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Posttraumatische Belastungsstörung als Arbeitsunfallfolge

Zugunglück war ausschlaggebend
Posttraumatische Belastungsstörung als Arbeitsunfallfolge

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Foto: © nokturnal - stock.adobe.com
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Eine post­trau­ma­tis­che Belas­tungsstörung kann Folge eines Arbeit­sun­falls sein – auch wenn die psy­chis­che Gesund­heit der betr­e­f­fend­en Per­son bere­its im Vor­feld beein­trächtigt wurde. Das entsch­ied das Sozial­gericht Stuttgart im Fall eines ICE-Zugchefs, der bei einem schw­eren Zugunglück ein Trau­ma erlitt.

Voraus­set­zung für die Anerken­nung eines Ereigniss­es als Arbeit­sun­fall ist nach dem Sozialge­set­zbuch VII unter anderem, dass es sich um ein „zeitlich begren­ztes“ Ereig­nis han­delt. Dies wird all­ge­mein auch als „plöt­zlich­es“ Ereig­nis beschrieben. Nach ein­hel­liger Auf­fas­sung ist das Erforder­nis dann erfüllt, wenn das Ereig­nis inner­halb ein­er Arbeitss­chicht einge­treten ist. Grund­sät­zlich nicht als Arbeit­sun­fall gel­ten dage­gen Schädi­gun­gen, die durch eine Häu­fung kleiner­er Ein­wirkun­gen über mehrere Arbeitss­chicht­en her­vorgerufen wer­den, sodass erst durch ihre Sum­mierung der Schaden entsteht. 

Außerordentliche Einwirkungen

Das Sozial­gericht Stuttgart hat nun entsch­ieden, dass eine post­trau­ma­tis­che Belas­tungsstörung auch dann Folge eines Arbeit­sun­falls sein kann, wenn sich die psy­chis­che Störung durch eine Serie von trau­ma­tis­chen Ein­wirkun­gen entwick­elt. Voraus­set­zung ist allerd­ings, dass sich die Ein­wirkun­gen ein­er Arbeitss­chicht von den übri­gen so abheben, dass ihnen eine eigen­ständi­ge, wesentliche Bedeu­tung zukommt.

Geklagt hat­te der Zugchef eines ICE, der sich nach einem tödlichen Zugunglück um Fahrgäste und Lok­führer küm­mern musste. Dabei wurde er mit Blut, Fleis­chfet­zen und Leichen­teilen kon­fron­tiert. Auf­grund der ver­stören­den Ein­drücke kon­nte er in der Fol­gezeit nur noch als Zug­be­gleit­er und nicht mehr als Zugchef arbeit­en. Sein Arzt diag­nos­tizierte eine akute Belastungsreaktion.

Vorbelastung aus der Kindheit

Der zuständi­ge Unfal­lver­sicherungsträger erkan­nte einen Arbeit­sun­fall mit fünf Tagen Arbeit­sun­fähigkeit an und gewährte dem Ver­let­zten wegen der akuten Belas­tungsreak­tion zehn Monate psy­chother­a­peutis­che Behand­lung. Darüber hin­aus lehnte er eine Kostenüber­nahme ab, weil der Mann psy­chisch vor­be­lastet gewe­sen sei. Bere­its seine Kind­heit sei durch den Alko­holis­mus der Eltern und deren Tren­nung, als er elf Jahre alt war, geprägt gewe­sen. Nach dem Tod der Mut­ter habe er unter ein­er depres­siv­en Symp­to­matik gelit­ten. Dage­gen klagte der Mann – mit Erfolg.

Das Gericht gelangte auf­grund mehrerer Gutacht­en zu der Überzeu­gung, dass bei dem Zugführer eine post­trau­ma­tis­che Belas­tungsstörung auf­grund des Zugunglücks vor­liegt. Der Kläger hat­te gegenüber den Gutachtern überzeu­gend geschildert, dass in sein­er gesamten Beruf­stätigkeit und den damit ein­herge­hen­den psy­chis­chen Belas­tun­gen aus ver­schiede­nen früheren trau­ma­tis­chen Ereignis­sen ger­ade das let­zte Ereig­nis im ICE für ihn beson­ders belas­tend und von her­aus­ra­gen­der Bedeu­tung war. Aus­nahm­sweise liege auch dann ein Unfall vor, wenn sich von mehreren Ein­wirkun­gen in ver­schiede­nen Arbeitss­chicht­en eine der­art her­vorhebe, dass sie nicht nur die let­zte mehrerer gle­ich­w­er­tiger Ein­wirkun­gen bilde. Dies sei dann der Fall, wenn dieser Ein­wirkung eine eigen­ständi­ge, wesentliche Bedeu­tung für den einge­trete­nen Schaden zukomme, so die Begrün­dung. Dies tre­ffe hier zu. Aus diesem Grund spiel­ten für das Gericht die außer­beru­flichen psy­chis­chen Belas­tun­gen des Klägers im Eltern­haus keine entschei­dende Rolle.

(Urteil des Sozial­gerichts Stuttgart vom 14.06.2019, Az. S 1 U 1827/17)

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