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Fußschutz bei der Hautschutzherstellung

Siche­ren Schrit­tes durch Produk­tion und Lager

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Herstel­ler von Haut­schutz, also Persön­li­cher Schutz­aus­rüs­tung (PSA), benö­ti­gen bei ihrer Arbeit selbst auch PSA. In der Produk­tion und im Lager ist zum Beispiel Fußschutz vorge­schrie­ben. Worauf es dabei ankommt, weiß Susanne Gassen: Sie ist beim Haut­schutz­her­stel­ler PGP für die Beschaf­fung der Sicher­heits­schuhe zustän­dig, kennt die Unfall­ge­fah­ren und Anfor­de­run­gen im Betrieb.

Ein norma­ler Diens­tag. Die Produk­tion der Haut­schutz­lo­tion ist in vollem Gange. Jeder Mitar­bei­ter geht routi­niert seinen Arbeits­pro­zes­sen nach. Eine Probe wird entnom­men, der Behäl­ter wird geschlos­sen. Doch die Flüs­sig­keit läuft weiter aus dem Contai­ner – der Grund: ein Defekt am Gebinde. Binnen weni­ger Sekun­den verwan­delt sich der Fußbo­den in eine gefähr­li­che Rutsch­bahn. „Auszu­rut­schen ist eine der Gefah­ren, die in der Produk­tion auf die Beschäf­tig­ten lauern“, weiß Susanne Gassen. Sie arbei­tet seit sieben Jahren am Euskir­che­ner Stand­ort des Haut­schutz­her­stel­lers Peter Greven Physi­o­derm und ist für die Beschaf­fung von PSA, darun­ter auch die Sicher­heits­schuhe, zustän­dig.

Stol­pern, rutschen, stür­zen

Gassen weiß, dass glatte Ober­flä­chen ein erhöh­tes Poten­zial für Rutsch- und Stur­zun­fälle am Arbeits­platz bergen. Das belegt auch die Statis­tik der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung. So ist deutsch­land­weit jeder fünfte Unfall bei der Arbeit ein soge­nann­ter SRS-Unfall, also ein Unfall, der durch Stol­pern, Rutschen oder Stür­zen verur­sacht wird. Diese Unfall­ur­sa­che ist damit die zweit­häu­figste im gesam­ten Arbeits­un­fall­ge­sche­hen. „In der Produk­tion kommt es also darauf an, dass die Sicher­heits­schuhe rutsch­hem­mend sind, um die Mitar­bei­ter etwa bei ausge­lau­fe­nen Flüs­sig­kei­ten oder bei Arbei­ten mit Wasser vor Stür­zen zu bewah­ren.“

Rutsch­hem­mende Wirkung

In diesen Einsatz­be­rei­chen setzt Susanne Gassen bei der Auswahl des Fußschut­zes auf eine rutsch­hem­mende Lauf­sohle aus Gummi/Polyurethan. Vorge­schrie­ben sind Sicher­heits­schuhe der Schutz­klasse S2. Dieser Fußschutz ist gemäß EN 20345 anti­sta­tisch, verfügt über eine öl- und benzin­re­sis­tente Sohle, er nimmt im Fersen­be­reich Ener­gie auf und ist zusätz­lich bedingt wasser­dicht. Im Falle von PGP ist ein weite­res Ausstat­tungs­merk­mal wich­tig: das ESD-Siegel. Die Abkür­zung steht für „elek­tro­sta­ti­sche Entla­dung“ und bedeu­tet, dass nicht nur der Träger des Schuhs vor zufäl­lig entste­hen­den Funken geschützt wird, sondern auch die Geräte, an denen er arbei­tet.

Susanne Gassen legt zudem Wert darauf, dass die Sicher­heits­schuhe gemäß der DGUV-Regel 112–191 für die ortho­pä­di­sche Zurich­tung zerti­fi­ziert sind, damit sie sich auch für Mitar­bei­ter mit Fußpro­ble­men eignen. Eine weitere Anfor­de­rung an Sicher­heits­schuhe in hygie­nisch sensi­blen Berei­chen wie der Haut­schutz­pro­duk­tion betrifft ihre Farbe: Die Schuhe müssen weiß sein, um mögli­che Verun­rei­ni­gun­gen möglichst schnell zu bemer­ken: Jeder Schmutz­fleck sticht sofort ins Auge.

