Startseite » Sicherheitsingenieur » Am Körper getra­gene Maschi­nen

Fokus: Aktive Exoskelette

Am Körper getra­gene Maschi­nen

Anzeige
Was können moderne aktive Exoske­lette? Wo werden sie einge­setzt und wohin geht die Entwick­lung? Antwor­ten auf diese Fragen gibt Dr. Urs Schnei­der, Bereichs­lei­ter Medizin- und Biopro­duk­ti­ons­tech­nik am Fraunhofer-Institut für Produk­ti­ons­tech­nik und Auto­ma­ti­sie­rung.

Grund­sätz­lich sollen die am Körper getra­ge­nen Assis­tenz­sys­teme die physi­schen Belas­tun­gen am Arbeits­platz redu­zie­ren. „Über-Kopf- und Über-Schulter-Arbeiten – aber auch stati­sches Heben sowie Halten und Heben sind ergo­no­misch sehr ungüns­tig bewer­tet. Wenn sich trotz aller Tech­nik solche Arbei­ten nicht verhin­dern lassen, können Exoske­lette einge­setzt werden“, erläu­tert Dr. Urs Schnei­der. Vorran­gi­ges Ziel für deren Einsatz sei also, die Zahl der Arbeitsunfähigkeits-Tage durch Muskel-Skelett-Erkrankungen zu redu­zie­ren. Rela­tiv kosten­güns­tig sind passive Systeme.

Entlas­tung bei Lasten­hand­ha­bung

Eine Form des akti­ven Exoske­letts ist das „Stutt­gart Exo-Jacket 2.0“, das seine Träger bei der Hand­ha­bung von Lasten bis zu 20 kg unter­stützt. Es lässt sich aber auch bei Über­kopf­ar­bei­ten wie bei der Omni­bu­s­him­mel­mon­tage oder an schwer zugäng­li­chen Stel­len wie an PKW-Unterböden oder bei Über-Schulter-Arbeiten, etwa für Radkäs­ten, einset­zen – ebenso bei Monta­ge­schrit­ten, in denen das Auto nicht zum Werker rotiert werden kann. Die Tech­no­lo­gie wird aber nicht exklu­siv in der Automobil-Branche einge­setzt. Beschäf­tigte in der Haus­halts­in­dus­trie etwa werden eben­falls beim Polie­ren schwe­rer Koch­töpfe durch ein Exoske­lett unter­stützt.

Auch bei einem großen deut­schen Eisen­bahn­un­ter­neh­men ist die Tech­nik im Bereich „Service“ derzeit im Test. Weitere Einsatz­fel­der finden sich in der Produk­tion von Haus­ge­rä­ten und auf Flug­hä­fen. „Wenn die Unter­su­chun­gen posi­tiv verlau­fen, koppeln wir entspre­chende Produkte aus“, erklärt Dr. Urs Schnei­der. Dabei gilt es immer, den besten Leicht­bau mit dem leich­tes­ten Motor und dem stärks­ten Getriebe zu kombi­nie­ren. Für das „Stutt­gart Exo-Jacket 2.0“ läuft derzeit die EMV-Prüfung.

In den Kinder­schu­hen

Dr. Urs Schnei­der ist über­zeugt, dass die Entwick­lung der Exoske­lette noch in den Kinder­schu­hen steckt. „Wir müssen uns klar machen, dass wir etwa so weit sind, wie beim Auto­mo­bil im Jahr 1890“, sagt der Medi­zi­ner. Es gäbe zwar bereits kosten­güns­tige passive Lösun­gen, diese seien aber nicht funk­ti­ons­va­ria­bel. Das An- und Auszie­hen dauere noch lange – beson­ders in einem Notfall. „In fünf bis sieben Jahren sind wir sicher bedeu­tende Schritte weiter“, führt er aus.

Die Möglich­kei­ten cyber-physischer Systeme erwei­tern sich durch die Kommu­ni­ka­tion via WLAN. Ein Anwen­dungs­sze­na­rio ist etwa das Erken­nen von Ermü­dung des Mitar­bei­ters, um ihn früh­zei­tig zu entlas­ten. „Vor dem Hinter­grund der demo­gra­fi­schen Entwick­lung geht es darum, die Menschen tech­nisch gestützt möglichst lange in der Produk­tion zu halten“, führt Dr. Urs Schnei­der aus.

Auch kommu­ni­zie­rende Exoske­lette sind im Kommen. Der Medi­zi­ner berich­tet: „Damit kann ich zum Beispiel von München aus meinem Kolle­gen in China ganz konkret den rich­ti­gen Bewe­gungs­ab­lauf beibrin­gen.“ Dieser Bereich des „körper­li­chen Lernens“ werde ange­sichts des Wunsches nach kurzen Schu­lungs­zei­ten immer gefrag­ter.


Autorin:
Dipl.-Ing. Andrea Stickel

Jour­na­lis­tin für Tech­nik und
Wissen­schaft (BJV)

andrea@stickel-online.net

Foto: © Rolf Schür­mann
Anzeige

News­let­ter

Jetzt unse­ren News­let­ter abon­nie­ren

Meistgelesen

Lexikon der Unfallversicherung

Asbest

Jobs

Sicher­heits­be­auf­trag­ter

Titelbild Sicherheitsbeauftragter 12
Ausgabe
12.2019
ABO

Sicher­heits­in­ge­nieur

Titelbild Sicherheitsingenieur 11
Ausgabe
11.2019
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de