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Personenaufzüge: Sicher nach oben und unten

Die wichtigsten Fakten
Personenaufzüge: Sicher nach oben und unten

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Aufzüge müssen regelmäßig durch eine „Zugelassene Überwachungsstelle“ geprüft werden. Hier die Prüfung der Schachtschiebetüren Foto: TUEV Süd
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Das The­ma Sicher­heit spielt seit der Erfind­ung von Aufzü­gen eine große Rolle – ins­beson­dere bei Per­so­n­e­naufzü­gen. Daher sollte jed­er Sicher­heitsver­ant­wortliche im Unternehmen die wichtig­sten Fak­ten rund um die Sicher­heit von betrieblichen Per­so­n­e­naufzü­gen kennen.

Dr. Joerg Hensiek

Wer einen Aufzug betreibt, muss regelmäßig dessen Funk­tions­fähigkeit über­prüfen. Für den Laien ist es schw­er, allein durch eine ober­fläch­liche Besich­ti­gung Gefährdun­gen für die Nutzer zu ent­deck­en. Die Sicher­heit ist in erster Lin­ie Auf­gabe des vom Aufzug­be­treiber engagierten Wartungs­di­en­stes oder ein­er von ihm beauf­tragten Per­son und bei den offiziellen Prü­fun­gen dann der „Zuge­lasse­nen Überwachungsstelle“ (ZÜS).

Doch es gibt einige Sicher­heits­de­fizite, die auch der aufmerk­same Laie erken­nen kann und sofort dem Betreiber mit­teilen sollte. Und zwar:

  • Wenn die Kabine nicht bündig in der Hal­testelle ste­hen bleibt und somit zum Aus­gang Stufen entstehen.
  • Wenn bei der Fahrt ungewöhn­liche Geräusche zu hören sind, zum Beispiel Klap­pern oder Kratzgeräusche.
  • Wenn der Aufzug ungle­ich­mäßig fährt; vor allem, wenn die Kabine ruckelt.
  • Wenn das Notruf­sys­tem nicht funktioniert.
  • Wenn die außen ange­brachte Prüf­plakette bere­its abge­laufen ist.

Aufzugssicherheit auf einen Blick

Auch wenn fol­gende Punk­te nicht im unmit­tel­baren Ver­ant­wor­tungs­bere­ich ein­er oder eines Sicher­heits­beauf­tragten liegen, ist es hil­fre­ich, wenn sie oder er, falls es Per­so­n­e­naufzüge im Betrieb gibt, darüber Bescheid wissen.

Wartung

Eine regelmäßige Wartung durch ein zer­ti­fiziertes Ser­vice­un­ternehmen ist Pflicht. Die Wartungsin­ter­valle wer­den vom Aufzugs­be­treiber zusam­men mit dem Dien­stleis­ter festgelegt.

Diese Punk­te soll­ten von einem Wartung­sun­ternehmen über­nom­men werden:

  • Notruf
  • Per­so­n­en­be­freiung
  • Störungs­di­enst
  • Fer­nüberwachung
  • Reparatur­di­enst
  • Wartung Entrauchungsan­lage
  • Wartung Steuerung und Brandfallsteuerung
  • ZÜS Ser­vice
  • DGUV V3 Prü­fung (früher Beruf­sgenossen­schaftliche Vorschrift BGV A3)
  • Schachtreini­gung
  • Ter­minüberwachung

Prüfungen

Die Aufzüge im Betrieb müssen durch eine „Zuge­lassene Überwachungsstelle“ (ZÜS) regelmäßig geprüft wer­den. Die Prüfin­ter­valle legt der Aufzug­be­treiber, also der Ver­ant­wortliche im Unternehmen, gemein­sam mit dem ZÜV und dem beauf­tragten Wartungs­di­en­stleis­ter fest. Die Frist für die spätestens alle zwei Jahre anste­hende wiederkehrende Prü­fung durch die ZÜS kann allerd­ings verkürzt wer­den, wenn die Anlage in einem sicher­heit­stech­nisch bedenkenswerten Zus­tand ist.

In der Mitte des Zeitraums zwis­chen zwei Prü­fun­gen muss außer­dem durch die ZÜS eine weit­ere Prü­fung, die Zwis­chen­prü­fung, durchge­führt wer­den. Die ZÜS über­prüft zum einen die notwendi­gen Unter­la­gen (tech­nis­che Unter­la­gen, Not­fallplan etc.) und zum anderen die Anlage selbst.

