1 Monat GRATIS testen, danach für nur 3,90€/Monat!
Startseite » Sicherheitsbeauftragter »

Unfälle mit entzündbaren Flüssigkeiten

Richtiger Umgang mit Reinigungsbenzin
Unfälle mit entzündbaren Flüssigkeiten

In der täglichen Arbeit wird mit vie­len entzünd­baren Flüs­sigkeit­en wie zum Beispiel Lösemit­teln, Verdün­nern, Reini­gungs­ben­zin oder Alko­holen bisweilen sehr unbe­dacht umge­gan­gen. So wer­den diese Flüs­sigkeit­en in offe­nen, nicht abgedeck­ten Behäl­tern auf­be­wahrt, die Tüch­er und Lap­pen, die zum Reini­gen benutzt wer­den, liegen acht­los im Abfall­be­häl­ter und die Dämpfe dieser Flüs­sigkeit­en kön­nen sich ohne Prob­leme im Raum aus­bre­it­en – brandge­fährliche Nach­läs­sigkeit­en, die leicht zu Unfällen führen.

Was passiert, wenn in einem solchen Fall noch eine Zündquelle hinzukommt, zeigt fol­gen­der Unfallhergang:

Ein Mitar­beit­er in einem Maschi­nen­bau­un­ternehmen hat­te die Auf­gabe, bei gehärteten Bauteilen die Schlusshärte nach dem Anlassen mit einem Härteprüfgerät zu bes­tim­men. Dazu musste die Ober­fläche des jew­eili­gen Bauteils angeschlif­f­en und von den Resten des Kühlschmier­mit­tels mit Reini­gungs­ben­zin befre­it wer­den. Das Anschleifen erfol­gte händisch an ein­er kleinen Tis­chband­schleif­mas­chine. Für die Reini­gung mit Ben­zin war auf einem Arbeit­stisch neben der Schleif­mas­chine ein Blechkas­ten mit Reini­gungs­ben­zin aufgestellt, in den die Bauteile einge­taucht und mit­tels eines Pin­sels gere­inigt wur­den. Zum Abdun­sten legte der Mitar­beit­er die Teile in Met­allschalen, die gle­ich­falls auf dem Arbeit­stisch standen.

Als der Mitar­beit­er wieder ein Teil auf der Tis­chschleif­mas­chine anschleifen wollte, kam es zu ein­er Ver­puffung, die in der Folge auf den Kas­ten mit dem Reini­gungs­ben­zin über­griff und diesen entzün­dete. In seinem großen Schreck angesichts der Ver­puffung und des Bran­des wollte der Mitar­beit­er seinen Arbeits­bere­ich nur noch fluchtar­tig ver­lassen. Dabei stolperte er, suchte Halt und riss den Kas­ten mit dem bren­nen­den Reini­gungs­ben­zin herunter. Die bren­nende Flüs­sigkeit ergoss sich über seine Beine und Füße und entzün­dete auch seinen Arbeit­sanzug. Durch den Krach und die Schreie waren andere Mitar­beit­er aufmerk­sam gewor­den, von denen ein­er kurz entschlossen den näch­sten Hand­feuer­lösch­er ergriff und den Brand sowie auch den Kol­le­gen löschte. Dieser erlitt schwere Brand­ver­let­zun­gen im Bere­ich der Beine und Arme.

Die Unfal­lun­ter­suchung ergab einige gravierende Män­gel in den Schutz­maß­nah­men am Arbeit­splatz. Aus­gelöst wurde der Unfall durch den unsachgemäßen Umgang mit entzünd­baren Flüs­sigkeit­en und die unmit­tel­bare Nähe zu ein­er Zündquelle.

Welche Mängel waren erkennbar?

