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Vorbildliche Gesundheitsförderung

EU-OSHA verleiht Best-Practice-Award an deutsche Unternehmen
Vorbildliche Gesundheitsförderung

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Die Europäis­che Agen­tur für Sicher­heit und Gesund­heit am Arbeit­splatz (EU-OSHA) hat einen Best-Prac­tice-Award an Unternehmen ver­liehen, die die Arbeits­be­din­gun­gen sowohl ihrer jun­gen als auch ihrer älteren Beschäftigten gesund­heits­förder­lich gestal­ten. Unter den Aus­geze­ich­neten sind zwei Unternehmen aus Deutsch­land: Die Con­ti­nen­tal AG aus Han­nover und die Hei­del­berg­er Druck­maschi­nen AG.

Die Erwerb­s­bevölkerung in Europa altert. Unternehmen, die sich für gesund­heits­fördernde Arbeits­be­din­gun­gen ein­set­zen, stärken zugle­ich Gesund­heit und Leis­tungs­fähigkeit ihrer Mitar­beit­er. Anlässlich der Kon­ferenz, die im Rah­men der europäis­chen Rat­spräsi­dentschaft stat­tfand, zeich­nete eine europäis­che Jury am 26. April in Mal­tas Haupt­stadt Val­let­ta acht Unternehmen aus und hob acht weit­ere lobend her­vor. Die jet­zt aus­geze­ich­neten deutschen Unternehmen Hei­del­berg­er Druck­maschi­nen AG und Con­ti­nen­tal AG wur­den zunächst auf nationaler Ebene aus­gewählt und schließlich von der europäis­chen Jury prämiert. Mit ihrem Pro­gramm „Wan­del gestal­ten – Arbeits­fähigkeit stärken. Aktive Förderung von Gesund­heit, Knowhow und Flex­i­bil­ität durch ein beteili­gung­sori­en­tiertes Hand­lungspaket“ fördert die Hei­del­berg­er Druck­maschi­nen AG die Gesund­heit der Beschäftigten ger­ade im Hin­blick auf den demografis­chen Wan­del. Gemein­sam mit den Beschäftigten
ermit­telte das Unternehmen den per­sön­lichen Hand­lungs­be­darf und erar­beit­ete gemein­schaftlich bedarf­s­gerechte Maß­nah­men. Dazu zählen neben Kon­struk­tion­sän­derun­gen, um die Mon­tage und Wartung der Maschi­nen zu erle­ichtern, dauer­hafte Ange­bote, wie ein Lauftr­e­ff oder die „aktive Pause“, sowie Entwick­lung­spro­gramme für Führungskräfte, um eine unter­stützende Führungsar­beit zu stärken. Das im April 2017 eröffnete fir­menin­terne Gesund­heits­cen­ter Wiefit run­det das Pro­gramm ab.

Die Con­ti­nen­tal AG hat ein Ergonomie- und Demografiepro­gramm im gesamten Konz­ern imple­men­tiert und damit die Jury überzeugt. Mit dem Pro­gramm ver­fol­gt Con­ti­nen­tal das strate­gis­che Ziel, die Beschäftigten unab­hängig von Alter und Geschlecht flex­i­bel ein­set­zen zu kön­nen. Das Unternehmen iden­ti­fiziert deshalb sys­tem­a­tisch Arbeit­splätze, an denen die Beschäftigten hohen Belas­tun­gen durch die Arbeit­sor­gan­i­sa­tion, die Umge­bungs­be­din­gun­gen und kör­per­liche Beanspruchung aus­ge­set­zt sind, und gestal­tet sie um. Dabei wer­den sowohl psy­chis­che als auch kör­per­liche Gefährdun­gen erfasst. Im Rah­men ein­er ergonomis­chen Gefährdungs­beurteilung erfasst und bew­ertet Con­ti­nen­tal konz­ern­weit Belas­tun­gen mith­il­fe des Belas­tungs-Doku­men­ta­tions-Sys­tems und analysiert im Anschluss die Dat­en. Zudem richtete das Unternehmen eine Good Prac­tice Daten­bank ein, die inzwis­chen stan­dortüber­greifend mehr als 200 Beispiele enthält. Neue Arbeit­splätze sollen im Sinne ein­er erfol­gre­ichen Primär-Präven­tion alternssta­bil und geschlechterneu­tral gestal­tet werden.


Gesundheits- und Trainingszentrum Wiefit: Nah am Arbeitsplatz

Direkt inner­halb der größten Mon­tage­halle mit­ten in ihrem Werk Wies­loch-Wall­dorf hat die Hei­del­berg­er Druck­maschi­nen AG in Zusam­me­nar­beit mit einem exter­nen Betreiber das Gesund­heits- und Train­ingszen­trum Wiefit ein­gerichtet. Für die Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er sind es nur wenige Schritte in die ins­ge­samt 400 Quadrat­meter großen Räume, in denen sie ganz indi­vidu­ell etwas für ihre Gesund­heit tun kön­nen. Präven­tion, Train­ing und Ther­a­pie sind die drei Säulen des Ange­bots, wie Gesund­heits­man­ag­er Alexan­der Berg­er erk­lärt. Meldet sich ein Mitar­beit­er an, bespricht er in einem Anam­nese-Gespräch mit einem Physio- oder Sport­ther­a­peuten, was er erre­ichen will, etwa Beschw­erde­frei­heit bei Schmerzen oder Gewicht­sre­duk­tion. Auf dieser Grund­lage erhält er dann einen per­sön­lichen Train­ings­plan und wird in einem Ein­führungskurs gründlich eingewiesen. Will er trainieren, braucht er nur den Werk­sausweis vor ein Dis­play am Train­ings­gerät halten.
Da der Plan in den neun Geräten hin­ter­legt ist, bekommt er Hin­weise auf die richtige Train­ingsin­ten­sität und die Fortschritte, die er gemacht hat. Die Übun­gen nehmen in der Regel rund 20 Minuten in Anspruch. Die Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er kön­nen ganztägig während der Arbeit trainieren, stechen dafür allerd­ings aus. Manche leg­en auch schon vor der ersten Schicht um 5:30 Uhr eine Runde Sport ein.

