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EU-OSHA-Kampagne zu gefährlichen Substanzen

EU-OSHA-Kampagne zu gefährlichen Substanzen
Auf dem Weg zur Kultur der Risi­ko­prä­ven­tion

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Gefahr­stoffe stel­len nach wie vor ein großes Problem für Arbeit­neh­mer dar. Das Ausmaß der Expo­si­tion und die damit verbun­de­nen Risi­ken werden jedoch oft unter­schätzt oder igno­riert. Mit der 2018 gestar­te­ten Kampa­gne „Gesunde Arbeits­plätze – Gefähr­li­che Substan­zen erken­nen und hand­ha­ben“ will die Euro­päi­sche Agen­tur für Sicher­heit und Gesund­heits­schutz am Arbeits­platz (EU-OSHA) für diese Gefähr­dun­gen sensi­bi­li­sie­ren – was wurde bisher erreicht?

Die Arbeit mit Gefahr­stof­fen kann ganz unter­schied­li­che gesund­heit­li­che Probleme hervor­ru­fen, von leich­ten Augen- und Haut­rei­zun­gen bis hin zu schwer­wie­gen­den Folgen wie Krebs­er­kran­kun­gen. Die Zahlen spre­chen für sich: Jähr­lich entwi­ckeln in der Euro­päi­schen Union (EU) etwa 120.000 Menschen Krebs, der auf berufs­be­dingte Expo­si­tion zurück­zu­füh­ren ist und zu etwa 80.000 Todes­fäl­len führt. Darüber hinaus scheint sich diese Situa­tion nicht zu verbes­sern, die Zahlen sind in den letz­ten zwei Jahr­zehn­ten rela­tiv unver­än­dert geblie­ben.

Zusam­men mit Part­nern auf euro­päi­scher und natio­na­ler Ebene, darun­ter ein euro­pa­wei­tes drei­glied­ri­ges Focal Point Netz­werk aus Regie­run­gen sowie Arbeitnehmer- und Arbeit­ge­ber­ver­tre­tern, strebt die EU-OSHA eine Verän­de­rung konkret am Arbeits­platz an, und zwar nicht nur durch ein besse­res Verständ­nis der Risi­ken, sondern auch durch die Bereit­stel­lung von Instru­men­ten und Anlei­tun­gen zum Risi­ko­ma­nage­ment. Die Daten­bank (siehe „Link­tipps“) mit mehr als 600 prak­ti­schen Instru­men­ten und Infor­ma­tio­nen hat zum Ziel, das Bewusst­sein zu schär­fen und Beispiele guter prak­ti­scher Lösun­gen zu liefern. Dabei legt die EU-OSHA beson­de­res Augen­merk auf Kleinst-und Klein­un­ter­neh­men und haben auch aus diesem Grund ein inter­ak­ti­ves E‑Tool (siehe „Link­tipps“) entwi­ckelt, um diesen Unter­neh­men einen leich­te­ren und effi­zi­en­te­ren Umgang mit gefähr­li­chen Substan­zen zu ermög­li­chen.

Die EU-Richtlinie über chemi­sche Arbeits­stoffe empfiehlt die Beach­tung einer Hier­ar­chie oder „Rang­ord­nung“ der Kontroll­maß­nah­men zur Präven­tion oder Redu­zie­rung der Expo­si­tion gegen­über gefähr­li­chen Substan­zen:

  • S = Substi­tu­tion: voll­stän­dige Besei­ti­gung der gefähr­li­chen Substanz oder Substi­tu­tion durch eine siche­rere Alter­na­tive;
  • T = tech­no­lo­gi­sche Maßnah­men: Mini­mie­rung der Konzen­tra­tion der gefähr­li­chen Substanz im Expo­si­ti­ons­be­reich;
  • O = orga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­men: Mini­mie­rung der Anzahl der expo­nier­ten Arbeit­neh­mer und/oder der Dauer und Inten­si­tät der Expo­si­tion;
  • P = persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung: Tragen von Schutz­klei­dung oder ‑ausrüs­tung wie Bril­len und Hand­schu­hen als Schutz gegen­über der Expo­si­tion.

Die beste Möglich­keit zur Vermin­de­rung dieser Risi­ken ist die Besei­ti­gung oder die Substi­tu­tion – das Entfer­nen der Substanz durch Ände­rung des Verfah­rens oder Produkts, in dem sie verwen­det wird, oder das Erset­zen durch eine weni­ger gefähr­li­che Substanz. Die Substi­tu­tion ist ein schritt­wei­ser Prozess – eine umfas­sende Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung ist ein wesent­li­cher Schritt dabei. Geschäfts­lei­tung und Arbei­ter­neh­mer können, wenn sie zusam­men­ar­bei­ten, eine starke Kultur der Risi­ko­prä­ven­tion schaf­fen, in der Substi­tu­tion Teil der Präventions- und Schutz­rou­ti­nen ist.

Im ersten Kampa­gnen­jahr orga­ni­sierte die EU-OSHA über hundert Veran­stal­tun­gen in ganz Europa mit über 11.000 Teil­neh­mern und verbrei­tete eine Fülle von Kampa­gnen­ma­te­ria­lien über ihre mehr­spra­chige Website https://osha.europa.eu, die in 25 EU-Sprachen verfüg­bar ist. Auch während der bevor­ste­hen­den Euro­päi­schen Woche für Sicher­heit und Gesund­heits­schutz am Arbeits­platz (21. bis 25. Okto­ber 2019) werden wieder zahl­rei­che Konfe­ren­zen, Ausstel­lun­gen, Wett­be­werbe und Schu­lun­gen statt­fin­den. Den Abschluss der Kampa­gne bildet dann ein Gipfel­tref­fen in Bilbao Mitte Novem­ber 2019, bei dem auch die Verlei­hung der Good Prac­tice Awards statt­fin­det.

Schwer­punkt der nächs­ten Kampa­gne (2020 bis 2022) wird die Präven­tion arbeits­be­ding­ter Muskel- und Skelet­ter­kran­kun­gen sein.

1 Bei der ESENER-2-Umfrage gaben 43 Prozent der deut­schen Unter­neh­men an, dass an ihren Arbeits­plät­zen chemi­sche oder biolo­gi­sche Substan­zen verwen­det werden. https://osha.europa.eu/de/surveys-and-statistics-osh/esener


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