Die entzünd­bare Flüs­sigkeit Reini­gungs­ben­zin wurde ent­ge­gen den Vor­gaben des Sicher­heits­daten­blatts in einem offe­nen Behäl­ter auf­be­wahrt. Zusät­zlich erfol­gte das Abdun­sten eben­falls offen. Eine Absaugung für die Lösemit­teldämpfe war nicht vorhan­den. Für die Tätigkeit gab es auch keine umfassende Gefährdungs­beurteilung und die vorge­fun­dene Betrieb­san­weisung für das Reini­gungs­ben­zin war einige Jahre alt. Auch war der Abstand der als Zündquelle dienen­den Tis­chband­schleif­mas­chine zum Reini­gungsplatz zu gering.

Der Mitar­beit­er kan­nte diesen Arbeit­splatz, da er bere­its häu­figer hier tätig war. Er wurde auch regelmäßig unter­wiesen, allerd­ings nicht speziell zu der aus­ge­führten Tätigkeit. Nach Aus­sagen der in diesem Bere­ich täti­gen Mitar­beit­er war es bish­er auch noch zu keinem der­ar­ti­gen Ereig­nis gekommen.

Warum kam es zu dem Unfall?

Von Seit­en des Unternehmens waren bei der Ein­rich­tung und dem Betrieb des Arbeit­splatzes einige Regelun­gen nicht beachtet und damit nicht einge­hal­ten worden.

  • Erste und wichtig­ste Regel: Durch das Unternehmen muss vor Ein­rich­tung solch­er Arbeit­splätze geprüft wer­den, ob der Ein­satz ein­er entzünd­baren Flüs­sigkeit für die Tätigkeit zwin­gend notwendig ist, oder ob nicht auch eine nicht entzünd­bare Flüs­sigkeit genutzt wer­den kann (Sub­sti­tu­tion­s­ge­bot der Gefahrstoffverordnung).
  • Zweite Regel: Bei Tätigkeit­en mit entzünd­baren Stof­fen müssen Zündquellen im Umkreis unbe­d­ingt ver­mieden wer­den. Das heißt, alle funken­erzeu­gen­den Arbeitsver­fahren wie zum Beispiel Schleifen, aber auch Rauchen oder der Umgang mit offen­em Feuer ist zu untersagen.
  • Dritte Regel: Entzünd­bare Flüs­sigkeit­en sind immer in geschlosse­nen Behält­nis­sen aufzube­wahren, die Benutzung sollte in geschlosse­nen und mit ein­er Absaugung betriebe­nen Sys­te­men stat­tfind­en. Mit entzünd­baren Flüs­sigkeit­en benet­zte Teile sind eben­falls in einem geschlosse­nen Sys­tem unter ein­er Absaugung zu trocknen.
  • Vierte Regel: Die Mitar­beit­er sind regelmäßig auf der Grund­lage der aktuellen Gefährdungs­beurteilung und der dazu erstell­ten Betrieb­san­weisun­gen über die notwendi­gen Schutz­maß­nah­men, Ver­hal­tensan­forderun­gen und Maß­nah­men im Gefahrfall zu unterweisen.

Ger­ade an Arbeit­splätzen, bei denen durch die aus­ge­führten Tätigkeit­en und/oder die gegebe­nen­falls dabei ver­wen­de­ten Gefahrstoffe große Gefährdun­gen auftreten kön­nen, muss beson­dere Aufmerk­samkeit auf die Ein­hal­tung und Anwen­dung der Schutz­maß­nah­men durch alle Beteiligten gelegt werden.


Foto: © Foto­stu­dio City Col­or Mun­schke, Weimar

Autor: Dipl.-Ing. Ulf‑J. Schappmann

Sicher­heitsin­ge­nieur VDSI

SIMEBU Thürin­gen GmbH


Was ist bei Tätigkeiten mit entzündlichen Flüssigkeiten zu beachten?