Wer sich fürs Train­ing anmeldet, zahlt 19,- Euro im Monat. Zusät­zlich ange­botene Kurse wer­den von der Krankenkasse bezuschusst. In das Gesund­heit­szen­trum inte­gri­ert ist eine Phys­io­ther­a­pieprax­is mit Krankenkassen­zu­las­sung. Hier kön­nen die Mitar­beit­er direkt ihre Beschw­er­den auf Rezept, und in den
Arbeit­sall­t­ag inte­gri­ert, behan­deln lassen.

Das Ange­bot wird von den rund 5000 Mitar­beit­ern der Hei­del­berg­er Druck­maschi­nen am Stan­dort Wiesloch/Walldorf, von denen rund 3500 in der Pro­duk­tion, Mon­tage oder Logis­tik arbeit­en, gut angenom­men. Bere­its einen Monat nach Eröff­nung liefen 17 Ein­führungskurse par­al­lel. Per­son­alleit­er Prof. Rupert Felder wies bei Eröff­nung des Gesund­heit­szen­trums im April dieses Jahres auf den rel­a­tiv hohen Alters­durch­schnitt in der Belegschaft hin. Jed­er Zweite sei über 50 Jahre alt. Die Mitar­beit­er, die teil­weise schwere kör­per­liche Arbeit ver­richteten, hät­ten immer häu­figer mit Prob­le­men im Muskel- und Skelet­tbere­ich zu kämpfen. Es gehe darum, ihre Arbeits­fähigkeit zu erhal­ten und gle­ichzeit­ig ihre Leben­squal­ität zu verbessern. Hei­del­berg investiere in die Gesund­heit sein­er Mitar­beit­er und damit auch in die Zukun­ft des Unternehmens. VM

An ins­ge­samt neun Geräten kön­nen die Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er der Hei­del­berg­er Druck­maschi­nen AG nach einem indi­vidu­ellen Plan trainieren.
Foto: © Hei­del­berg­er Druck­maschi­nen AG

Ergonomie- und Demografieprogramm

Bere­its seit 13 Jahren arbeit­et das Tech­nolo­gie­un­ternehmen Con­ti­nen­tal daran, Arbeit­splatz­be­las­tun­gen mess­bar zu machen – mit großem Erfolg. „Die Grun­didee war zunächst, alters­be­d­ingte Leis­tung­sein­schränkun­gen der Mitar­beit­er zu beschreiben und diese mith­il­fe ein­er Soft­ware abzu­bilden“, so Klaus-Dieter Wendt, Leit­er Ergonomie.

„Mit­tler­weile haben wir das Konzept um den präven­tiv­en Ansatz zum Schutz der jun­gen Mitar­beit­er erweit­ert. Damit kom­men wir erst gar nicht in die Sit­u­a­tion, unsere Mitar­beit­er, egal in welch­er Leben­sphase, zu über­las­ten – sowohl kör­per­lich als auch psy­chisch“, sagte Wendt. Er fügte hinzu: „Diese bei­den Aspek­te haben wir in Kenn­zahlen abge­bildet, mit denen das Man­age­ment die Umset­zung im Unternehmen steuert.“

Inner­halb des Ergonomie- und Demografie-Pro­gramms set­zt Con­ti­nen­tal ein Sys­tem ein, das Arbeit­splatz­be­las­tun­gen nicht nur iden­ti­fiziert, son­dern auch quan­tifiziert. Die Dat­en geben dann gezielt Auskun­ft über die Belas­tung des Mitar­beit­ers am Arbeit­splatz. Damit kön­nen für jede gesund­heitliche Ein­schränkung geeignete Arbeit­splätze am Stan­dort ermit­telt wer­den. Gegebe­nen­falls zusät­zlich erforder­liche Umgestal­tungs­maß­nah­men wer­den aufgezeigt.

Ein wichtiges Struk­turele­ment inner­halb des Pro­gramms sind die inter­diszi­plinären Ergonomie-Teams an den Stan­dorten. Die Team­mit­glieder durch­laufen weltweit eine sys­tem­a­tis­che Ergonomie-Ausbildung.

Beson­ders vor dem Hin­ter­grund von Indus­trie 4.0 und Dig­i­tal­isierung gewin­nen Ergonomie und Demografie immer mehr an Bedeu­tung. „Der Wan­del in den Arbeit­sprozessen und Tätigkeit­en verur­sacht andere Belas­tun­gen der Men­schen. Sie ver­schieben sich schrit­tweise in Rich­tung psy­cho­me­n­taler und klein­teiliger manueller Tätigkeit­en. Sie wer­den dadurch aber nicht geringer. Das haben wir jet­zt schon im Blick“, sagte Wendt.

Hubtisch vorher: Während der For­men­reini­gung müssen die Mitar­beit­er eine sehr belas­tende weit nach vorne geneigte Kör­per­hal­tung einnehmen.
Foto: © Con­ti­nen­tal AG
Hubtisch nach­her: Durch die Höhen- und Nei­gungsver­stel­lung ist die Arbeits­fläche indi­vidu­ell ein­stell­bar, so dass der Mitar­beit­er nun entwed­er im Sitzen oder Ste­hen arbeit­en kann.
Foto: © Con­ti­nen­tal AG
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