Prüfplakette

Eine der wichtig­sten Neuerun­gen der im Jahr 2015 veröf­fentlicht­en Betrieb­ssicher­heitsverord­nung ist, dass der Aufzug­be­treiber im Aufzug eine Prüf­plakette anbrin­gen muss. Durch sie kann sei­ther jed­er­mann erken­nen, wann die näch­ste Prü­fung des Aufzugs anste­ht. Das war zuvor unmöglich. Die Plakette wird von ein­er ZÜS nach erfol­gter Prü­fung vergeben.

Verantwortung des Betreibers

Ab wann ist der Aufzugs­be­treiber für die Sicher­heit des Aufzugs ver­ant­wortlich? Hier­bei muss man zwis­chen Inverkehrbringung und Inbe­trieb­nahme unter­schei­den. Der Mon­tage­be­trieb, der den Aufzug instal­liert, ist solange für alle Belange rund um den Aufzug ver­ant­wortlich, wie der Ein­bau des Aufzugs andauert. Diese Phase wird als Inverkehrbringung beze­ich­net. Ist der Aufzug betrieb­s­bere­it, begin­nt die Inbe­trieb­nahme. Von nun an ist der Aufzugs­be­treiber ver­ant­wortlich – auch für alle Aspek­te rund um die Sicherheit.

Notfallplan

Für alle Aufzüge muss ein Not­fallplan erstellt wer­den. Bei allen neuen Aufzü­gen muss der Not­fallplan vor Inbe­trieb­nahme vor­liegen. Dieser Er muss fol­gende Infor­ma­tio­nen enthalten:

  • Stan­dort des Aufzugs
  • Ver­ant­wortlich­er Arbeitgeber/Betreiber der Aufzuganlage
  • Per­so­n­en mit Zugang zur Anlage
  • Per­so­n­en, die eine Not­be­freiung vornehmen können
  • Kon­tak­t­dat­en der Per­so­n­en, die Erste Hil­fe leis­ten können
  • Not­be­freiungsan­leitung für die Aufzugsanlage

Ist ein Aufzug mit einem mod­er­nen Notruf­sys­tem aus­ges­tat­tet, ist es aus­re­ichend, wenn der Not­fallplan beim Not­di­enst und in der Betreiber­doku­men­ta­tion hin­ter­legt ist. Bei Anla­gen, bei denen anstatt eines Not­di­en­stes eine beauf­tragte Per­son für die Not­be­freiung ver­ant­wortlich ist, muss der Not­fallplan in der Nähe des Aufzugs für jed­er­mann sicht­bar ange­bracht sein. Die Not­be­freiungsan­leitung gibt an, wie die eingeschlosse­nen Per­so­n­en sich­er aus der Kabine befre­it wer­den können.

Notrufsystem

Jed­er Aufzug muss, so fordert es die Betrieb­ssicher­heitsverord­nung, mit einem Notruf­sys­tem aus­ges­tat­tet sein. Mit ihm kann man 24 Stun­den am Tag einen direk­ten Kon­takt zur Notrufzen­trale her­stellen, die im Bedarfs­fall umge­hend eine Per­so­n­en­be­freiung organisiert.


Zwei Fragen an …

… Dieter Roas von der TÜV SÜD Indus­trie Ser­vice GmbH

Was ist Ihrer Mei­n­ung nach die wichtige Neuerung in der aktuellen Betrieb­ssicher­heitsverord­nung (Betr­SichV) in Bezug auf Aufzüge?

Die Betr­SichV gibt im Gegen­satz zu alten Regel­w­erken keine klaren „ToDo‘s“ mehr vor, son­dern spricht ganz all­ge­mein von der „sicheren Ver­wen­dung von Arbeitsmit­teln“, das heißt auch Aufzü­gen. Dadurch bekommt der Arbeit­ge­ber (= Betreiber) zwar mehr Frei­heit­en, aber auch mehr Ver­ant­wor­tung: Er muss selb­st entschei­den und trägt im Risiko­fall auch die ganze Ver­ant­wor­tung. Auf­grund dieser Tat­sache ist es noch wichtiger als zuvor, dass die Prü­fung der Anla­gen beziehungsweise der Anla­gen­sicher­heit durch wirtschaftlich unab­hängige Stellen durchge­führt wird.

Wie soll­ten Nutzer eines Aufzugs reagieren, wenn sie mit dem Aufzug während der Fahrt „steck­en­bleiben“?

Im Fall eines „Steck­en­bleibens“ im Aufzug soll­ten die Fahrgäste unbe­d­ingt Ruhe bewahren. Sie müssen sofort den Notruf aktivieren, dabei den Taster min­destens 10 Sekun­den drück­en, eventuell auch mehrmals. Danach soll­ten sie möglichst ruhig auf die gerufene Hil­fe warten.

 

Dieter Roas, Mitar­beit­er im Geschäfts­feld Fördertech­nik der TÜV SÜD Indus­trie Ser­vice GmbH
Foto: privat
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