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Arbeiten mit Formatkreissägen

Arbeiten mit Formatkreissägen
Mit Buddy sägt es sich sicherer

Christine Lendt
Wie lassen sich Unfälle mit For­matkreis­sä­gen bei der Kun­st­stof­fver­ar­beitung vor­beu­gen? Die Antwort lautet: Mit dem „Säge­bud­dy“. Für das inno­v­a­tive Hil­f­s­mit­tel wurde die Poly-Sel GmbH & Co. KG 2020 mit dem Vision Zero Förder­preis der Beruf­sgenossen­schaft Rohstoffe und chemis­che Indus­trie aus­geze­ich­net und 2021 für den Deutschen Arbeitss­chutzpreis nominiert.

Wenn das Säge­blatt rotiert und das einges­pan­nte Werk­stück zu lock­er sitzt, kann es böse enden: Schwere Schnittver­let­zun­gen, amputierte Fin­ger, Prel­lun­gen und Knochen­brüche gab es schon in vie­len Betrieben der Holz- und Kun­st­stof­fver­ar­beitung in Folge gelöster oder her­aus­geschleud­ert­er Teile. Trotz aller Vor­sichts­maß­nah­men kommt es immer wieder zu der­ar­ti­gen Vor­fällen, was zeigt, dass das Gefährdungspoten­zial bei Arbeit­en mit Tisch- und For­matkreis­sä­gen beson­ders hoch ist. Bei run­den, keil- oder kegelför­mi­gen Werk­stück­en stoßen auch die bere­its vorhan­de­nen Sicherungsvor­rich­tun­gen an ihre Gren­zen, da sie nicht immer aus­re­ichend Grip bieten. Hinzu kommt das Risiko, mit der Hand zu nah an das Säge­blatt zu ger­at­en, was eben­falls immer wieder zu schw­eren Unfällen führt.

Formatkreissägen: Werkstücke sicher einspannen

Ger­ade Werk­stücke in run­der, keil- oder kegelför­miger Form wer­den bei Poly-Sel oft ver­ar­beit­et. Die im nor­drhein-west­fälis­chen Stadt­lohn ansäs­sige Fir­ma hat sich auf tech­nis­che Kun­st­stoffe spezial­isiert. Hier fer­ti­gen die 45 Beschäftigten mit Zerspanung­stech­niken ver­schieden­ste Bauteile, unter anderem für den Auto­mo­bil­bau, die Luft­fahrt und die Lebens­mit­telin­dus­trie. Einige der Arbeitss­chritte erfol­gen an For­matkreis­sä­gen. „Dabei kam es auch bei uns immer wieder zu Ver­let­zun­gen. Das woll­ten wir nicht mehr hin­nehmen“, erzählt Harun Yakin, der sich die Geschäfts­führung mit seinem Brud­er Hakan und seinem Vater Selim teilt.

Wie kön­nen wir die Werk­stücke so einspan­nen, dass sie auch ganz sich­er hal­ten? Diese Frage beschäftigte das Team immer wieder. Abge­se­hen von der Unfal­lver­hü­tung wirkt es sich auch pos­i­tiv auf die Pro­duk­tqual­ität aus, wenn Werk­stücke weniger ver­rutschen. „Ger­ade bei Kun­st­stof­fen beste­ht die Prob­lematik, dass das Mate­r­i­al etwas flex­i­bler ist“, erk­lärt Hakan Yakin. „Dadurch kön­nen unsaubere Schnitte und Maß­tol­er­anzen entste­hen, die kun­den­seit­ig nicht gewün­scht sind. Durch den Verzug kann es auch passieren, dass die Werk­stücke zurückschlagen.“

Aus zwei mach eins

Gemein­sam entwick­el­ten die bei­den geschäfts­führen­den Brüder mit Christoph Braun aus dem Bere­ich Arbeitsvor­bere­itung bei Poly-Sel eine Lösung. Als Aus­gangspunkt nutzten sie zwei „gute alte Fre­unde“: Gemeint sind Fritz und Franz, die zusam­men ein schützen­des Hil­f­s­mit­tel bei Sägevorgän­gen bilden. Die bei­den Vor­na­men ste­hen für die zwei Teile, die in der Nut des Schiebetis­ches der For­matkreis­säge geführt wer­den – konkret den Griff und das Zusatzteil. Druck­we­iche Gum­mikan­ten geben dem dazwis­chen ges­pan­nten Werk­stück Halt. Diese Säge­hil­fe, die von Tech­nis­chen Auf­sichts­beamten der Beruf­sgenossen­schaft für Holz und Met­all (BGHM) entwick­elt wurde, hat sich schon lange bewährt. Um sie an die beson­dere Sit­u­a­tion in der Kun­st­stof­fver­ar­beitung anzu­passen, kam das Team von Poly-Sel darauf, aus den zwei beweglichen Teilen des Hil­f­s­mit­tels eins zu machen. So ent­stand der Säge­bud­dy. Er lässt sich fest in der Führungsnut des Besäum­schlit­tens posi­tion­ieren, sodass vor allem kleine, rund­för­mige und zylin­drische Bauteile damit sich­er geführt wer­den kön­nen. Für Let­ztere hat Poly-Sel eine eigene Aus­führung mit ein­er erhöht­en und angeschrägten Führungskante konzipiert.

