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Schwierige Gespräche

Unter­schiede beach­ten

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Fern­seh­be­richte über Länder, aus denen Flücht­linge nach Deutsch­land kommen, lassen erah­nen, dass der Arbeits- und Gesund­heits­schutz dort einen gerin­ge­ren Stel­len­wert hat. Wer sich das bewusst macht, kann entspre­chend damit umge­hen.

Jamal K., 21, kommt aus Afgha­ni­stan. Er hat in seiner Heimat einige Semes­ter studiert, aber keinen Abschluss. Er weiß nicht, wie lange er in Deutsch­land blei­ben darf. Trotz­dem gibt ihm ein mittel­stän­di­sches Unter­neh­men die Chance, in der Produk­tion zu arbei­ten. Die ersten Wochen sind eine Heraus­for­de­rung für beide Seiten.

Jeder fünfte Betrieb in Deutsch­land beschäf­tigt Geflüch­tete. Die meis­ten arbei­ten nicht in ihrem erlern­ten Beruf, sondern als Prak­ti­kan­ten oder Hilfs­kräfte. Beson­ders viele arbei­ten im verar­bei­ten­den Gewerbe, im Handel sowie im Dienst­leis­tungs­be­reich. Bei einer Umfrage des Insti­tuts der Deut­schen Wirt­schaft Köln Ende 2016 gaben 86 Prozent der befrag­ten Unter­neh­men an, dass mangelnde Deutsch­kennt­nisse die größte Heraus­for­de­rung bei einer Beschäf­ti­gung von Geflüch­te­ten seien. Denn dadurch können Konflikte und gefähr­li­che Situa­tio­nen entste­hen.

Manch­mal kann ein Über­set­zer helfen

Auch Jamal K. spricht wenig Deutsch. Das meiste hat er sich auf seiner Flucht über das Inter­net mit einem Smart­phone selbst beigebracht.

Reichen die Deutsch­kennt­nisse für den beruf­li­chen Alltag nicht aus, kann der Sicher­heits­be­auf­tragte die Erst­un­ter­wei­sung zum Beispiel zusam­men mit einem ehren­amt­li­chen Über­set­zer einer Hilfs­or­ga­ni­sa­tion durch­füh­ren. Mit bebil­der­ten Broschü­ren kann über Maschi­nen, Geräte, Gefahr­stoffe und Persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung (PSA) infor­miert werden. Viele dieser Dinge kennen die Geflüch­te­ten aus ihren Herkunfts­län­dern nicht.

Der Sicher­heits­be­auf­tragte in Jamals Betrieb hat sogar noch weiter gedacht und Brandschutz- und Erste-Hilfe-Plakat sowie Aufkle­ber zur Hand- und Toilet­ten­hy­giene in mehre­ren Spra­chen besorgt. Darun­ter auch Paschtu, die offi­zi­elle Landes­spra­che in Afgha­ni­stan.

Wenn die (Sicherheits)Kultur so ganz anders ist

Zwei­spra­chige Mitar­bei­ter können Mitt­ler sein. Sie können wich­tige Infor­ma­tio­nen über­set­zen bzw. in ihrer Herkunfts­spra­che erklä­ren. Und sie können dazu beitra­gen, dass es weni­ger Miss­ver­ständ­nisse gibt. Seit 2016 gibt es die „Verord­nung über die berufs­be­zo­gene Deutsch­sprach­för­de­rung“ (DeuFöV). Auch wer schon arbei­tet, aber keine ausrei­chen­den Sprach­kennt­nisse besitzt, kann daran teil­neh­men. Die Arbeits­agen­tur ist für diese berufs­sprach­li­chen Kurse der Ansprech­part­ner.

Obwohl Jamal schon einein­halb Jahre in Deutsch­land lebt, sind ihm die deut­sche Gesell­schaft und Kultur in vieler­lei Hinsicht noch fremd. Eine Frau als Vorar­bei­ter? Für ihn undenk­bar. Doch die Kolle­gen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund klären das schnell mit ihm. Die Frage, ob seine Mutter für ihn heilig und die wich­tigste Frau in seiner Fami­lie sei, bejaht Jamal. Darauf­hin sagen sie ihm, dass die Vorge­setzte sozu­sa­gen die „Mutter der Truppe“ sei. Durch dieses anschau­li­che Beispiel kann sich Jamal auf die unge­wohnte Situa­tion einlas­sen.