Mitar­bei­ter einbe­zie­hen

Auf Basis dieser Krite­rien hat die PSA-Verantwortliche eine Auswahl an passen­den Sicher­heits­schu­hen zusam­men­ge­stellt. Die Mitar­bei­ter werden dabei mit einge­bun­den, unter ande­rem durch Trage­tests. „Mitt­ler­weile kenne ich die Füße jedes einzel­nen Kolle­gen“, lacht Gassen. Schließ­lich werden Eckda­ten wie die Schuh­größe und ‑weite sowie der Einsatz­be­reich der Mitar­bei­ter doku­men­tiert und verwal­tet, um für jeden Einzel­nen den opti­ma­len Fußschutz zu finden.

Schutz ist jedoch längst nicht alles, worauf es bei den Schu­hen ankommt“, so Susanne Gassen. „Die Schuhe müssen auch ausrei­chen­den Trage­kom­fort bieten. Schließ­lich werden sie jeden Tag mehrere Stun­den lang getra­gen. Sitzt der Schuh nicht bequem oder passt nicht rich­tig, wirkt sich dies nicht nur schmerz­haft auf die Füße, sondern auf den gesam­ten Bewe­gungs­ap­pa­rat aus.“ Aus diesem Grund nimmt die Pass­form eine Schlüs­sel­rolle bei der Wahl des Fußschut­zes ein. „Und deswe­gen ist es beson­ders wich­tig, die Mitar­bei­ter einzu­be­zie­hen. Schließ­lich sollen sie sich in den Schu­hen wohl­füh­len und diese gerne tragen.“

Der „Rich­tige“ für die Produk­tion

Nach der Auswer­tung der Trage­tests fiel die Wahl in der Produk­tion unter ande­rem auf den S2-Schuh „White Grip Low ESD S2“ vom Sicher­heits­schuh­her­stel­ler Elten. „Der Schuh federt sehr gut, auch auf dem harten Beton­bo­den. Durch sein beque­mes Fußbett fühlt er sich auch nach einem Acht-Stunden-Arbeitstag noch ange­nehm an“, so Dirk Thomas, der seit fast zwei Jahren in der Produk­tion bei PGP tätig ist.

Der leder­freie Schuh aus der „E‑Track“-Modellreihe verfügt über einen einfach zu bedie­nen­den Klett­ver­schluss. Ein atmungs­ak­ti­ves Texti­lin­nen­fut­ter sorgt für eine opti­male Luft­zir­ku­la­tion. Zentra­les Desi­gnele­ment aller E‑Track-Modelle ist eine bis an die Schuh­spitze hoch­ge­zo­gene Gummi-Laufsohle. In Kombi­na­tion mit einem schlan­ken Leis­ten als Basis wirken die Schuhe modern und sport­lich. „Schließ­lich spielt auch die Optik für die Mitar­bei­ter eine wich­tige Rolle. Der Schuh soll ja auch gut ausse­hen“, ergänzt Susanne Gassen.

Andere Anfor­de­run­gen im Lager

Eine opti­male Pass­form, hoher Trage­kom­fort und ein anspre­chen­des Design sind auch für die PGP-Beschäftigten im Lager von Bedeu­tung. An diesen Arbeits­plät­zen bestehen jedoch noch andere Gefah­ren und somit andere Anfor­de­run­gen an den Fußschutz. Damit sich die Mitar­bei­ter beispiels­weise nicht an spit­zen oder schar­fen Gegen­stän­den auf dem Boden verlet­zen, benö­ti­gen sie eine durch­tritt­hem­mende Zwischen­sohle. Vor Verlet­zun­gen durch herun­ter­fal­lende Werk­zeuge, Kartons oder Palet­ten bewahrt eine Zehen­schutz­kappe, die ebenso Schlim­me­res verhin­dert, falls ein Roll­con­tai­ner oder Hubwa­gen über die Füße fahren sollte. „Demnach ist in diesem Bereich das Tragen von S3-Schuhen Pflicht“, defi­niert die PSA-Beauftragte eins der Auswahl­kri­te­rien.

Eine weitere Heraus­for­de­rung für die Beschäf­tig­ten im Lager ist der harte Beton­bo­den, auf dem sie lange stehen und gehen. Dies kann Ermü­dungs­er­schei­nun­gen oder länger­fris­tige Schä­di­gun­gen von Fuß und Gelen­ken zur Folge haben. „Wenn die Schuhe gut federn, ist das eine enorme Entlas­tung bei der Arbeit“, sagt Chris­tian Trim­born. Er ist seit fünf Jahren bei PGP beschäf­tigt und dort als stell­ver­tre­ten­der Lager­lei­ter tätig.

