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reflix32 - Steve Bernard im Interview

Nachgefragt bei Steve Bernard
Motorradfahren – aber sicher

Petra Jauch
Es ist für ihn „eine der schön­sten Sachen der Welt“, er ken­nt aber auch die damit ver­bun­de­nen Gefahren: Steve Bernard ist ein lei­den­schaftlich­er Motor­rad­fahrer – daran hat auch ein schw­er­er Unfall im Jahr 2015 nichts geän­dert. Sein erstes Zweirad mit Antrieb bekam er im zarten Alter von 4,5 Jahren, heute teilt er seine Liebe zu „heißen Öfen“ mit derzeit rund 55.000 Fol­low­ern auf seinem Insta­gram-Kanal “reflix32”. Auf diesem insze­niert er sich und seine Mas­chine nach allen Regeln der Kun­st, nutzt seine Pop­u­lar­ität aber auch für den ein oder anderen Tipp in Sachen Sicherheit.

Steve Bernard, woher kommt Ihre Liebe zum Moto-Cross-Sport und zu schnellen Motorrädern?

Ich stamme väter­lich­er­seits aus ein­er motor­rad­ver­rück­ten Fam­i­lie und habe schon mit viere­in­halb Jahren auf ein­er 50er Yama­ha Cross­mas­chine mit dem Motor­rad­sport begonnen. Mit sechs gab es dann eine 50er mit größerem Rah­men, später eine 80er, gefol­gt von den ersten 125er Maschi­nen – jew­eils passend zum Alter und zu mein­er jew­eili­gen Größe. Mein Vater, sein Brud­er, der mein Pate ist, meine Cousins – alle fahren Moped. Mein Patenonkel war Semi-Profi mit eige­nen Spon­soren und einem Touren-Lkw. Ich bin mit­ge­fahren, selb­st gefahren – alle um mich herum sind gefahren. So ist mir das Motor­rad­fahren qua­si in die Wiege gelegt wor­den. Lei­der haben sich meine Eltern rel­a­tiv früh getren­nt, son­st wäre wahrschein­lich noch mehr daraus geworden.

Sie haben dem­nach keine Profikar­riere gemacht und ver­di­enen Ihr Geld anderweitig?

Meinen Leben­sun­ter­halt ver­di­ene ich mit Verkauf­stätigkeit­en inner­halb der Branche: Ich habe in einem Fach­han­del für Motor­rad­bek­lei­dung gear­beit­et und Fahrzeuge bei ver­schiede­nen Her­stellern wie BMW, Yama­ha, Suzu­ki und KTM verkauft. Von meinen Motor­sportak­tiv­itäten allein kann ich zwar nicht leben, aber inzwis­chen habe ich eine so große Reich­weite im sozialen Net­zw­erk, dass ich für Koop­er­a­tionspart­ner und Spon­soren inter­es­sant gewor­den bin.

Dass sich dies so entwick­elt hat, war jedoch Zufall. Eigentlich bin ich kein großer Fan von Face­book und Co. Weil Fre­unde von mir schon länger mit tollen Bildern auf Insta­gram unter­wegs waren, bin ich dann irgend­wann auch zum Fotografieren gekom­men. Ich habe die coolen Möglichkeit­en der Bild­bear­beitung mit Light­room und Pho­to­shop ken­nen­gel­ernt, mir eine passende Kam­era gekauft und selb­st ange­fan­gen, Bilder und Videos von mir aufzunehmen. Da ich ziem­lich gut Motor­rad fahren kann – auf der Straße eben­so wie auf der Rennstrecke – gab es dann erste Spon­sor­ing-Anfra­gen und mit wach­sender Reich­weite immer inter­es­san­tere Ange­bote. Auf diese Weise habe ich mir einen Namen in den sozialen Net­zw­erken gemacht und bin inzwis­chen ein bekan­ntes Gesicht in der Szene.

Auf Ihrem Kanal find­en sich auch Beiträge zur Ausstat­tung und Sicher­heit. Welchen Stel­len­wert hat für Sie eine gute Ausrüstung?

Eine gute Aus­rüs­tung ist sehr wichtig. Ich finde es höchst prob­lema­tisch, wenn sich Motor­rad­fans die schön­sten und teuer­sten Maschi­nen leis­ten, aber kaum Geld in die Aus­rüs­tung steck­en. In meinem Alter ist man da etwas schlauer und weiß, was alles passieren kann. Ich muss auf der Straße auch nicht mehr alles geben. Die Zeit­en sind lange vor­bei und außer­dem bin ich mit­tler­weile allein­erziehen­der Papa. Da geht man keine unnöti­gen Risiken mehr ein.

Ich kann grund­sät­zlich allen nur rat­en, nicht an der Ausstat­tung zu sparen. Dazu gehören ein Helm, eine Led­erkom­bi, ein Rück­en­pro­tek­tor, Motor­rad­stiefel – ide­al­er­weise mit Car­bon-Ver­stärkung – und Hand­schuhe. Das Stan­dard­ma­te­r­i­al für die Bek­lei­dung ist Rind­sled­er. Noch bess­er ist eine Kom­bi aus Kän­gu­ruled­er. Das ist halb so dünn und deshalb viel elastis­ch­er, dabei aber dop­pelt so abriebfest wie Rind­sled­er. An Stellen, auf denen man bei einem Sturz ver­mut­lich auf­prallt, sind zudem kleine Rochen­led­er-Ein­sätze sin­nvoll – etwa an den Innen­flächen der Hand­schuhe oder an der Hüfte. Rochen­led­er ist extrem dick und reißt beim Wegrutschen nicht sofort auf.

