Startseite » Sicherheitsbeauftragter »

Zeit­ar­beit und Arbeits­schutz

Zuständigkeit und Verantwortlichkeit
Zeit­ar­beit und Arbeits­schutz

Zeitarbeit_Cloud_AdobeStock_110349776_andyller-01.jpg
Foto: © andyller - stock.adobe.com
Anzeige
Als Leih­ar­beit­neh­mer in einer frem­den Firma zu arbei­ten, ist mit einem erhöh­ten Gefähr­dungs­po­ten­zial verbun­den. Denn Leih­ar­bei­tern sind die Räum­lich­kei­ten, Arbeits­pro­zesse und inter­nen Rege­lun­gen im Kunden­be­trieb zunächst unbe­kannt und auf längere Zeit weni­ger vertraut als dem Stamm­per­so­nal, das schon jahre­lang im Unter­neh­men arbei­tet.

Bettina Brucker

Verant­wort­lich für den Arbeits­schutz ist durch das Drei­ecks­ver­hält­nis bei der Arbeit­neh­mer­über­las­sung sowohl der Verlei­her als auch der Entlei­her. Die Haupt­ver­ant­wor­tung liegt beim entlei­hen­den Kunden­be­trieb. Er hat das Weisungs­recht und inte­griert den Leih­ar­beit­neh­mer in sein Unter­neh­men. Das bedeu­tet, dass er ihn in seinen Arbeits­platz einwei­sen und auf beson­dere Gefah­ren sowie Schutz­maß­nah­men hinwei­sen muss. Aber auch auf „geheime Tücken“ wie zum Beispiel eine nied­rige Tür sollte der Arbeit­ge­ber den neuen Mitar­bei­ter auf Zeit hinwei­sen.

Geteilte Verant­wor­tung

Der Perso­nal­dienst­leis­ter hat die Pflicht, grund­sätz­lich für die Sicher­heit und den Gesund­heits­schutz seines Leih­ar­beit­neh­mers zu sorgen, da er dessen Arbeit­ge­ber ist. Meist stellt er eine Grund­aus­stat­tung an Persön­li­cher Schutz­aus­rüs­tung (PSA) zur Verfü­gung und über­nimmt die Grund­un­ter­wei­sung. Außer­dem muss er sicher­stel­len, dass der Entlei­her Arbeits­schutz­vor­schrif­ten und Maßnah­men einhält. Große Perso­nal­dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men haben deshalb eigene Sicher­heits­fach­kräfte. Sie gehen zum Kunden­be­trieb und schauen sich die Arbeits­plätze an. Und sie bera­ten die Unter­neh­mer und Arbeits­schutz­fach­kräfte im Betrieb.

Im Arbeit­neh­mer­über­las­sungs­ver­trag soll­ten zwischen Verlei­her und Entlei­her folgende Fragen zum Arbeits­schutz geklärt und verein­bart sein:

  • Wer unter­weist den Leih­ar­beit­neh­mer?
  • Ist eine Persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung (PSA) erfor­der­lich? Und wenn ja, wer stellt sie?
  • Sind arbeits­me­di­zi­ni­sche Vorsor­ge­un­ter­su­chun­gen vorge­schrie­ben? Wenn ja: Wer veran­lasst sie?
  • Ist die Erste Hilfe am Tätig­keits­ort sicher­ge­stellt?
  • Wie hat die Meldung eines Arbeits­un­falls bezie­hungs­weise einer Berufs­krank­heit an den Perso­nal­dienst­leis­ter zu erfol­gen?

Der Arbeit­ge­ber, also der Perso­nal­dienst­leis­ter, ist auch für das betrieb­li­che Gesund­heits­ma­nage­ment (BGM) und für die Ange­bote zur betrieb­li­chen Gesund­heits­för­de­rung (BGF) verant­wort­lich. Denn er kann nicht davon ausge­hen, dass seine Leih­ar­beit­neh­mer während einer befris­te­ten Über­las­sung am Gesund­heits­pro­gramm des Entlei­hers teil­neh­men können.

Der Sicher­heits­be­auf­tragte

Ab 20 Mitar­bei­tern braucht ein Unter­neh­men einen Sicher­heits­be­auf­trag­ten. Das gilt auch beim Einsatz von Leih­ar­bei­tern. Erhöht sich die Zahl der Mitar­bei­ter im Kunden­be­trieb entspre­chend, muss der Entlei­her mit dem Perso­nal­dienst­leis­ter klären, wer von ihnen den Sicher­heits­be­auf­trag­ten bestellt. Die Verein­ba­rung dazu sollte schrift­lich fest­ge­hal­ten werden.

