Startseite » Sicherheitsbeauftragter »

Zu viel Sonne? Hautkrebsrisiken am Arbeitsplatz verringern

Hautkrebsrisiko am Arbeitsplatz verringern
Zu viel Sonne? S‑T-O‑P!

An Arbeitsplätzen im Freien müssen Beschäftigte vor zuviel schädlicher Sonneneinstrahlung geschützt werden.
Zu viel Sonnenlicht bzw. zu viel UV-Strahlung kann zu Hautkrebs führen. Doch es gibt präventive Maßnahmen. Foto: © Cobalt - Fotolia.com
Anzeige
Beschäf­tigte, die viel im Freien arbei­ten, müssen sich jetzt wieder beson­ders vor einer Über­do­sis Sonne schüt­zen. Wir zeigen Ihnen verschie­dene Möglich­kei­ten zur Präven­tion von Haut­krebs.
Petra Hannen
Die Klage eines Dach­de­ckers gegen die Berufs­ge­nos­sen­schaft brachte 2012 den Stein ins Rollen: Das Verfah­ren vor dem Sozi­al­ge­richt Aachen stellte klar, dass die Haut­krebs­er­kran­kung dieses Dach­de­ckers den Versi­che­rungs­fall einer soge­nann­ten Wie-Berufskrankheit darstellt. Eine Wie-Berufskrankheit taucht zwar nicht in der Berufs­krank­hei­ten­ver­ord­nung auf, wird aber unter bestimm­ten Voraus­set­zun­gen von der Berufs­ge­nos­sen­schaft „wie“ eine Berufs­krank­heit aner­kannt und entschä­digt.
Die Rich­ter stütz­ten sich bei ihrer Entschei­dung auf wissen­schaft­li­che Studien, wonach Arbeit unter pral­ler Sonne nach­weis­lich das Haut­krebs­ri­siko erhöht. Als Folge beschäf­tigte sich der zustän­dige ärzt­li­che Sach­ver­stän­di­gen­rat beim Bundes­mi­nis­te­rium für Arbeit und Sozia­les mit dem Thema. Und seit 2015 ist der helle Haut­krebs und seine Vorstu­fen – also das Plat­ten­epi­thel­kar­zi­nom, die multi­plen akti­ni­schen Kera­to­sen und das Bowen­kar­zi­nom – als Berufs­krank­heit aner­kannt.
Diese Aner­ken­nung ist nicht nur für die rund 2,5 Millio­nen Beschäf­tig­ten wich­tig, die laut Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin (BAuA) über­wie­gend oder teil­weise im Freien tätig sind. Sie nimmt auch die Unter­neh­men – zusätz­lich zum Arbeits­schutz­ge­setz, der Fürsor­ge­pflicht und der Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung – beim Thema UV-Schutz verstärkt in die Pflicht.

Tech­ni­sche Maßnah­men möglich

Bei der Über­le­gung, welche Präven­ti­ons­maß­nah­men Vorrang haben und welche über­haupt möglich und sinn­voll sind, empfeh­len Exper­ten, sich am soge­nann­ten S‑T-O-P-Prinzip zu orien­tie­ren:
  • Sonne meiden (S) hat Prio­ri­tät, darauf folgen
  • tech­ni­sche (T)
  • orga­ni­sa­to­ri­sche (O) und
  • persön­li­che ℗ Maßnah­men.
Das Meiden von Sonne dürfte für soge­nannte Frei­luft­be­schäf­tigte kaum möglich sein – das brin­gen die Berufe nunmal so mit sich. Bei den tech­ni­schen Maßnah­men, die als nächs­tes genutzt werden sollen, ist der Spiel­raum hinge­gen schon größer.
Darun­ter fallen beispiels­weise
  • fixe Über­da­chun­gen für stän­dige Arbeits­plätze im Freien
  • UV-absorbierende Abde­ckun­gen
  • UV-absorbierende Fens­ter
  • klima­ti­sierte Fahrer­ka­bi­nen bei Fahr­zeu­gen.
Aber auch provi­so­ri­sche Unter­stell­mög­lich­kei­ten oder Sonnen­se­gel für Pausen­zei­ten oder mobile Arbeits­plätze können geeig­nete tech­ni­sche Maßnah­men zum UV-Schutz sein.