So funktioniert der Sägebuddy

Anders als bei Fritz und Franz wird diese Schutzvor­rich­tung also nicht in der Führung des Maschi­nen­tischs gelenkt, son­dern darin fest ange­bracht. Dabei passt sie sich der geometrischen Form des zu sägen­den Bauteils an und fix­iert es auf dem Anschlag. Da sich die Kraft dabei gle­ich­mäßig verteilt, wird auch ein Aus­brechen des Werk­stücks zuver­läs­sig ver­hin­dert. Und so funk­tion­iert das Prinzip: Die an der Mas­chine tätige Per­son posi­tion­iert den Säge­bud­dy an der benötigten Stelle und klemmt ihn fest. Auf diese Weise wird auch direkt die Leiste oder das Sägestück begr­a­digt. Mit einem Hebel fest­ge­zo­gen, lässt sich das Werk­stück nun auf eine äußerst sta­bile Weise führen. Die Hände befind­en sich damit immer außer­halb des Gefahrenbereichs.

Auch andere Betriebe profitieren

Für diese Idee erhiel­ten Hakan Yakin, Harun Yakin und Christoph Braun im Jahr 2020 den Vision Zero-Förder­preis der Beruf­sgenossen­schaft Rohstoffe und chemis­che Indus­trie (BG RCI) in der Kat­e­gorie „Sicher­heit­stech­nik“. Daneben wurde Poly-Sel mit dem Säge­bud­dy für den Deutschen Arbeitss­chutzpreis 2021 nominiert.

Auch andere Betriebe kön­nen ihren Arbeitss­chutz mit dem Säge­bud­dy verbessern. Bewusst hat die Geschäft­sleitung von Poly-Sel ihn nicht paten­tieren lassen und möchte das Hil­f­s­mit­tel auch nicht ver­mark­ten. „Wir haben den Säge­bud­dy für den inter­nen Gebrauch entwick­elt und so gese­hen ist es auch kein Ersatz für Fritz und Franz, son­dern ein­fach eine andere indi­vidu­elle und unkom­plizierte Lösung“, betont Harun Yakin. „Auch andere Unternehmen, in denen diese Idee Gefall­en find­et, kön­nen den Säge­bud­dy für sich anfer­ti­gen und natür­lich dann auch selb­st verwenden.“


Christine Lendt
Chris­tine Lendt; © Simone Friese

Autorin:
Chris­tine Lendt
Fachau­torin und freie Journalistin


Nominiert für den DASP 2021

Das Trio Hakan Yakin, Harun Yakin und Christoph Braun der Poly-Sel GmbH & Co. KG war­mit dem „Säge­bud­dy“ für den Deutschen Arbeitss­chutzpreis (DASP) 2021 in der Kat­e­gorie „Betrieblich“ nominiert und schaffte es damit in die Endrunde. In dieser Kat­e­gorie wer­den kreative und inno­v­a­tive Lösun­gen zur Arbeitssicher­heit auf Betrieb­sebene aus­geze­ich­net, die der gesamten Belegschaft zugutekommen.


Vision Zero Förderpreis

Der Vision Zero Förder­preis ist Teil der zukun­ftsweisenden Präven­tion­sstrate­gie der Beruf­sgenossen­schaft Rohstoffe und chemis­che Indus­trie (BG RCI). Die Vision Zero basiert auf der Überzeu­gung, dass alle Unfälle und Beruf­skrankheit­en ver­hin­dert wer­den kön­nen. Ziel ist es, dass nie­mand bei der Arbeit getötet wird, sich schw­er ver­let­zt oder erkrankt. Unternehmen, die sich mit ihren Ideen für den Förder­preis bewer­ben, kön­nen dazu beitra­gen, die Vision ein­er gesun­den und sicheren Arbeitswelt zu verwirklichen.

www.bgrci-foerderpreis.de

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