haf­ter Darstel­lung, sondern eher um eine gewisse Grund­hei­ter­keit im Umgang mit dem Thema. So können unge­wöhn­li­che Perspek­ti­ven (auch absurde) schöne Elemente in einer Unter­wei­sungs­si­tua­tion sein. Beispiele:
Stei­gen Sie doch einmal mit einer „Kopfstand‐Übung“ ein, zum Beispiel bei einer Ergonomie‐Unterweisung für Bild­schirm­ar­beits­plätze (BAP): Bevor Sie erklä­ren, wie man es rich­tig macht, fordern Sie die Kolle­gin­nen und Kolle­gen auf, einen Bild­schirm­ar­beits­platz möglichst uner­go­no­misch einzu­rich­ten. Das macht Spaß und man ertappt sich und andere bei der ein oder ande­ren uner­go­no­mi­schen Gewohn­heit. Oder wählen Sie eine unge­wöhn­li­che Perspek­tive: „Wenn Sie das nächste Mal auf einen Stuhl stei­gen um etwas aus dem obers­ten Regal zu holen, denken Sie doch mal, wie sich die Leiter im Schrank nebenan fühlt. Der ganze Aufwand mit Leiter­prü­fung etc., Sie sind top in Form, und werden in der Ecke vernach­läs­sigt.“

Praxis­tipps:

Blei­ben Sie authen­tisch! Wenn Sie schon beim Lesen gemerkt haben, dass Ihnen das ein oder andere Element nicht gefällt, dann passt das nicht zu Ihnen. Nutzen Sie den Ihnen eige­nen Humor, denn nur der wird über­zeu­gen.

Nicht zuletzt ist Humor für Sicher­heits­be­auf­tragte auch eine enorme persön­li­che Ressource. Denn das Amt ist phasen­weise sehr mühsam. Wieder­keh­rende nega­tiv verlau­fende Gesprä­che mit bera­tungs­re­sis­ten­ten Kolle­gen oder mit Führungs­kräf­ten, die wenig Moti­va­tion und Verständ­nis für das Thema Arbeits­schutz zeigen, können die hohe Anfangs­mo­ti­va­tion zermür­ben. Hier hilft Humor dabei, Menschen und Situa­tio­nen mit ausrei­chend Gelas­sen­heit zu nehmen. Denn auch hier gilt: Humor ist, wenn man trotz­dem lacht! Ganz sicher!


Trai­nings, Humor­kurse und Buch

Dr. Renate Mayer ist als freie Trai­ne­rin und Unter­neh­mens­be­ra­te­rin im Bereich Arbeits­schutz tätig und hat sich auf die Themen Präven­ti­ons­kul­tur und Kommu­ni­ka­tion spezia­li­siert. Im Auftrag von Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten führt sie zahl­rei­che Sicher­heits­be­auf­trag­ten­schu­lun­gen durch. Ein weite­res Stand­bein sind Humor­kurse, auch und gerade im Bereich Arbeits­schutz, wofür sie häufig auch Unter­neh­mens­thea­ter einsetzt. Für Sicher­heits­be­auf­tragte hat sie ein Buch veröf­fent­licht, in dem Humor eben­falls eine Rolle spielt: „Kommu­ni­ka­tion für Sicher­heits­be­auf­tragte“.

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