  • Grund­lage ist eine Gefährdungs­beurteilung, bei der unter anderem zu betra­cht­en ist, welche Art von entzündlich­er Flüs­sigkeit mit welchem Arbeitsver­fahren, in welch­er Menge und in welch­er Arbeit­sumge­bung ver­wen­det wird. Es ist grund­sät­zlich das S‑T-O-P-Prinzip der Gefahrstof­fverord­nung zu beacht­en. Daraus ist eine arbeit­splatzbe­zo­gene Betrieb­san­weisung abzuleit­en und die betrof­fe­nen Mitar­beit­er zu unterweisen.
  • Das Arbeitsver­fahren ist immer so zu gestal­ten, dass ein Frei­w­er­den von Dämpfen reduziert wird beziehungsweise diese direkt an der Entste­hungsstelle abge­saugt wer­den. Zündquellen wie offene Flam­men, Schleif- oder Schweißar­beit­en sowie das Rauchen ist an solchen Arbeit­splätzen und in der Umge­bung zu verbieten.
  • Der Kon­takt von entzündlichen Flüs­sigkeit­en mit der Haut, den Augen und den Atemwe­gen sollte ver­mieden wer­den. Bei Erforder­nis ist die Benutzung von Per­sön­lich­er Schutzaus­rüs­tung gemäß den Vor­gaben der Betrieb­san­weisung Pflicht.
  • Entzündliche Flüs­sigkeit­en sind immer in geeigneten Behält­nis­sen, möglichst unzer­brech­lich, und in dafür geeigneten Räu­men oder in Sicher­heitss­chränken zu lagern. Am Arbeit­splatz sind nur geringe Men­gen in geeigneten Behäl­tern zu lagern (Tages­be­darf).
  • Ver­wen­dete Arbeitsmit­tel und Mit­tel zur Auf­nahme über­schüs­siger, abtropfend­er oder ver­schüt­teter entzündlich­er Flüs­sigkeit­en sind in nicht brennbaren Behält­nis­sen zu ver­wahren und sachgerecht zu entsorgen.

Weitere Informationen

  • Betrieb­ssicher­heitsverord­nung
  • Gefahrstof­fverord­nung
  • TRGS 500 „Schutz­maß­nah­men“
  • TRGS 510 „Lagerung von Gefahrstof­fen in orts­be­weglichen Behältern“
  • TRBS 2152 / TRGS 720 „Gefährliche explo­sions­fähige Atmo­sphäre – Allgemeines“
  • TRGS 800 „Brand­schutz­maß­nah­men“

Praxis-Tipps

Das kön­nen Sie zum Beispiel als Sicher­heits­beauf­tragter tun:

  • Kon­trol­lieren Sie regelmäßig, ob die für den Arbeit­splatz gel­tenden Betrieb­san­weisun­gen und Schutz­maß­na­men einge­hal­ten werden.
  • Sprechen Sie Mitar­beit­er auf Fehlver­hal­ten an. Weisen Sie darauf hin, wie gefährlich dieses Ver­hal­ten ist, indem Sie die Schwere möglich­er Ver­let­zun­gen aufzeigen. Unwis­senheit schützt nicht vor gesund­heitlichem Schaden!
  • Machen Sie mit prak­tis­chen Demon­stra­tio­nen die Gefahr erkennbar und begreifbar.
  • The­ma­tisieren Sie das The­ma zusam­men mit den zuständi­gen Vorge­set­zten im Rah­men von Unter­weisun­gen und Sicher­heit­skurzge­sprächen und tra­gen so dazu bei, dass sich richtiges Ver­hal­ten ein­prägt und durchsetzt.
  • Prüfen Sie, ob die notwendi­gen Mit­tel zum Brand­schutz und zur Ersten Hil­fe vorhan­den und gebrauchs­fähig und ob die Mitar­beit­er im Gebrauch geschult sind.
Newsletter

Jet­zt unseren Newslet­ter abonnieren

Meistgelesen
Jobs
Sicherheitsbeauftragter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 12
Ausgabe
12.2021
ABO
Sicherheitsingenieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 1
Ausgabe
1.2022
ABO

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de