Startseite » Sicherheitsbeauftragter » Wolf-Ingo Hummig

Nachgefragt

Wolf-Ingo Hummig

Anzeige
Meter­hohe Feuer­wände, ein Fackel­meer auf Knopf­druck – der Fami­li­en­be­trieb Hummig Effects verleiht Bühnen­in­sze­nie­run­gen und Film­pro­duk­tio­nen mit seinen Spezi­al­ef­fek­ten Erleb­nis­cha­rak­ter. Seinen Betrieb für Beleuch­tung und Effekte verla­gerte Firmen­grün­der Wolf-Ingo Hummig 1976 von Dres­den nach Ober­bay­ern. Als weite­rer Geschäfts­be­reich wurde 1995 die staat­lich aner­kannte Pyro­tech­ni­ker­schule zuge­las­sen, in der jähr­lich etwa hundert Teil­neh­mer einen Pyro­tech­ni­ker­kurs mit Fach­kun­de­prü­fung absol­vie­ren.

Herr Hummig, etwas anzün­den kann prin­zi­pi­ell jeder.
Die hohe Kunst besteht darin, dass ein Feuer­werk oder Spezi­al­ef­fekte kontrol­liert ablau­fen. Wie stel­len Sie sicher, dass bei Ihren Aufträ­gen niemand zu Scha­den kommt?

Für unsere Thea­ter­auf­füh­run­gen haben wir für jeden Effekt eine Effekt­do­ku­men­ta­tion, in welcher alle mögli­chen Gefah­ren aufge­zählt und even­tu­ell ergänzt werden, ebenso haben wir für Feuer­werke eine Feuer­werks­do­ku­men­ta­tion. Diese Doku­men­ta­tio­nen stam­men aus den Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrif­ten für Veran­stal­tun­gen und für Feuer­werke. Aus diesen Schrif­ten der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung haben wir unsere eige­nen Doku­men­ta­tio­nen zusam­men­ge­stellt, in denen alle Gefah­ren und Beson­der­hei­ten ange­spro­chen und ergänzt werden. Dazu gehört auch noch eine Betriebs­an­wei­sung, in der das Verhal­ten im Betrieb, also vor der Veran­stal­tung, fest­ge­legt ist. Zudem gibt es eine Seite, auf der die belehr­ten Perso­nen unter­schrei­ben, was doku­men­tiert und bespro­chen wurde. Das mache ich vor jedem Effekt und vor jeder Erpro­bung eines Effek­tes, vor jedem Feuer­werk et cetera erneut, da es jedes Mal andere Gefähr­dun­gen geben kann. Zudem trägt unser großer Erfah­rungs­schatz dazu bei, mögli­che Gefah­ren zu erken­nen und rich­tig einzu­schät­zen.

Ihre Spezi­al­ef­fekte bilden die i‑Tüpfelchen in vielen hoch­ka­rä­ti­gen Insze­nie­run­gen. Was war für Sie die bislang größte Heraus­for­de­rung?

Einer unse­rer größ­ten Aufträge war eine bren­nende Feuer­wand auf einer Bühne in Amster­dam, auf der aus Brand­schutz­grün­den während der Vorstel­lung nicht einmal geraucht werden durfte. Die Feuer­wand wurde durch unsere mit Luft­druck betä­tig­ten Sicher­heits­fa­ckeln erzeugt und ergab die gewünschte Feuer­höhe von 1,50 Meter und eine Breite von 16 Metern. Eine ähnlich große Insze­nie­rung war der bren­nende Tempel für die Oper Nabucco in der Metrol­po­li­tan Opera New York, bestehend aus 48 unse­rer pneu­ma­ti­schen Sicher­heits­fa­ckeln. Eine Beson­der­heit unse­rer Effekte bezie­hungs­weise Geräte ist dabei, dass sie nach Über­gabe selbst­stän­dig vom Thea­ter­per­so­nal genutzt werden können. Wir werden dann also nicht mehr benö­tigt.