Dämp­fung wich­tig

Damit ist eine gute Dämp­fung ein weite­res Auswahl­kri­te­rium. Hier konn­ten die „Wellmaxx“-Modelle von Elten mit ihrem beson­de­ren Dämp­fungs­kon­zept punk­ten: Als Sohlen­kern dient das Mate­rial Infinergy. Diese BASF-Entwicklung aus expan­dier­tem ther­mo­plas­ti­schem Poly­ure­than (E‑TPU) sorgt für eine komfor­ta­ble Fede­rung: Durch unzäh­lige Schaum­stoff­par­ti­kel, die im Innern winzige, geschlos­sene Luft­zel­len enthal­ten, lässt sich die Sohle extrem zusam­men­pres­sen. Diese Eigen­schaft dämpft den Aufprall des Fußes beson­ders gut. Lässt der Druck nach, federt die Sohle blitz­schnell wieder in ihre ursprüng­li­che Form zurück. Beim Auftre­ten wird die Ener­gie somit absor­biert, aber dann zu einem Groß­teil wieder an den Träger zurück­ge­ge­ben.

Der stell­ver­tre­tende Lager­lei­ter Chris­tian Trim­born trägt den „Reac­tion XXT Low ESD S3“ aus der „Wellmaxx“-Serie und ist sehr zufrie­den: „Der Schuh ist sehr bequem und komfor­ta­bel.“ Auch im Lager besteht zudem die Gefahr, auszu­rut­schen oder umzu­kni­cken – so etwa im Wasch­be­reich, an der Maschine oder auf Trep­pen. Mit einer Profil­tiefe von vier Milli­me­tern beugt die „Well­maxx Trainers“-Sohle SRS-Unfällen vor. Da der Schuh durch sein sport­li­ches Design moder­nen Frei­zeit­schu­hen gleicht, über­zeugt er auch optisch.

Schutz­funk­tio­nen, Trage­kom­fort und Design: Für die Auswahl des passen­den Fußschut­zes geht Susanne Gassen auf die Unfall­ge­fah­ren des Arbeits­plat­zes und auf die Anfor­de­run­gen der Beschäf­tig­ten ein – für Sicher­heits­schuhe, die den Normen entspre­chen und die von den Mitar­bei­tern akzep­tiert werden. Denn erst, wenn der Fußschutz gerne und damit dauer­haft getra­gen wird, kann er auch die benö­tigte Sicher­heit bieten.


Der rich­tige Fußschutz für den Job

Das Arbeits­schutz­ge­setz schreibt soge­nannte tätig­keits­be­zo­gene Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen für den jewei­li­gen Arbeits­platz vor. Von daher können keine pauscha­len Empfeh­lun­gen für den Fußschutz in der Bran­che A oder im Gewerk B ausge­spro­chen werden. Auf Basis jahre­lan­ger Erfah­rung aus dem beruf­li­chen Unfall­ge­sche­hen hat die Deut­sche Gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung jedoch eine unver­bind­li­che Beispiel­samm­lung erstellt. Aus dieser geht hervor, welcher Fußschutz in welchem Gewer­be­zweig sinn­voll ist.

  • Bei Arbei­ten im Bereich der Produk­tion der chemi­schen Indus­trie wird fast ausschließ­lich S2-Schutz ange­ra­ten. Schutz­klasse S1 reicht hier nicht aus, da die Schuhe mit beson­de­ren Anfor­de­run­gen an Wasser­durch­tritt und Wasser­auf­nahme der Mate­ria­lien ausge­stat­tet sein müssen. Typi­sche Gefah­ren sind glatte und rutschige Fußbö­den, auf denen Beschäf­tigte ausrut­schen können.
  • Für Arbei­ten im Lager sind S3-Schuhe vorge­schrie­ben. Sie ergän­zen S2-Schuhe um eine durch­tritt­hem­mende Zwischen­sohle und profi­lierte Lauf­sohle. Typi­sche Gefah­ren sind Verlet­zun­gen an der Fußsohle durch spitze Gegen­stände oder Quet­schun­gen der Zehen durch schwere Teile, die auf den Fuß fallen. Zudem besteht eben­falls die Gefahr von SRS-Unfällen (Stol­pern, Rutschen, Stür­zen) auf glat­ten Böden oder rutschi­gen Stufen.

Die Beispiel­samm­lung ist zu finden unter www.dguv.de (Webcode d1046472).

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