Haut­krebs­ri­siko: Gefah­ren noch verharm­lost

Bei den orga­ni­sa­to­ri­schen Schutz­maß­nah­men ist es zunächst wich­tig, die Beschäf­tig­ten über mögli­che Gefah­ren durch die Sonnen­strah­lung und über Schutz­maß­nah­men zu infor­mie­ren – zum einen wird die Sonne als Problem häufig noch nicht ange­mes­sen wahr­ge­nom­men oder aber verharm­lost, zum ande­ren laufen Präven­ti­ons­maß­nah­men ins Leere, wenn die Beschäf­tig­ten sie nicht akzep­tie­ren und ange­wen­den.
Weitere mögli­che orga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­men sind
  • ein frühe­rer Arbeits­be­ginn
  • vorbe­rei­tende Arbei­ten und Pausen im Schat­ten
  • das Verle­gen körper­lich anstren­gen­der Arbei­ten in die weni­ger sonnen­in­ten­si­ven und damit kühle­ren Morgen­stun­den
  • der Verzicht auf Über­stun­den bei hohem UV-Index.
Außer­dem sollte, wenn möglich, der Arbeits­rhyth­mus den erschwer­ten Bedin­gun­gen ange­passt und durch kluge Arbeits­pla­nung die Sonnen­ex­po­si­tion mini­miert werden. Geeig­nete Getränke im direk­ten Arbeits­um­feld sind eben­falls hilf­reich.

Körper und Kopf bede­cken

Letz­tes Mittel gegen UV-Strahlung bei Arbei­ten im Freien ist die persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung. Darun­ter fallen vor allem geeig­nete Klei­dung und entspre­chende Kopf­be­de­ckun­gen, denn lange Hosen und langär­me­lige Shirts, Hüte und Helme schüt­zen besser als jede Sonnen­creme. Ideale Stoffe sind aus Poly­es­ter, Nylon oder Seide, da sie eine engere Webstruk­tur haben als Baum­wolle, Viskose oder Leinen. Hinzu kommen Sonnen­schutz­bril­len mit UV-Filter zum Schutz vor Kata­rakt (Grauer Star). Wasser­feste Sonnen­schutz­cremes mit hohem Licht­schutz­fak­tor schüt­zen darüber hinaus die soge­nann­ten Sonnen­ter­ras­sen, an denen der weiße Haut­krebs sehr häufig auftritt: Nase, Ohren und Unter­lippe, aber auch Nacken und Hände.

Infor­ma­tio­nen

Der soge­nannte UV-Index hilft übri­gens dabei, die Sonnen­in­ten­si­tät besser einzu­schät­zen. Das Bundes­amt für Strah­len­schutz (BfS) betreibt zusam­men mit dem Umwelt­bun­des­amt (UBA), dem Deut­schen Wetter­dienst (DWD) und weite­ren asso­zi­ier­ten Insti­tu­tio­nen ein Mess­netz, das die boden­nahe solare UV-Strahlung in Deutsch­land konti­nu­ier­lich erfasst. Zwischen April und Septem­ber infor­miert das BfS jeden Montag, Mitt­woch und Frei­tag über die erwar­te­ten UV-Index-Werte für die kommen­den drei Tage; der UV-Newsletter mit den Progno­sen lässt sich per E‑Mail über die BfS-Homepage abon­nie­ren (www.bfs.de/uv-newsletter). Über die Ozon-Konzentration, die bei star­ker Sonnen­ein­strah­lung ansteigt und zum Beispiel das Bron­chi­al­sys­tem belas­ten kann, infor­miert online das UBA (www.umweltbundesamt.de unter „Daten“).
Anzeige
News­let­ter

Jetzt unse­ren News­let­ter abon­nie­ren

Meistgelesen

Jobs
Sicher­heits­be­auf­trag­ter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 8
Ausgabe
8.2020
ABO
Sicher­heits­in­ge­nieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 7
Ausgabe
7.2020
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de