Das alles ist natür­lich nicht ganz bil­lig. Wer das Beste vom Besten und dann noch ein tolles Design will, kann lock­er bis zu 10.000 Euro investieren. Es reicht aber vol­lkom­men aus, wenn man 1.500 Euro in die Hand nimmt. Das sollte einem die eigene Sicher­heit allerd­ings wert sein. Denn wer nur mit Helm und Hand­schuhen fährt, wird das ganz sich­er eines Tages bereuen.

Hat­ten Sie schon ein­mal einen schw­eren Unfall, bei dem Sie froh über Ihre Schutzaus­rüs­tung waren?

Ich habe wirk­lich Glück, dass ich noch lebe. Nach kleineren Unfällen, die immer glimpflich aus­ge­gan­gen sind, hat es mich 2015 ganz böse erwis­cht. Ich bin auf dem Heimweg von einem Grup­pe­naus­flug auf den Nür­bur­gring in ein­er Straßenkurve weg­gerutscht. Was genau passiert ist, kann ich nicht sagen, denn in ein­er solchen Schock­si­t­u­a­tion schal­tet sich der Kopf automa­tisch ab. Ich wurde neun Stun­den operiert und lag neun Tage im Koma: Milz geplatzt, Rip­pen mehrfach frak­turi­ert, Wirbel, Knie und Fuß gebrochen und dazu eine Schul­ter­prel­lung, die ich immer noch merke.

Zu meinem großen Glück kam uns ger­ade ein Ret­tungswa­gen ent­ge­gen, sodass sofort fachkundi­ge Erste Hil­fe ein­geleit­et wurde. Die San­itäter haben noch an Ort und Stelle meine Kom­bi durchgeschnit­ten, mir eine 18 Zen­time­ter lange Drainage durch die Brust gejagt, um das Blut zu ent­fer­nen und die Atmung in Gang zu hal­ten. Kaum, dass ich wieder etwas Luft bekam, habe ich sie gefragt – exakt in dieser Rei­hen­folge: „Wo ist mein Motor­rad? Wo bin ich? Ich bekomme keine Luft.“ Da lachen die Jungs heute noch drüber.

Gerettet haben mich aber auch meine dama­lige Top-Kon­di­tion, also meine Muskel­masse, und nicht zulet­zt meine sehr gute Aus­rüs­tung. Ich war zu jen­er Zeit bei einem Motor­rad­bek­lei­dungs­geschäft angestellt. Deswe­gen bekam ich alles zum Einkauf­spreis und kon­nte mir etwas Besseres leis­ten. Das hat sich in diesem Moment mehr als bezahlt gemacht! Heutzu­tage gibt es darüber hin­aus Airbag Sys­teme für Motor­rad­fahrende. Ich nutze auch eins – nicht nur, weil ich dafür einen Spon­sor­ingver­trag unterze­ich­net habe. Diese Airbags funk­tion­ieren inzwis­chen sehr gut und kön­nen wirk­lich Leben ret­ten. Ich finde, sie soll­ten irgend­wann zur Pflich­tausstat­tung werden.

Welche Gefahren wer­den aus Ihrer Sicht von Motor­rad­fahren­den am häu­fig­sten unterschätzt?

Häu­fig unter­schätzt und ver­nach­läs­sigt wird die Pflicht zur regelmäßi­gen Wartung und Pflege. Ein Moped ist kein Auto, es braucht mehr Inspek­tio­nen in viel kürz­eren Inter­vallen. Je nach Fab­rikat muss ich alle 6.000 bis 12.000 Kilo­me­ter mit der Mas­chine in die Werk­statt, um ins­beson­dere Brem­sen und Motor check­en zu lassen. Der Motor ist nicht so lan­glebig wie beim Auto und läuft nicht ein­fach mal 20.000 Fahrk­ilo­me­ter mit dem­sel­ben Öl. Was eben­falls viele unter­schätzen, ist die Wucht, die von ein­er großen Ren­n­mas­chine aus­ge­ht. Inzwis­chen dür­fen Fahran­fänger per Gesetz ja erst­mal keine schw­eren Maschi­nen fahren, son­dern müssen sich für zwei Jahre mit 48 PS beg­nü­gen. Das finde ich nicht schlecht, denn 48 PS auf 200 Kilo bewirken schon eine ganze Menge – es gibt Autos, die haben nur 70 PS und wiegen eine Tonne. Da steckt also schon ganz schön Druck dahinter.

Ich kann aber gut nachvol­lziehen, dass die jun­gen Wilden diese Regelung nicht so toll find­en, denn damals habe ich auch gle­ich nach den großen Maschi­nen geschielt. Heute weiß ich, wie schnell alles vor­bei sein kann. So schön Motor­rad­fahren auch ist: Man set­zt sich gestresst nach der Arbeit auf das Moped, fährt nach Hause – Stress weg, Kopf frei. Es kann aber auch sein, dass man nicht zu Hause ankommt.


Steckbrief: Steve Bernard

  • geboren 1980 in Charleroi (Bel­gien)
  • hat „Ben­zin im Blut“
  • bekam im Alter von 4,5 Jahren seine erste Moto-Cross-Maschine
  • betreibt den Insta­gram-Kanal “reflix32” mit derzeit 55,2 Tausend Followern
  • legt Wert auf eine gute Ausrüstung
  • ist immer „mit Köpfchen“ unterwegs
  • mag die Zahl 32
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