Wovon wir noch träu­men, ist ein Auftrag für ein großes Silves­ter­feu­er­werk in München. Wir hoffen, dass private Feuer­werke für die gesamte Stadt unter­sagt werden, wie es zum Beispiel schon in Sydney der Fall ist. Zum Ausgleich spen­diert dann die Stadt den Bürgern ein großes Feuer­werk, um den massen­wei­sen Feinstaub-Emissionen entge­gen­zu­wir­ken.

Seit 1995 gehört auch eine Pyro­tech­ni­ker­schule zu Ihrem Unter­neh­men. Welchen Stel­len­wert genie­ßen Sicher­heits­lek­tio­nen in der Ausbil­dung?

In unse­ren Lehr­gän­gen geht es zual­ler­erst um die Sicher­heits­maß­nah­men, also Doku­men­ta­tio­nen, dann folgen die gesetz­li­chen Rege­lun­gen. Erst an drit­ter Stelle kommt die Praxis, welche dann – in Verbin­dung mit den Schutz­vor­keh­run­gen – den Pyro­tech­ni­ker ausmacht. Für den Praxis­teil haben wir eigens drei große Übungs- und Erpro­bungs­plätze: eine Open Air Bühne, eine Frei­licht­bühne mit Film­ge­lände und eine Test-Halle, in denen wir Gefah­ren­si­tua­tio­nen nach­stel­len. Dabei ist meist ein Vertre­ter der Regie­rung von Ober­bay­ern anwe­send. Zusätz­lich geben wir an die Teil­neh­mer wich­tige Erfah­run­gen weiter, die wir in fünf­zig Jahren gesam­melt haben. Um ihnen den nöti­gen Respekt im Umgang mit Pyro­tech­nik zu vermit­teln, verwei­sen wir auch auf reale Unfall­bei­spiele. Zum Glück ist bei uns selbst in der gesam­ten Zeit weder Mitar­bei­tern noch Teil­neh­mern Schlim­me­res zuge­sto­ßen. Dafür sind wir sehr dank­bar.

Was ist für Sie ein guter Pyro­tech­ni­ker?

Was einen guten Pyro­tech­ni­ker ausmacht, ist, dass er die Gefah­ren­si­tua­tion gut einschät­zen und beur­tei­len kann, und mit der auf dem Markt erhält­li­chen Pyro­tech­nik krea­tive Lösun­gen entwi­ckelt. Denn ein Effekt ist ja nicht nur ein Schuss oder Knall, sondern ein Gesamt­bild, das sich aus pyro­tech­ni­schen, aber auch mecha­ni­schen Elemen­ten zusam­men­setzt. Nehmen wir einen explo­die­ren­den Koffer: Hier kommt nicht nur eine Flamme zum Einsatz, sondern der Effekt bekommt eine krea­tive Note durch heraus­flie­gende Wäsche­teile und Rauch. Ande­res Beispiel: ein explo­die­ren­der Ofen. Um den Effekt so krea­tiv wie möglich zu gestal­ten, fliegt aus dem Ofen ein Brat­hähn­chen, aus dem Kamin kommt Ruß und ein Feuer­strahl reißt die Ofen­klappe auf. Das sind dann echte Hingu­cker.


Steck­brief

  • gebo­ren 1943 in Dres­den
  • gelern­ter Elek­tro­me­cha­ni­ker
  • Beruf: Selbst­stän­di­ger Pyro­tech­ni­ker (Hummig Effects und Pyro­tech­ni­ker­schule)
  • betreute Tour­neen von Musi­ker­grö­ßen wie Johnny Cash, Katja Ebstein und Howard Carpen­dale
  • hielt Vorle­sun­gen an der FH Rosen­heim und an der Fach­hoch­schule für Film und Fern­se­hen in Gaisel­gas­teig
  • arbei­tet aus Alters­grün­den „nur“ noch acht Stun­den täglich
  • würde gerne mit 85 Jahren lang­sam zurück­tre­ten
Anzeige

News­let­ter

Jetzt unse­ren News­let­ter abon­nie­ren

Meistgelesen

Jobs

Sicher­heits­be­auf­trag­ter

Titelbild Sicherheitsbeauftragter 12
Ausgabe
12.2019
ABO

Sicher­heits­in­ge­nieur

Titelbild Sicherheitsingenieur 11
Ausgabe
11.2019
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de