Alle wollen fair behan­delt werden

Die Geflüch­te­ten haben eine lange und oft gefähr­li­che Reise hinter sich. Sie müssen Deutsch lernen und sich hier zurecht­fin­den. Für diese beson­dere Situa­tion haben alle Verständ­nis, aber eine Bevor­zu­gung darf es deshalb nicht geben. Manche Dinge sind nicht verhan­del­bar. Wenn es zum Beispiel um die Gleich­be­rech­ti­gung von Männern und Frauen oder um die Sicher­heit geht, braucht es eine eindeu­tige Posi­tion. Aber auch bei bana­len Dingen wie Pünkt­lich­keit sollte man klare Ansa­gen machen.

Jamal ist in den ersten vier Wochen mehr­mals zu spät zur Arbeit gekom­men. Seine Vorar­bei­te­rin hat wie bei jedem ande­ren Mitar­bei­ter reagiert und ihn beim zwei­ten Mal darauf ange­spro­chen. Beim drit­ten Mal gab es eine Abmah­nung.

Inter­kul­tu­relle Kompe­tenz besteht nicht nur aus Tole­ranz. Alle im Betrieb wünschen sich Fair­ness. Das gilt nicht nur für Lohn und Gehalt, sondern auch für den tägli­chen Umgang bei der Arbeit.


Foto: privat

Autorin: Bettina Brucker

Fach­jour­na­lis­tin


Miss­ver­ständ­nisse ausräu­men

Wenn ein Kollege beim Sommer­fest kein Schwei­ne­ko­te­lett isst, heißt das nicht, dass er sich nicht an den Arbeits­all­tag anpas­sen will. Oft lassen sich Miss­ver­ständ­nisse im Gespräch aufklä­ren und gemein­sam lösen.

Inter­kul­tu­relle Konflikte, die man beden­ken und anspre­chen sollte, können unter ande­rem entste­hen aufgrund

  • gesell­schaft­lich unter­schied­li­cher Maßstäbe an den Arbeits­schutz,
  • der persön­li­chen Einstel­lung zur Sicher­heit am Arbeits­platz,
  • eines ande­ren Verständ­nis­ses von Pünkt­lich­keit und Ordnung,
  • der unge­wohn­ten Zusam­men­ar­beit von Männern und Frauen,
  • reli­giö­ser Vorschrif­ten, die den Arbeits­schutz erschwe­ren können – so zum Beispiel das Tragen von Kopf­tü­chern.

Praxis-Tipp

Fragen Sie Ihre auslän­di­schen Kolle­gen bezie­hungs­weise die Beschäf­tig­ten mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund,

  • wie es ihnen in der ersten Zeit in Deutsch­land ging.
  • was sie unge­wöhn­lich fanden.
  • was ihnen beim Einstieg in die Arbeit bezie­hungs­weise in den Betrieb beson­ders gehol­fen hat.

Weiter­füh­rende Infor­ma­tio­nen

  • … erhal­ten Sie· auf dem Inter­net­por­tal der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung (DGUV) zum Thema Arbeits­schutz für Flücht­linge
    www.dguv.de/fluechtlinge/index.jsp
  • … gibt es beim Projekt Inte­gra­tion durch Arbeit (IdA) der Verei­ni­gung der Baye­ri­schen Wirt­schaft. Dort finden sich allge­meine Sicher­heits­hin­weise in Deutsch, Arabisch, Dari, Englisch, Fran­zö­sisch, Paschtu und Persisch www.vbw-bayern.de Service­Cen­ter Inte­gra­tion von Geflüch­te­ten
  • … finden Sie beim „Netz­werk Unter­neh­men inte­grie­ren Flücht­linge“
    www.unternehmen-integrieren-fluechtlinge.de
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