Stellt der Kunden­be­trieb den Sicher­heits­be­auf­trag­ten, muss sich dieser um die Leih­ar­beit­neh­mer kümmern und sie wie neue Mitar­bei­ter behan­deln. Außer­dem sollte der Sicher­heits­be­auf­tragte bei der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung und der Unter­wei­sung der Leih­ar­beit­neh­mer dabei sein. So lernen die „Kolle­gen auf Zeit“, ihn, seine Funk­tion und Aufga­ben gleich kennen.

Da der Sicher­heits­be­auf­tragte keine Weisungs­be­fug­nis hat – weder gegen­über den eige­nen Kolle­gen noch den Mitar­bei­tern einer Fremd­firma – bleibt ihm nur das kolle­giale Gespräch.

Lesen Sie auch:


Nach­ge­fragt: Gibt es typi­sche Unfall­si­tua­tio­nen in der Zeit­ar­beit?

Die Unfall­sta­tis­tik in der Zeit­ar­beit ist die glei­che wie über­all in Deutsch­land. An erster Stelle stehen Abstur­zun­fälle, also dass jemand von der Leiter fällt oder bei einer Bege­hung durch einen Licht­schacht. Wurde zum Bespiel eine Licht­kup­pel auf einem Dach lange nicht gerei­nigt, kann sie leicht über­se­hen werden. An zwei­ter Stelle sind immer wieder Hand­un­fälle. Aber auch das ist nichts Typi­sches für die Zeit­ar­beit.

Was für die Zeit­ar­beit aller­dings typisch ist: Viele Unfälle passie­ren Hilfs­ar­beits­kräf­ten. Doch dafür kann die Zeit­ar­beit an sich nichts. Der wahre Grund ist: Unter­neh­men stel­len keine Hilfs­kräfte mehr ein. Denen ist der Aufwand des Bewer­bungs­ver­fah­rens zu groß. Das kostet zu viel Zeit. Das Wich­tigste für sie ist, dass die Maschine besetzt ist. Doch der Bedarf an Hilfs­kräf­ten ist groß und so sind 50 Prozent der Beschäf­tig­ten in der Zeit­ar­beits­bran­che Hilfs­kräfte. Das erklärt den hohen Anteil am Unfall­ge­sche­hen.“

Martin_Gehrke.jpg

Martin Gehrke, Inha­ber der Gehrke Zeit­ar­beit GmbH und Beisit­zer
im iGZ-Bundesvorstand, Foto: Gehrke Zeit­ar­beit GmbH


Wer haftet bei einem Arbeits­un­fall?

  • Recht­lich sind an einem Arbeits­un­fall eines Leih­ar­beit­neh­mers mindes­tens drei Perso­nen betei­ligt: der Leih­ar­beit­neh­mer selbst, der Verlei­her als sein Arbeit­ge­ber und der Entlei­her, in dessen Betrieb der Leih­ar­beit­neh­mer einge­setzt ist. Doch wer zahlt den Scha­dens­er­satz und das Schmer­zens­geld, nach­dem die Berufs­ge­nos­sen­schaft den Unfall als Arbeits­un­fall aner­kannt hat?
  • Bei der Arbeit­neh­mer­über­las­sung ist die Verant­wor­tung für den Arbeits­schutz aufge­spal­ten (§ 11 Abs. 6 AÜG). So muss der Entlei­her den Leih­ar­beit­neh­mer unter­wei­sen und dafür Sorge tragen, dass alle öffentlich-rechtlichen Arbeits­schutz­vor­schrif­ten einge­hal­ten werden.
  • Außer­dem gilt für den Entlei­her das Haftungs­pri­vi­leg. Kommt es zu einem Arbeits­un­fall, so haftet der Entlei­her, wenn ihm Vorsatz nach­zu­wei­sen ist (LAG Hessen, 05.07.2018 – 9 Sa 459/17).
  • Dem Verlei­her oblie­gen Kontroll- und Über­wa­chungs­rechte. Seine Einwir­kungs­mög­lich­kei­ten auf die Arbeits­um­stände beim Entlei­her sind dabei begrenzt. Aller­dings haftet er, wenn er seine Pflich­ten vorsätz­lich miss­ach­tet.
  • Ist bei einem Arbeits­un­fall weder dem Entlei­her Vorsatz nach­zu­wei­sen noch dem Verlei­her eine Verlet­zung seiner Kontroll- und Über­wa­chungs­pflich­ten, tritt die Unfall­ver­si­che­rung für die Scha­dens­re­gu­lie­rung ein.
Anzeige
News­let­ter

Jetzt unse­ren News­let­ter abon­nie­ren

Meistgelesen

Jobs
Sicher­heits­be­auf­trag­ter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 8
Ausgabe
8.2020
ABO
Sicher­heits­in­ge­nieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 8
Ausgabe
8.2020
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de