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Arbeitsschutz in Zeiten des Wandels

Schlusslicht-Debatte
Arbeitsschutz in Zeiten des Wandels

Einen Blick von außen auf den deutschen Arbeitsschutz verlangt neben den ILO-Übereinkommen vor allem die Europäische Sozialcharta (ESC). Foto: © Christian Schwier – stock.adobe.com
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Die Gesund­heit eines jeden Einzel­nen ist ein hohes Gut, dass nach besten Möglichkeit­en zu schützen ist. Diese Zielset­zung für den Arbeitss­chutz in Deutsch­land gilt für alle betrieblichen und über­be­trieblichen Akteure. Über viele Jahre kon­nte die Anzahl der Ver­let­zten und Getöteten kon­tinuier­lich reduziert wer­den. Dies zeigt, dass unser Sys­tem tragfähig ist. Es bedarf aber ein­er Weit­er­en­twick­lung, um für die sich wan­del­nden Her­aus­forderun­gen gerüstet zu sein. Aktuelle Her­aus­forderun­gen sind die immer kom­plex­er wer­den­den Ver­hält­nisse der Indus­trieprozesse, aber auch die Organ­i­sa­tion­sstruk­tur in den größeren Unternehmen sowie die effiziente Umset­zung in den kleinen und mit­tleren Betrieben.

In diesem Umfeld muss die Fachkraft für Arbeitssicher­heit (Sifa) sowie die anderen Akteure im Arbeitss­chutz als Prozess­be­gleit­er ihre Posi­tion find­en und von Beginn an wahrnehmen. In der Rolle eines Man­agers für Sicher­heit und Gesund­heit, der auch die Aspek­te des Umweltschutzes berück­sichtigt, kann dies in geeigneter Form gebün­delt wer­den. Unternehmen, die die Sifa extern verpflicht­en, benöti­gen eben­falls eine sachgerechte Begleitung sowie fach­liche Beratung. Hier hil­ft in vie­len Fällen die Ein­nahme ein­er Mod­er­a­toren­funk­tion (ein zen­traler Ansprech­part­ner für den Unternehmer), um die unter­schiedlichen Beratungskom­pe­ten­zen zu bün­deln und zu steuern. In allen Fällen ist die auf das Unternehmen bezo­gene Beratung der Schlüs­sel zum Erfolg, denn nur so lassen sich eine hin­re­ichende Sicher­heit und ein Mehrw­ert für das Unternehmen erzeu­gen. Diese unternehmens­be­zo­gene Beratung muss auf Augen­höhe mit allen beteiligten Part­nern erfol­gen und dem Unternehmer die Möglichkeit zu ein­er sachgerecht­en Entschei­dung geben. Diese Beratung ist von dem Unternehmer (Leit­er des Betriebes) einzu­fordern, da die umfassende Ver­ant­wor­tung bei ihm liegt. Ein zu spätes Ein­binden der fach­lichen Berater würde zu unüber­schaubaren Kosten und Verzögerun­gen führen.

Der Schutz von Men­schen und Gütern im Sinne des Arbeits- und Gesund­heitss­chutzes ist auch bei Randbe­din­gun­gen zu gewährleis­ten, bei denen es auf­grund der vielfälti­gen tech­nol­o­gisch-gesellschaftlichen Verän­derung­sprozesse nicht mehr zweck­mäßig ist, nor­ma­tive oder reg­u­la­torische Detail­regelun­gen festzule­gen, son­dern abstrak­te Schutzzielvor­gaben zu erfüllen. Um dies zu erre­ichen, ist es notwendig, das Instru­ment der Gefährdungs­beurteilung flächen­deck­end anzuwen­den, zu schär­fen und im Sinne eines kon­tinuier­lichen Verbesserung­sprozess­es zum Nutzen des Unternehmens zu ver­ste­hen und dauer­haft zu etablieren.

Die poli­tisch gewoll­ten und vom VDSI stark kri­tisierten Dereg­ulierungsak­tiv­itäten der 1990er Jahre, in deren Folge unter anderem die Überwachung mas­siv abge­baut wurde, hat­te diese Rah­menbe­din­gun­gen nicht im Fokus und auch keine Antworten für die tech­nol­o­gisch-gesellschaftlichen Verän­derung­sprozesse geboten. Richtig wären hinge­gen gewe­sen auf der Seite der Berater, in erster Lin­ie Betrieb­sarzt und Fachkraft für Arbeitssicher­heit, betrieb­sadäquat aus­ge­bildete Spezial­is­ten und auf der behördlichen Seite Part­ner in geeigneter Anzahl und mit passender Qual­i­fizierung. Das heißt ander­er­seits keine Aus­dün­nung beziehungsweise Zer­schla­gung des Auf­sichts­di­en­stes.

Alle Akteure sind verpflichtet, ihre Ver­ant­wor­tung wahrzunehmen. Dazu gehört auch, dass die Unternehmer entsprechende Beratungsleis­tun­gen nutzen, soweit sie nicht selb­st in der Lage sind, die kom­plex­en Arbeitss­chutzan­forderun­gen fach­lich zu beurteilen. Es beste­ht beispiel­sweise bei der Umset­zung der Gefährdungs­beurteilung in vie­len Betrieben Nach­holbe­darf. Dies zu verdeut­lichen und verbindlich einzu­fordern ist Auf­gabe der staatlichen Auf­sicht sowie der Beruf­sgenossen­schaften und Unfal­lver­sicherungsträger der öffentlichen Hand.

Unternehmen, die den Schutz der Arbei­t­en­den nicht ernst nehmen und den Arbeits- und Gesund­heitss­chutz nicht in ihr täglich­es Tun ein­beziehen, muss in geeigneter Form deut­lich gemacht wer­den, dass dies auch gesellschaftlich nicht akzep­tiert wer­den kann. Hier ist neben ein­er aktiv­en Auf­sicht auch der gesellschaftliche Kon­sens gefordert, denn jed­er tödliche oder schwere Unfall ist ein Unfall zu viel.

Unternehmen, die Arbeits- und Gesund­heitss­chutz in die Unternehmen­spoli­tik erfol­gre­ich inte­gri­eren – und dazu gehört auch die Ein­beziehung der inner­be­trieblichen Akteure wie Betrieb­sarzt und Fachkraft für Arbeitssicher­heit – sind in der Regel nicht nur in punc­to Mitar­beit­erge­sund­heit und ‑sicher­heit bess­er, son­dern haben auch ein Plus an Mitar­beit­erzufrieden­heit und wirtschaftlichem Erfolg.

Eine weit­erge­hende Beschrei­bung der Rolle der Fachkraft für Arbeitssicher­heit in der sich wan­del­nden Gesellschaft und den Stand­punkt des VDSI find­en Sie unter

www.vdsi.de


Autor: Michael Kloth

Vor­stand Ressort Sicher­heit im VDSI –
Ver­band für Sicher­heit und Gesund­heit und Umweltschutz bei der Arbeit e. V.

m.kloth@vdsi.de

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